Wie ein Kind im Damals

Einen kleinen Kranz aus Tannengrün binden,
mit goldenen Drähten ihn liebevoll winden,
bestückt mit Schleifen und Kugeln aus Glas,
an den Türrahmen hängen. Wie schön ist das! 

Die verschlissenen Sitze des Sofas verstecken,
es verhüllen mit Kissen und warmen Decken,
und der Ohrensessel kriegt ein Fell für den Po,
für die kalten Beine eine Zudecke, sowieso. 

Ein Plastikbäumchen mit LED’s, ganz klein,
wird in stiller Stunde Erinnerung sein.
Vorbei ist die Freude auf Weihnachtsstunden,
vergangen ist sie, wie ein Traum in Sekunden.

Die, die ich liebte, sind abberufen.
Sie waren das Licht mir auf felsigen Stufen.
Wurden schwebenden Schrittes davongetragen,
zu besseren Orten und wärmeren Tagen.

Am Abend entzünde ich Kerzenlichter,
dann seh‘ ich sie alle, die trauten Gesichter,
erleb‘ die Geschichten der Weihnachtszeit,
wie ein Kind im Damals. Es liegt schon so weit! 

In der Stadt

Quelle: Pinterest
In der Stadt sieht man die Menschentrauben,
taumeln in die dunkle Welt des Abends,
gehen schnellen Schrittes, und sie glauben,
dass sie die Zeit für sich gepachtet haben. 

Tüten voll, stehn sie mit leeren Herzen,
mit dem Denken auf sich selbst gestellt.
Hasten durch die Läden, wie durch Gärten,
ernten ungeliebten Tinnef für viel Geld.

Während sie genervt nach Hause eilen,
machen ihre Smartphones schräge Töne.
Ist kein Ort, um lange zu verweilen -
schnell verstummt das Straßenzug-Geklöne.

Weihnachtswelt ist vom Vorüberschreiten
der Massen kalt und stumm geworden.
Die Hektik dieser Zeit auf Straßen breiten,
ist wie ein Tun, die Sinnlichkeit zu morden.

Sorgen und Ängste

Quelle: Pinterest
Begleiter für das Leben sollte Liebe sein.
Das Schicksal trieb dich an den Schulungsort;
du wirst getragen und bist nie allein,
ist die Lektion auch hart, bald geht sie fort.

Bist unzerstörbar, unerschütterlich;
den Rest des Weges wird Er bei dir sein,
bist Teil von Ihm, viel höher als dein Ich.
Du überwindest alles, Furcht und Pein.

Entfalte dich und nimm die Chance wahr,
die groß dir in die Wiege einst gelegt,
denn Seine Liebe ist dir immer nah,
leg deine Sorgen ab, wie Wind sich dreht.

Dann folgt die Stille, tritt in sie hinein,
bade im Segen, der von innen kommt.
Lern die Lektion des Nie-verlassen-seins,
sei frohen Mutes und von Gott besonnt. 

voll Mond

Bild von Larisa Koshkina auf Pixabay
Unbeweglich ist alles, die Fenster geschlossen,
es dringt sein fahles Licht durch den Store.
Bald ist er rund, wie in den Himmel gegossen,
seine Strahlung öffnet manch mystisches Tor. 

Die Nacht wird zum Tage, in Silber getaucht,
die Verborgenheit bekommt durch ihn ein Gesicht;
es lächelt nicht, ist uralt und verstaubt,
taucht die Welt in kaltes, gleißendes Licht.

Die Flüche flieh‘n vor des Tages Erwachen,
die im Jenseits beschatteten Wölfe der Nacht.
Der Tod bringt zum anderen Ufer den Nachen,
Vampire gehn schlafen – die Welt ist erwacht. 

Kleine Freuden am Fenster

Bild von Dangel099 auf Pixabay
Die Vögelchen suchend, blickt die Katze durchs Fenster;
ganz aufgeregt geht ihr Schwanz hin und her,
von der Birke, hoch oben, wie ein mutiger Tänzer,
wippt ein rotes Hörnchen in den Zweigen umher.

Das Eichhorn, so niedlich, fast zutraulich munter,
läuft direkt über Wiesen und ‚klebt‘ an der Mauer;
meine Katze liefe gerne durchs Fenster, runter,
geht nun im gesicherten Raum auf die Lauer. 
Die gestreuten Haselnüsse sind gefressen und fort,
ein Rotkehlchen hat das Gras kontrolliert -
das putzige Hörnchen ist nicht mehr am Ort;
jedes übrige Korn wurde schnell konfisziert. 

Der Mittagstisch wird täglich aufs Neue gedeckt,
für die wenigen hungrigen Mäuler im Außen,
wo sich das kleine Leben auch versteckt:
Allen soll’s gut gehen, Drinnen und Draußen! 

Zur Quelle allen Seins

Wasser – Hu JunDi (chinesischer Maler)
Wenn sein Tod die Geburt in den Geist des Lebens ist,
wandert der Mensch zur nächsten Etappe,
im Geiste seine eigne Persönlichkeit erhaltend.

Die Pilgerreise endet nicht im Nichts,
sondern dient der Verfeinerung 
aller dem Geist innewohnenden Eigenschaften,
zur Entwicklung, Belebung, Entfaltung bereit,
um sich der Quelle allen Seins zu nähern.

Der Mensch, der Geist ist, 
potenziell vollkommen erschaffen,
wird nicht in der Gottheit aufgehen,
bis er gereift ist,
in Entwicklungsgängen der Vervollkommnung,
die so unendlich sind wie Gott selbst. 

König aller Könige

Quelle: Pinterest
Gott ist der Ursprung aller Existenz,
beseelt den Kosmos, lässt die Sterne tanzen;
göttliche Energie, die Ur-Frequenz,
ist Architekt unendlicher Distanzen.

Der König aller Könige ist Er,
ist nur gekrönt von Licht und Sternenglanz;
Er ist kein Mensch, doch sind die Menschen mehr
als Körper nur - der Mensch birgt Seine Geist-Substanz. 

Ein Hauch von Nichts – mehr als Verstand;
toter Materie gibt Er Lebensgeist.
Psyche ist nicht nur Seele, sie verband
Materie mit Geist, der sie mit Liebe speist. 

Flicht die Krone Ihm, aus lichtem Denken,
übersteig mental Standpunkt und Sicht,
reiß ein die Mauern, lass die Liebe lenken,
hin zum Ursprungsort der Zuversicht.

Es werde Licht

Bild von David Mark auf Pixabay
Gewand der Nacht, vergänglich Ding,
der Himmel wechselt’s Kleid.
Der Weltenmorgen - Neubeginn,
in lichten Goldglanz steigt. 

Nach Gottes Wort am ersten Tag,
die Dunkelheit verging.
„Es werde Licht!“ – der Morgen naht,
ist wie der Welt Beginn. 

Der Anteil an dem Bau der Welt,
sei reines Denkens Licht,
damit das Strahlen, Raum erfüllt,
in deine Seele bricht. 

Jahresringe

Bild von lillaby auf Pixabay
Bald schon wieder Festtagszeit!
Ein Jahr ist wie nichts verflogen,
Gegenwart so schnell vollzogen,
so, als hätt‘ sie sich befreit.

Frei von den vergang’en Lasten,
die so schwer zu tragen waren,
sind erinnernd, wie Gefahren,
die sich hin zur Zukunft tasten.

Immer drehen Schicksalsräder,
sind mal unten und mal oben;
weinend, lachend, jauchzend droben,
und das Los treibt sie in Gräber.  

Wie am Baum die Jahresringe,
zeigen sich des Lebens Jahre;
von Geburtszeit bis zur Bahre
liegen längst vergang’ne Dinge.

Wenn die Kerzen angezündet,
lasst die Lichter weit erstrahlen,
denn das Leuchten gilt uns allen.
Friedenszeit ist uns verkündet! 

Kinderspiele

1956
Einst, auf asphaltfreien Straßen,
in den Zeiten nach dem Krieg,
als dort viele Kinder spaßten,
die der Tag ins Freie trieb.

Drinnen hingen Wäscheleinen,
füllten sich mit nassen Sachen,
in dem Wohnzimmer, dem kleinen,
war kein Platz zum Späße machen.
Wenn die Welt in Nebel sank
oder lag im tief Verschneiten,
war’n wir draußen, stundenlang,
spielten frierend in den Weiten.

Hatten rot gefror’ne Hände,
trotz der Fäustlinge am Bande,
die im Krieg zerschoss’nen Wände
boten Platz am Straßenrande.

„Wer hat Angst vor’m schwarzen Mann?“,
klang das Spiel mit Kinderfragen,
niemand war vor’m weißen bang, 
kein Mund wagte es zu sagen.

Und wir saßen auf den Steinen,
auf den alten Treppenstufen.
Unser Lachen, unser Weinen,
unterbrach nur Mutters Rufen. 

Schmerzvoll taute jeder Finger,
auf dem Essen lag ein Schweigen,
und des Vaters ernste Miene
ließ mich schnell nach draußen treiben.