Weihnachtszeit von damals

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Für mich ist sie ein stilles Angedenken
an eine Zeit, die längst vorüberging,
an Menschen, die in meiner Nähe,
als ich noch klein an Mutters Röcken hing.

Es war ein Menschenschlag, alt ihre Mienen, 
obgleich sie erst in jungen Jahren,
so unermüdlich, wie sie mir erschienen,
obwohl die schwere Arbeit ihre Stunden nahm.

Da war kein Urlaub und kein Wochenende,
an denen nicht das Haus, der Hof bestellt;
die Einfachheit kroch durch die alten Wände,
die schwarz des Kohlenstaubs vor Krieg erstellt.

Im Garten wuchs das Nötige zum Zehren,
und was der kleine Keller auf sich nahm,
von wo wir Kohlen in die Öfen leerten,
damit die warme Luft in unsere Stube kam.

Die Kälte kam des nachts in unsere Zimmer,
und morgens schmückten Eisblumen die Fenster;
neu angefachtes Holz löste den Schimmer
des Eises, scheuchte fort die Frostgespenster. 

An Heiligabend und an Weihnachtstagen,
an denen Christkind und die Eintracht zu uns kamen,
waren Geschenke klein, doch groß die Gabe,
Familienglück im Kerzenschein zu haben. 
Foto: privat

Nikolaustag

St. Nikolaus Bescherung – Johann Matthias Ranftl (1804 -1854)
Als ich ein kleines Mädchen war,
musste ich lang auf ihn warten.

Es waren viele Kinder da,
in unsrem Kindergarten.

Es duftete nach Tannengrün,
das war zum Kranz gebunden.

Zwei Kerzen darauf brannten ihm.
So warteten wir Stunden.

Wir bastelten so manches Ding,
malten auf buntem Papier.

Dann endlich kam er, und er ging
durch unsren Raum zu mir.

Brav sollt ich sein, das ganze Jahr,
ein wohlerzogenes Kind.

Und da ich dort recht artig war,
ging alles ganz geschwind.

Knecht Ruprecht mit der Rute schwieg,
hob an mich zu begrüßen.

Der Nikolaus ein Büchlein hielt,
ein Sack zu seinen Füßen.

Ein Plätzchen reichte mir der Mann
ganz gütig, lieb und heiter.

Ich sei ein gutes Kind und dann
ging er zum nächsten weiter.

Nur damals hab ich ihn gesehen.
Er liebte Weihnachtslieder.

Er frommte unser Taggeschehen.
Ich sah ihn niemals wieder.

Heut liebt man eher den Weihnachtsmann
der Coca-Cola-Werbung;

amerikanisch ist der Drang,
kulturlos seine Erben. 

Kalte Welt

Beendet sind die Erntefeiern,
die Scheunen voll, das Werk getan;
die Erde lag mit grauen Schleiern
des Herbstes voll, der Frost voran.

Er malte weiß, mit kalter Tünche,
bedeckte Baum und Strauch und Welt;
die Dächer deckten Weihnachtswünsche,
von Flocken prächtig dargestellt.

Durch jede Schonung geht ein Raunen -
es sägt der Tod der Bäumchen viele.
Ob manchmal noch die Kinder staunen,
wenn lockend winkt die Welt der Spiele?

Weh doch hinfort mit Kraft des Windes
den Überfluss, die Armutszeiten;
sei dieser Welt der Christ im Kinde
und Frieden bringend in den Breiten.

Hör wie des Waldes Bäume rauschen:
„Nur im Licht kann niemand leben!“,
denn das Licht als Offenbarung
wird es nur im Finstern geben.



Blinder Erfolg

Es haftet Böses in der Welt
und geht durch alle Zeiten.
Wenn diese Eigenschaft regiert,
wird sie ins Unglück leiten.

Wozu die Macht, wofür das Geld?  –
Der Tod hat keine Taschen!
Was man für gut und richtig hält,
leert sich wie volle Flaschen.

Des Menschen Sinnen ist der Drang
den Wohlstand zu erlangen.
Es treibt sie durch die ganze Welt,
zu groß ist das Verlangen. 

Ein wenig Glück, ein stiller Herd -
das wird nicht lange halten.
Ein Bessersein als nebenan,
wird die Gesinnung spalten. 

Denn Einfachheit scheint keine Zier,
man will sie überwinden;
ein schlechter Trieb öffnet die Gier - 
Erfolg trägt Augenbinden. 

Die Welt erwacht

Bild von My pictures are CC0. When doing composings: auf Pixabay

Es kämpft die Stille gegen ferne Stimmen,
verklingen leise, wie vergangne Nacht.
Der Wind hob an ein letztes Singen;
die Frühe hat ein Leuchten uns gebracht.

Lässt graue Dissonanzen höher klingen,
dass jeder Ton am lichten Fest
in Dur verwandelt, alles Moll der Dinge,
wie Glockenläuten klingen lässt.

Die Welt erwacht und Regenbogen-Fahnen
weh’n auf der Brücke, die zum Himmel führt,
so bunt und freudig; lässt das Ziel erahnen,
das Mensch und Tier seit Ewigkeit berührt.

Wir gehn und sehen nur das Dunkel,
manch‘ helles Leuchten sehn wir nicht,
wie über uns das Sternenfunkeln,
doch ist es bei uns, bis das Auge bricht.

Lügenwelt

Märchen von Hans Christian Andersen – Des Kaisers neue Kleider
Es lügen Große mit den Kleinen
und lassen sich für Geld verbiegen,
um Macht zu halten, zu vermeiden,
dass manche Menschen besser lügen.

Sie fälschen, schleimen oder wüten,
wo‘s doch banal und unbegründet,
und zeigen ihrer Unschuld Güte,
obwohl ihr Heil’genschein verschwindet.

Noch leben sie auf großem Fuße,
schleichen mit finsterem Gesicht.
Ihr Größenwahn wird längst zum Fluche,
doch die Fassade bröckelt nicht.

In ‚Kaisers neuen Kleidern‘ stehend,
leugnet man seinen Niedergang,
damit manch Dummer, Gelder gebend,
noch schmeichelnd ‚Jacke ziehen‘ kann.

Des Lügners Nacktheit sieht ein Jeder,
die ganze Welt schaut auf sein Toben.
Lügt er nun weiter oder geht er?
Brillen dem Volk und Hirn von oben!

Novembertag

John Atkinson Grimshaw (1836-1893) – November Morgen

Novembertag, du dunkler Pantomime,
bist jemand, der nicht gehen will.
Treibst hinter Fenster und Gardine
Gebärdenspiele, schweigend still.

Wie die Ruinen ausgedienter Hallen,
ganz lichtlos, elend, grau erfüllt,
verlassen, melancholisch, halb verfallen,
bedrückend, scheint bizarr dein Bild.

Der Himmel hängt nicht voller Geigen,
er hat sich lichtlos eingehüllt.
Aus vielen Wolken tropft das Schweigen –
der Tag, er steht mit Schwert und Schild.

Will sich der Helligkeit erwehren,
verteidigt seine Dunkelheit
und weder Kampf, noch Aufbegehren,
hilft abzuwenden diese Zeit.

Nächstenliebe

Kunstwerk: Banksy

Friedrich Weinreb‘s Erklärung des Wortes “Israel”:

“Israel” ist ein Synonym für einen spirituell oder religiös “erleuchteten” Menschen, und diese “Erleuchtung” hat mit der persönlichen Einstellung eines Menschen zur Welt und zum Leben zu tun und nichts mit der Abstammung, Sprache, Kultur oder konfessioneller Angehörigkeit.

“Israel” hat also mit dem Staat Israel, mit Judentum etc. nichts zu tun. Deshalb sind Israelis genauso wenig als “Israeliten” (Erleuchtete) zu betrachten, wie das christliche Abendland, als eine Ansammlung von Christen, was ja auch nichts anderes bedeutet als im Christusbewusstsein Erleuchtete.

Herbstliche Gedankenwelt

Der Wind pfeift durch die Jalousien,
es stürmt der Herbst die halbe Nacht;
die heißen Sommerträume fliehen,
die Welt ist abgekühlt erwacht.

Die Muhme kehrt mit scharfem Besen,
und Oheim Frost deckt Blättergräber;
für das, was lebensvoll gewesen,
sind sie der Totenhemden Weber.

Die schwarzen Vögel kreisen wieder,
wenn feuchte Nebelschwaden ziehen;
krächzend lassen sie sich nieder,
um vor der Sturmgewalt zu fliehen. 

Ihr hohes Haupt bizarr entblößend,
stehen die Bäume ringsumher;
demutsvoll und Furcht einflößend
ist das sturmdurchheulte Meer.

Weist auf lange Winternächte,
wenn der Herbst das Land erfüllt -
will Reim an Reim zum Kranze flechten,
zum herbstlichen Gedankenbild. 

Morgenwünsche

Quelle: Pinterest
Führer, der du mir im Geiste
nah gestellt für meine Leben,
halte schützend deine Hände
über mich und all mein Streben.

Weck mich auf, falls ich verschlafe,
halte mahnend meine Hand,
reiche mir für meine Wunden
deinen geistigen Verband.

Gib mir Trost in allen Nöten,
Liebe sei mein täglich Brot,
lass‘ mich durch des Lebens Brände,
wandeln wie durch Morgenrot. 

Harmonie gib meinen Tagen
und den Nachbarn schließ mit ein;
lass den Tag mit mildem Lächeln
Träger unserer Hoffnung sein.