Stern an Stern

Tiefen des Himmels sucht mein Blick,
seh‘ Stern an Stern, die Bilder alter Zeit;
er gibt dem Staunen frei ein kleines Stück,
bleibt bloßen Augen unerkennbar weit.

In fernen Räumen wird das Gold der Nacht
mit Sonnenstaub und Glanz des Lichts bestückt;
ihr Dasein liegt in keines Menschen Macht,
gestirnter Himmel, der sich selber schmückt.

So groß bist du – ein magisch stiller Ort,
treibst ruhig im Wellenspiel der Zeit dahin.
Geheimnisvoll gesproch‘nes Schöpfungswort,
du bist des Lebens Ende und Beginn. 

Das Gebet – Ursache und Wirkung

William Adolphe Bouguereau (1825-1905)
Gott zu bitten im Gedränge
hoffender Versammlungsmenge,
nicht in Kirchen, andren Stätten,
wo sich Mensch an Menschen ketten.
Unnütz wird die große Zahl
Worte plappern ohne Wahl. 

Einst erdacht und komponiert
in Gemeinden eingeführt,
sollen Anmut sie verströmen,
Worte soll’n mit Gott versöhnen,
demütig um Hilfe bitten,
wenn des Volkes Macht entglitten. 

Was ursächlich Menschen tun,
dessen Wirkung gibt kein Ruhen;
Menschen Macht ist wirkungslos,
Kausalität dagegen groß.
Nach Handlung ist man oft der Dumme,
es folgt als Resultat die Summe. 

Naturgesetze hier auf Erden,
sind festgeschrieben und erklären,
kein Mensch entzieht sich deren Macht,
sind von der Schöpfung selbst erdacht.
Kein Wort kann lindern im Gebet,
die Wirkung, die im Raume steht.  

Gottes Schweigen

Quelle: Pinterest
Gott gibt der Welt sein Glühen,
dem wild bewachsenen Feld,
mit Erde, die zum Blühen 
nur Fruchtbarkeit enthält. 

Er lässt die Sonne steigen,
tauscht sie mit Sternenglanz.
Ein Leuchten wird uns zeigen
des Himmels stillen Tanz.

Wir stehn in Gottes Schweigen
und fremd scheint unser Tun.
Wir warten auf sein Zeichen,
statt Antwort folgt sein Ruh‘n.

Vorüber rauscht das Leben,
inmitten stehen wir.
Muss ER uns Antwort geben?
ER öffnet uns die Tür! 

Wir tauchen in sein Schweigen,
und geben ganz uns hin,
sehn auf dem Grunde treiben,
des Gebens Kraft und Sinn.   

Lebenswege

Peder Mørk Mønsted (1859-1941)
Wie sich die Erde abringt jedes Stück,
lebendig macht ein kleines Blütenglück!
Wie hingestreute Akeleien,
an stillen Orten uns erfreuen,
so strahlt der Löwenzahn in gelber Pracht,
auf jeder Wiese, wenn die Sonne lacht.

Die milde Luft ist wie gefüllt mit Leben,
der Atemzug ein Nehmen und ein Geben.
Wir ringen um die Jahre, Stück für Stück
und traurig richtet sich der Blick zurück.

So sinnlos war beizeiten unser Ringen,
so undankbar die Welt, so laut die Stimmen.
Wir sehnten uns nach schattenkühlen Wegen
und fühlten hoffnungsvoll des Weltenbauers Segen,
der allen Mühn Gelingen schenkt
und Lebenswege wie ein Band zum Himmel lenkt. 

Stroh zu Gold

W. Crane (1845-1915) britischer Maler und Illustrator
Rumpelstilzchen – Grimms Märchen
Zaghafte Schritte setzen wir im Ungewissen,
das schicksalhaft sich auf den Wegen breitet.
Des Menschen Lebensweg ist längst umrissen,
wenn er den angedachten Weg beschreitet.

So, wie ein leeres Blatt, ganz unbeschrieben,
fügt unser Handeln Licht und Schatten ein.
Wir wählten unsren Weg, auch wenn hienieden
das Bild verlorenging im Erdensein.

Bevor wir durch das dunkle Tor geboren,
da rangen wir in Freiheit um dies Leben.
Den Sinn des Leidens haben wir verloren,
das schon auf Erden wird Verwandlung geben.

Mit off’nen Sinnen kommt das Rückerinnern;
wenn wir besonnen unser Schicksal ändern,
dann können wir auch ohne „Rumpelstilzchen“,
allein, den gold’nen Lebensfaden spinnen.

Nach Ostern

Vladimir Kush (*1965 )
Kein Läuten mehr – die Osterglocken schweigen!
Still lastet Schwere auf dem kalten Tag,
und wieder liegen Fröste auf den Zweigen,
als wenn die Welt uns nicht mehr blühen mag.

Das Vogelsingen ist heut leis geworden.
Die Straßen leer, selbst Kinderlachen schweigt.
Das Leben scheint mir beinah ausgestorben,
wenn rauer Wind die frischen Wipfel streift.

Die Jahre sind so schnell dahingegangen.
Es blieb ein welker Kranz aus ferner Zeit.
Ob meinem wehen Herzen noch, dem bangen,
ein wenig Zuversicht erhalten bleibt?

Wohl dem, der aus des Lebens schweren Tagen
und aus den Stunden ungetrübten Glücks
ein Leuchten darf in seiner Seele tragen…
ein Sonnenlächeln göttlichen Geschicks.

Klang der Ewigkeit

Dort, wo die Welt versinkt am Horizont,
gleitet nur der Wind auf Engelsflügeln,
treibt vor sich Zeit im Sonnenstrom,
wird ihre Flüchtigkeit in Fülle wiegen. 

Das Herz der Welt pocht laut und lauter,
um alle Seelen schmilzt die Zeit.
Was wichtig schien entflieht den Sälen
des Tempels der Vergessenheit.

Durchschweben helle Säulenhallen,
bis hin zum Anbeginn der Welt,
die Tempel dieser Erde fallen
und Frieden liegt auf Wald und Feld.

In allen Städten schweigt das Leben,
die Steine sind zu Staub zerfallen
und jedes glockenhafte Beben
dringt ein in göttlich ferne Hallen.

Die Engel stehen an den Pforten,
sie singen tief in Harmonie,
empfangen, die von Weltenorten
treu lauschten ihrer Melodie. 

Übersetzung:

There, where the world sinks on the horizon,
only the wind glides on angels' wings,
drifts before it time in the sun's stream,
will cradle its fleetingness in fullness. 

The heart of the world beats louder and louder,
around all souls time melts.
What seemed important escapes the halls
of the temple of oblivion.

Float through bright columned halls,
to the beginning of the world,
the temples of this earth fall
and peace lies on forest and field.

In all cities life is silent,
the stones have crumbled to dust
and every bell-like tremor
penetrates into divinely distant halls.

The angels stand at the gates,
singing deeply in harmony,
receive, who from world places
faithfully listened to their melody.

Feuer der Liebe

Bild von Willgard Krause auf Pixabay
Ströme des Leidens,
wie in glühender Lava zu steinernem Strom erstarrt,
stirbt das Leben den Tod des Erkaltens.

Von lieblosen Herzen zu Eis verwandelte Welt,
du trägst in dir die Kunst des Verwandelns.
Mit flammender Seele taue auf das Eis,
mache fruchtbar die Erde durch furchtloses Handeln.

Gott legt Stille um die Schattenherzen,
bringt sie ins Reich des Vergessens,
stillt die Ströme des Leidens durch Hoffnung,
schmiedet mit Feuer der Liebe 
den Ring der Verbundenheit. 

Tanz auf den Wolken

William Adolphe Bouguereau 1825-1905

In hohen Sphären mit den Winden tanzen,
auf weißen Wolken lichtwärts schweben;
lasse von himmlischen Romanzen,
mich weit in ferne Himmel heben.

Verbinde mich im Reigen mit der Zeit
und flieg mit Engeln durch die Sonnenpforte,
im Tanz verbunden, schwebe ich so weit,
der Wind trägt mich bis an die fernsten Orte.

Und meine Seele hebt sich in die Lüfte,
vermählt sich mit den warmen Sommerwinden,
trägt mich in höchste Höh‘n und über tiefste Klüfte,
wird den verborgnen Weg zu Dir nach Hause finden.

Welke Tage

Copyright: olegdudko

Tage, welche welk geworden,
fallen in den Schoß der Zeit,
sind wie Staub,
gehn geistverloren
in die Schicht der Fruchtbarkeit.

Alter Weg vergang’ner Fährten,
Schichten, die wie Jahresringe
alter Bäume Auskunft geben,
sind der Boden aller Dinge.

Schoß, aus dem die Leben kamen,
werden, wachsen und vergehen.
Wiederkehren ist ein „Amen“,
lässt das Ur-Bild auferstehen.