Lebensacker – ihn zu pflügen, ihm zu schenken, neues Blühen, neue Mühen einzubinden und mit jeder Sicht ergründen, dass die neue Saat gediehen; und die Kraft, vom Geist geliehen, nach dem Mühen und Vollbringen, in der Ernte wiederfinden.
Das, was wuchs, fehl und verdorben, Unkraut lastig abgestorben; alle Mühen, alles Ringen, war umsonst, nur ein Misslingen, wo in dürren, müden Schollen, Saaten nicht gedeihen wollen. Pflüge um den Acker, pflüge, der bedeckt mit Fehl und Lüge!
Vom Strom der Zeit gelöst und mitgerissen, nichts kann ihn halten, den Moment. Ein Augenblick ist wie ein innig Küssen, zeitlos erlebt, verbunden, dann getrennt.
Es streift durch jede Zeit Vergänglichkeit, die Toten tragen Ruhm und Glanz im alten Namen. Im Ganzen lebten sie – Geist existiert und bleibt, Es änderten sich Menschen, Mode, ihr Gebaren.
Generationen, wie sie lachten, liebten, und hofften, dass die Menschheit besser würde, und sich letztendlich doch bekriegten, im kleinsten Raum oder der Welt zur Bürde.
Sie machten nieder, was der andre baute, zerstörten Existenzen, Hoffnung, Leben, und als am neuen Tag das Chaos graute, lag ein Geruch der Fäulnis auf den Wegen.
Gepflastert einst mit Hoffnungsschimmern, hat dies ein Leichentuch längst zugedeckt. Verstummt ist auch das letzte Wimmern, zerstört das Land – ein grässlich leerer Fleck.
Wie ein Komet, der einschlug, Leben ändert, wirkt Klimawandel, Krieg und saurer Regen. Die neue Eiszeit kommt, nichts führt zur Wende; der dezimierte Mensch sucht neue Wege.
Mit gesenkten Lidern durchwandern Menschen schlaftrunken die Welt. Gehen Seite an Seite und wissen nichts vom anderen; dabei suchen sie einander – vergeblich. Alle sind einsam, aber niemand ist alleine. Eine belebte Wüste der Einsamkeit.
Mit verschleiertem Blick gehen sie umher und vertreiben die Zeit mit Erwartungen. Ihre Augen sind offen, doch keine Wahrheit erreicht ihre Seele.
Sie sind so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie den versteckten Weltschmerz anderer nicht sehen. Sie sehen auch nicht die Lüge hinter dem Lächeln eines Mutlosen; sehen nicht den Ursprung eines Geschehens.
Menschen sind auf der Suche nach Liebe. Liebe ist kein Besitz. Liebe ist Freiheit. Wenn sie einen schwachen Hauch davon gefunden haben, versuchen sie sie zu halten. Ihre Hände greifen danach, doch werden sie den geliebten Menschen nicht daran hindern können, durch die Türe des Todes zu gehen. Bindende Schwüre werden genommen, doch die wiedergewonnene Freiheit macht Angst, denn das Läuten der Totenglocken bringt die Einsamkeit zurück. Nur Liebe bleibt bestehen!
Der aufmerksame Seher sieht den herrlichen Sternenhimmel über der Wüste, obwohl er weiß, dass ihm seine Stunde gesetzt ist. Er schaut zu den Sternen und weiß, dass er nicht alleine ist.
Rückschauend wird ihm bewusst, dass er nicht die belebte Wüste des Lebens durchwanderte, sondern mit verschleiertem Blick über eine Blumenwiese schritt.
Hineingestorben in das Leben, worin die körperliche Welt vergeht; aus Finsternis zum Licht entschweben, damit das Schein-ICH in Erleuchtung steht.
Den Gang des Leids durchschreiten, bei dem sich jeder Schritt im Kreise dreht; bewusst im Kreuz des Geistes Gegenwart erkennen, wie er des Lebens Bürden mit uns trägt.
Heimgehen, nach der Zeit des Reifens, um zu erfahren, dass das Leben ewig ist; durch Sterben und Vergehen begreifen, Neues wird sein, was Wissenschaft nicht misst.
Der Mensch wird in seinem Bewusstsein auferstehen, wenn er sich nicht mehr mit seinem sterblichen Körper identifiziert und ihn nur noch als Offenbarungswerkzeug sieht. Für den Geist, das Selbst, das wir in uns ICH nennen, gibt es keinen Tod, nur ewiges Leben.
Wiedergeburten entstehen nach vorangegangener Zerstörung. Alle Umwandlungen, also die Geburt aus der geistigen Welt in die Materie und im Tod die Geburt aus der Materie in die geistige Welt. Alles ist gleichzeitig Anfang und Ende. Eine Periode der Entwicklung wird beendet, eine neue begonnen. Leben ist in ewigem Fluss.
An einem goldnen Faden hängt das Leben, der Mensch webt schicksalhafte Bilder auf den Grund. Um die Stationen klar hervorzuheben, sind sie oft dunkel, farblos, manchmal bunt.
Aus vielen Fäden, die verknotet, wirren, entstand ein finsteres Gespinst aus Schuld; durch Leid und Tragik, fehlerhaftem Irren, riss manchem Lebensfaden die Geduld.
Beim Auseinanderwirren, müßig Trennen, der vielen Fäden, die das Lebenstuch bedecken, ist jener goldene Faden zu erkennen, der sich in all dem Wust der Zeit versteckte.
Führt Mensch ans Ziel der göttlichen Bestimmung, hineingewoben, wie im goldenen Vlies, bringt er auf dunklem Grund Erkenntnis und Besinnung, gesponnen für des Geistes Paradies.
Durchtränkt vom Blut millionenfacher Leben, tief in den Gründen anfänglichen Werdens; im Daseinskampf des triebbedingten Strebens der Ungetüme, die erlegt im Massensterben.
Ur-Wälder, undurchdringlich, wild und mächtig, mit alten Bäumen, unermesslich groß; die Riesenpflanzen, Schachtelhalme, prächtig, ein Dschungel, der die ganze Welt umschloss.
Es folgten nach dem Einschlag von Kometen, nachdem Vulkangestein begrub das Land, die Asche, die wie Schnee vom Himmel regnet, die Luft vergiftet, Sonnenschein verbannt.
Millionen Jahre, bis der Mensch ‚erwachte‘, als neues Ungetüm der neuen Welt; der sich das Erdenrund zu eigen machte, der es bebaute, herrschte und erfand das Geld.
Ein neuer Daseinskampf hat längst begonnen, Mensch gegen Tier, Mann gegen Mann; das triebbedingte Streben hat gewonnen, weil Mensch das alte Tun nicht lassen kann.
Schon wieder tränkt das Blut die durst’ge Erde - ein Herrscher kann nicht herrschen ohne Krieg. Die Welt der Waffen lässt die Menschheit sterben. Die neue Eiszeit kommt – ganz ohne Sieg!
Bildausschnitt „Birth of love“ – Vladimir Kush *1965
Die Jahre voll vom ruhelosen Wandern, vom Tun, das meinen Tag wohl füllte, doch leer die Welt mir ließ, wie all den Andern, denen sich Sicht und inneres Bild verhüllte.
Nichts konnte meine tiefe Sehnsucht stillen, die Tag für Tag nach Sinn und Liebe strebte, nichts, nur mein starker Daseinswille, der tot für jede Lebenswahrheit lebte.
Inmitten all der scheinbar nutzlosen Erfahrung, die Leid und Schmerz in meinen Alltag brachte, war es mir plötzlich wie ein Hauch von Wahrheit, die mich berührte, wach und fühlend machte.
Es konnte sich die Glut in mir entfachen, lebendig alles Falsche niederbrennen, die Flamme, die mir Halt und Wahrheit brachte, allmählich Lebenssinn und Ziel benennen.
Schlafende Seelen - wandert nicht durchs Leben mit toten Augen, die nicht sehen; lasst uns gemeinsam vorwärtsstreben, zur Göttlichkeit, um zu verstehen.
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