Julius Porcellis 1610-1645 – Sonnenlicht bei stürmischer See
Das Lebensende ist letztendlich unabwendlich; wir zögern sie hinaus, die letzte Stunde, kämpfen noch um die dunkelste Sekunde, weil wir mit letztem Atemzug an der Materie kleben; erlöste Masse – wie vergänglich war dein Streben, nun gilt dein geistig Weiterleben wohl einer andren Klasse.
Ich begleitete im Jahre 2003 eine vom Tod ihres 15 jährigen Sohnes psychisch sehr angeschlagene Frau nach Kassel, damit sie dort an einem von Psychologinnen begleiteten Familienstellen nach Bernd Hellinger teilnehmen konnte. Dort wurden 15 Menschen behandelt. Ich wollte nur Begleitung sein und mich dort nicht aufstellen lassen. Letztendlich überredete man mich doch. Ich übernahm die Rolle von Juden, die zur Zeit des Holocaust im KZ umgebracht worden sind.
Damals habe ich es nicht für möglich gehalten, dass man in die Rolle eines anderen Menschen schlüpfen kann, und dessen Empfindungen wahrnimmt.
Der Mann, der sich behandeln ließ, bekam regelmäßig derartige Wutausbrüche, dass er zu Hause alle Möbel kurz und klein schlug. Er war ca. 40 Jahre alt. Er belastete sich unbewusst mit der Schuld seines Vaters, der im Krieg die Juden mit seinem LKW zum Bahnhof zur Deportation gebracht hatte und fragte sich, wieso er lebte und diese Menschen nicht. Das kam erst im Laufe der Therapie zu Tage.
Im Laufe des Familienstellens kam er dann auf mich zu, berührte mich an der Schulter und entschuldigte sich für das Tun seines Vaters. In diesem Moment habe ich zig Emotionen gleichzeitig gespürt: Wut, Angst und Verzweiflung. Es folgte eine nicht enden wollende Trauer, die sich in Weinkrämpfen bei mir bemerkbar machte. So sehr die Therapeutinnen auch versuchten, mich zu beruhigen, es gelang ihnen nicht. Die Sitzung wurde abgebrochen, aber mein Weinen hörte erst auf, als der Patient mehrfach um Verzeihung bat. Dann erst konnte ich damals die Rolle verlassen, doch sie verfolgt mich heute noch. Damals schrieb ich dieses Gedicht:
Wenn wir zusammensinken durch des Lebens Last, den Himmel und die Sonne nicht mehr finden, weil dunkler Schatten unser Herz erfasst und unsre Seele schreit aus Höllengründen.
Wenn unser Kreuz zu groß wird, das wir tragen, wir nur noch haltlos, schwankend weiterziehn, bis wir in einsam dunklen Tagen in keiner unserer Taten Zukunft sehn.
Wenn die Vergangenheit uns hält mit Klammerhänden, belastet durch das Schicksal unsrer Ahnen; wenn wir verzweifelt uns an die Verstorbnen wenden, dann wird der Himmel uns zur Vorsicht mahnen.
Die Toten sind befreit von allen Bürden, sie hatten ihre eigne Lebenslast zu tragen. Ob sie die unsre helfend mindern würden, das sollte man, dies würdigend, erfragen.
Zur Hilfe wird man viele gute Seelen finden, aber auch solche, die noch sehr am Erdendasein haften; die sich bei Aufruf fest an deine Aura binden, dich dort verbleibend, negativ umnachten.
Drum lass im Dunkeln, was im Dunkel war verborgen, habe Respekt vor Allem was einmal gewesen, denn eine andere Macht wird für Beleuchtung sorgen, und finstre Seelenflecken der Familie lösen.
Wenn Ängste vor dem Tod auf deiner Seele brennen, schaue nach innen und du wirst erkennen, dass tief in deinem Herzen etwas lebt, das dir auf deine Fragen eine Antwort gibt.
Bevor die letzten Schleier sich enthüllen, hast du dein Karma hier auf Erden zu erfüllen.
Fiktion und Wirklichkeiten sich verbinden; des Rätsels Lösung wirst du später finden, wenn irgendwann der letzte Vorhang fällt, kommen Erinnerungen an die andre Welt.
Du wirst zum Licht am Tunnel-Ende gehn und freudevoll Glückseligkeiten sehn.
Es werden alle Zweifel, alle Fragen schwinden und altvertraut wirst du den Weg nach Hause finden.
Die Engel leiten dich mit Regenbogenstrahlen und Sternenstaub wird Glanz auf deine Seele malen.
Du wirst dein Leben nochmals vor dir sehn, dir alle Fehler, die du machtest, eingestehn.
Kein Leid, kein Schmerz wird dich begleiten, nur Gottesliebe ist bei dir in Ewigkeiten.
Sie schmiegt sich warm um dich und hüllt dich ein; du wirst in Liebe unter deinen Lieben sein.
Es wird entschieden, ob dein Leben gut war oder nicht, hast du dein Ziel verfehlt, wird neues Leben Pflicht.
Erfüllte Leben deiner Seele Aufschwung bringen, bald darfst du ewiglich in Gottesnähe schwingen.
Sehnsucht nach Hause brannte tief in unsren Herzen, Erinnerungen an Lemuria, an ferne Welten. Gedachten dem verlornen Paradies mit Schmerzen und wussten doch, die Trennung wird nicht ewig gelten.
Sind seit Jahrtausenden mit dieser Welt verbunden, wissend der Wurzeln längst vergangener Kulturen. Des Mensch-Seins Höh’n und Tiefen haben wir empfunden, die Weltgeschichte ist gefüllt mit unsren Spuren.
Martyrium gehetzter Seelen, Qualen, erlitten unter kirchlichem Geheiß, durch falsche Lehren. Inquisition ließ uns mit Flammentod das Requiem bezahlen; die Kirche war bemüht, die wahren Glaubenssätze umzukehren.
Inkarnationen ließen unsre alten Seelen reifen und stets verbunden mit den fernen Himmelsmächten, uns oftmals fragend an den Überlieferungen zweifeln. Das Licht in uns begann das Kirchendogma anzufechten.
Mehr als vierhundert Jahre sind ins Land gegangen, als Luthers Thesen päpstliche Erlässe reformierten, doch blieb der Klerus stets im alten Netz gefangen, auch wenn gelehrte Köpfe lautstark protestierten.
Nehmt Jesus endlich von den Kreuzen dieser Erde! Mit seiner Himmelfahrt wollte er Zeugnis geben, dass so vom Kreuz befreit das Leid zur Liebe werde, Christ ist IN UNS die Auferstehung und das ewige Leben.
Dort, wo die Stille durch die Bäume sinkt und friedvoll mit dem Dunst zu Boden schwebt, dort, wo des Vogels Lied so traurig klingt, dort sende ich dir Grüße im Gebet.
Dort, wo auf Gräbern, die vergessen liegen, Unkräuter blühen, statt der Blumen Zier, dort, wo die Zweige, die im Wind sich wiegen, ganz leise flüstern zu den Mauern hier.
Dort, wo die Marmorsteine kraftvoll glänzen, neben den namenlosen, alt und unerkannt, wo Todesengel wachend bei den Kränzen irrende Seelen führen in das Anderland.
Dort, wo der Tränen Fluss die Erde nährt und auch der Himmel Trauertränen weint, dort wird die Seele, die gen Himmel fährt, still mit der Gottes-Ewigkeit vereint.
Kerzen, sie streuen mit flackerndem Scheine nächtliche Schatten im Tanze, breiten es aus, ihr Licht, das reine, himmliche Aura im Kranze.
Feuer strahlt milde, ein rotgold’nes Glühen, umzüngelt begierig den Docht, entrinnt wie ein festliches Feuersprühen, dem Herzen aus Wachs, das nicht pocht.
Unnahbarer, wie du dich sträubst und windest, und dennoch wieder findest deiner Seele Sehnen, im flüchtigen Moment, sekundenlang, in unerkannten Blicksekunden, hast du dein scheues Ich verbunden mit längst vergess’nen Tönen.
Du hörst die Harmonie und schreckst vor diesem Klang, der in dein Ohr dringt und dir ‚Nähe’ haucht, du willst nicht, dass sich die Distanz verbraucht, und deine Seele taucht, so ängstlich, zukunftsbang.
So müde macht das täglich’ Einerlei, weil es oft monoton den Tag durchläuft, wie eine Spieluhr, die man aufzieht und dabei das Leben unerschöpflich Vielfalt um uns häuft.
Fließt drin der Alltag müßig und draußen grauer Regen, verkriechen Mensch und Tier sich in den Räumen, kann nichts den müden Geist ins Freie heben, wird man in Wüstenzeiten von Oasen träumen.
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