Loblied

Quelle: dreamies
Sang Dir ein Traumlied in der Nacht,
ein Loblied, das den Tag gebracht.

In Versen – silberhell ihr Schwingen,
soll es durch meine Seele dringen,

wie zarte Schmetterlinge fliegen,
Kokon befreit die Zeit besiegen

und jedes Flügelschlages Wehen,
als Wind des Wandels nie vergehen.

So, wie mein Lied des nachts Dir singt,
es durch die Welt der Vögel dringt;

dort zwitschert es im Federflaum
inbrünstig, lebensfroh vom Baum.

In Nächten, die das Dunkel bringen,
will ich Dir helle Lieder singen

und im Kokon des Körpers warten
auf Frühlingsluft in Gottes Garten. 

Und die Raben kreisen wieder

Bild: Karin M.
Maskenhaft trägt manche Miene
ihren Geist im Angesicht,
die alltägliche Routine  
deckt ihr wirkliches Gesicht.

Gleich dem Wetter hier und heute,
stürmisch herb und mächtig kalt,
sind maskiert der dunklen Leute
Geistesschwäche und Gewalt.

Über Dächer, wie die Raben,
fliegt ihr Geist durch Stadt und Land,
sucht sich hungrig einzugraben 
in der Köpfe Unverstand.

Dunkler Sinn und Alltagssorgen,
überschminkt und kostümiert,
was am Aschermittwochsmorgen
heim in die Gewohnheit führt. 

Wie die Raben kreisen viele,
dunkel krächzen sie und schreien;
wollen im Gesellschaftsspiele
Teile der Entwicklung sein.

In der alten Masken Zwänge -
ein Gestrick in rechts und links,
tönen ihre Mantras. - Klänge,
die ein Totenvogel singt.  

Warme Gedanken

Hans Andersen Brendekilde (1857-1942)

Winterschwere fall aus Bäumen,
wärme auf das Herz der Menschen.
Lass sie in der Sonne träumen,
schmück die Welt mit grünen Kränzen.

Wenn die lichten Strahlen gleiten,
wird die Schwere leicht und hell.
Löse ab die dunklen Zeiten,
sei des Lebens Blütenquell.

Schlittenfahrt

Früher kannten wir noch Winter,
und die Schneelast, die sich türmte;
waren wild verspielte Kinder,
die selbst draußen, wenn es stürmte,

rannten durch die dichten Flocken -
fuhren Schlitten, viele Stunden,
um in weißer Pracht zu hocken
und die Schneewelt zu erkunden.

Hügel rauf und wieder runter,
hei, die Luft war voll mit Lachen;
rot die Wangen und darunter,
unter unseren dicken Sachen,

die von Mutter fein gestrickten
Fäustlinge – sorgsam verbunden.
Wenn sie uns nach draußen schickte,
wär‘ sonst einer bald verschwunden.

Frierend gingen wir nach Hause,
weinend wärmten wir die Hände
nach durchnässter Schlitten-Sause,
doch der Schmerz schien nicht zu enden. 

Doch bereits nach Tagerwachen,
hinter Eis beblümten Scheiben, 
ließ das schneebeglückte Lachen
uns erneut ins Freie treiben. 

Sonnenaufgang

Bild von Wolfgang Dietz auf Pixabay
So kalt ist es heute Morgen,
so unbarmherzig der Wind!
Mit mir hinaus gehn die Sorgen,
die an meiner Seite sind.

Im Schnee verwehen die Pfade,
von anderen Menschen gegangen;
ich stapfe hinaus – alle Gnade
darf ich in der Schneeluft empfangen.

Die Welt ist erwacht und klirrend
sind die öden Straßen im Frost;
den Lärm des Verkehrs hör ich schwirren
und eisig weht es von Nordost. 

Nur ein kleiner Stern ist zu sehen,
der glitzernd am Himmel steht;
die kalten Stunden vergehen,
wenn die Sonne im Osten aufgeht. 

Neues Jahr 2024

Quelle: Pinterest
Das reine, nicht gelebte,
wie ein Buch,
mit leeren Seiten,
vom Leben selbst beschrieben,
mit Wahrheit, Hoffnung,
Krieg und Frieden,
mit Gutem und mit Bösem,
mit hellen oder dunklen Zeichen
zur Freude oder gar zum Leid,
hält jeden neuen Tag
dir als Geschenk entgegen.

Wie du die Stunden füllen wirst,
mit Leben oder Tod,
mit Liebe, Abschied,
liegt in deiner Hand…
ist Gottes Plan.

Das alte Jahr verging;
Schicksale, die es trug,
sie knüpfen an und werfen Schatten
auf das unbefleckte, neue.

Im Buch des Lebens
schlägt Gott die nächste Seite um.
Fülle mit deinem Licht die Tage
deiner Jahre.
Beleuchte alles Dunkle,
löse auf die Schatten,
zu neuer Hoffnung,
in ewigem Kreislauf!

Übersetzung:

New year

The pure, not lived,
like a book,
with blank pages,
written by life itself,
with truth, hope,
war and peace,
with good and with evil,
with light or dark signs
to joy or even to sorrow,
holds each new day
as a gift to you.

How you will fill the hours
with life or death,
with love, farewell,
is in your hands…
is God’s plan.

The old year passed;
Fates it bore,
they tie up and cast shadows
on the unsullied, new one.

In the book of life
God turns the next page.
Fill with your light the days
of your years.
Illuminate all darkness,
dissolve the shadows,
to new hope,
in eternal cycle!

Minutenbetrachtung

Wenn die Zeiger meiner Uhr 
kriechend auf dem Zifferblatt,
ihre eng bemessene Spur
mehr als eine Stunde hat,

dann beginnt das neue Jahr
voll mit lauter Knallerei,
lauert draußen die Gefahr
mit Getöse und Geschrei.

Als wenn böse Geister fliehen
vor dem nächtlichen Spektakel!
Was der Tradition geliehen,
klebt am Sinn wie ein Tentakel.

Lauter, greller, höher, weiter,
bricht das Feuerwerk die Stille –
die Minuten ziehn vorbei,
stiller wird das Reich der Fülle. 

Schaue letzte Blitze regnen
auf den Schmutz der grauen Straße,
hol‘ vom Sternenglanz den Segen,
dass ich bald in Ruhe schlafe. 

Kitt der Seele

Quelle: Pinterest
Kommt jetzt der Winter? Wo ist er geblieben?
Die Gier der Menschen hat ihn fortgetrieben!
Hier gibt es keinen Schneefall mehr,
nur warme Tage, klimaschwer.

Wo einstens früher Flocken tanzten,
Eisblumen sich auf Fenster pflanzten,
stieß Glaserkitt gefasstes Glas,
auf isoliertes Doppelglas. 

So abgegrenzt von der Natur,
verließ der Mensch gerahmte Spur,    
ist schöpfungsreich durch Wissenschaft,
Gott, der sie führt, den schafft sie ab. 

Lass doch den Schneefall wieder treiben!
Mein Opa flickte alle Scheiben
mit Fensterkitt in Ölpapier.
Sei DU der Kitt der Seele mir! 

Winterfreude

Iwan Iwanowitsch Schischkin (1832-1898) – Winter

Ach, wie war es eine Freude,
wenn wir morgens aufgewacht;

wenn das Eis am Fensterkleide
Blumen pflanzte über Nacht,

fielen sanfte Winterträume
flockendicht auf den Asphalt,

lag der Schnee auf allen Bäumen,
deckte Böden, Tal und Wald,

haftend auf des Weges Strecke;
Flocken trieben himmelsfern.

Hell erstrahlt die Straßendecke,
leuchtet, wie ein lichter Stern.

Unter’m Glanze der Laternen
streut die weiße Glitzermacht

flatterhafte Funkelsterne
flockenprächtig in die Nacht.

Hell erleuchtet sind die Fenster,
wo die Menschen stehn und schaun.

denn das kalte Wintertreiben
deckt längst Weg und Apfelbaum.

Ach, es sind nur Kindheitsträume.
Hier schneit es schon lang nicht mehr.

Und die letzten Apfelbäume…
ach, wie lang ist das schon her.

Foto: privat