Heiliger Geist Leben

Das hebräische Wort für Geist ist Ruach, was übersetzt „Wind“, „Hauch“ oder „Lebenskraft“ bedeutet.

Quelle: Pinterest

Die ganze Welt existiert aufgrund des Geistes.
Ohne Geist gibt es kein Leben, denn Leben ist Geist und Geist ist Leben.
Der Geist des Menschen muss seinen vollen Ausdruck finden.

Wirklichkeit, vom Dunkel befreite Wahrheit,
du bist nicht in der Materie zu finden,
nicht in den Körpern bist du zu entdecken.

Menschen sind geistige Wesen;
Spiritualität wächst vom Moment der Empfängnis.
Es gibt nichts, was von dieser Realität trennen kann.

Der Mensch existiert aufgrund des ewigen Geistes,
um im Sonnenlicht der Freiheit zu leben.

Wissen muss in dieser Welt regieren und die Unwissenheit vertreiben;
Wissen muss sich verbreiten,
damit nicht die Angst aktivierendes Motiv des Geistes ist.

Der Geist des Menschen muss regenerieren und sich erneuern.

Ein Wandel im Herzen und die Anwendung geistiger Werte,
sind die einzigen Mittel,
welche Frieden in unsere unruhige Welt bringen werden.

Schlafes Bruder

Nachtmahr – Johann Heinrich Füssli (1741–1825)
Der Geist ist wach, auch wenn du schläfst,
der Körper wälzt sich in Erfahrungen der Jahre,
die Vielfalt ist so groß, die Spanne weit,
dass sich im Traum Durchlebtes offenbare.

Des Schlafes Grund ist ähnlich wie der Tod,
weil die Maschine „Körper“ ruhen muss.
Die größten Ingenieure dieser Welt,
kreierten nie der Weisheit letzten Schluss.

Der Körper ist ein wundersames Werk,
so wundervoll, wie es kein zweites gibt;
doch ist die Leistungsfähigkeit nur kurz
und manchmal wird man abermals belebt.

Wahrhaftig, man stirbt jede Nacht!
Nur durch die Silberschnur sind wir verbunden;
der Geist ist frei, ganz körperlos und wach,
treibt er durch viele Sphären, in geträumten Stunden.

Das menschliche Gehirn ist klein; nur bruchstückhaft
erinnern wir uns an die Sinnesdimensionen,
die wir durchziehen, wenn wir schlafen in der Nacht;
die Lücken schließen sich, wenn wir erst drüben wohnen.

Daumen hoch, Daumen runter

Pollice Verso „Daumen runter“ von Jean-Léon Gérôme 1872
Sport und Spiele sind eröffnet.
Sieger freuen sich, lachen, jubeln,
wenn vom eigenen Tun enttäuscht,
der Verlierer weint im Trubel.

Kleiner Krieg in Fangemeinden,
Pyrotechnik und Randale;
Böse werfen Böller, Becher,
fiebern hin bis zum Finale.

Heben Sieger auf den Sockel,
von dort stürzen ihn die Massen,
wenn er nicht ‚geliefert‘ runter.
Grölend treibt’s den Mob durch Straßen.

Der Kommerz reibt sich die Hände,
denn es blühen volle Kassen.
Die Athleten dieser Erde,
sie be-geistern Menschenmassen.

„Ich bin besser, größer, schneller!“,
stehts im Mienenspiel geschrieben;
Alkohol fließt durch die Reihen,
Mengen sind vom Wahn getrieben.

Ordnungshüter staatsbedienstet,
sind bezahlt vom Geld der Schwachen,
die sich wehrlos ausgeliefert
nichts aus Sport und Spielen machen.

Sex und Spiel und Alkohol
messen sich an falschen Göttern,
was im Rausch man finden wird,
sind des guten Geistes Spötter.

Kainsmal – ewiges Stigma

Kain auf der Flucht vor Jahwes Fluch – Fernand-Anne Piestre Cormon (1845-1924)
Wie Kain den Abel tödlich schlug,
und niemals Ruhe fand, Vergebung in der Zeit,
der seine Sünde durch die Welten trug,
die Eifersucht, den falschen Hass, den Neid,

so töten heute noch die Ahnen.
Die Menschheit wird sich stets bekriegen,
von Alters her Gezeichnete, sie mahnen,
man soll sich nie in falscher Hoffnung wiegen.

Die Offiziere, Generäle und Soldaten,
die zwischen Kugelhagel und Raketen,
Paroli bietend töten und auf Siege warten:
Wie sinnlos sie zu falschen Göttern beten!

Salz der Wahrheit

Carlos Schwabe (1866-1926)
Alle Frühlingswetter sind schon bald vergangen,
längst verweht, die grüne Woge des Erwachens,
gediehen in der Wärme, nimmt sie Abschied vom Anfang,
verwandelt die Tage, die hitzig zur Ernte hin fiebern
und Schatten malen auf dem Ginster,
der leuchtend blüht in den Weiten.

Bald glühen die Rosen, frohlocken,
betören durch Duft und Gebilde,
wie in farbigen Sträußen gebunden,
befreiend durch Dornen im Strauch -
gebrochen, mit blutigen Händen.

Stolzer Wald, du bist durch sie entwurzelt;
schwach liegt manches Holz am Boden nieder,
und die Dämmerung wob graue Fäden
in den Frühschimmer erster Strahlen.

Wald um Wald verschwanden,
Erd‘ und Himmel sind verdunkelt
und der Schimmer ist verblasst,
als Schlot-Asche niederhauchte,
die sich giftig in die Böden wuschen, Wachstum lähmend,
und die Mühlen mahlten unter Hämmern.

Wo ein Wispern in den Zweigen
traumhaft schien an Sommertagen,
Schattenkühle herrschte in der Waldesstille,
wo aus duft’gem Moos und grünen Farnen,
alles war so hold und eigen im Erleben.

Heute drehen dort die Räder, und die Täler
sind von Stein und Staub gefüllt in all den Jahren.
Düstre Zweifel wohnen in den Mauern,
denn die Feigheit buhlte mit des Teufels stolzer Tochter.

Alles Göttliche verdämmerte im Argwohn,
Angst diktierte manche Schrift und Mächte,
die von Gott sich eingesetzt ernannten,
schürten diesen Wahn mit Höllenfeuer.

Geld und Macht sind höchste Götter hier auf Erden,
und die Zeit ist schwer belastet von Gesetzen,
die der Natur zuwider, eigenmächtig in der Habgier handeln.

Führt die Braut des Wahns zu Opferbänken,
damit Gott in uns den Weg zur Heimat zeigt;
lass uns in der Waldkapelle horchen nach
verlorenen Klängen.

Was der Welt an Würze mangelt,
ist das Salz der Wahrheit, die zu streuen
Weisheit bringt und Wohlergehen.
Wachsen, hin zum Licht gewandt durch Jahreszeiten -
neu erwacht erblühen in der Welt von Morgen.

Gedanken

Foto: Gisela Seidel

Den nahen Sommer freudevoll erwarten,
wo jede Seele ist des Denkens Garten,
man zwingt sie nicht, sie muss von selbst erblühn –
ein stetes Kommen, Werden und Vergeh’n.

Gedankenfreiheit grenzenlos!
Du darfst die Blumen deiner Seele pflanzen,
setz‘ sie nach göttlichen Gesetzen, erdentief,
und pflück, dem Guten dienend, sie im Ganzen.

Friedensreich

Am Abgrund – KI modifiziert – Quelle: Pinterest
Kraft des Geistes – Dich zu bannen, 
wird auf Erden nicht gelingen.
Aus des Himmels Lichterzauber
schwebst Du still mit breiten Schwingen.

Sende Funken den Gedanken
in das Reich der dunklen Klagen,
wo die Blindgewordenen sanken
und längst andere Götter haben.

Andere Zeiten – Welt im Wandel,
seht sie nur, die Gottesfernen:
Materialismus, Geld und Handel,
Sinnestaumel, Griff nach Sternen.

Leben wollen, Frieden finden –
hat nicht jeder Mensch auf Erden,
Sehnsucht nach den höheren Dingen?!
Einmal wird es Wahrheit werden!

Christlich ist das Reich des Friedens,
das in dieser Zeit nicht endet;
Friedensreich des ew’gen Sieges,
darin Gott uns Gnade spendet.

Musikunterricht

Georgios Iakovidis (1853-1932)
Jungs aus meiner Klasse
haben ihn nicht ernst genommen – Mädchen schon;
trafen doch die meisten Flegel
absichtlich den falschen Ton,

und der gute, alte Lehrer
schien entgeistert von dem Sang;
nur wir Mädchen sangen leidlich,
mit Klavier-Blockflötenklang.

Und ich pfiff in allen Tönen,
selbst erlernt, mit Klammergriff.
Eltern mussten sich gewöhnen,
manchmal 'pfiff' mein Vater mit.
Simon Glücklich (1863-1943)
Festlich war die Weihnachtsfeier, 
laut war unser Flötenchor,
und der gute, alte Lehrer
stand mit Taktstock stolz davor.

An mein graues Liederbuch
denke ich so manche Stunde,
seh‘, wie die Kultur vergeht,
mit ihr auch die alte Kunde.

Wenn die vielen Worte sterben,
die einst unser Volk geprägt,
dann verblasst der Ahnen Erbe,
das sie uns ans Herz gelegt,

denn die Verse dieser Lieder
spiegeln einfühlsam die Zeit,
öffnen das Erinnern wieder,
was in Herz und Köpfen bleibt.

Mein Gärtchen

Foto privat 1955

Solch ein Gärtchen möcht' ich haben,
eins mit vielen Bäumen drin.
Dort könnt’ ich wie früher warten,
bis die Sonne unterging.

Auf dem Bänkchen würd‘ ich sitzen,
Kirsch, beringt am Ohr, im Mund;
sinnend meine Augen schließen,
froh sein, lächeln, ohne Grund.

Kurz noch wären meine Beine,
baumeln würden sie und schweben,
wenn ich dort im Sonnenscheine,
allen danke für mein Leben.

Nachts, da würd‘ ich drüber schweben,
über alle Beete, Hecken,
und mich über die erheben,
die mich stets mit Wut bedecken.

Und die Bäume würden rauschen,
wenn die Blätter zu mir singen,
ja, dann würde ich nur lauschen
und mit meinen Tränen ringen.

Gefühl von Sommer

Bild von pasja1000 auf Pixabay
Der Himmel breitet seine Bläue
an Sonnentagen über Stock und Stein.
Die Welt liegt hell, dass sich ein Jeder freue,
und jedes Korn wiegt sich zur Reife ein.

Geöffnet sind die weiten Sommertore,
und alles, was sich regt nach Licht,
erblüht im rosa Schein, wie Blütenflore,
dass sie verblühn, erschreckt sie nicht.

Willst du die Gräser wachsen hören? –
Es treibt hinauf, das immer gleiche Lied!
Als wollten sie beschwingt den Tag beschwören,
der Schatten nimmt und pure Liebe gibt.