Kann Stille jemals lautlos sein, wie scheinbar Starres schwingende Atome trägt, den Augen unsichtbar, uns Fragen auferlegt in dieser Welt des ewig Wandelbaren?
Die Dichte lebt, was nur im Licht gewahr, und jeder Stein, so hart er scheint, trägt offenbar ein unscheinbares Schwingungsfeld in diese scheinbar starre Welt.
Der Menschenblick erliegt der Illusion.
Die Sonnensehnsucht ist der Wüste Tod! Gleich der des Erdbeschwerten, der sich selbst genügt. Geistig der Tod im Reich der Selbstverliebten, die seelisch stumpf sind, blind vom Spiegelglanz, verlieren sich im Licht der Arroganz.
Was ist der Sinn im Dur und Moll des Lebens? Geistiger Tanz – das Auf und Nieder singt ein Lied und plötzlich wird die Stille selbst zur Melodie: Bewusstsein ist die Kraft der Fantasie.
Ich sprach von Dir als von dem sehr Verwandten, zu dem mein Leben hundert Wege weiß, ich nannte Dich, den alle Kinder kannten, für den ich dunkel bin und leis.
Ich nannte Dich den Nächsten meiner Nächte und meiner Abende Verschwiegenheit, und Du bist der, in dem ich nicht geirrt, den ich betrat wie ein gewohntes Haus. Jetzt geht Dein Wachsen über mich hinaus: Du bist der Werdenste, der wird.
Aus dem Worpsweder Tagebuch 4.10.1900
XIII. Sonett an Orpheus
Sei und wisse zugleich des Nicht-Seins Bedingung, den unendlichen Grund deiner innigen Schwingung, dass du sie völlig vollziehst dieses einzige Mal.
Verblichen abgedankt – erlöste Körper in versunkenen Gründen. Weltlich entfernt, der Erde abgewandt, der Zeit entrückt, zum niemals Wiederfinden.
Gereifte Energien, gepflückt im Wandelbaren, geerntet in der Freude, wo kein Auge weint, um leibbefreit ihr Sein zu offenbaren, obwohl gestaltlos unsichtbar es scheint.
Den alten Reigen tanzend - ewige Natur, um körperlos die Erde loszulassen, dem Geist des Ursprungs auf der Spur, den Sinn, die Wahrheit sterbend zu erfassen.
Die Träume, die in stillen Feierstunden, Die dunkler Schatten mir so oft verlieh, Die süße Ruh, die ich bei Dir gefunden, Mein Lieblingsbaum, o die vergeß‘ ich nie!
Oft sah ich neben Dir die Sonne untergehen, Entzückt von ihres Anblicks Majestät. Oft hat des Herbstes lindes, kühles Wehen Mit Deinem bunten Laub mich übersäet.
Vor meinen Blicken schwebten holde Bilder, Im lichten Glanz der Jugendfantasie, Da träumt ich mir des Schicksals Härte milder, Und jeder Mißton wurde Harmonie.
Und liebend grub ich einst in Deine Rinde Den Nahmenszug, der in mir brannte, ein; Auch darum wirst Du mir, Du stille Linde, Vor allen Bäumen ewig theuer seyn.
Wenn sich in Deinen blüthenvollen Zweigen Des Westes leiser Odem kaum bewegt, Fühlt mein Gemüth sich durch das tiefe Schweigen Der heiligen Natur so ernst erregt.
Dann denk‘ ich all‘ der Wünsche, die vergebens In meine Seele kamen, und entflohn, Und seufze: wär‘ der kurze Traum des Lebens Vorüber, wie so manche Hoffnung schon.
Und wäre einst nach meiner Tage Mühen, O Baum, den stets mein Herz mit Liebe nennt, Ein stilles Grab mir unter Dir verliehen, Du wärest dann mein liebstes Monument.
Wie die Meereswogen gegen Klippen schlagen, wild und ungestüm, empört und rau, tosen all die Stürme, die die Herzen tragen, peitschen auf des Lebens tristes Grau.
Wo die schlimmen Wetter haltlos branden, die verheerend in die tiefen Strudel treiben; Elemente, die entfesselt Wege fanden und den offenen Schlund des Abgrunds zeigen.
Niemals löscht ein Sturm das Licht der Sterne und die seelentiefen Worte des Verstehens. „Weine nicht!“, klingt‘s tröstend aus der Ferne, wenn die Energien der Engel mit uns gehen.
Kühlen sanft und zart die heißen Wunden, die ein Sturm im kranken Herz entfacht, und die raue See scheint überwunden, was den Lebensschmerz erträglich macht.
Gereifte Frucht befreit verließest du die Hülle Einzigartigkeit, dientest dem Leben, doch deine Reife war dem Herbst geweiht, der dich zu Grabe trug und dich begrub im bunten Sommerkleid.
So komm, du wilder West, und sing geheimnisvoll und runenkundig in meinen Kiefern und Wacholderbüschen das uralt düstere Jahreslied des Todes! Und reiß aus meinem Herz des Sommers Freuden, reiß sie gleich müd gewordenen Blättern ab, auf daß mein Fuß sie raschelnd von sich stoße. So wie von jenem Ahorn taumelnd dort die schwarzgefleckten Blätter landwärts wirbeln, laß all des Sommers gaukelnde Gestalten zu krausen Scharen windgewiegt ins graue Land Vergessenheit hinflattern! Und dann, oh West, oh wilder West, saug aus des Weltmeers weitgeebbten Brüsten dir Sturmeskräfte hoch und schleudere mich hohnlachend jenen Spukgestalten nach und brause, laut aus vollen Lungen tobend, über das Sommerglück, das du zerstört!
Gustav Sack (1885-1916)
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