Momente

Bild von FelixMittermeier auf Pixabay

Vom Berg hinab ins Tal zu schauen,
über mir Himmel;
seh‘ Wolken ziehen,
vor dem blauen.

Gedanken ruhen, wie tiefe Seen.
Nur sein zum Schein,
unsichtbar,
im Licht vergehen.

Die morgenfrische Welt zu fühlen,
die schmeichelnden Lüfte,
wie sie duften und kühlen.

Augen schließend den Sinnen lauschen,
Gott-Vater finden,
im Innen und Außen.

Treppe nach oben

Bild von stokpic auf Pixabay

Wie eine breite Straße liegt das Leben am Anfang vor uns. Jemand kümmert sich um die kleine Seele, die das Licht der Welt erblickt. Erste Schritte werden gegangen, vorsichtig, um nicht hinzufallen. Es ist wie eine Mahnung für den weiteren Lebensweg: Nur nicht hinfallen! Stolpersteine gibt es überall, Verlockungen, Begehrlichkeiten. Schon als kleines Kind lernt man die Verbote der Erwachsenen.

Trotzdem muss man weitergehen, und man merkt, dass es immer schwieriger wird, weil überall Gefahren lauern. Ein oft überfordertes Kind, in der Schule, im Familienleben. Als ich ca. 10 Jahre alt war, begannen meine Träume von einer spiralförmigen Treppe, die nach oben führte. Dieser Traum kam häufig wieder. Obwohl es nur eine Treppe war, war das ein Albtraum für mich. Ich wachte jedes Mal schweißgebadet auf.

Bild von Xuân Tuấn Anh Đặng auf Pixabay

Eine spiralförmige Steintreppe, in einem Treppenhaus ohne Fenster. Das Schlimmste war, die Treppe wurde immer schmaler, je weiter und höher ich ging. Ich lief, in der Hoffnung, doch noch einen Ausgang zu finden, denn rückwärts, nach unten, konnte ich nicht laufen. Also ging es höher und höher. Ich fürchtete mich, als die Treppe schmal wurde. In drückender Enge musste ich mich hinauf quälen und schließlich kam die letzte Stufe, aber da war kein Ausgang. Dort saß ein großes, gelbes Küken, das gerade so auf die Treppe passte und quietschte mich an.

Ich liebe Tiere und flauschige Küken, aber dieses Traumwesen machte mir derart Angst, dass ich tagelang darüber nachdenken musste. Was hatte der Traum zu bedeuten? Damals konnte ich die Deutung nicht finden. Erst jetzt wurde mir klar: Die Treppe war das Leben, ohne darin zurückgehen zu können, nur vorwärts, immer höher, wie in einer Spirale. Irgendwann kam unweigerlich das Ende…und was kam dann? Das Küken ist für mich Symbol für ein neues Leben. Das Rad des Schicksals dreht sich aufs Neue. Es ist nicht zu Ende!

Ohne Wiederkehr

Edmund Blair Leighton (1853-1922) To the unknown land

Wo ist mein Lachen,
wo die Leichtigkeit der frühen Jahre,
als jeder Tag wie ew’ges Spiel begann?

Als dieses Spiel den schweren Kindheitstagen
noch Flügel gab, entflog und mit sich nahm.

Die Ängste, die wie Mauern vor mir standen,
sie wurden fortgeholt durch Traum und Zeit.

Die Fäden, die mich an die Eltern banden,
sie schnürten meine freie Kindlichkeit.

Und als der Faden dünner wurde mit den Jahren,
durchtrennten ihn erwachsene Fantasien.

Konnte entweichen, wo ich Zwang erfahren,
schon nah der Freiheit, wollt‘ ich zu ihr fliehn.

Doch auch in dieser Welt fand ich kein Lachen,
sah Leichtigkeit erstickt im Alltagsmeer.

Betrübnis treibt auf schwarzem Nachen
und trägt die Fahne „Ohne Wiederkehr“.

Liebeslied

Ich bin der Hirsch und du das Reh,
Der Vogel du und ich der Baum,
Die Sonne du und ich der Schnee,
Du bist der Tag und ich der Traum.

Nachts aus meinem schlafenden Mund
Fliegt ein Goldvogel zu dir,
Hell ist seine Stimme, sein Flügel bunt,
Der singt dir das Lied von der Liebe,
Der singt dir das Lied von mir.


Anmerkung von Hermann Hesse (1877-1962):
„Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich.“

Komposition, Arrangement und Produktion:
Schönherz & Fleer – Hesse Projekt- / Rezitation: Ben Becker

Dezember Ausklang

Geweihte Stunden im alten und neuen Jahr

Für dieses Jahr möchte ich mich verabschieden.
Danke, dass Ihr mir Eure Zeit gewidmet habt beim Besuch meiner Seiten.

Ich wünsche allen ein besinnliches, frohes Weihnachtsfest
und vor allen Dingen Gottes Segen und Gesundheit.

‚Schaut‘ mit den Herzen und ‚rutscht‘ gut ins neue Jahr.

Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,
still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend‘ geh ich durch die Gassen,
alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heil’ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigt’s wie wunderbares Singen-
O du gnadenreiche Zeit!

Joseph von Eichendorff
(1788 – 1857)

Wunderweiße Nächte

Es gibt so wunderweiße Nächte,
drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert mancher Stern so lind,
als ob er fromme Hirten brächte
zu einem neuen Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Demantstaube
bestreut, erscheinen Flur und Flut,
und in die Herzen, traumgemut,
steigt ein kapellenloser Glaube,
der leise seine Wunder tut.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Erinnerungswelt Weihnachten

Foto: privat – Weihnachten 1956

Das Zimmer roch nach Tannengrün,
am frisch gefällten Nadelholz,
dem, Ständer passend, Maß verliehen,
war es der Eltern Weihnachtsstolz.

Im Glanz der brennend weißen Lichter,
am grünen Tannenbaum geschmückt,
umspielte Freude die Gesichter
und jeder Mensch schien tief beglückt.

Silberne Vögel an den Zweigen
mit mundgeblas’ner Christbaumspitze,
und zwischen dem Lametta Reigen
sah man die Kugeln silbrig blitzen.

Der Raum roch ganz nach Wunderkerzen,
die Funken sprühten, knisternd sachte,
sie brannten sich in Kinderherzen,
wo ihnen lichte Wunder lachten.

Ich mag keine Puppen und Stoff-Bären

Was sonst so grob, schönte die Miene
durch Schokolade, Zuckerzeug.
So kostbar waren Apfelsinen
und Nüsse, die das Auge freut.

Schon lange sind die Kindheitsträume
im Niemandsland Erinnerungswelt.
Nur in den Himmeln wachsen Bäume
mit Weihnachtsschmuck, die niemand fällt.

Foto: privat – Weihnachten 1968

Liebe auf Erden

In der Stille flackern alle Kerzen,
bringen schimmernd Sonne in die Zeit.
Tragen Liebe in die müden Herzen,
Öffnen Geist und die Begrenztheit weit.

Die verschlossne Türe jenseits unsrer Sinne,
öffnet sich und lässt den Himmel spüren.
Alle Engel stehn seit dem Beginne,
heben Liebe durch die Himmelstüren.

So erhoben von der kalten Erde
wandelt sich die Kraft des Denkens.
Wo einst Steine waren, Leben werde!
So ist Gott der Geber und Beschenkte.

Einsam tret ich auf den Weg

Ivan Ivanovich Shishkin (1832-1898)

Einsam tret ich auf den Weg, den leeren,
der durch Nebel leise schimmernd bricht;
seh die Leere still mit Gott verkehren
und wie jeder Stern mit Sternen spricht.

Feierliches Wunder: hingeruhte
Erde in der Himmel Herrlichkeit…
Ach, warum ist mir so schwer zumute?
Was erwart ich denn? Was tut mir leid?

Nichts hab ich vom Leben zu verlangen
und Vergangenes bereu ich nicht:
Freiheit soll und Friede mich umfangen
im Vergessen, das der Schlaf verspricht.

Aber nicht der kalte Schlaf im Grabe.
Schlafen möcht ich so jahrhundertlang,
dass ich alle Kräfte in mir habe
und in ruhiger Brust des Atems Gang.

Dass mir Tag und Nacht die süße, kühne
Stimme sänge, die aus Liebe steigt,
und ich wüsste, wie die immergrüne
Eiche flüstert, düster hergeneigt.

(aus dem Russischen von Rainer Maria Rilke)

Gedicht von

Michail Lermontow (1814-1841)

Vom Töten der Kinder

Zur Weihnachtsgeschichte

Heutzutage ist es leider nicht verwunderlich, wenn Menschen die Weihnachtsgeschichte um die Geburt Jesus nicht mehr kennen. Für viele ist Weihnachten ein Jagen nach Geschenken, gutes Essen und das Beisammensein mit der Familie.

Sie wollen von den biblischen Überlieferungen nichts wissen, weil der Zeitpunkt der Historie gar nicht stimmen kann. War es im Dezember, als Maria ihr Kind zur Welt brachte? Spielt das eine Rolle?

Maria steht in der Bibel und im Koran als Jungfrau, d. h. als eine Frau, der noch nie ein Mann beigewohnt hat. Das klingt unglaubwürdig. Der Heilige Geist, also Gott, soll ohne Beischlaf ein Kind gezeugt haben. Die Kirchen stellen dies als Besonderheit dar. Aber ist das nicht immer so?! Gott schenkt Leben mit jedem Kind, das hier auf Erden geboren wird. ER ist das Leben! Es entspricht leider immer noch der männlichen Auffassung, dass eine ‚unbenutzte‘ Frau mehr Wert ist als eine entjungferte.

Es sind nur Bilder, die uns die Heiligen Schriften zeigen wollen. Man muss ein paar Schritte zurücktreten, um diese genauer betrachten zu können.
Etwas ganz Neues sollte entstehen, wie ein weißes Blatt Papier, das beschrieben werden muss. DAS wurde mit der ‚unbefleckten Empfängnis‘ dargestellt. Mit Jesus ist ein neuer Geist geboren, der die ganze Welt beseelen sollte und genau das ist geschehen.

Die frohe Botschaft von Jesus Geburt wird überschattet von einer schrecklichen Geschichte: Herodes ließ alle bis zwei Jahre alten Knaben töten, aus Angst, seine weltliche Macht zu verlieren. Joseph, wurde im Traum vom „Engel des Herrn“ aufgefordert, mit Maria und dem neu geborenen Kind nach Ägypten zu fliehen und dort zu bleiben, bis Herodes gestorben sei.

Diese schreckliche Geschichte der Bibel zeigt ein grausames Bild, das Historiker bislang nicht bestätigen konnten. Wie denn auch? Es sind nur Bilder, in denen sich eine ähnliche Geschichte des Alten Testamentes wiederholt!

Wenn Kinder neu geboren werden, sind sie noch sehr mit dem Jenseitigen verbunden, mit der Sphäre, die uns der „gesunde Menschenverstand“ im Laufe des Lebens immer wieder auszureden versucht. Kleine Kinder „sehen“ aus dieser jenseitigen Verbindung heraus oft viel mehr, als Erwachsene es wahrhaben wollen.

Biologisch stammt der Mensch von seinen Eltern ab, aber seine Seele stammt von Gott ab, aus einer astralen Welt, die der Mensch nicht sehen kann. Das Weltliche, Materielle, wird in der Bibel immer als ein Bild von Ägypten gezeigt. Nach der Geburt geht die Seele in die Verbannung – nach Ägypten – solange, bis sie gar nichts anderes mehr kennt.

Das, was wir als Seele bezeichnen, ist der Bereich des Kindes, ganz gleich wie alt der Mensch auch sein mag. Dieses Kindsein bildet die Verbindung zwischen dem Diesseits und dem Jenseits.

Auch heute noch tötet König Herodes die Kinder zur Zeit der Geburt des Erlösers im übertragenen Sinn. Dazu geht er in jedes Haus! Das bedeutet, ganz gleich, ob der Mensch 100 Jahre alt ist oder nur 20 oder 50 – sein inneres Kind wird getötet und von der jenseitigen Sphäre getrennt. Fortan kann der Mensch nicht mehr verstehen, weshalb die Welt so gegensätzlich ist. Es macht alles keinen Sinn mehr. Gott scheint dann fern und fremd zu sein. Die Welt des Materiellen (Herodes) tötet das Kind (die Seele) in uns!

Jesus muss als KIND geboren werden, weil er den Eintritt vom Jenseits ins Diesseits miterleben muss. Er bleibt jedoch vom Herodes-Mord verschont, weil ihn das Weltliche nicht bezwingen kann! (ein Bild)

Der Weg nach Ägypten, im Hebräischen: „nach unten“, ist demnach der Weg eines jeden Menschen, und die Erlösung fängt eigentlich dort an.*) Gott schenkt uns die Erlösung aus Ägypten, indem er – im übertragenden Sinn – selbst den Weg nach unten geht. Sein Heiliger Geist geht, um sich selbst in jedem Menschen zu opfern, damit wir ihm wieder näherkommen können.

Himmel und Erde verbinden… das Erkennen dieser Einheit ist das Glück des Lebens und dessen Sinn.

*)Zitat Züricher Bibel: „Und er (Jesus) sagte zu ihnen: Ihr seid von unten, ich bin von oben. Ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt.“ (Joh 3,31; Joh 17,14; Joh 18,36)