Vollkommenheit

Quelle: Pinterest
Auf ausgetretenen Wegen suchte ich Vollkommenheit,
verzweigten sich, wie altes Wurzelwerk, ins Irgendwo;
vom Sturm zerfetzt, verloren war‘s im Halt der Zeit,
und manchmal führten sie im Kreis ins Nirgendwo. 

Doch etwas fehlte - wie ein Band die Fässer hält,
mit Druck ums Holz gepresst, um innen reif zu werden,
schien mir dies Leben sinnlos, Bürde war die Welt,
kein Ort, um Wein zu werden, hier auf Erden. 

Genügsam war’s Bescheidenheit zu üben – 
ich schätzte sie gering, die Dürftigkeit der Welt.
Die Missgeschicke, die mein Dasein trübten,
sah ich von ‚meinem Turm‘ - den Blick entstellt. 

Erblickte ich doch nur mein eignes Bild im Spiegel,
das um sich selbst gedreht, die Wahrheit beugte.
Benommen war ich, Augen öffnend, wie ein Siegel,
brach ich den neuen Plan, der andre Wege zeigte. 

Einst wird das Schicksal uns die Dinge nehmen,
die wir entwinden müssen Stück für Stück.
Wir werden uns nach einem neuen Turme sehnen
und dort die Stufen steigen bis zum Glück. 

Auf jeder Stufe müssen wir entbehren, 
was uns das Erdenleben gab, mit jedem Schritt;
wir werden Himmel spüren schon auf Erden,
und in der Seele wissen: ER geht mit. 

Osterzeiten

Foto: Gisela Seidel
Ein letzter Tag in bunten Osterzeiten,
der, wie so manch ein and‘rer Tag verging,
gleich einem Bogenstrich, auf alten Saiten,
bereit zum Sprung, ein wundgescheuert‘ Ding. 

Gefärbte Eier, wie an Kindertagen -
niemand, der lacht und strahlt vor Glück.
Allein bleib ich mit all‘ den vielen Fragen,
nach denen, die aus meiner Welt entrückt.

Doch redsam ist die Stille in den Wänden,
gibt mir ihr Geist, der immer noch bei mir,
die Antwort in mein Herz: „Es wird nie enden!
Bist du bei mir, so bin ich auch bei dir.“  

In dieser Hoffnung werd‘ ich wieder Eier färben, 
werd‘ denken an vergang’ne Ostertage;
trübe Gedanken sollen nicht verderben,
was ich in all‘ der Zeit erfahren habe. 
Ich (Ostern 1957 + 1958)

Krieg und Frieden

Bild von Rosy auf Pixabay
Die Folge aller Kämpfe ist der Friede!
In jedem Krieg ist er das edle Ziel,
gleich einer Pflanze, die in neuen Trieben,
der Art entsprechend, Früchte tragen will.

Um sich in Fülle zu entfalten,
wächst sie, bedeckt mit zarten Blüten,
der ihres Wachstums Mühen galten,
um neu bestäubt die Frucht zu hüten. 

Auch unser Leben sei ein Wollen;
ein zielbewusstes Höherstreben,
und wenn wir schöpfen aus dem Vollen,
ein dankbar Nehmen oder Geben.

Im Leben ist ein Kampf enthalten,
im streitenden Gedankenheere,
wenn sich in uns zwei Lager spalten.
Befreit sie aus des Kampfes Schwere!

Denn allen Kämpfen folgt der Friede
und man verbindet alte Wunden,
beweint die nie erreichten Ziele,
verloren sind sie - längst verschwunden.

Kleine Meditation – Ein Versuch

Zum ersten Mal ist meine Stimme zu hören. Es ist mir gelungen, diese kleine MP3-Meditation hochzuladen, die ich vor zig Jahren geschrieben habe. Der Klang ist nicht optimal, aber mit Mikrofon des Android-Handys geht es nicht besser. Ich musste das Format konvertieren.

Frage: Ist meine Stimme ‚bühnenreif‘ oder sollte ich lieber schweigen?
Ich bin gespannt auf Eure Reaktion!

Ton des Videos bitte leise stellen, sonst wird die Sprache übertönt.

Gottes Nähe

Quelle: Pinterest
Kämpfende sind wir hier auf Erden –
Sinnbild und Beispiel, erhoben im Bild.
Bleiben lebendiger Atem und wehren
allen Gefahren, mit Glauben im Schild. 

Da, wo die Bäume im Schutt leblos ragen,
machen wir hoffend den Mut uns zu eigen;
zwischen Zerstörung und anderen Plagen,
lassen wir Tauben des Friedens steigen. 

Stehen inmitten welkender Kränze
auf dem Friedhof des Lebens bereit,
und ferne Stimmen flüstern in Gänze:
„Wisst ihr denn nicht, dass ihr Gott nahe seid?“

Vergängliche Freude

Quelle: Pinterest
Vergänglich ist Begeisterung auf Erden,
sie rinnt wie Sand durch eine Uhr der Zeit.
Die Freude wird vergehen und Trauer werden,
wie Tod und Leben bis in Ewigkeit.

Das Glück im Leben, es ist kurz bemessen,
bald schmeckt es schal – ein fadenscheinig‘ Ding.
Hat nie die Dauerhaftigkeit besessen,
weil es am irdenen Faden Hoffnung hing. 

Die Welt ist Material, gemacht aus Leben;
gefüllt mit Seelen, die hier Fleisch geworden sind.
Doch jedes Inkarnieren wird sie quälen -
wenn sie das ‚andere Reich‘ verlassen, sind sie blind. 

Lasse die Kräfte frei, die dich hier binden,
dann bist du ungebunden frei in deinem Sein.
Nur so kann Freude dich auf ewig finden,
Himmel und Erde sich in dir vereinen.

Gerechtes Urteil

Quelle: Pinterest, Künstler unbekannt
Suche nicht in der Hektik der Welt,
die im Zeitlichen tilgt,
such‘ in deiner Seele das Himmelszelt,
wie ein ewiges Bild.

Gesetze Gottes sind fein balanciert
im vollkommenen Sein,
Strafe und Lohn aufs Kleinste tariert;
zählen im Urteil allein. 

Gewogen und zu leicht befunden –
die Wahrheit offenbart,
dass schlechte Taten nicht verschwunden
und kein Betrug, der narrt. 

Du siehst nur hier, die kurze Zeit,
beurteilst das Geschehen,
schaust du auf sie, die Ewigkeit, 
versuch‘ nicht zu verstehen.

Brech‘ deinen Stab nicht über sie,
dein Urteil ist zu schwach;
wenn‘s dir gelingt, dich selbst zu sehen, 
denk über andere nach.

Schulzeit

Ich, 5 Jahre alt (1958)
Vergangen ist, was längst dahin,
erinnerungstief verschlossen;
doch wird so oft, des Geistes Sinn,
mit Tränen übergossen. 

Man wühlt in allem, was geschehn,
sieht sich in Kinderjahren
mit anderen im Reigen drehn,
im Hof an Schülertagen.

Wo sich im steinig klaren Quell
der alte Brunnen füllte
und sich die Kinder an der Stell
den Durst mit Wasser stillten.

Als uns der Pausenhof verband
zum Fangenspiel und Lachen,
wo Kinder sich noch Hand in Hand
im Singspiel Freude machten. 

Das Butterbrot in Zellophan,
mit Milchgeld für die Klasse,
in Reih und Glied standen wir an,
vorm Eingang in der Masse.

Es war geordnet, ruhig und schön,
das bunte Schulhoftreiben;
respektvoll gar wurd‘ angesehen,
was Lehrer tun und schreiben.

Mittags, da war die Schule aus.
Mit Ranzen auf dem Rücken
gingen wir wohlgemut nach Haus,
den Weg in unseren Blicken.

Da war kein Auto, kein Verkehr,
nur unser heimwärts gehen.
Heut‘ wird bestimmt, vom Handy her,
der Blick in’s Zeitgeschehen. 
Schulspaziergang – Albert Anker (1831-1910)

Licht der Leidenschaft

Vladimir Kush (1965*)
Ein langer Weg liegt hinter mir,
ein Weg, der heißt „Geduldigkeit“.
Es öffnete sich manche Tür,
dahinter, Einsamkeit und Leid.

Doch manchmal, steigend, Schicht um Schicht,
wurd‘ ich hindurchgetragen;
ich sah zum ersten Mal das Licht,
verstand des Geistes Sagen. 

Ich wuchs an allem, was mir ward,
aus Dunkelheit getrieben.
Mit jedem Frost reglos erstarrt,
gab Hoffnung mir den Frieden.

Verwandelt hat mich höh're Kraft,
trotz Gegensätze der Natur.
Ich folg‘ dem Licht der Leidenschaft,
den Ursprung fühlend auf der Spur. 

Kommt bald die Stunde, die mich fällt,
werd‘ ich den Elementen dienen,
bleib‘ ich Gedicht in dieser Welt,
dem, der mich wachsen ließ in ihnen. 

Über die Taufe

Die Taufe – Hans-Georg Leiendecker


Uralt ist die Taufe als Weihung zu höheren Stufen der Erkenntnis, d. h. zur Erweiterung des Bewusstseins. Sie hat ihren Ursprung im ägyptischen Altertum und wurde von dort an die Semiten und Hellenen weitergegeben und von ihnen fortgeführt. Dort wurde die Taufe lange vor Christi Geburt praktiziert und diente als erforderliche Reinwaschung zur Läuterung und Erhöhung.

Sie wurde auch in Kreisen Jesus an Erwachsenen vollzogen. Jesus ließ sich erst als Mann taufen (Mat 3,13), bei Antritt seines Lehramtes. Er verordnete auch im gleichen Sinn, dass seine Jünger die Täuflinge vor der Taufe belehren sollten. (Mat 28,19) Diese Tatsache schließt die Kindertaufe unbedingt aus.

Erst viele Jahrhunderte nach Jesus Tod, als man die Bekehrung beschleunigte und die Zahl der Christen schnellstens steigern wollte, taufte man die Säuglinge direkt nach der Geburt, lange bevor sie den Glaubensinhalt kennen konnten.

Auch machte die kath. Kirche die Kindstaufe zu einem Schutzmittel gegen den Teufel, dem vom Ursprung her jeder Mensch verfallen sei. Als ein Arbeitskollege vor Jahren die Totgeburt eines Kindes beklagte, berichtete er völlig fassungslos, ein Priester sei zu seiner Frau ins Krankenzimmer gekommen und hätte darauf hingewiesen, dass das totgeborene Kind getauft werden soll, damit es nicht in die Hölle kommt. Der „Limbus“ (der Vorhof der Hölle) wird in der Tradition der kath. Kirche immer noch als Ort für die Seelen ungetauft gestorbener Kinder angesehen.

Die im Christentum gebräuchliche Kindertaufe steht demnach im Widerspruch zur Lehre Jesu, welche jeder Christ höher schätzen sollte, als die Meinungen der Priester.

Bei Jesus und im Urchristentum gab es keine Mitgliedschaft, geschweige denn eine Heilsnotwendigkeit einer Wassertaufe. Auch Jesus lehrte sie nicht. Wenn Jesus von Taufe sprach, meinte er die Taufe mit dem Heiligen Geist.

Dementgegen taufen hier alle Kirchen auf einen angeblich ‚dreieinigen‘ Gott, der von der katholischen Kirche auf dem Konzil von Nizäa im Jahr 325 zum Dogma erhoben wurde. Damit hatte Jesus nichts zu tun.

Jesus von Nazareth nennt Gott „Seinen Vater“ oder „Unseren Vater“, der größer ist als alles (Joh 10,29), auch größer als er, Jesus selbst (Joh 14,28). Dies ist von Bedeutung. Jesus, der Christus wies sogar die Anrede ‚großer Meister‘ zurück. Er sagte auch: „Was nennst du mich gut? Niemand ist gut, als Gott alleine.“ (Luk 18,19) Und er, Jesus, sei von diesem Vater ‚ausgegangen‘. (Joh 16,28). Auch, wenn er aussagte, er sei ‚Eins‘ mit dem Vater, dann bedeutet das nicht, dass er im Sinne des Kirchendogmas eine zweite Gottes-Person einer angeblichen ‚Dreieinigkeit‘ ist.

Jesus, der Christus spricht hier als Kind, der in Verbindung und Einheit mit seinem ‚himmlischen Vater‘ lebt.

Das Neue Testament beschreibt in der Überlieferung Jesus von Nazareth als Gottes- und Menschensohn, der in seinem Inneren mit Gott geeint ist. In ihm, dem Menschen Jesus, ist das Geistwesen Christus inkarniert. In der geistigen Welt, dem Reich Gottes, ist Christus tatsächlich der Sohn des Schöpfergottes.