Man schmeckt den Herbst, er schmeckt nach Haselnüssen, nach Pflaumenkuchen und nach Apfelküssen, nach Butterbirnen und Erinnerungen, den – selbst im Alter unzerstörbar jungen.
Man riecht den Herbst, er riecht nach letzten Rosen, nach bunten Astern und nach Herbstzeitlosen, nach Rauch und Feuer auf Kartoffelfeldern, nach Pilzen, selbst gesucht in Heimatwäldern.
Man sieht den Herbst, er prangt in allen Tönen und will mit Früchten Mensch und Tier verwöhnen, man hört sein Lied und spürt die festen Bande, die man als Kind geknüpft zum Heimatlande.
Leider konnte ich nichts über Otto Daschowski, dem Dichter dieser schönen herbstlichen Verse erfahren. Ich veröffentliche sie hier ein weiteres Mal, und ich hoffe, dass niemand Einwände dagegen hat.
The Montelbaanstower in Amsterdam – Cornelis Christiaan Dommersen (1842–1928)
Gleich stillen Farben auf erschlossnem Fächer Eint sich der schmalen Häuser Grau und Rot, Und über grünem Kahn und weißem Boot Der Schmuck der Giebel und der tausend Dächer.
Das Brausen der bewegten Kais wird schwächer In diesen Straßen, wo der Lärm verloht. Und in der Ferne bleichen Mast und Schlot, Die Fischerewer und die Wellenbrecher.
Unzähl’ge helle Fensterreihen schaun Auf die Kanäle, wo die Nachen stocken, Wo vor den Brücken sich die Schuten staun.
Die Sonne taut durchs Laub in großen Flocken Und in der Luft perlmutterfarbnes Blaun Entfließt und singt das lichte Spiel der Glocken.
Bitter ist es, das Brot der Fremde zu essen, bittrer noch das Gnadenbrot, und dem Nächsten eine Last zu sein. Meine bessren Jahre kann ich nicht vergessen; doch nun sind sie tot, und getrunken ist der letzte Wein.
Ringsum ist eine ganze Welt verfallen, alles treibt dem Abgrund zu, nur noch Schwereres steht uns bevor, denn wir treiben hilflos mit den Trümmern allen; immer denkst auch du an das Glück, das dein Gemüt verlor.
Selbst die große Stadt muss sich verstellen; dunkel sein wie Dörfer einst, die verwunschnen, die man fremd durchfuhr, seltsam klingt, wie damals, nachts, der Hunde Bellen, dass du trostlos weinst, angeweht vom Spuk der Heimatflur.
Bitter ist es, vor jedem neuen Tage Angst zu haben, niemehr frei von geheimen Sorgen, Reue, Gram, furchtgeplagt bei jedem neuen Glockenschlage, dass er letzter sei, eh man recht vom Leben Abschied nahm.
Ungemilderte Bitternis im Herzen. bin ich längst mir selbst zur Last zwischen Morgenrot und Abendrot. Bitter ist es, alles Glück sich zu verscherzen, ungebetner Gast, bittrer, und das Bitterste: der Tod.
Max Hermann-Neiße floh aufgrund seiner körperlichen Einschränkung des Kleinwuchses aus Deutschland, wo neben rassenhygienischen Vorstellungen der Eugenik, kriegswirtschaftliche Erwägungen während des Zweiten Weltkrieges zur Begründung der „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ herangezogen worden waren.
Zitat Uni Münster: „Seine Künstlerkarriere in Deutschland fand mit dem aufkommenden Nationalsozialismus ein jähes Ende. Nach dem Reichstagsbrand 1933 floh er mit seiner Frau über die Schweiz und die Niederlande nach Großbritannien. Max Hermann-Neißes Werke wurden in Deutschland von Nazi-Sympathisanten verbrannt. Der Schriftsteller ließ sich in London nieder, wo er allerdings auf die Unterstützung des Juweliers Alphonse Sondheimer angewiesen blieb, der ihm sein Leben und die Publikationen weiterer Werke finanzierte. Herrmann-Neißes Ehefrau wurde die Geliebte und spätere Ehefrau Sondheimers. 1938 erfolgte die Ausbürgerung aus Deutschland. In der britischen Gesellschaft konnte der Schriftsteller keinen Anschluss mehr finden, die britische Staatsbürgerschaft wurde ihm verwehrt.“
Sie war'n voller Neugier, sie war'n voller Leben, die Kinder, und sie waren vierundvierzig an der Zahl. Sie war'n genau wie ihr, sie war'n wie alle Kinder eben im Haus in Izieu hoch überm Rhonetal.
Auf der Flucht vor den Deutschen zusammengetrieben, und hinter jedem Namen steht ein bitteres Leid, alle sind ganz allein auf der Welt geblieben, aneinandergelehnt in dieser Mörderzeit.
Im Jahr vierundvierzig, der Zeit der fleiß'gen Schergen, der Spitzel und Häscher zur Menschenjagd bestellt. Hier wird sie keiner suchen, hier oben in den Bergen, die Kinder von Izieu, hier am Ende der Welt.
Joseph, der kann malen: Landschaften mit Pferden, Theodore, der den Hühnern und Küh'n das Futter bringt, Liliane, die so schön schreibt, sie soll einmal Dichterin werden, der kleine Raoul, der den lieben langen Tag über singt.
Und Elie, Sami, Max und Sarah, wie sie alle heißen: jedes hat sein Talent, seine Gabe, seinen Part. Jedes ist ein Geschenk, und keines wird man denen entreißen, die sie hüten und lieben, ein jedes auf seine Art.
Doch es schwebt über jedem Spiel längst eine böse Ahnung, die Angst vor Entdeckung über jedem neuen Tag, und hinter jedem Lachen klingt schon die dunkle Mahnung, dass jedes Auto, das kommt, das Verhängnis bringen mag.
Am Morgen des Gründonnerstag sind sie gekommen. Soldaten in langen Mänteln mit Männern in Zivil. Ein Sonnentag - sie haben alle, alle mitgenommen, auf Lastwagen gestoßen und sie nannten kein Ziel.
Manche fingen in ihrer Verzweiflung an zu singen, manche haben gebetet, wieder andre blieben stumm. Manche haben geweint und alle, alle gingen den gleichen Weg in ihr Martyrium.
Die Chronik zeigt genau die Listen der Namen, die Nummer des Waggons und an welchem Zug er hing, die Nummer des Transports mit dem sie ins Lager kamen; die Chronik zeigt, dass keines den Mördern entging.
Heute hör' ich, wir soll'n das in die Geschichte einreihen, und es muss doch auch mal Schluss sein, endlich, nach all den Jahr'n. Ich rede und ich singe, und wenn es sein muss, werd' ich schreien, damit unsre Kinder erfahren, wer sie war'n.
Der Älteste war siebzehn, der Jüngste grad vier Jahre. Von der Rampe in Birkenau in die Gaskammern geführt. Ich werd' sie mein Leben lang sehn und bewahre ihre Namen in meiner Seele eingraviert.
Sie war'n voller Neugier, sie war'n voller Leben, die Kinder, und sie waren vierundvierzig an der Zahl. Sie war'n genau wie ihr, sie war'n wie alle Kinder eben im Haus in Izieu hoch überm Rhonetal.
Die Zeit steht still. Wir sind es, die vergehen. Und doch, wenn wir im Zug vorüberwehen, Scheint Haus und Feld und Herden, die da grasen, Wie ein Phantom an uns vorbeizurasen. Da winkt uns wer und schwindet wie im Traum, Mit Haus und Feld, Laternenpfahl und Baum.
So weht wohl auch die Landschaft unsres Lebens An uns vorbei zu einem andern Stern Und ist im Nahekommen uns schon fern. Sie anzuhalten suchen wir vergebens Und wissen wohl, dies alles ist nur Trug.
Die Landschaft bleibt, indessen unser Zug Zurücklegt die ihm zugemeßnen Meilen.
Im Galarock des heiteren Verschwenders, ein Blumenzepter in der schmalen Hand, fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders, aus seiner Kutsche grüßend, über Land.
Es überblüht sich, er braucht nur zu winken. Er winkt! Und rollt durch einen Farbenhain. Blaumeisen flattern ihm voraus und Finken. Und Pfauenaugen flügeln hinterdrein.
Die Apfelbäume hinterm Zaun erröten. Die Birken machen einen grünen Knicks. Die Drosseln spielen, auf ganz kleinen Flöten, das Scherzo aus der Symphonie des Glücks.
Die Kutsche rollt durch atmende Pastelle. Wir ziehn den Hut. Die Kutsche rollt vorbei. Die Zeit versinkt in einer Fliederwelle. O, gäb es doch ein Jahr aus lauter Mai!
Melancholie und Freude sind wohl Schwestern. Und aus den Zweigen fällt verblühter Schnee. Mit jedem Pulsschlag wird aus Heute Gestern. Auch Glück kann weh tun. Auch der Mai tut weh.
Er nickt uns zu und ruft: „Ich komm ja wieder!“ Aus Himmelblau wird langsam Abendgold. Er grüßt die Hügel, und er winkt dem Flieder. Er lächelt. Lächelt. Und die Kutsche rollt.
She may be the face I can′t forget A trace of pleasure or regret May be my treasure or the price I have to pay
She may be the song that summer sings May be the chill that autumn brings May be a hundred different things Within the measure of a day
She may be the beauty or the beast May be the famine or the feast May turn each day into a heaven or a hell
She may be the mirror of my dream A smile reflected in a stream She may not be what she may seem Inside her shell
She who always seems so happy in a crowd Whose eyes can be so private and so proud No one’s allowed to see them when they cry
She may be the love that cannot hope to last May come to me from shadows of the past That I remember till the day I die
She may be the reason I survive The why and wherefore I′m alive The one I’ll care for through the rough and rainy years
Me, I’ll take her laughter and her tears And make them all my souvenirs For where she goes, I′ve got to be The meaning of my life is she, she, she
Übersetzung:
Sie
Sie mag das Lied sein, das der Sommer singt Kann die Kälte sein, die der Herbst bringt Kann hundert verschiedene Dinge sein In den Maßen eines Tages
Sie mag die Schönheit sein oder das Biest Kann die Hungersnot oder das Fest sein Kann jeden Tag in einen Himmel oder in eine Hölle verwandeln
Sie mag der Spiegel meines Traumes sein Ein Lächeln, das sich in einem Strom spiegelt Sie mag nicht sein, was sie zu sein scheint In ihrer Schale
Sie, die immer so glücklich scheint in der Menge Deren Augen so privat und so stolz sein können Keiner darf sie sehen, wenn sie weinen
Sie mag die Liebe sein, die nicht hoffen kann, zu dauern Vielleicht kommt sie zu mir aus den Schatten der Vergangenheit An die ich mich bis zum Tag meines Todes erinnere
Sie mag der Grund sein, warum ich überlebe Der Grund, warum und wieso ich lebe Diejenige, für die ich durch die rauen und regnerischen Jahre sorgen werde
Ich, ich werde ihr Lachen und ihre Tränen nehmen Und mache sie alle zu meinen Souvenirs Denn wo sie hingeht, muss ich sein. Der Sinn meines Lebens ist sie, sie, sie
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