Verblichen abgedankt –
erlöste Körper in versunkenen Gründen.
Weltlich entfernt, der Erde abgewandt,
der Zeit entrückt, zum niemals Wiederfinden.
Gereifte Energien, gepflückt im Wandelbaren,
geerntet in der Freude, wo kein Auge weint,
um leibbefreit ihr Sein zu offenbaren,
obwohl gestaltlos unsichtbar es scheint.
Den alten Reigen tanzend - ewige Natur,
um körperlos die Erde loszulassen,
dem Geist des Ursprungs auf der Spur,
den Sinn, die Wahrheit sterbend zu erfassen.
An meinen Lieblingsbaum
von Charlotte von Ahlefeld

Die Träume, die in stillen Feierstunden,
Die dunkler Schatten mir so oft verlieh,
Die süße Ruh, die ich bei Dir gefunden,
Mein Lieblingsbaum, o die vergeß‘ ich nie!
Oft sah ich neben Dir die Sonne untergehen,
Entzückt von ihres Anblicks Majestät.
Oft hat des Herbstes lindes, kühles Wehen
Mit Deinem bunten Laub mich übersäet.
Vor meinen Blicken schwebten holde Bilder,
Im lichten Glanz der Jugendfantasie,
Da träumt ich mir des Schicksals Härte milder,
Und jeder Mißton wurde Harmonie.
Und liebend grub ich einst in Deine Rinde
Den Nahmenszug, der in mir brannte, ein;
Auch darum wirst Du mir, Du stille Linde,
Vor allen Bäumen ewig theuer seyn.
Wenn sich in Deinen blüthenvollen Zweigen
Des Westes leiser Odem kaum bewegt,
Fühlt mein Gemüth sich durch das tiefe Schweigen
Der heiligen Natur so ernst erregt.
Dann denk‘ ich all‘ der Wünsche, die vergebens
In meine Seele kamen, und entflohn,
Und seufze: wär‘ der kurze Traum des Lebens
Vorüber, wie so manche Hoffnung schon.
Und wäre einst nach meiner Tage Mühen,
O Baum, den stets mein Herz mit Liebe nennt,
Ein stilles Grab mir unter Dir verliehen,
Du wärest dann mein liebstes Monument.

An den, der leis mich rief
Schweben im Meer der
Lautlosigkeit.
Der Lärm der Welt verklingt,
und um mich her versinkt,
wie schwerelos, die Zeit.
Sie trägt mich himmelan
und wirbelt mich im Tanz,
umhüllt und schließt mich ein
mit lichtem Strahlenglanz.
Erfüllt mich liebevoll
mit engelgleichem Traum;
glänzt wie ein kleines Licht
am großen Lichterbaum.
So frei, voll Harmonie,
in Quintenklangmusik,
geb’ ich mein Innen hin,
an DEN der leis’ mich rief.
Weine nicht!

Wie die Meereswogen gegen Klippen schlagen,
wild und ungestüm, empört und rau,
tosen all die Stürme, die die Herzen tragen,
peitschen auf des Lebens tristes Grau.
Wo die schlimmen Wetter haltlos branden,
die verheerend in die tiefen Strudel treiben;
Elemente, die entfesselt Wege fanden
und den offenen Schlund des Abgrunds zeigen.
Niemals löscht ein Sturm das Licht der Sterne
und die seelentiefen Worte des Verstehens.
„Weine nicht!“, klingt‘s tröstend aus der Ferne,
wenn die Energien der Engel mit uns gehen.
Kühlen sanft und zart die heißen Wunden,
die ein Sturm im kranken Herz entfacht,
und die raue See scheint überwunden,
was den Lebensschmerz erträglich macht.

Erkenntnis

Als aus Christen Katholiken wurden,
sind daraus Materialisten entstanden,
damit die einen daran verdienen
und die anderen daran glauben müssen.
Die Natur ist verschwenderisch!
Instinktiv fressen Tiere, bis sie satt sind
und ruhen aus, bis sie wieder hungrig sind.
Beim Menschen ist das anders. –
Konsum macht ihn glücklich!
Mensch kauft sich tausend Dinge,
die er nicht braucht,
von Geld, das er nicht hat,
um anzugeben;
zeigt allen, wie es ihm gelingt,
auf großem Fuß zu leben,
obwohl der Schuh nicht passt.
Damit ihn Leute eindrucksvoll beneiden,
besonders die, die er nicht leiden kann,
macht er Schulden,
finanziert damit das Schöne, Neue,
bis ihn die Krise stoppt in seinem Wahn.
Wachstum und Leistungsfähigkeit -
gelebter Materialismus
Um mit möglichst wenig Menschen
in immer kürzerer Zeit,
bei geringer Bezahlung,
immer mehr herstellen zu können.
Wachstum haben wir mit Schulden finanziert,
deshalb haben wir jetzt eine Schuldenkrise.
Nur einen Ausweg gibt’s, dem zu entkommen:
Wachstum! –
Wie man ihn finanziert? …
„Und ewig grüßt das Murmeltier."
Des Herbstes Abgesang

Gereifte Frucht
befreit verließest du die Hülle Einzigartigkeit,
dientest dem Leben,
doch deine Reife war dem Herbst geweiht,
der dich zu Grabe trug
und dich begrub
im bunten Sommerkleid.
Der Herbst
von Gustav Sack

So komm, du wilder West,
und sing geheimnisvoll und runenkundig
in meinen Kiefern und Wacholderbüschen
das uralt düstere Jahreslied des Todes!
Und reiß aus meinem Herz des Sommers Freuden,
reiß sie gleich müd gewordenen Blättern ab,
auf daß mein Fuß sie raschelnd von sich stoße.
So wie von jenem Ahorn taumelnd dort
die schwarzgefleckten Blätter landwärts wirbeln,
laß all des Sommers gaukelnde Gestalten
zu krausen Scharen windgewiegt
ins graue Land Vergessenheit hinflattern!
Und dann, oh West, oh wilder West,
saug aus des Weltmeers weitgeebbten Brüsten
dir Sturmeskräfte hoch und schleudere mich
hohnlachend jenen Spukgestalten nach
und brause, laut aus vollen Lungen tobend,
über das Sommerglück, das du zerstört!

Ein sprudelnder Brunnen

Ein sprudelnder Brunnen mit Wasser des Lebens
füllt ohne Unterlass Schalen des Lichts,
gesegnetes Schenken des selbstlosen Gebens,
einer Quelle, die finstere Schatten durchbricht.
Wo ein Regenbogen den Ursprung spiegelt
und der Gold-Topf am Ende die weltliche Sphäre,
hat Gott die Sicht ins Jenseits versiegelt,
nur der Glaube daran füllt die seelische Leere.
Engel tragen das Licht in geöffnete Herzen,
füllen leere Münder mit göttlichen Worten,
dann öffnen sich Türen, weichen die Schmerzen,
und der Schleier öffnet die Jenseitspforten.
Irrlichter

Jugendzeit, wo ist dein Feuer? –
Funkensprühend war die Kraft.
Bliebst ein kurzes Abenteuer
der entbrannten Leidenschaft.
Neugier war des Triebes Drängen
auf die fremde Körperwelt.
Durch gesellschaftliche Zwänge
war verboten, was gefällt.
Unerforschtes Feld betreten,
hin zu fraglichen Regionen,
Reaktionen ungebeten
still erduldend beizuwohnen.
Wie mit tausend Händen fühlen
in des Dickichts Dunkelwelt,
die im Zwiespalt von Gefühlen
kurz darauf zusammenfällt.
Irrlichter – habt mich verschlissen!
Die mich Liebe gaukelnd banden,
flüstern heut‘ mir ins Gewissen:
Waren Funken, niemals Flammen.
Blätterfall
von Heinrich Leuthold
Leise, windverwehte Lieder,
mögt ihr fallen in den Sand!
Blätter seid ihr eines Baumes,
welcher nie in Blüte stand.
Welke, windverwehte Blätter,
Boten, naher Winterruh,
fallet sacht! Ihr deckt die Gräber
mancher toten Hoffnung zu.

