
Wie zarte Fäden,
die die Raupe spinnt,
ist webend um uns,
was allmählich bindet.
Webt den Kokon,
hüllt uns in Träume ein,
bis irgendwann
sie uns als Schmetterling
entschwindet.
Gedichte und Poesie von Gisela Seidel über Gott und die Welt

Wie zarte Fäden,
die die Raupe spinnt,
ist webend um uns,
was allmählich bindet.
Webt den Kokon,
hüllt uns in Träume ein,
bis irgendwann
sie uns als Schmetterling
entschwindet.
Wie eine Farbpalette breitet es sich aus,
das Leben, mit den schönsten Farben,
ob wir sie richtig mischten, stellt sich erst heraus,
wenn wir das fert’ge Bild vor Augen haben.
Oft ist der Hintergrund zu dunkel oder hell;
den passenden Kontrast gilt es zu finden,
und machen wir so manchen Pinselstrich zu schnell,
sind große Korrekturen einzubinden.
Es schmücken dort Personen unser Bild,
die ganz und gar nicht auf die Leinwand passen,
wo Pinselstriche dunkel oder doch zu mild,
nur negative Spuren hinterlassen.
Wenn wir die Harmonie der Farben weise wählen,
genießen wir im Licht die bunten Tage,
wir werden zu den Lebenskünstlern zählen
und dankbar sein, für jede Farbengabe.

Im Flügelschlag der Nacht
sind dunkle Sorgen
vom Licht befreit,
und golden zeigt der Morgen
sein neues Kleid.
Die Schatten sind verflogen
wohl übers Weltenreich,
da singen die Vögel
und jauchzen,
jenseitsgleich.
Es schwirren frohe Gedanken,
wie Schwalben im Sonnenmeer,
ziehn weite Kreise des Grußes
dem Höchsten entgegen,
des Dankes schwer.

Flieg fort,
lass‘ die Gedanken fliehen,
beschau von oben
unsre kleine Welt,
dann wir dir klar,
dass unsre Zeit geliehen
und eine and’re Macht
den Plan in Händen hält.

Ein Hahnenschrei begrüßte meinen Tag,
als ich noch klein im Bettchen lag.
Ich war noch wie ein leeres Feld,
hineingeboren in die Erden-Welt.
Voll Neugier war ich einst als Kind,
für’s harte Leben unschuldig und blind,
vertrauensvoll, eifrig und klug,
sah nicht der Menschen Fehl und Trug.
Frühling war in mir und das Freuen
auf viele Stunden, die bunten, neuen.
Morgens zog’s mich in den Garten,
wo große Wunder auf mich warten.
Lief hin zu dem hölzernen Gatter,
entzückt vom Entengeschnatter.
Klangfroh war’n die Küken im Glück,
nichts wissend um ihr Geschick.
So, wie im Abendrot verborgen,
sah ich den neuen lichten Morgen,
der still im Sonnenglanz sich kündet,
mit dem so manche Angst verschwindet,
und was mich abends noch bedrückt,
im Tageslicht war’s längst entrückt.
Die Kindheitslieben sind verborgen
unter den tristen Alltagssorgen.
Dinge besser machen, statt bereuen,
unschuldig, dem Licht entgegenfreuen,
so, in diesem Hell geborgen,
eil ich hin zum nächsten Morgen
und genieß in dieser Zeit
frühlingshafte Freudigkeit.

Erwacht ihr müden Taggedanken,
das Licht befreit euch von der Nacht;
ward ihr im tiefsten Traum gefangen,
fühlt ihr noch ganz benommen
den Morgen kommen,
mit aller Macht.

Es ist so still geworden um mich her,
des Lebens Enge drückt, wie Einzelhaft.
Bin eine alte, unsichtbare Kraft,
ein kleines Ich, bin Flamme nur, nicht mehr.
Entzünden mag ich nur Gedankensplitter;
bin irdisch, Energie, mit Licht getauft,
nur noch ein feines Glühen, das verbraucht,
bild‘ ‚Schwarze Löcher‘ im Gefängnisgitter.
Vergangenheit ist leere, hohl geword‘ne Form,
die Schatten wirft, obwohl sie lange fort.
Ihr Einfluss folgt mir bis zum Zukunftsort,
wo Gegenwart beständig wird zur Norm.
Erkenntnisse, ich trag sie durch mein Leben,
obwohl befreiend, nehmen sie mir Kraft.
Wie Einer, der sich auf den Heimweg macht,
bin ich der Wanderer hier auf fremden Wegen.
Doch eines Tages bin ich Heimgekehrte,
was mich hier hindert, bin ich selbst.
Setz‘ Schritt an Schritt, auch wenn du fällst!
Erkenntnis ist Befreiung, seid Belehrte!
Erhabenheit im Augenblick des Glücks
ist das Erkennen unsres Geistes Licht.
Dann huscht ein Leuchten über das Gesicht;
im Reich des Lichtes gehn wir dann ein Stück.


Stille ruht noch in der Stadt.
Schlaf hängt an den Fensterscheiben.
Alles, was einst dunkle Nacht,
wird nun sanft ins Helle gleiten.
So vergehen Tageszeiten.
Viele werden sie erleben,
andre beim Hinübergleiten
in die andre Welt entschweben.
Friedlich schleichen die Sekunden.
Dankbar blick ich in die Ferne.
Grüß den Sonnenball, den runden,
grüß auch Mond und alle Sterne.
Tag, ich heiße dich willkommen!
Und die alte Uhr tickt leise.
Was du bringst und was genommen,
segne ich auf gleiche Weise.
…und danke für die Aufmerksamkeit,
die Ihr meinen Beiträgen schenkt.
Achtet auf Euch und bleibt gesund!

Hörst du den Klang der Welt vorüberziehen?
Der Wind trägt ihn auf kühlen Schwingen,
hebt hoch den Frohsinn und das Singen,
im Auf und Ab des Flügelschlags.
Trägt auch den Hilfeschrei des Tags,
und nachts des tausendfachen Sterbens!
Im Wind singt uns die Stimme des Verderbens,
die Angst vor Krankheit, Hunger, Armut auf den Flügeln.
Unbändig, rastlos lehrt er uns zu zügeln,
Begehrlichkeiten dieses Weltgeschehens.
Zeigt auf die bittren Quellen des Entstehens,
die auch die Quelle allen Leidens ist.
Frevel zu lindern, das ist Lebenspflicht!