Ein Sonntag am streng katholischen Niederrhein um 1900

Gekürzter Auszug aus meinem autobiografischen Roman über Henriette Brey (1875-1953)
Familienbild in Geldern-Kapellen – Henriette Brey an der Hand ihrer Mutter

Hoch über den Baumwipfeln schaute der alte Kirchturm über die Gärten hinweg. Die von Linden umstandene Sankt-Georgs-Kirche, die nur wenige Schritte von unserem Haus entfernt lag, war unser tägliches Ziel. Nach Einsetzen des anfänglich leisen Glockengeläuts, welches dann bis zur Messe umso lauter und eindringlicher wurde, machten wir uns auf den Weg zum Gotteshaus, wenn Mutter Zeit hatte, bereits am Morgen in der Frühe. Nur manchmal begleitete uns Vater zur Abendandacht, denn nur selten kam er von seiner Arbeit rechtzeitig nach Hause. Aber am heiligen Sonntag, wenn die Glocken noch feierlicher als sonst klangen, gingen wir alle gemeinsam in feinstem Sonntagsstaat zur Messe.

Foto: Udo Spelleken

Vater hatte seinen großen Schnurrbart extra gezwirbelt, sein weißer Hemdkragen blitzte unter dem dunklen Anzug hervor. Zu besonderen Anlässen trug er einen schwarzen Zylinderhut, der ansonsten eingeklappt in einer Hutschachtel auf dem Schrank lag. In der Frühe, wenn wir nach unserem Tischgebet gemeinsam gegessen hatten, holte Vater seine Pfeife hervor und polierte den Kupferbeschlag des Pfeifenkopfes aus Maserholz, bis er glänzte. Anschließend kramte er den dunklen Tabak aus seinem ledernen Tabaksbeutel hervor und begann die Pfeife für den Heimweg nach der Kirche aufs Sorgfältigste zu stopfen. Mutter trug ihr schwarzes Sonntagskleid, das am Hals mit Spitze eingefasst und mit einer Gemme verziert war, dazu eine kleine schwarze Spitzenhaube. Meist legte sie ihre Perlenkette an, ein Geschenk von Vater, welche sie sonst, neben weiteren Goldkettchen, in einem Kästchen im elterlichen Schlafzimmer aufbewahrte.

Wir Kinder wurden ebenso fein herausgeputzt. Jedes Mädchen trug über ihrem von Mutter selbstgenähten Sonntagskleidchen eine Schürze, die mit einem Rüschenbesatz an den Armen endete und auf dem Rücken zu einer großen Schleife gebunden wurde. Zöpfe wurden auf dem Kopf festgesteckt und mit Spangen und Bändchen verziert. Die Jungen waren brav gekämmt und liefen mit Pomade fixierten Scheiteln, gesittet und artig, in schwarzen Hosen und weißen Hemden direkt hinter Vater durchs Kirchenportal.

Das Kircheninnere blieb trotz der vielen Menschen kühl. Wir tauchten unsere Finger in das Weihwasserbecken und suchten, nachdem wir uns bekreuzigt und uns demütig mit einem angedeuteten Knicks vor dem Altar verbeugt hatten, eilig die noch leeren Plätze auf den alten Holzbänken auf. Dann begann der Organist, feierlich auf der Orgel zu spielen, und es folgte der sonntägliche Ablauf der heiligen Messe.

Der Priester führte fort: „Der allmächtige Gott erbarme sich euer. Er lasse euch die Sünden nach und führe euch zum ewigen Leben. Amen.“

Es folgte die immer gleichbleibende Liturgie. Als der Höhepunkt der heiligen Opferfeier nahte, wo Christus unsere irdischen Opfergaben in seinen eigenen Leib und sein eigenes Blut verwandelt und so sich selbst dem himmlischen Vater opfert, saß ich ganz still und blickte ehrfürchtig zu den Lichtstrahlen empor, die durch die bunten Kirchenfenster fielen.

Der Pfarrer hatte einmal zu mir gesagt: „Weißt du nicht, Kind, dass in dem Augenblick, wo das heilige Sakrament auf den Altar kommt, der Himmel droben sich öffnet und Christus herniedersteigt und ankommt, dass Engelheerscharen vom Himmel zur Erde schweben und den Altar umringen, wo das heilige Sakrament des Herrn ist und alle mit dem Heiligen Geiste erfüllt werden?“

Die Dichterin vom Niederrhein – Henriette Brey (1875-1953)

So harrten wir aus, andächtig und erwartungsvoll, bis uns der Pfarrer den Segen erteilte und in den Tag entließ. Und manchmal glaubte ich Christus gesehen zu haben oder meinte, dass Maria von der Ecke des Altares gelächelt hätte, als ich sie ansah. Dann hing ich noch lange nach der Messe meinen Gedanken nach und grübelte den ganzen Nachmittag.

Gleich nach der Kirche steckte Vater seine Pfeife an und begann ein bedächtiges Gespräch mit Bekannten. Man redete über das neue Pumpenhaus, die geplante Raiffeisengenossenschaft oder über Politik. Alle sahen in ihrem Sonntagsstaat so anders aus als sonst, mit ihren geschwärzten Stiefeln, gesteiften Hemden und rotbackigen Sonntagsgesichtern. Ich kannte sie alle, die treuherzigen, von der Arbeit gezeichneten Gesichter der Männer und Frauen, auf die der stille Sonntagsfriede seinen sänftigenden Widerschein warf. Die sittsamen jungen Mädchen, mit ihren messingbeschlagenen Gesangbüchern, gingen vorbei an den jungen Burschen, deren Gedanken wohl schon von der Predigt hinüberschweiften zum kühlen Bier, wo es in den Wirtshäusern „Zum goldenen Löwen“ oder im „Drei Kronenhof“ beim Frühschoppen lustig zuging. Die Wirtsleute konnten sich wahrlich nicht über ausbleibende Gäste beklagen, denn ihre Stammtische und Gaststuben waren sonntags immer gefüllt.

Kirchenmaler Heinrich Brey (1872-1960)

Mein Bruder freute sich auf den langen Sonntag ohne Schulbücher und Unterricht. Zwar war es uns nur erlaubt, in Hof und Garten zu spielen, wo doch ferne die Wiesen und Felder lachten, und es in der Morgensonne blitzte und flimmerte. Wie ein grünes Meer wogten die jungen Roggenfelder und lockten uns mit rotem Mohn und Rittersporn darin. Dort lag unsere weite Welt und sie gehörte uns, soweit es unser Blick erlaubte, mit allen Bäumen, Sträuchern und Vögeln, mit Wiesen und Feldern voller Windesrauschen und Blütenduft.

Wenn Mutter nach Hause kam, begann sie fettdurchwachsenes Schweinefleisch zu kochen und ihre besten Klöße zu machen, und abends gab es Eierkuchen. Das Dorf roch nach Braten und Apfelkompott. Dann war wirklich Sonntag! Ein holder Tag, an dem der Arme durch den Besitz eines zweiten Hemdes oder eines besseren Kleides an Selbstwertgefühl gewann und ihn ein Gefühl von Freiheit von den Mühen des Lebens zuversichtlich, heiter und lebenslustig machte.

Gedanke und Tat

von Ephides

Quelle: Pinterest

Das Tun liegt nicht in der Tat, denn sie ist nur die letzte Auswirkung des Tuns. Das Tun liegt auch nicht im Denken, denn die Gedanken sind die Zuleitungskanäle, die reines und getrübtes Wasser führen können.

Das Tun liegt jenseits des Werdenden und Gewordenem im Reich der Wirklichkeit. Dort seid ihr Mitwirker am Weltengeschick, dort fallen die Entscheidungen.

Auf Erden scheidet ihr die Taten in rechte und unrechte nach Rechtsbegriffen, die mit den Zeiten wechseln und damit beweisen, dass sie dem Reich der Auswirkung und nicht der Wirklichkeit angehören.

Die Menschen meinen die Welt verbessern zu können, wenn sie Taten erzwingen oder Taten unterdrücken. Aber sie setzen nur Gewalt gegen Gewalt, Irrtum gegen Irrtum.

Es will der Mensch den Frieden, aber er meint ihn erkämpfen zu müssen und bleibt damit auf dem Schauplatz des Kampfes und wundert sich, dass der Friede ihn flieht. Es sucht der Mensch einen Rastpunkt für seine Unrast, und sucht und sucht, und bleibt damit im Land der Rastlosigkeit und findet keine Stillung seiner Unrast.
Es quält den Menschen, dass seine Gedanken, die Zuleitungskanäle, getrübtes Wasser führen, und er müht sich, das Wasser zu klären, und müht sich vergeblich, weil immer neues trübes Wasser zufließt.

Es gibt nur eines: Die Quellen aufzusuchen und mit ihrem reinen Wasser die Kanäle zu speisen. Dann wird das reine Wasser das getrübte Wasser ersetzen. In den Frieden einzutauchen, aus den Quellen zu trinken und so gestärkt den Frieden auch im Land der Unrast zu behalten.

Sich den Quellen zu nähern und mit jedem Schritt eine neue Erkenntnis, ein tieferes Verstehen, eine größere Liebe erwerben.

Und die Ereignisse, die der Mensch nicht beherrschen konnte, als er im Reich der Auswirkung gegen sie kämpfte, werden sich wandeln und werden sich verändern, weil er sich gewandelt und verändert hat.

Das ist der Sinn des Heilands-Wortes: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, so wird euch dieses alles zufallen.“

Das Teuflische im Menschen

Albrecht Dürer 1471-1528 – Paradiesschlange

Es ist immer schwierig über Religionen zu reden, weil man niemandem zu nahe treten möchte. Mein Beitrag über Moses beinhaltete zwar einige Kritik, aber letztendlich gehört das Alte Testament zum Christentum. Die Bibel zeigt stets mehrfache Dimensionen. Man darf die Geschichten nicht nur als historische Ereignisse sehn, denn da wird man oft vergeblich Spuren suchen.

Es beginnt bei der Geschichte vom ‚Garten Eden‘. Menschen, Tiere und Pflanzen müssen nach den Naturgesetzen leben. Da der Mensch mit einem Verstand erschaffen wurde, mit dessen Hilfe er Bewusstsein erlangt, kann er sein Leben nach seinem Willen einrichten und von den ‚gesunden‘ Instinkten abweichen. Dieser ungesunde Selbstzweck bringt seinem Körper und seiner Seele Störungen und Krankheiten. Das ist die Macht der Ur-Schlange auf dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen im biblischen Paradies. Das Bild der Schlange wurde gewählt, weil sie der Materie, dem Erdboden, am nächsten ist.

Das bedeutet, dass Satan den Menschen über seinen Verstand beherrscht und über sein Bewusstsein in ihn eindringt. Ohne den Verstand wäre Satan ein unbewusstes Naturgesetz.

Quelle: Wikipedia

Aus den vier Elementen wurde das Weltall aufgebaut. Satan gilt als Herrscher über alles Materielle, also über die heute sogenannten Aggregatzustände, d. h. Erscheinung und Zustandsform, in der die Welt existiert. Jesus warnte seine Jünger nach letzten Abendmahl: „Gehen wir, es nähert sich der Herr dieser Welt.“ Damit meinte er Satan. Er ist das von Gott erschaffene Gesetz der Materie, die negative Aus-Wirkung, die auf den Missbrauch der Naturgesetze folgt. Er wird als ‚gefallener Engel‘ dargestellt, der die Menschen in Versuchung führt und straft. Ein Engel stellt immer eine unsichtbare Kraft dar, die dem Menschen hilft, sich gewisse Dinge bewusst zu machen.

Die Wissenschaft hat auch die indische Vedanta-Philisophie durchleuchtet, die schon vor Jahrtausenden behauptete, dass der Mensch vor Urzeiten androgyn gewesen sei wie die Engel. Dieses Wesen trug beide Geschlechter in sich. Sie waren Mann und Frau in einer Person = ein Mensch.

1. M, 27: „Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn; als Mann und Weib schuf er sie.“

Die Bibel sagt nichts anderes aus. Adam wird als Wesen dargestellt, das am Anfang beide Geschlechter in sich trug. Erst später bildete sich ein weibliches, eigenständiges Wesen aus ihm. Ähnlich wird diese Entwicklung auch seitens der Wissenschaft bestätigt; dieser Prozess hat sich wohl über Jahrmillionen hingezogen. Die biblische Geschichte der Erschaffung Eva’s aus der Rippe Adams ist lediglich eine Metapher.

Der Herr der Materie, Satan, hat demnach die zwei Geschlechter voneinander getrennt und Mann und Frau zu zwei selbstständigen Wesen gemacht, die sich fortpflanzen und die Welt bevölkern konnten.

Was letztendlich blieb, ist die Sehnsucht nach dem Eins-Sein, welches nach der Trennung nur noch in einem geschlechtlichen Akt für kurze Zeit vollzogen werden kann. Die Sehnsucht nach dem auf Erden unerreichbaren einzigen Ich bleibt, damit sich die Körper vereinigen, ohne innere Identität im Geiste.

Irgendwann muss der Mensch einsehen, dass die sexuelle Kraft trügerisch ist. Befriedigung empfindet er auf Dauer nie, kein Glück und keine Erfüllung. Und was geschieht, wenn er alt ist? Da bleibt nichts, wenn es mit der körperlichen Liebe nicht mehr klappt. Hatte der Mensch nicht ein ganzes Leben lang nach seiner ‚besseren Hälfte‘ gesucht? Sie sollte seine Ergänzung sein. Was gibt es auf dieser Welt?: den unbewussten Willen, sich zu vereinigen und das, was man „Liebe“ nennt. Bedingungslose Liebe kann der Mensch hier nicht erreichen, weil Satan dazwischen steht, das Gesetz der Materie.

Eine nur körperliche Erfahrung kann nicht wirklich befriedigen und selig machen. Der Mensch erinnert sich an seinen Ur-Zustand des Eins-Seins und sehnt sich danach zurück. Als er in den materiellen Körper hineingeboren wurde, ist er ‚aus dem Paradies gefallen‘.

Den Drang nach Einheit und wahrer Liebe kann der Mensch hier nur im Geiste verwirklichen. Auf diesem Weg wird er den Ausweg aus der Versklavung finden und die Form zurückverwandeln als geistige Kraft. Wenn wir die sexuelle Kraft wieder auf eine höhere Ebene erheben, ins Erhabene steigern und veredeln können, dann haben wir Satan mit seiner eigenen Kraft besiegt. Der Animus und die Anima sind im Geiste eins.

„Von der Gewalt die alle Wesen bindet,
befreit der Mensch sich, der sich überwindet!“

Johann Wolfgang von Goethe

Gedanken zum Tag der deutschen Einheit

Brandenburger Tor

Immanuel Kant formulierte für das Sittengesetz oder Vernunftgebot: „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.“ Jesus Christus sagte dies mit anderen Worten: „Ihr sollt den andern tun, was ihr wollt, dass man euch tue.“

Obwohl der Mensch frei geboren wird, legt man ihm sogleich, bedingt durch gesellschaftliche Normen, beschränkende Fesseln an. Alsdann erfolgt die Fütterung des „gemeinen“ Kleinkindes mit erzieherischem Einheitsbrei, und die Gesellschaft fordert mit strenger Stimme, pflichtbewusst und richtungsweisend: Tue dies und jenes lasse sein! Da gibt es Dinge, die erlaubt sind, weil sie dem Interesse und Geschmack der gesellschaftlichen Mehrzahl entsprechen. Andere wiederum sind verpönt und untersagt. Doch ist es ein steter Wandel, ein ständiges Ändern und Anpassen. Was heute akzeptiert und praktiziert wird, wird morgen vielleicht schon als schlecht entlarvt, verboten und abgeschafft.

Das kindliche, natürliche, den kosmischen Urgesetzen gehorchende Gemüt, das sich zu Beginn seiner Entwicklung noch alles Wahre und Schöne auszusprechen getraut, verbirgt mit fortschreitendem Alter das freie Wort hinter einer anpassungsfähigen Fassade der Höflichkeit, und die Gefühle geraten zusehends in die Dressur der Erwachsenenwelt. Schließlich versteckt der Heranwachsende seine wahre Natur hinter einem alltagstauglichen Pokergesicht, und er wird zwangsläufig ein „Mit-dem-Strom-Schwimmer“, der sich der jeweiligen Gesellschaftsform anpasst, um nicht in ein gesellschaftliches und wirtschaftliches „Aus“ zu geraten.

Zu allen Zeiten hieß es: Fressen oder gefressen werden! Ein „Sich-Beugen-müssen“, ein „Alles-Hinnehmen“ nimmt dem Menschen nicht nur Anmut und Würde, sondern lenkt sein Empfinden von Moral und Ethik möglicherweise auf falsche Gleise, weil sein Selbsterhaltungstrieb über den Dingen steht und hier das Wort: „Jeder ist sich selbst der Nächste“ zu gelten scheint.

Doch ist dies Augenverschließen nicht auch eine Art von Freiheitskampf, nämlich ein Kampf um die eigenen Vorteile? Rücksichtslos wird noch um den kleinsten Gewinn gerungen. Man heult mit den Wölfen, aus Angst, als Lamm erkannt zu werden und aus Furcht, alle lebenslang erkämpften Freiheiten mit einem Schlag einbüßen zu müssen. Man tut alles, um sein kleines Paradies nicht wieder zu verlieren; notfalls geht man dafür über Leichen. Das ist purer Egoismus, der nur dem Einzelnen Freiheiten schafft und andere benachteiligt! Um Vergünstigungen zu erreichen, wird spioniert, denunziert, verraten und devot geschmeichelt. So herrscht in einer Diktatur gesellschaftliche Unfreiheit, und Freiheit wird Privileg der Herrschenden. Aber auch im Kapitalismus herrscht die Freiheit des Stärkeren, was nicht unbedingt Freiheit für den Einzelnen bedeutet.

Oft dienen Grobheit, Gefühlsarmut, Verrohung und Skrupellosigkeit den Mitteln der Macht und der eigenen Bereicherung, womit der Ausübende wiederum die Freiheiten seiner Mitmenschen unterdrückt und einengt.

Frei den Aufenthaltsort bestimmen zu dürfen oder das Land, in dem man leben möchte, frei wählen zu können, ist auch heutzutage noch nicht möglich. Die Welt, wird von Menschen begrenzt und regiert. Die reiche Welt wird längst nicht allen zugänglich gemacht. Jeder Fremde wird genauestens registriert und durchleuchtet. Es wird sortiert, nach Herkunft und Einreisegründen. Den Industrieländern geht es gut, doch sie jammern und klagen. Wie wird sich der Ausländer fühlen, der mit ein paar fadenscheinigen Begründungen wieder in seine Armut zurückgeschickt wird?

Auch er hat ein Recht auf Nahrung und Arbeit, auf körperliche Unversehrtheit seiner Familie. Er sieht unsere vollen Teller und Schaufenster und wird sich fragen: „Warum gibt es das hier und nicht in meiner Heimat? Bin ich weniger wert, nur weil ich aus einer anderen Kultur stamme?“ Der Freiheitswunsch unserer ausländischen Mitmenschen, begründet sich nicht alleine im Wunsche nach Wohlstand. Die Ärmsten kommen zu uns, heimatlos, ihrer Wurzeln beraubt, geflohen vor Verfolgung, Folter und Terror, mit einer tiefen Sehnsucht nach einer friedvollen Existenz in ihren Herzen. Brauchen wir Landesgrenzen, wenn wir doch alle freie Weltbürger sind? Doch schon Otto von Bismarck meinte: „Freiheit ist ein Luxus, den sich nicht jedermann leisten kann.“

In seinen Don Karlos Briefen schrieb Friedrich von Schiller: „Die schönsten Träume von Freiheit werden im Kerker geträumt!“ Was würden wir tun, wenn der innere Ruf nach Freiheit täglich lauter und zwingender würde? Wenn die Seele rebelliert, sucht sie nach Möglichkeiten der Änderung und versucht auszubrechen! Was sich zunächst in einigen flüchtigen Gedanken oder wenigen dahingesagten Worten äußert, verlangt nach einer Umsetzung und Verwirklichung und rüttelt im tiefsten Innern die letzten Kraftreserven wach.

Maler: D.L. – Gefangener Freiheitskämpfer zur Zeit Napoleons 1806

Wann haben wir hierzulande zuletzt über Freiheit nachgedacht? Beim Fall der Mauer? Oder etwa beim täglichen Griff ins leere Portemonnaie, wenn wir die Reichen um ihr „finanzielles Freisein“ beneiden? Vielleicht wehte uns im Urlaub ein Hauch von Freiheit entgegen, und wir wandelten, losgelöst von der täglichen Pflicht, auf den Spuren eines legendären Abenteurers? Als Wanderer mittags zu entscheiden, wo abends geschlafen werden soll, könnte vielleicht ein kleines Stück Freiheit sein!?

Möglicherweise ist es die Wahlfreiheit gewesen, oder vielleicht die freie Partnerwahl über die wir zuletzt nachdachten? Eventuell genießen wir im Moment die Freiheit des Ungebundenseins oder die Entscheidungsfreiheit beim Autokauf? Aber, denken wir über derartige Selbstverständlichkeiten in unserem Lande überhaupt noch nach?

Freiheitsgedanken entwickeln sich meist nur unter dem Druck der Gegebenheiten. So entgeht Freiheit leicht unserer Aufmerksamkeit, weil wir ständig darin leben. Aber wird sie uns entzogen, entbehren wir sie aufs Schmerzlichste und wären sogar bereit, dafür zu sterben.

Original Plattencover

Was geschieht, wenn man von den gesellschaftlichen Normen abweicht und seine eigenen Vorstellungen vom Leben verwirklicht? Als in den wilden 60er und 70er Jahren die Jugend zwischen Protest und Konsum neue Wege suchte, um sich frei zu machen von alten Klischees und dem Spießertum den Rücken zukehrte, herrschte in Deutschland Aufruhr. Jung rebellierte gegen Alt, verurteilte verstaubte Weltanschauungen, Traditionen und Gesetze. Der Vietnamkrieg war nach der Weltwirtschaftskrise und beginnenden Arbeitslosigkeit wichtigstes Gesprächsthema dieser Zeit. Aber auch der neue Zulauf bei der rechtsradikalen NPD beängstigte die Bevölkerung und trieb besonders linksgerichtete Studentengruppen auf die Barrikaden. Man wollte sich frei machen von den ‚ewig Gestrigen’ und gelangte zu einem neuen politischen Bewusstsein.

Unter dem Leitgedanken „Gleichberechtigung und Frieden“ schlossen sich immer mehr Bürger einer in den USA neu begründeten Bewegung an. Der Hippiekult, welcher der prüden Gesellschaft mit Flowerpower eine extreme Form von Freiheit in sexueller Hinsicht vorlebte, wurde von der älteren Generation kopfschüttelnd abgelehnt und als drogenverklärte Spinnerei empfunden. Die Jugend widersetzte sich der alten Ordnung mit freier Liebe. Erstmals standen sich die Neuen Linken und die NPD kampfbereit gegenüber.

Der in den USA verpönte und bekämpfte Putschist von Kuba, Che Guevara, wurde zum Held der Jugend und stand als Symbol für Freiheit und Kampf gegen konservative Wertvorstellungen. Man verweigerte sich der neu entstandenen Konsumgesellschaft und nahm sich die Freiheit, Kleider- und Körperpflege zu vernachlässigen. Protest und Widerstand, provokante Haarlängen, Parka und Jeans. Es war eine Zeit der Demonstrationen, Studentenbewegungen, Kommunen und des Rock’n Roll, aber auch eine Zeit, die den Menschen, durch Umsturz des Alten, neue Perspektiven bot.

Ernesto „Che“ Guevara (1928-1967)

“Unser Volk braucht wie jedes andere seine innere Ordnung. […] Solche demokratische Ordnung braucht außerordentliche Geduld im Zuhören und außerordentliche Anstrengung, sich gegenseitig zu verstehen. Wir wollen mehr Demokratie wagen.“ verkündete Willy Brandt in seiner Regierungserklärung vom 28.10.1969 und öffnete der Freiheit damit weitere Türen.

Die Gesellschaft grenzt aus oder belächelt, verurteilt, richtet und verbietet. Wie auf einem Tribunal der Cäsaren entscheidet das Volk oder der Staat, mit dem Daumen nach unten oder oben, über Leben oder Tod, über Sein oder Nichtsein!

Als im Jahre 1933 in Deutschland die Nationalsozialisten regierten, brannten nicht nur die Bücher, die mit dem Makel des „undeutschen Geistes“ ausgesondert wurden, sondern auch die Herzen der im Deutschen Reiche unerwünschten Autorenschaft. Was geschah damals mit der Freiheit des Wortes? Die NS-Regierung übte Macht aus, besonders an den Wehrlosen, an denjenigen, die sie bereits mit dem Makel „Minderwertig“ abgestempelt hatte. Kritikern wurde so der „Mund gestopft“, Intellektuelle zum Schweigen gebracht. Jüdischen, aber auch christlich orientierten Schriftstellern wurde das Schreiben untersagt. Hitlers Angst vor der Gewalt des Wortes steigerte sich schließlich bis in den Wahn, Schillers „Wilhelm Tell“ könnte Auslöser für ein Attentat gegen ihn werden. Der Dichter der Freiheit passte nicht zum Diktat der Mächtigen von damals.

Das Volk jubelte, weil es sich Wohlstand und Arbeit erhoffte. Was anfänglich wie ein trügerisches Bild von Pfadfinderromantik mit Sonnenzeichen auf braunen Hemdsärmeln aussah, entwickelte sehr bald ein mörderisches Eigenleben. Da verstummte mit einem Male der Jubel und das Volk suchte unter Trümmern und Leichenbergen den Ausweg, zurück zu einer freiheitlich gestalteten Gesellschaftsstruktur. Nun erst konnte das Wort wieder frei sein und man kehrte zu alten Werten, wie Selbstständigkeit, Eigenständigkeit und zur autonomen Selbstbestimmung zurück.

Auch Goethe wusste zu seiner Zeit: „Das Gesetz nur kann uns Freiheit geben!“

Deutschland weitete die Flügel, wie ein gefangener Vogel, dem man die Käfigtüre öffnet und versuchte zu neuen Ufern zu fliegen. Doch der Flug dauerte nicht lange, denn er endete mit gebrochenem Flügel. Im Osten ließ man nicht nur Federn, sondern auch sein halbes Herz zurück. Wieder politische und persönliche Unfreiheit, erneute Autarkie, Staatswillkür und Unterdrückung für die Hälfte der deutschen Bevölkerung! Aber in unseren Wurzeln blieben wir verbunden. Die Macht des Blutes war stärker, als die Macht des Diktats!

Fotograf unbekannt, Fall der Berliner Mauer – Am Brandenburger Tor, Quelle: Wikipedia

Als sich endlich 1989 nach all den langen Jahren der Entbehrung die Mauer öffnete, schlug das Herz der Freiheit stärker als je zuvor in deutscher Brust. Wir waren vereint, doch nur durch Nächstenliebe werden wir auch unsere Herzen gänzlich und ohne Vorbehalt füreinander öffnen und Bedenken endgültig beiseiteschieben können. Frei machen von altem Ballast heißt, frei werden von entwicklungshemmenden Vorurteilen.

Die Welt verändert sich, wenn wir uns verändern! Die Welt liebt uns, wenn wir uns entscheiden, die Welt zu lieben! „Die Liebe ist das Kind der Freiheit, niemals das der Herrschaft!“ schrieb einst Erich Fromm.

Jede klar denkende Person weiß, dass Hitler den Holocaust, mit all den furchtbaren Geschehnissen, nicht alleine vollzogen hat. Ohne die Hilfe und Unterstützung von Tausenden von Menschen wären seine teuflischen Visionen nicht umsetzbar gewesen. Wenn viele vielleicht auch nicht seine Ansichten teilten, so konnten sie doch nicht die moralische Kraft zu einem „Nein“ aufbringen. Auch wenn wir nicht garantieren können, dass nie wieder ein Hitler geboren wird, so können wir doch eine freie Welt erschaffen, in der, selbst wenn ein weiterer „großer Führer“ auftauchte, so viel Liebe herrscht, dass ihm kaum jemand zuhören oder sich gar mit ihm verbünden würde. Letztendlich hängt es von unserem eigenen Willen ab, wie frei wir zukünftig sein werden und wohin die menschliche Entwicklung führen wird.

Die Heilung des Geistes ist die Rückkehr zur Liebe!
Mögen wir alle unseren Weg in eine bessere Zeit finden: Vom Schmerz zum Frieden, von der Angst zur Liebe, von der Hölle zum Himmel und von der Unfreiheit zur Freiheit. Schaffen wir uns ein neues, schlangenfreies Paradies, in dem Erkenntnis-Äpfel süß und nicht bitter schmecken.

Diesen Beitrag habe ich erneut eingestellt, weil es dazu aktuelle Gründe gibt. 
Ein wichtiger ist die Ehrung des NS-Kriegsverbrechers, Jaroslaw Hunka (98), der in der Waffen-SS diente.

Der Parlamentspräsident Rota hatte am vergangenen Freitag beim Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Parlament einen SS-Veteranen geehrt und benannte diesen als einen ukrainisch-kanadischen Kriegsveteranen, der für die Unabhängigkeit der Ukraine gegen Russland gekämpft habe. Hunka diente während des Zweiten Weltkrieges in einer Einheit der Waffen-SS, was Rota jedoch verschwieg. Der geehrte Hunka wurde mit tosendem Applaus von der Kammer geehrt. Nachdem Hunka’s Vergangenheit bekannt wurde, trat Rota zurück. 

Immer wieder reiten Menschen auf der gleichen Welle und sind auf ‚dem rechten Auge blind‘. Nach den Kriegsjahren in Deutschland wurden ‚Böcke zum Gärtner‘ gemacht und saßen in den Regierungen von Ost und West. 

2. Weltkrieg: Opfer deutscher Massenverbrechen im Kriegsverlauf ca. 13.000.000 Menschen,
Kriegstote der Heere und Zivilisten ca. 60 – 65.000.000 Menschen. 

Es macht mich fassungslos, dass es immer noch Menschen gibt, die die Gewalt verherrlichen und gewissen Parteien beitreten, welche die Macht der Gestrigen anstreben. Wehret den Anfängen! 

Himmelskönigin Natur

Quelle: Pinterest

Drei Aspekte des Lebens sind in ihr: Geburt, Leben und Tod. Sie herrscht über die drei Dimensionen des Raumes und ist Herrscherin über Weltall und das ganze Universum.

Als Königin des Himmels stellt sie den weiblichen Aspekt Gottes dar: die NATUR, deren Gesetze unveränderlich und unumstößlich sind. Sie ist Trägerin der großen Geheimnisse des Mysteriums, der Zeugung, durch das sich der Geist mit dem Stoff vereint und Göttliches zum Menschlichen werden lässt. Obwohl durch sie Myriaden von Lebewesen gezeugt und geboren werden, bleibt sie selbst die keusche Jungfrau, die von keinem männlichen Wesen berührt wurde.

Von der Natur hängt es ab, ob ein Geist sich in dieser materiellen Welt verkörpert und geboren wird und ob dieser Geist sich von der materiellen Welt löst und sein Körper stirbt. Hier auf Erden herrscht das Gesetz der Materie und der Geist muss dieses Gesetz anerkennen.

Die Himmelskönigin verkörpert das Ewig-Weibliche, die Mutter; in Reinheit und Keuschheit, eine umgewandelte sexuelle Kraft, die von ihr selbst als schöpferische Kraft angewandt wird. Sie bleibt keusch, aber in ihrem Reich, der Natur, verbindet sie die voneinander getrennten Geschlechter in ihrer materiellen Form und lässt sie in einem neuen Lebewesen wieder eins werden.

In allen großen Religionen findet man die Gestalt dieser himmlischen Frau, nur ihr Name ist in den Kulturen verschieden. Als Göttin Isis wurde sie von den Ur-Ägyptern verehrt, bei den Hindus ist sie die große Göttin Kali und in der christlichen Religion ist sie die Madonna. In der Offenbarung des Johannes erscheint sie als „ein großes Zeichen am Himmel; ein Weib mit der Sonne bekleidet, der Mond zu ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen“.

Das Gesetz der Natur bedeutet absolute Harmonie und Ausgeglichenheit. Die Königin beherrscht die drei Aspekte Gottes, den schöpferischen, den erhaltenden und den zerstörerischen Aspekt. Das sind die drei Dimensionen des Raumes: Länge, Breite und Höhe; die drei Aspekte der Zeit: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; die drei Aspekte des irdischen Lebens: Geburt, Leben und Tod; und die drei Welten: Himmel, Erde und Hölle.

Irgendwann wird sich der Mensch bewusst, dass all diese Aspekte nur seine irdische Person betreffen. Dann wird er nur Ewigkeit und ewiges Leben kennen und absolute Gegenwart. Dann versteht er auch, dass Himmel, Erde und Hölle drei Bewusstseinszustände sind und er, je nachdem, mit welcher Ebene er sich identifiziert, glücklich oder unglücklich ist. Auf der Erde hat er Freuden und Leiden erlebt, beide sind vergänglich. Triebgesteuert kann er Sklave seines Körpers sein; dann verliert er sich selbst und stürzt dadurch verzweifelt in die Hölle.

Im Leben geht es darum, die Natur – die Himmelskönigin zu verstehen und ihre gut verstandenen Wahrheiten zu verwirklichen. Richtig ist, seinen Körper wie einen Tempel zu betrachten. Man sollte ihn nicht vernachlässigen, im Gegenteil. Man sollte Selbstbeherrschung üben und eine vernünftige Lebensweise anstreben. Nicht Körper, sondern Geist, sein Selbst, das immer im Jenseits war und bleibt, sollte in seinem materiellen Wesen herrschen. Dann hört der Mensch auf, Sklave seiner körperlichen Begehrlichkeiten zu sein.

Es lohnt sich darüber nachzudenken, was die katholische Kirche daraus gemacht hat. Für katholische Priester ist sie der Inbegriff der Weiblichkeit, der sie ein Leben lang entsagen müssen.

Aus der Himmelskönigin Natur formte der Papst Regina Maria, die Mutter Gottes, die in unbefleckter Empfängnis Jesus von Nazareth zur Welt brachte, sein Leben und Sterben mit ansehen musste und machte sie zur Märtyrerin. In Kirchen und Pilgerstätten sind Altäre aufgebaut mit Bildern der Jungfrau. Sie war wie alle Heiligen nur ein Mensch, der inbrünstig angebetet wird. Das ist für mich ein frevelhaftes Werk! Mit Bussen werden die meist kranken, gutgläubigen Menschen dorthin gebracht, wo sie ihren Schmuck und viel Geld spenden, um Genesung zu erfahren. Leider wird dieses Märchen von den Erwachsenen an die Kinder weitergegeben, das in Rom von jeher die Kassen füllt.

Die Natur lässt sich nicht betrügen! Hier hilft allein der Glaube an den Großen Geist in uns selbst. Der Große Geist ist ein Gesetz; er ist kein Individuum, das in einem Universum, in dem das Gesetz von Ursache und Wirkung gilt, die Erlaubnis erteilt, dass etwas geschieht. Mit Gott kann man kein Geschäft machen. Die gleichen Kanäle stehen den Selbstsüchtigen und den Selbstlosen zur Verfügung.

Heimspiel

Nimm meinen Trost: Nicht du bist heimatlos,
das sind die andern, die des Lichts vergessen.
Ruf sie zurück! Des Vaters Haus ist groß.

<Ephides>

Heimspiel klingt im ersten Moment nach einem sportlichen Ereignis, das im Stadion eines örtlich ansässigen Vereins stattfinden soll. Dort kann man dann den Heimvorteil nutzen, denn für viele Anhänger, die einem begeistert zujubeln, siegt es sich leichter. Da schadet es auch nicht, wenn sich die Mannschaft aus Spielern verschiedener Nationalitäten zusammensetzt, die gewiss dort nicht zu Hause sind. Denen ist es ganz gleich, für welchen Verein sie spielen, wenn nur die Bezahlung stimmt. Daheim spielt man das meiste Geld in die Kassen – ganz unsentimental.

Der Geburtsort, der im Pass steht, macht noch kein Heimatgefühl. Ich denke, man ist dort daheim, wo man geliebt wird, wo Menschen sind, denen man vertrauen kann, von denen man angenommen wird. In familiären Kreisen sollte das so sein, doch oft herrscht dort genau das Gegenteil. Familie kann formend oder zerstörend sein; man findet dort entweder Zuwendung oder Ablehnung. Die Gene spielen dabei keine große Rolle. Der Körper ist nur ein Kleid. Der Geist, der darinsteckt, stammt woanders her. Man bleibt sich trotz der Blutsverwandtschaft ein Leben lang fremd. Heimat ist demnach nicht gleich Familie.

Es gibt Momente im Leben, da fühlt man sich wie ein Außerirdischer; besonders dann, wenn man nicht „dem Rudel“ folgt, sondern ganz eigene Wege geht. Nach vielen Erfahrungen kann man der weltlichen Be-geisterung irgendwann nicht mehr viel abgewinnen; dann erst wendet man sich nach innen. Die irdische ‚Schwerkraft‘ zieht so stark herunter, dass es Mühe macht, das Profane vom Heiligen zu unterscheiden. In solchen Lebenssituationen sehnt man sich eine ganz andere Heimat herbei, einen Garten Eden, ein reines, heiliges Haus…das Haus Gottes.

Die Stille ist die Heimat, aus der wir kommen, der Schoß der Mutter, in den wir zurückkehren möchten. Sie ist ein Kraft spendender Speicher, der uns die Tage leichter ertragen lässt. Wenn wir das Eins-sein mit Gott trotz der weltlichen Getrenntheit spüren, dann zieht es uns hin zur Stille. Dort können wir wieder heil und vollkommen werden.

Aber da gab es noch einen anderen Heimatlosen, vor 2000 Jahren, der von sich sagte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“. Wie mag er sich gefühlt haben? Wie einsam muss er gewesen sein; weltverlassen und doch ganz und gar vom Göttlichen… von Heimat erfüllt!

Organspende

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Heute schreibe ich über Gedanken, die mir schon lange im Kopf herumschwirren.

Bereits mit 26 Jahren habe ich mehrere Bluttransfusionen bekommen, weil ich dem Tod näher war als dem Leben. Das ist zwar lange her, beschäftigt mich aber trotzdem. Mein ehemaliger Chef geht jedes Jahr zur Blutspende. Ich war dort noch nie, weil meine Venen zur Entnahme ungeeignet sind. Meine Blutgruppe AB positiv ist rar und wäre dort sehr willkommen.

Der Körper als Ganzes ist nur lebensfähig, wenn genug Blut hindurchfließt. Demnach ist Blut ein lebenswichtiges Organ, das sich anderen anschließt und zu einem durchdachten Organismus erschaffen wurde – ein geschlossenes System.

Über eine spirituelle Bedeutung habe ich damals nicht nachgedacht, obwohl ich von den Zeugen Jehovas wusste, dass sie generell gegen eine Blutübertragung sind. Wohl habe ich mich gefragt. warum das so ist.

Ich dachte bisher, der Zweck heiligt die Mittel. Ein Leben retten, egal ob mit einer Blutübertragung oder dem Organ einer anderen Person, die sich damit einverstanden erklärt hat, wäre gut und richtig.

Das ganze Prozedere ist fragwürdig. Wirkt es sich auf irgendetwas anderes als den physischen Körper aus? Ja, es stört die natürliche Harmonie, die im richtigen Verhältnis zwischen Körper, Geist und Seele bestehen sollte.

Es ist nicht nur das Blut oder Organ, das übertragen wird, sondern auch das dazugehörige ätherische Gegenstück, das von dem Individuum stammt, dem es entnommen wurde. Es ist nicht nur das Blut, das gegeben wird, sondern die Bedingungen, die zum Spender gehören, und das ist nicht immer wünschenswert. Der Mensch ist ein komplexes Ganzes, in dem jeder Aspekt seines Wesens als Teil eines komplizierten Mechanismus ineinandergreift. Es ist nicht in Ordnung, dass ein Teil auf eine andere Person übertragen wird.

Wir schauen immer nur auf die gegenwärtige medizinische Praxis, und es gibt genug Beweise dafür, dass Leben durch Transfusionen gerettet werden können. Die Möglichkeit zur Blutübertragung wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts gefunden, als man die unterschiedlichen Blutgruppen bestimmen konnte, nachdem viele Menschen durch Übertragungen von Tierblut gestorben waren. Es ist eine gängige Möglichkeit geworden, Kranken zu helfen und war sicher eine wertvolle Entdeckung. Doch man sollte andere Wege suchen, die Körper, Geist und Seele mit einbeziehen.

Die medizinische Welt ist nicht unfehlbar und die Ärzte sind keine Götter in Weiß. Es gibt Heilmethoden, die den Menschen als geistiges Wesen sehen. Alle Heilung muss darauf abzielen, dass der Geist triumphiert. Der Körper existiert nur, weil er die Maschine für den Geist ist.

Organe, nur für die Reichen? Organhandel ist ein abscheuliches Verbrechen! Man sollte bedenken, dass auch unsere Kliniken davon leben, Hirntoten Organe zu entnehmen, um sie anderen Menschen einzusetzen. Man greift zu abscheulichen und unspirituellen Praktiken, um das zu retten, was man Leben nennt. Der Zweck heiligt nicht die Mittel! https://initiative-kao.de/

Ich trage einen Ausweis bei mir, auf dem steht, dass ich kein Organspender bin. Das Organ eines anderen Menschen zu erhalten, lehne ich ab. Dabei nehme ich in Kauf, dass mein Leben in einem solchen Fall Geschichte sein würde.

Der Festzug der Natur wiederholt sich in jeder menschlichen Seele. Zuerst gibt es den Frühling mit dem erwachenden Bewusstsein; den Sommer, wenn die Kräfte des Menschen zu ihrem Höhepunkt aufsteigen; den Herbst, wenn das Leben zu schwinden beginnt; und den Winter, wenn der Schlaf in die müde, erschöpfte Seele kommt. Aber selbst nach dem Winter des physischen Lebens kommt der Frühling für den Geist, wenn er in einer anderen Welt erwacht, um den ewigen Zyklus fortzusetzen.

Mensch oder Gott?

Hugo Mühlig (1854-1929)

In jedem Zeitalter wurden Versuche unternommen, die Welt mit der Menge an Weisheit, Inspiration und Wissen zu überfluten, die den Bedingungen der Menschen, die dort leben, entspricht. Ich habe aufgehört, mich immer nur an die Vergangenheit zu wenden, obwohl sie nach wie vor von großem Interesse für mich ist. Ich habe erkannt, dass wir jetzt, wo immer wir sind, Zugang zu der ewigen Quelle aller Inspiration haben. Das ist die einzigartige Quelle aller Offenbarung in unendlicher Folge.

Mit den Augen des Geistes betrachtet, gibt es viele Ereignisse in unserer Welt, die wir für schlecht halten, die es jedoch gar nicht sind, und umgekehrt. Manche Kirchen sagen, ein Mensch sei gut, weil er einigen formulierten Lehren blindlings zugestimmt hat und damit das ganze Wesen der Religion erstickt hat, weil er für den Rest seiner Tage ein Schurke sein kann. Er ist nicht gut, auch wenn er denkt, er sei gut.

Hier auf diesem Planeten sind viele weise Menschen inkarniert. Das ist nicht beweisbar. Man muss es glauben oder es ablehnen, das spielt keine Rolle.

Für Gott, den Großen Geist, wäre es ein Leichtes, menschliche Gestalt anzunehmen und ein nahezu perfektes, tadelloses Leben zu führen, aber wenn ein Mensch, der nach den gewöhnlichen, natürlichen Gesetzen geboren wurde, zeigt, was erreicht werden kann, ist das ein würdiges Beispiel für alle, dem man folgen sollte.

Einer davon war Jesus von Nazareth, den man Christus nennt. Das Wort „Christus“ bedeutet „der Gesalbte“, und es hat viele gegeben, die gesalbt wurden. Jede Handlung in Bezug auf den Nazarener, sollte eine des Respekts vor seinem Wesen sein. Er kam, um den Menschen den Weg geistig, psychisch und physisch zu zeigen, entsprechend der Zeit, in der er lebte.

Aber dieser Mensch war nicht Gott und Gott war nicht dieses Wesen. Wenn man die theologische Interpretation akzeptiert, dass es der Große Geist war, der physische Gestalt annahm, dann ist der ganze Wert des Lebens des Nazareners verloren und sinnlos.

Ich bin schon seit langer Zeit von dieser Kirchenauslegung abgewichen. Es war mir auch schon immer mulmig, wenn ich einen Menschen anbeten sollte, sei es nun Jesus, ein Heiliger oder Maria. Sie alle hatten ihre Leben und ihre Lasten zu tragen. Sollte ich ihnen auch die meine aufbürden?

Wer war Jesus von Nazareth? War er ein Mann mit ungewöhnlichen übersinnlichen Gaben, der in allem, was er sagte und tat, von seinem geistigen Führer kontrolliert wurde, oder war er die Reinkarnation eines hochentwickelten Geistes? Sicher ist beides wahr.

Wir haben nur begrenztes Wissen über sein Leben, weil die Aufzeichnungen dürftig, nicht frei von Manipulationen und sehr bruchstückhaft sind.

Der große Wert dieses Lebens liegt darin, dass es ein Beispiel dafür ist, wie übersinnliche und geistige Macht genutzt werden kann. Der Nazarener hat niemals irgendeinem übersinnlichen oder geistigen Gesetz widersprochen oder es ausgenutzt. Er war der Meister dieser Gesetze in seinem Verständnis ihrer Funktionsweise, obwohl seine Menschlichkeit manchmal in den Vordergrund trat. Historisch gesehen kam die Figur zu einer Zeit, in der es notwendig war, dass diese Offenbarung die Welt erleuchtete. Diese Erleuchtung geschah mit der gleichen Kraft des Geistes, die heute in unserer Mitte wirkt.

Leben und Tod

John William Waterhouse 1849-1917 – Borea

Lebensfahrt

Es eilt des Lebens Fahrt
vorbei an Freud’ und Leid,
nie hält es an,
erst, wenn das Ziel erreicht,
steht es im Trauerkleid.

Was kommt nach dem Tod?

Diese Frage beschäftigt uns alle früher oder später und niemand weiß eine Antwort darauf.

Wenn man jung ist, steht das Leben im Mittelpunkt. Die Frage nach dem Tod scheint dann nicht wichtig. Er wird verdrängt, sogar verleugnet. Es kann doch gar nicht sein, dass die Lebenskraft vergeht, fast unmerklich, wenn sie nicht plötzlich durch ein großes Unglück genommen oder durch Krankheit eingeschränkt wird.

Ewiges Leben, bewusst, in einem einzigen menschlichen Körper, ist für mich persönlich eine Horrorvorstellung. Sterben und Vergehen bietet Raum für Neuwerdung und Verwandlung. Dann kommt der Tod als Freund.

Menschen hoffen schon immer auf ein ewiges, körperliches Dasein. Wie würden sie sich im Schlaraffenland langweilen, wo Überfluss herrscht und schöne Eintönigkeit?! Die Juden und andere Glaubensgemeinschaften warten bereits seit ewigen Zeiten auf den Erlöser, den Messias, der das Gleichgewicht und die Gerechtigkeit auf dieser Welt wiederherstellt.

Für mich sind Überlegungen vom materiellen Paradies auf Erden Utopie. Dieses Paradies befindet sich auf einer anderen, geistigen Ebene. Dort, wo es weder Tod noch Krankheiten gibt, nur ewige Glückseligkeit, von der alle Propheten, Dichter und Denker schrieben.

Ich freue mich, wenn ich meinen alten Körper irgendwann ablegen darf und auf mein Zuhause bei Gott, ganz egal wie das aussehen mag. Sind wir nicht alle wie die Schmetterlinge? Den alten Kokon abstreifen, der uns solange gequält hat und mit offenen Flügeln dem Licht entgegen fliegen!  

Wir alle haben vergessen, woher wir einst kamen, doch manchmal scheint uns eine vage Erinnerung mitten ins Herz hinein.

Auch, wenn ich „nur“ als winzige Spur wieder ein Teil des Ganzen werden sollte, und die Persönlichkeit meines jetzigen Lebens sterben wird, wie alle davor, vertraue ich darauf, dass meine Ur-Seele in ihrer Einzigartigkeit erhalten bleibt.

Der Tod trennt Körper und Seele, diese beginnt mit der erreichten Entwicklungsstufe ihr neues Leben. Sie kann nicht höher und nicht niedriger sein als das, was sie ist. Das Naturgesetz hat Kenntnis von jedem einzelnen Faktor und übt Gerechtigkeit. Man bestraft sich selbst, genauso wie man sich selbst belohnt, durch jede Handlung, die man vornimmt. Der Mensch wächst oder versagt durch sein eigenes Leben. Er erlöst oder verdammt sich selbst durch seine Taten.

Immer ist das, was Gott für alle Menschen nach dem Tod vorgesehen hat, sinnvoll und gut.

Langer Prozess

Heilige – Quelle: Pinterest
Heilige, sagt, wer hat euch erhoben?
War es der Klerus in den heil’gen Hallen?
Die fremden Götter sind zertrümmert, 
durch eure ‚Wahrheit‘ ist der Stein zerfallen.

Die Hände, die es wagten, sie zu stürzen,
sie taten frevelhaftes Werk der Wende.
So wirkte Gott, was dort zu Staub zerstob
und tat es in jahrhundertlanger Länge. 

Sie schafften neue Götzen und Gebote,
die Priesterschaft im reichen Vatikan.
Gefaltet sind die Hände, wenn sie schreiten… 
Sie werden fallen, wie der alte Wahn!
Quelle: Pinterest

Das heidnische Reich des alten Roms hatte seinerzeit alle Religionen, Götter und deren Lehren geduldet. Nebeneinander bestanden sie friedlich, bis sich die Päpste, Priester und Kaiser um die ‚wahren‘ Glaubensinhalte zankten.

Durch Arius, christlicher Presbyter in Alexandrien, wurde Jesus zum Schöpfer und Weltmacher erhoben. s. Joh. 1,3.

Wegen Jesus menschlicher ‚Beimischung‘ sollte die Welt deshalb minder vollkommen sein, als im Ursprung von Gott-Vater erdacht. Das entfachte ein ständiges Für- und Wider bei dessen Widersacher Athanasius, neuer Bischof von Alexandria.

Arius wurde abgesetzt und verbannt. Durch Einwirkungen und Annahmen anderer musste Athanasius das Gleiche erdulden. Schließlich wurden beide zurückgeholt und Jesus galt mal als Gottessohn, dem Vater gleich, mal war er nur höchstes Geschöpf und gottähnlich.

Im Jahre 381 setzte die Priesterversammlung in Konstantinopel dem noch eine Einfügung hinzu, nämlich den Heiligen Geist als dritte Person.

Das Kaiserreich war christlich geworden und befahl dies durch Verfolgung und Bestrafung durchzusetzen. Den durch Staatsklugheit geschaffenen neuen Glaubenslehren musste gehorcht werden. Sogar den Bischöfen wurde mit Absetzung und Verbannung gedroht, was Verluste von fetten Einnahmen für sie bedeutete. Das Christentum wurde im 4. Jahrhundert Staatsreligion und der Glaube sollte völlig übereinstimmen mit Papst und Kirche, nach kaiserlichem Befehl.

Doch das neue Glaubensbekenntnis spaltete die zur Selbstherrlichkeit gelangten Päpste in Rom.

Hierzu gab es verschiedene Ausführungen:

a)           Lobpreis sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geist,

b)           Lobpreis sei dem Vater durch den Sohn und im Heiligen Geist,

c)            Lobpreis sei dem Vater und dem Sohne im Heiligen Geist,

d)           Lobpreis sei dem Vater in dem Sohne und dem Heiligen Geist.

Doch sorgte das Heidentum dafür, dass ihm der neue Glaube untergeordnet wurde. Das äußerte sich, als man Zeus-Jupiter als den Christengott ansah, Apollon wurde als Christus angebetet, die Weltmacher bzw. Orakelgötter nannte man den Heiligen Geist, die Untergötter wurden zu Heiligen, und bald danach folgte die von allen Heidenvölkern verehrte Himmelskönigin als Mutter Gottes.

Mit den Jahren verschwanden die hebräischen Schriften und wurden durch griechische Übersetzungen ersetzt, die mit Anmerkungen, Einfügungen und Zusätzen gefüllt waren, um sie Nichtjuden verständlich zu machen. Hierzu gehört auch das erste Kapitel des Johannes-Evangeliums.

Zur damaligen Zeit waren derartige Einfügungen erlaubt.

Noch heute wird behauptet, dass der heilige Geist die Schriften eingegeben habe. Das würde jedoch bedeuten, dass der Heilige Geist auch für alle Übersetzungsfehler ins Griechische und die Abschreibungsfehler verantwortlich wäre.

Man nahm Einfügungen aus dem Heidentum in Kauf, weil Kirche und Kaiser alles verwarfen und ausschlossen, was nicht passte. So wurden die ursprünglichen jüdischen Fassungen ohne Weiteres durch heidnische ersetzt.