Gebirgige Flusslandschaft – Caspar David Friedrich (1774-1840)
Das ist die Sehnsucht: wohnen im Gewoge und keine Heimat haben in der Zeit. Und das sind Wünsche: leise Dialoge täglicher Stunden mit der Ewigkeit.
Und das ist Leben: Bis aus einem Gestern die einsamste von allen Stunden steigt, die, anders lächelnd als die andern Schwestern, dem Ewigen entgegenschweigt.
Hügel mit Bruchacker bei Dresden – Caspar David Friedrich (1774 – 1840)
Schweigt der Menschen laute Lust, rauscht die Erde wie in Träumen, wunderbar mit allen Bäumen, was dem Herzen kaum bewusst, alte Zeiten, linde Trauer, und es schweifen leise Schauer wetterleuchtend durch die Brust.
Die Stirn bekränzt mit roten Berberitzen steht nun der Herbst am Stoppelfeld, in klarer Luft die weißen Fäden blitzen, in Gold und Purpur glüht die Welt.
Ich seh hinaus und hör den Herbstwind sausen, vor meinem Fenster nickt der wilde Wein, von fernen Ostseewellen kommt ein Brausen und singt die letzten Rosen ein.
Ein reifer roter Apfel fällt zur Erde, ein später Falter sich darüber wiegt — ich fühle, wie ich still und ruhig werde, und dieses Jahres Gram verfliegt.
Max von Schenkendorf (1783–1817) hinterließ uns seine Dichtung „Freiheit, die ich meine“, die nach der Vertonung mit Melodie von Karl August Groos zu einem der bekanntesten Volkslieder hierzulande gehört.
Das zur Zeit des Biedermeier entstandene Lied wurde zunächst vor allem idealistisch-innerlich verstanden und später den „Vaterlands-, Helden-, Kriegs- und Siegesliedern“ zugeordnet.
1. Freiheit, die ich meine, die mein Herz erfüllt, komm’ mit deinem Scheine, süßes Engelbild.
2. Magst du nie dich zeigen der bedrängten Welt? Führest deinen Reigen nur am Sternenzelt?
3. Auch bei grünen Bäumen in dem lust’gen Wald, unter Blüthenträumen, ist dein Aufenthalt.
4. Ach! das ist ein Leben, wenn es weht und klingt, wenn dein stilles Weben wonnig uns durchdringt.
5. Wenn die Blätter rauschen süßen Freundesgruß, wenn wir Blicke tauschen, Liebeswort und Kuß.
6. Aber immer weiter nimmt das Herz den Lauf, auf der Himmelsleiter steigt die Sehnsucht auf.
7. Aus den stillen Kreisen kommt mein Hirtenkind, will der Welt beweisen, was es denkt und minnt.
8. Blüht ihm doch ein Garten, reift ihm doch ein Feld auch in jener harten Stein erbauten Welt.
9. Wo sich Gottes Flamme in ein Herz gesenkt, das am alten Stamme treu und liebend hängt;
10. Wo sich Männer finden, die für Ehr und Recht muthig sich verbinden, weilt ein frei Geschlecht.
11. Hinter dunkeln Wällen, hinter ehrnem Thor, kann das Herz noch schwellen zu dem Licht empor.
12. Für die Kirchenhallen, für der Väter Gruft, für die Liebsten fallen, wenn die Freiheit ruft.
13. Das ist rechtes Glühen frisch und rosenroth: Heldenwangen blühen schöner auf im Tod.
14. Wollest auf uns lenken Gottes Lieb und Lust. Wollest gern dich senken in die deutsche Brust.
15. Freiheit, holdes Wesen, gläubig, kühn und zart, hast ja lang erlesen dir die deutsche Art.
Stahlstich – Max von Schenkendorf (1783-1817)
Freiheitliches Denken und Handeln umfasst nicht nur die eigene Freiheit, sondern auch die der anderen. Das sollten wir nie außer Acht lassen! Wir sollten immer dazu bereit sein, sie gegenseitig zu verteidigen und zu schützen.
Man schmeckt den Herbst, er schmeckt nach Haselnüssen, nach Pflaumenkuchen und nach Apfelküssen, nach Butterbirnen und Erinnerungen, den – selbst im Alter unzerstörbar jungen.
Man riecht den Herbst, er riecht nach letzten Rosen, nach bunten Astern und nach Herbstzeitlosen, nach Rauch und Feuer auf Kartoffelfeldern, nach Pilzen, selbst gesucht in Heimatwäldern.
Man sieht den Herbst, er prangt in allen Tönen und will mit Früchten Mensch und Tier verwöhnen, man hört sein Lied und spürt die festen Bande, die man als Kind geknüpft zum Heimatlande.
Leider konnte ich nichts über Otto Daschowski, dem Dichter dieser schönen herbstlichen Verse erfahren. Ich veröffentliche sie hier ein weiteres Mal, und ich hoffe, dass niemand Einwände dagegen hat.
The Montelbaanstower in Amsterdam – Cornelis Christiaan Dommersen (1842–1928)
Gleich stillen Farben auf erschlossnem Fächer Eint sich der schmalen Häuser Grau und Rot, Und über grünem Kahn und weißem Boot Der Schmuck der Giebel und der tausend Dächer.
Das Brausen der bewegten Kais wird schwächer In diesen Straßen, wo der Lärm verloht. Und in der Ferne bleichen Mast und Schlot, Die Fischerewer und die Wellenbrecher.
Unzähl’ge helle Fensterreihen schaun Auf die Kanäle, wo die Nachen stocken, Wo vor den Brücken sich die Schuten staun.
Die Sonne taut durchs Laub in großen Flocken Und in der Luft perlmutterfarbnes Blaun Entfließt und singt das lichte Spiel der Glocken.
Bitter ist es, das Brot der Fremde zu essen, bittrer noch das Gnadenbrot, und dem Nächsten eine Last zu sein. Meine bessren Jahre kann ich nicht vergessen; doch nun sind sie tot, und getrunken ist der letzte Wein.
Ringsum ist eine ganze Welt verfallen, alles treibt dem Abgrund zu, nur noch Schwereres steht uns bevor, denn wir treiben hilflos mit den Trümmern allen; immer denkst auch du an das Glück, das dein Gemüt verlor.
Selbst die große Stadt muss sich verstellen; dunkel sein wie Dörfer einst, die verwunschnen, die man fremd durchfuhr, seltsam klingt, wie damals, nachts, der Hunde Bellen, dass du trostlos weinst, angeweht vom Spuk der Heimatflur.
Bitter ist es, vor jedem neuen Tage Angst zu haben, niemehr frei von geheimen Sorgen, Reue, Gram, furchtgeplagt bei jedem neuen Glockenschlage, dass er letzter sei, eh man recht vom Leben Abschied nahm.
Ungemilderte Bitternis im Herzen. bin ich längst mir selbst zur Last zwischen Morgenrot und Abendrot. Bitter ist es, alles Glück sich zu verscherzen, ungebetner Gast, bittrer, und das Bitterste: der Tod.
Max Hermann-Neiße floh aufgrund seiner körperlichen Einschränkung des Kleinwuchses aus Deutschland, wo neben rassenhygienischen Vorstellungen der Eugenik, kriegswirtschaftliche Erwägungen während des Zweiten Weltkrieges zur Begründung der „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ herangezogen worden waren.
Zitat Uni Münster: „Seine Künstlerkarriere in Deutschland fand mit dem aufkommenden Nationalsozialismus ein jähes Ende. Nach dem Reichstagsbrand 1933 floh er mit seiner Frau über die Schweiz und die Niederlande nach Großbritannien. Max Hermann-Neißes Werke wurden in Deutschland von Nazi-Sympathisanten verbrannt. Der Schriftsteller ließ sich in London nieder, wo er allerdings auf die Unterstützung des Juweliers Alphonse Sondheimer angewiesen blieb, der ihm sein Leben und die Publikationen weiterer Werke finanzierte. Herrmann-Neißes Ehefrau wurde die Geliebte und spätere Ehefrau Sondheimers. 1938 erfolgte die Ausbürgerung aus Deutschland. In der britischen Gesellschaft konnte der Schriftsteller keinen Anschluss mehr finden, die britische Staatsbürgerschaft wurde ihm verwehrt.“
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