Blüten unter Dornen

The soul of the rose – John William Waterhouse (1849-1917)
Die Zeit im wechselnden Gewand
bedeutungsvoller Unzulänglichkeiten,
die, konfrontiert mit harten Wirklichkeiten,
doch Rosenblüten unter Dornen fand.

Erinnerungslücken – löchrig‘ Kleid der Reue,
gespalten war der Zeitgeist zu Beginn;
erweckend zog Bewusstsein in den Sinn,
mit dem es Blüten über neue Wege streute.

Zu Trauerkränzen hat die Zeit geflochten,
die vielen Blüten, die die Spuren säumten,
denn alles, was die Massen sich erträumten,
war totgeweiht, weil sie kein Tun vermochten.

Es kommt ein neuer Frühling, neues Blühen!
Bald ist vorbei des Winters Bangigkeit.
Der Geist der Zeit wird neue Wege ziehen
und trägt ein neues, hoffnungsvolles Kleid.

Einmal im Leben

Quelle: Pinterest
Einmal im Leben Einen finden,
der sanft das Sehnen meines Herzens stillt,
sein Dasein lebt aus reinen Gründen,
im edel und vertrauensvollen Bild.

Der mir Gedanken zeigt im Licht,
einfach und gut, aufrichtig, mild,
ein Mund, der stets die Wahrheit spricht,
die sich verbreitet, wie ein Schild,

das abwehrt alle dunklen Töne,
die traurig sind im Unglück meiner Welt,
der in mir weckt das lichte Schöne,
als höchstes Glück, das zart herniederfällt.

Kein Mensch hat meinem Wunsch entsprochen,
denn keine Seele wird mir hier begegnen;
die Sehnsucht nach Erfüllung, ungebrochen.
Nur Gott allein kann mich in Liebe segnen!

Lied des Kindes

Es war noch klein.
Ein Kindlein, das allein den Weg nicht fand.
Es lief im Traum entlang an Dorf und Feld,
während es fern von aller Welt
ein Liedchen sang.

Es suchte einen Ort,
der Heimat war, wo man es kannte,
gütig es rief und es mit Namen nannte,
wo es geborgen und in Gottes Hand
am Abend schlief.

Die kleine Melodie
sang es in sich hinein, damit die Angst verflog,
und als es um des Weges Ecke bog,
da war ein Feuer angefacht,
wohl in der Nacht.

Es knisterte und loderte hinauf.
Staunend stand das Kind, schwieg und schaute.
Dort flackerte, als schon der Morgen graute,
die lichtumhüllte, engelhafte Kraft,
von Gott gebracht.

Es war das Licht der Welt
tief ihm im Kindersinn.
Die Sehnsucht blieb, der Traum, er ging.
Als tausend Lichter brannten an des Baumes Pracht,
lauschte das Kind dem ew’gen Lied
der stillen Nacht.

Andachtsvolle Weihnachten

Vincenzo Irolli (1860-1949)
Weihnachtsfest - Zeit der Erinnerungen;
wir lernten früh als Kinder diese Klänge,
wie schon die Alten hatten einst gesungen.
Die Kirche war gefüllt bis in die ob'ren Ränge.

Das Orgelspiel klang feierlich und trug
den Ton der Flöten durch die Reihen.
Wir sangen Christ entgegen, frohgemut,
der Saal, er war erfüllt von Glanz und Freuen.

Vor dem Altar sah ich die Englein schweben,
ich malte mir den Heiland, neu geboren.
Der Tag war mir ein himmlisches Erleben,
ich wurd‘ aus meinem Alltag fortgehoben.

Hell strahlend fiel herab der lichte Traum,
nahm fort die Sorgen mir und Nöte,
es streifte mich des Lichtgewandes Saum,
als wenn’s der ganzen Welt Erlösung böte.

Der Eremit

Tarot: Der Eremit – Quelle: Pinterest

Ferner Glocken helles Läuten,
das romantisch und erhaben,
binden Himmel und die Erde,
Menschen, die sich glaubend gaben.

In der Luft, da schneit es Töne,
die aus alter Bronze schlagen;
unberührt liegt Schnee am Wege –
heut‘ ist’s wie an stillen Tagen.

Müht der Eremit die Schwere,
eine Siedelei zu bauen,
um genesend von des Lebens
langem Siechtum zu ergrauen.

Heimatlich am See. Die Wolken
treiben ziellos in die Fernen;
seine Hoffnung zeigt gen Himmel,
schläft im Strohbett unter Sternen.

Der Kamin sprüht letzte Funken,
als das Haus im Schnee versinkt,
und es dämmert schon der Morgen
durch die Sonne, die ihn bringt.

Für das morgendliche Läuten,
bleibt des Klausners Ohr verschlossen,
denn kein Ton kann zu ihm dringen,
weil die Zeit von ihm geflossen.

Friedlich war des Körpers Schwere
in der Einsamkeit verblichen,
seiner Seele Kraft allein
in die Ruhezeit gewichen.

Als ob er von Geist getrieben,
glücklich von der Welt geschieden,
um ins Ewige versunken,
nur der Frömmigkeit zu dienen.

Morgen- und Abendrot

Foto: Gisela Seidel

Die Morgenröte der Möglichkeiten
erwacht im Lichtstrahl der Erkenntnis;
der Dunkelheit entstiegen,
erweckt sein,
voll von Gottvertrauen,
Leben fühlen und getragen sein von Vollkommenheit,
die begeistert,
einen unbekannten Weg zu gehen,
das Wofür zu finden im tieferen Sinn,
ihn anzunehmen,
auf die Zukunft gerichtet durch höhere Macht,
von ersten zaghaften Schritten,
hin zur letzten Wegstrecke des Alters.
In der Stille der Dämmerung,
sich als Kind fühlen,
das geborgen ist im Gegenwärtigen,
deren Hände ruhen vor dem Dunkelwerden,
das im höchsten Glück vollendend geistig macht.

Höhenluft

Aufstieg – Ferdinand Kofler (1853-1918)
Als Nichtigkeit die Welt zu überwinden,
emporzuschwingen, ständig aufwärtsstreben,
so, wie am Berg, die rechte Einsamkeit zu finden -
bezwungen will er werden, wie das Leben.

Die Höhenluft wie Heilung einzuatmen,
Gelassenheit, die unserem Dasein fehlt;
an schroffem Fels so wie in Trance geraten,
die auch im Aufstieg geistig stählt und hält.

All jene Hemmungen bezwingen,
die Kleinigkeiten, die in Frage stellen;
der Seele Lähmung wieder Kraft zu bringen,
zu hören auf die inneren tiefen Quellen.

Die Flügel öffnen, um hinfortzufliegen,
zum Sternenflug in ew’ge Sphären;
dort an der ‚Brust‘ des Großen Geistes liegen,
um des Geschehens Grund und Sinn zu klären.

Grab des Denkens

Maler: Hans-Georg Leiendecker

Sonnenschein, du Licht, verborgen
oft an frostbeschwerten Tagen,
segne uns mit deiner Wärme,
lass sie tiefe Spuren graben
in die eisigkalten Schollen,
rück sie fort vom Grab des Denkens,
die den Geist bedecken wollen.

Licht der Hoffnung, sei belebend,
schick‘ das Allmachtswort der Liebe,
dass es zur Erleuchtung bringt,
Dunkelsein im Weltgetriebe.
Leuchte uns den Weg ins Helle –
ganz, ganz leise in der Tiefe,
rieselt noch die reine Quelle.

Licht sein

Jesus heilt eine blutflüssige Frau – 4. Jahrhundert Katakombe Petrus Marcellinus Rom -s. Lukas 8,44

Was wir ersehnt, erstrebt, erhofft,
es treibt wie altes Holz im Strom des Lebens,
wir träumen manchen Lebenstraum vergebens
und widmen unser Herz dem Falschen oft.
Zurück bleibt nur die lichte Liebe, die wir schenkten;
oft ist sie nur ein Funke, mal ein helles Denken,
das in uns Sonne wird, die durch uns scheint,
und wenn sie Irdisches mit Himmlischem vereint,
dann geht ein stilles Leuchten durch den Raum
und flüchtig küssen wir den Saum
Seines Gewandes.

Zwiespältig

Quelle: Pinterest
Romantisches Bild - Wunsch-Fantasie -,
wo liebend verbunden in Harmonie,
Menschen tanzend den Tag beginnen,
sich umarmen, lachen, ihr Glück besingen,

mit geöffneten Händen den Segen empfangen,
durch des Schöpfers Fülle zum Wohlstand gelangen,
nicht auf die Rücken anderer treten
und Steigbügelhalter der Macht anbeten.

Genügsamkeit, Freude im Einfachen finden,
auch das kleine Glück dankend liebevoll binden;
nicht Werte des Nächsten mit Füßen treten,
für Gesundung der Menschheit um Heilung beten.

Gefolgt von Schatten sucht Mensch das Licht,
die wärmende Quelle, die Heilung verspricht.
Zwiespältig die Welt und das eigene Ich;
Ewigkeitsworte, wenn ER innerlich spricht,

der selbst Steine belebt und fruchtbar erhält -
aus dem Nichts bildet Er eine neue Welt.
Im Klang der Worte enthüllt sich der Tag,
der,erschaffen in Liebe, Harmonie schenken mag.