Der Menschen Hände

Hugo Duphorn (1876-1909)

Der Menschen Hände sind gefüllt mit Schwere,
ein tiefes Weh darin, das von den Seelen fällt;
ein Steinwurf weit, der sie befreit und leere,
was wund belastet ihre kranke Welt.

Gefangen hält der tiefe Tränengrund,
bis ihre Klagen und ihr Leid vergehen,
die Heilung naht zu unbekannter Stund;
vorbei die Trübnis, wenn sie Hoffnung sehen.

Die Wahrheit, die im tiefen Grund verborgen,
hat längst gewandelt Weh zum Fundament,
das dort in Schmerzen heil und stark geworden,
vom Trug befreit, den Sinn und Zweck erkennt.

Ungetrübtes Kleid

St. Agnes in Prison – Frank Cadogan Cowper (1877-1958)
Befreit vom Staub der Jahre,
dein ungetrübtes Kleid;
mit Reinheit offenbare,
was jeden Spiegel freut.

Des Lebens Schmutz und Wirren,
was lieblos ist und laut,
lässt nicht dein Ich beirren,
das rein auf Gott gebaut.

Stehst aller Angst entgegen -
vertreibst die schwere Zeit.
Geh deinem Ziel entgegen
im makellosen Kleid!

Stoppelfelder

Unser Leben – ein bewachsenes Feld,
mit Getreide, das reift für die Ernte.
Halme, als Hoffnungen dargestellt,
für Pläne, die weit noch entfernten.

Saaten gelegt voll Erwartung und Fleiß –
üppig schossen die Triebe;
Sensenhiebe zerstörten das Reich,
dass von der Ernte nichts bliebe.

Abgemäht stehn die Stoppeln im Wind,
Enttäuschung gießt sie mit Tränen.
Gut, wenn der Felder Vielzahl es sind,
mit erntebereiten Plänen.

Nach Hause gehen

William Adolphe Bouguereau 1825-1905

Wir sind geblieben,
ließen dich nach Hause gehn,
nun stehn wir hier im Regen,
allein lässt du uns stehn
mit unsrer Trauer,
weil wir nicht begreifen,
dass dein Seelenreifen
vollzogen.

So bist du uns entflogen,
wie ein Vogel aus dem Käfig flieht,
wenn er fern das Sonnenlicht
am Himmel sieht.

Die liebsten Wünsche
begleiten deine Reise
und du wirst leise
schwebend deine Seele heben,
um zu erreichen deiner Sehnsucht
unendliches Streben.

Wirst du verbunden sein
mit dem, der deinen Namen rief,
dann schlafe sanft in seinem Arm und tief.

Friede ist das Meisterwerk der Vernunft. – Immanuel Kant

Akademie Platon’s

Im alten Rom kannte man die lateinische Aussage: Si vis pacem para bellum = Wenn du Frieden willst, rüste zum Krieg.

Es ist immer gut, wenn Menschen für den Frieden beten und sich bemühen, mit den höheren Wesen zusammenzuarbeiten. So können diese Kraft in unsere Welt lenken, um Kriege, Gewalt und all das zu beenden, was die Zivilisation, in der wir leben, stört und bedroht.

Es wird immer und für lange Zeit irgendwo Kriege geben, weil die Menschen eine einfache Wahrheit noch nicht gelernt haben: Alle sind Teil einer großen geistigen Familie. Man kann zwar die Körper töten, aber die Geister nicht zerstören. Solange dieses Wissen nicht geteilt und von denjenigen, die die Angelegenheiten in den verschiedenen Ländern lenken, in die Praxis umgesetzt wird, wird es zwangsläufig zu Kriegsausbrüchen kommen.

Wenn der physische Körper abfällt, erweisen sich alle Glaubensrichtungen, für die Menschen lange gekämpft und gestrebt haben, als leer und vergeblich, sinnlos und zwecklos, denn sie haben nicht das Wachstum der Seele um ein Jota gesteigert, das nur durch den Dienst am Nächsten vermehrt wird, denn wenn der Mensch sich verausgabst im Dienst an andere, wächst seine Seele in Gestalt und Stärke.

Was nützt die irdische Erfahrung des Menschen, wenn sie im Vergleich zur Ewigkeit so begrenzt ist? Die Ewigkeit ist die Summe einer unendlichen Anzahl von Erfahrungen. In der Ewigkeit spielt jede Erfahrung, jede Handlung, jedes Wort und jeder Gedanke eine Rolle, so klein sie auch sein mögen. Die Ewigkeit ist das Ergebnis all dieser gesammelten Erfahrungen, und wenn eine davon fehlt, gibt es kein vollständiges Gleichgewicht.

In einem großen Orchester mit drei- oder dreihundert Musikern hat der Mann, der die Triangel spielt, der vielleicht als der unbedeutendste Instrumentalist angesehen wird, eine wichtige Rolle zu spielen, denn wenn er, wenn seine Zeit gekommen ist, den falschen Ton anschlägt, oder wenn er es versäumt, seinen Ton zum Volumen hinzuzufügen, dann würde die ganze Symphonie verzerrt werden. So ist es auch mit dem irdischen Leben. Es ist Teil, und zwar ein wesentlicher Teil, der Ausbildung der Seele, in der sie die Spuren dieser Ausbildung für immer unauslöschlich registrieren wird.

Frei nach Platon:

Wer den Frieden liebt, soll in den Krieg ziehen;
wer den Krieg liebt, wird ihn im Frieden schaffen.
So findet sich jeder, ewig schreitend durch das Tor des anderen, bis ihm nichts mehr fremd ist.

Lebensenergie

Quelle: Pixabay
Wie die Menschen applaudieren! –
Tosend spielt die Show des Lebens,
Bilder nur, die längst vergangen -
Alte, die mal jung gewesen.

Andersartig sie erscheinen,
Zwang kriecht zwischen ihre Reihen;
wollen sittsam, Anzug tragend,
dezent, frisch frisiert erscheinen.

Nur der Moderator lächelt,
er macht Scherze, die erheitern;
lachend klatscht das Publikum,
schon geht die Scharade weiter.

Bilder sind es, die verstummen,
wenn man die Geräusche nimmt;
seh‘ die Schatten, wie sie fliehen,
wie ihr Licht im Raum verglimmt.

Dieser Film zeigt hier ein Leben,
das längst nicht mehr existiert,
alle, die darin erscheinen,
hat Gevatter Tod entführt.

Ihre Energie lebt weiter,
„Show must go on!“, die höher führt,
strebt frei empor die Jakobsleiter,
im Kreislauf Leben integriert.

Ursache und Wirkung

Bild von Stefan Keller auf Pixabay
Fortgeweht sind die Gedanken,
flogen mit dem Wind der Zeit dahin,
Ursache und Wirkung sich verbanden,
auf die Reaktionen zu Beginn.

Wirkungen, die auf die Taten folgten,
nahm die Zeit ins nächste Element;
das Hervorgebrachte trieb wie dunkle Wolken,
das Gerechtigkeit und Wahrheit trennt.

Wer dem Leben Schaden angerichtet,
richtet sich im Bannkreis der Moral,
doch Vergeltung, die selbst körperlich vernichtet,
steht in Ewigkeit in Seelenqual.

In der Körperlosigkeit des Unerlösten,
wird manch Frevel auf dem Geiste lasten,
denn das Urteil zwischen Gut und Böse
hat er nicht dem Höchsten überlassen.

Verborgenheit

Quelle: Pinterest – Veilchen im Moose
Es gibt Blüten, 
die nur in der Einsamkeit blühen,
als Wunder, wie bezaubernd erscheinen,
vielblättrig die Verborgenheit mühen,
sich im Stillen verdeckt,
mit dem Leben vereinen.

Es gibt Früchte,
an Bäumen, knorrig und schwach,
die mit ganzer Kraft Richtung Sonne treiben,
als letzte Blüte - keine danach,
sterbend,
das Wunder des Lebens zeigen.

Es gibt Worte,
die hell und verführerisch klingen
und dunkle des Abschieds und des Vergehens,
welche, die flüstern und andere, die singen,
geheimnisvoll tief,
die wir nicht verstehen.

Es gibt Seelen,
empfindsam, die einsam berufen,
entknospete Blüten, verborgen und schön;
die im Stillen wirken in zahllosen Stufen,
um nicht unfruchtbar
im Schweigen zu stehen.

Zeitzeichen

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Die Zeit ist fremd und kalt vorangeschritten,
und meine Erdenzeit,
genährt von Himmelsfrieden,
bald entglitten.

Ich will nicht mehr in dieses Schema passen,
und poesielos letzte Federn lassen.

Will nicht die Menschen sehn im trüben Licht,
das mir verklärt die warme Himmelssicht.

Die Luft der Erde,
die beim Atmen schwer in meinen Lungen liegt –
ich mags nicht mehr.

Fühle des Großen Geistes Kraft in meinen Adern fließen,
trägt die Lebendigkeit,
die alle Mordenden mit Füßen stießen.

Fühl kalt die vielen Lügen um mich her,
Blicke, die sich an Leid erfreuen…
ich will’s nicht mehr.

Wohlstand und Freiheit –
wie kostbar ist dies Los!
Dennoch sind Münder,
die bösen Hass verstreuen, groß.

Anstatt sich miteinander aufzustellen,
Hand in Hand,
zu demonstrieren für Gerechtigkeit und Land,
stehn sie getrennt – angriffsbereit.
Fahnen, sie wehen – wohl in jeder Zeit!

Ich kann nicht länger zusehen, wie sie streiten,
anstatt die Hand des Nächsten zu ergreifen,
mit ihm im Füreinander beten…
Wenn sie’s doch täten!

Kraftvoll

Quelle: Pinterest
Überwältigende Kraft – 
die aus dem Nichts ein Alles macht,

die Welt mit Farben überzieht,
gerecht ist und gleich gültig liebt;

aus Staub geformt, durch Geisteskraft,
den Mensch in diese Welt gebracht,

die Sterne und Planeten formte,
Gezeiten - Ebbe, Fluten normte,

millionenfach in Duft und Fülle,
mit Klang erfüllte tote Stille.

Natur, sie lässt ein reiches Leben,
in Wasser, Erde, Luft erbeben;

die Kraft, die nie versagt und führt,
was Menschheit wahrheitssuchend spürt.

Mensch drückt sich aus als Teil der Kraft,
im Dienen ist sein Zweck vollbracht.

Nie enden wird des Menschen Zeit,
die Leben aneinander reiht,

der Chancen ewiger Neubeginn,
Karma und Ausgleich - Lebenssinn.