Tiefen des Himmels sucht mein Blick, seh‘ Stern an Stern, die Bilder alter Zeit; er gibt dem Staunen frei ein kleines Stück, bleibt bloßen Augen unerkennbar weit. In fernen Räumen wird das Gold der Nacht mit Sonnenstaub und Glanz des Lichts bestückt; ihr Dasein liegt in keines Menschen Macht, gestirnter Himmel, der sich selber schmückt. So groß bist du – ein magisch stiller Ort, treibst ruhig im Wellenspiel der Zeit dahin. Geheimnisvoll gesproch‘nes Schöpfungswort, du bist des Lebens Ende und Beginn.
Kategorie: Glaube, Liebe, Hoffnung
Das Gebet – Ursache und Wirkung

Gott zu bitten im Gedränge hoffender Versammlungsmenge, nicht in Kirchen, andren Stätten, wo sich Mensch an Menschen ketten. Unnütz wird die große Zahl Worte plappern ohne Wahl. Einst erdacht und komponiert in Gemeinden eingeführt, sollen Anmut sie verströmen, Worte soll’n mit Gott versöhnen, demütig um Hilfe bitten, wenn des Volkes Macht entglitten. Was ursächlich Menschen tun, dessen Wirkung gibt kein Ruhen; Menschen Macht ist wirkungslos, Kausalität dagegen groß. Nach Handlung ist man oft der Dumme, es folgt als Resultat die Summe. Naturgesetze hier auf Erden, sind festgeschrieben und erklären, kein Mensch entzieht sich deren Macht, sind von der Schöpfung selbst erdacht. Kein Wort kann lindern im Gebet, die Wirkung, die im Raume steht.
Gottes Schweigen

Gott gibt der Welt sein Glühen, dem wild bewachsenen Feld, mit Erde, die zum Blühen nur Fruchtbarkeit enthält. Er lässt die Sonne steigen, tauscht sie mit Sternenglanz. Ein Leuchten wird uns zeigen des Himmels stillen Tanz. Wir stehn in Gottes Schweigen und fremd scheint unser Tun. Wir warten auf sein Zeichen, statt Antwort folgt sein Ruh‘n. Vorüber rauscht das Leben, inmitten stehen wir. Muss ER uns Antwort geben? ER öffnet uns die Tür! Wir tauchen in sein Schweigen, und geben ganz uns hin, sehn auf dem Grunde treiben, des Gebens Kraft und Sinn.
Lebenswege

Wie sich die Erde abringt jedes Stück, lebendig macht ein kleines Blütenglück! Wie hingestreute Akeleien, an stillen Orten uns erfreuen, so strahlt der Löwenzahn in gelber Pracht, auf jeder Wiese, wenn die Sonne lacht. Die milde Luft ist wie gefüllt mit Leben, der Atemzug ein Nehmen und ein Geben. Wir ringen um die Jahre, Stück für Stück und traurig richtet sich der Blick zurück. So sinnlos war beizeiten unser Ringen, so undankbar die Welt, so laut die Stimmen. Wir sehnten uns nach schattenkühlen Wegen und fühlten hoffnungsvoll des Weltenbauers Segen, der allen Mühn Gelingen schenkt und Lebenswege wie ein Band zum Himmel lenkt.
Stroh zu Gold

Rumpelstilzchen – Grimms Märchen
Zaghafte Schritte setzen wir im Ungewissen, das schicksalhaft sich auf den Wegen breitet. Des Menschen Lebensweg ist längst umrissen, wenn er den angedachten Weg beschreitet. So, wie ein leeres Blatt, ganz unbeschrieben, fügt unser Handeln Licht und Schatten ein. Wir wählten unsren Weg, auch wenn hienieden das Bild verlorenging im Erdensein. Bevor wir durch das dunkle Tor geboren, da rangen wir in Freiheit um dies Leben. Den Sinn des Leidens haben wir verloren, das schon auf Erden wird Verwandlung geben. Mit off’nen Sinnen kommt das Rückerinnern; wenn wir besonnen unser Schicksal ändern, dann können wir auch ohne „Rumpelstilzchen“, allein, den gold’nen Lebensfaden spinnen.

Nach Ostern

Kein Läuten mehr – die Osterglocken schweigen! Still lastet Schwere auf dem kalten Tag, und wieder liegen Fröste auf den Zweigen, als wenn die Welt uns nicht mehr blühen mag. Das Vogelsingen ist heut leis geworden. Die Straßen leer, selbst Kinderlachen schweigt. Das Leben scheint mir beinah ausgestorben, wenn rauer Wind die frischen Wipfel streift. Die Jahre sind so schnell dahingegangen. Es blieb ein welker Kranz aus ferner Zeit. Ob meinem wehen Herzen noch, dem bangen, ein wenig Zuversicht erhalten bleibt? Wohl dem, der aus des Lebens schweren Tagen und aus den Stunden ungetrübten Glücks ein Leuchten darf in seiner Seele tragen… ein Sonnenlächeln göttlichen Geschicks.
Klang der Ewigkeit
Dort, wo die Welt versinkt am Horizont, gleitet nur der Wind auf Engelsflügeln, treibt vor sich Zeit im Sonnenstrom, wird ihre Flüchtigkeit in Fülle wiegen. Das Herz der Welt pocht laut und lauter, um alle Seelen schmilzt die Zeit. Was wichtig schien entflieht den Sälen des Tempels der Vergessenheit. Durchschweben helle Säulenhallen, bis hin zum Anbeginn der Welt, die Tempel dieser Erde fallen und Frieden liegt auf Wald und Feld. In allen Städten schweigt das Leben, die Steine sind zu Staub zerfallen und jedes glockenhafte Beben dringt ein in göttlich ferne Hallen. Die Engel stehen an den Pforten, sie singen tief in Harmonie, empfangen, die von Weltenorten treu lauschten ihrer Melodie.
Übersetzung: There, where the world sinks on the horizon, only the wind glides on angels' wings, drifts before it time in the sun's stream, will cradle its fleetingness in fullness. The heart of the world beats louder and louder, around all souls time melts. What seemed important escapes the halls of the temple of oblivion. Float through bright columned halls, to the beginning of the world, the temples of this earth fall and peace lies on forest and field. In all cities life is silent, the stones have crumbled to dust and every bell-like tremor penetrates into divinely distant halls. The angels stand at the gates, singing deeply in harmony, receive, who from world places faithfully listened to their melody.
Feuer der Liebe

Ströme des Leidens, wie in glühender Lava zu steinernem Strom erstarrt, stirbt das Leben den Tod des Erkaltens. Von lieblosen Herzen zu Eis verwandelte Welt, du trägst in dir die Kunst des Verwandelns. Mit flammender Seele taue auf das Eis, mache fruchtbar die Erde durch furchtloses Handeln. Gott legt Stille um die Schattenherzen, bringt sie ins Reich des Vergessens, stillt die Ströme des Leidens durch Hoffnung, schmiedet mit Feuer der Liebe den Ring der Verbundenheit.
Tanz auf den Wolken

In hohen Sphären mit den Winden tanzen,
auf weißen Wolken lichtwärts schweben;
lasse von himmlischen Romanzen,
mich weit in ferne Himmel heben.
Verbinde mich im Reigen mit der Zeit
und flieg mit Engeln durch die Sonnenpforte,
im Tanz verbunden, schwebe ich so weit,
der Wind trägt mich bis an die fernsten Orte.
Und meine Seele hebt sich in die Lüfte,
vermählt sich mit den warmen Sommerwinden,
trägt mich in höchste Höh‘n und über tiefste Klüfte,
wird den verborgnen Weg zu Dir nach Hause finden.
Welke Tage

Tage, welche welk geworden,
fallen in den Schoß der Zeit,
sind wie Staub,
gehn geistverloren
in die Schicht der Fruchtbarkeit.
Alter Weg vergang’ner Fährten,
Schichten, die wie Jahresringe
alter Bäume Auskunft geben,
sind der Boden aller Dinge.
Schoß, aus dem die Leben kamen,
werden, wachsen und vergehen.
Wiederkehren ist ein „Amen“,
lässt das Ur-Bild auferstehen.