So kalt ist es heute Morgen,
so unbarmherzig der Wind!
Mit mir hinaus gehn die Sorgen,
die an meiner Seite sind.
Im Schnee verwehen die Pfade,
von anderen Menschen gegangen;
ich stapfe hinaus – alle Gnade
darf ich in der Schneeluft empfangen.
Die Welt ist erwacht und klirrend
sind die öden Straßen im Frost;
den Lärm des Verkehrs hör ich schwirren
und eisig weht es von Nordost.
Nur ein kleiner Stern ist zu sehen,
der glitzernd am Himmel steht;
die kalten Stunden vergehen,
wenn die Sonne im Osten aufgeht.
Das reine, nicht gelebte,
wie ein Buch,
mit leeren Seiten,
vom Leben selbst beschrieben,
mit Wahrheit, Hoffnung,
Krieg und Frieden,
mit Gutem und mit Bösem,
mit hellen oder dunklen Zeichen
zur Freude oder gar zum Leid,
hält jeden neuen Tag
dir als Geschenk entgegen.
Wie du die Stunden füllen wirst,
mit Leben oder Tod,
mit Liebe, Abschied,
liegt in deiner Hand…
ist Gottes Plan.
Das alte Jahr verging;
Schicksale, die es trug,
sie knüpfen an und werfen Schatten
auf das unbefleckte, neue.
Im Buch des Lebens
schlägt Gott die nächste Seite um.
Fülle mit deinem Licht die Tage
deiner Jahre.
Beleuchte alles Dunkle,
löse auf die Schatten,
zu neuer Hoffnung,
in ewigem Kreislauf!
Übersetzung:
New year
The pure, not lived,
like a book,
with blank pages,
written by life itself,
with truth, hope,
war and peace,
with good and with evil,
with light or dark signs
to joy or even to sorrow,
holds each new day
as a gift to you.
How you will fill the hours
with life or death,
with love, farewell,
is in your hands…
is God’s plan.
The old year passed;
Fates it bore,
they tie up and cast shadows
on the unsullied, new one.
In the book of life
God turns the next page.
Fill with your light the days
of your years.
Illuminate all darkness,
dissolve the shadows,
to new hope,
in eternal cycle!
Wenn die Zeiger meiner Uhr
kriechend auf dem Zifferblatt,
ihre eng bemessene Spur
mehr als eine Stunde hat,
dann beginnt das neue Jahr
voll mit lauter Knallerei,
lauert draußen die Gefahr
mit Getöse und Geschrei.
Als wenn böse Geister fliehen
vor dem nächtlichen Spektakel!
Was der Tradition geliehen,
klebt am Sinn wie ein Tentakel.
Lauter, greller, höher, weiter,
bricht das Feuerwerk die Stille –
die Minuten ziehn vorbei,
stiller wird das Reich der Fülle.
Schaue letzte Blitze regnen
auf den Schmutz der grauen Straße,
hol‘ vom Sternenglanz den Segen,
dass ich bald in Ruhe schlafe.
Die Tage fließen, wie die stillen Stunden,
im Fluss des Lebens, hin zur Quelle.
Heilung bringende Kraft Seiner Liebe,
gesegnet strömt sie in offene Herzen.
Die Lichtwelt ist um uns, sie wartet auf unser Erfassen.
Ehrfürchtig schöpfen wir dann aus ewigem Born.
Kommt jetzt der Winter? Wo ist er geblieben?
Die Gier der Menschen hat ihn fortgetrieben!
Hier gibt es keinen Schneefall mehr,
nur warme Tage, klimaschwer.
Wo einstens früher Flocken tanzten,
Eisblumen sich auf Fenster pflanzten,
stieß Glaserkitt gefasstes Glas,
auf isoliertes Doppelglas.
So abgegrenzt von der Natur,
verließ der Mensch gerahmte Spur,
ist schöpfungsreich durch Wissenschaft,
Gott, der sie führt, den schafft sie ab.
Lass doch den Schneefall wieder treiben!
Mein Opa flickte alle Scheiben
mit Fensterkitt in Ölpapier.
Sei DU der Kitt der Seele mir!
Für mich ist sie ein stilles Angedenken
an eine Zeit, die längst vorüberging,
an Menschen, die in meiner Nähe,
als ich noch klein an Mutters Röcken hing.
Es war ein Menschenschlag, alt ihre Mienen,
obgleich sie erst in jungen Jahren,
so unermüdlich, wie sie mir erschienen,
obwohl die schwere Arbeit ihre Stunden nahm.
Da war kein Urlaub und kein Wochenende,
an denen nicht das Haus, der Hof bestellt;
die Einfachheit kroch durch die alten Wände,
die schwarz des Kohlenstaubs vor Krieg erstellt.
Im Garten wuchs das Nötige zum Zehren,
und was der kleine Keller auf sich nahm,
von wo wir Kohlen in die Öfen leerten,
damit die warme Luft in unsere Stube kam.
Die Kälte kam des nachts in unsere Zimmer,
und morgens schmückten Eisblumen die Fenster;
neu angefachtes Holz löste den Schimmer
des Eises, scheuchte fort die Frostgespenster.
An Heiligabend und an Weihnachtstagen,
an denen Christkind und die Eintracht zu uns kamen,
waren Geschenke klein, doch groß die Gabe,
Familienglück im Kerzenschein zu haben.
St. Nikolaus Bescherung – Johann Matthias Ranftl (1804 -1854)
Als ich ein kleines Mädchen war,
musste ich lang auf ihn warten.
Es waren viele Kinder da,
in unsrem Kindergarten.
Es duftete nach Tannengrün,
das war zum Kranz gebunden.
Zwei Kerzen darauf brannten ihm.
So warteten wir Stunden.
Wir bastelten so manches Ding,
malten auf buntem Papier.
Dann endlich kam er, und er ging
durch unsren Raum zu mir.
Brav sollt ich sein, das ganze Jahr,
ein wohlerzogenes Kind.
Und da ich dort recht artig war,
ging alles ganz geschwind.
Knecht Ruprecht mit der Rute schwieg,
hob an mich zu begrüßen.
Der Nikolaus ein Büchlein hielt,
ein Sack zu seinen Füßen.
Ein Plätzchen reichte mir der Mann
ganz gütig, lieb und heiter.
Ich sei ein gutes Kind und dann
ging er zum nächsten weiter.
Nur damals hab ich ihn gesehen.
Er liebte Weihnachtslieder.
Er frommte unser Taggeschehen.
Ich sah ihn niemals wieder.
Heut liebt man eher den Weihnachtsmann
der Coca-Cola-Werbung;
amerikanisch ist der Drang,
kulturlos seine Erben.
Es haftet Böses in der Welt
und geht durch alle Zeiten.
Wenn diese Eigenschaft regiert,
wird sie ins Unglück leiten.
Wozu die Macht, wofür das Geld? –
Der Tod hat keine Taschen!
Was man für gut und richtig hält,
leert sich wie volle Flaschen.
Des Menschen Sinnen ist der Drang
den Wohlstand zu erlangen.
Es treibt sie durch die ganze Welt,
zu groß ist das Verlangen.
Ein wenig Glück, ein stiller Herd -
das wird nicht lange halten.
Ein Bessersein als nebenan,
wird die Gesinnung spalten.
Denn Einfachheit scheint keine Zier,
man will sie überwinden;
ein schlechter Trieb öffnet die Gier -
Erfolg trägt Augenbinden.
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