Bizarrer Mond

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So prächtig ist er da, in sternenklarer Nacht,
durchdringt die Welt mit kühlem Glanz,
wälzt Mensch im Traum in stiller Wacht,
treibt in Bizarrheit silbrig Mummenschanz.

Gezeiten an den Küsten unsrer Meere,
beschleunigt durch der Sonne Kraft,
Gravitation durch stille Daseinsleere,
die erdgebunden nächtens schlaflos macht. 

Verlangsamtes Leben

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Der Monat trieft aus Poren und Ritzen.
Verlangsamtes Leben durch Hitze und Schweiß.

Ich kann ihn nicht leiden, will nicht mehr schwitzen.
Wo ich die Kühle suche, ist‘s heiß.

Die Wiese verbrennt, besonnt und verdorrt,
wie durch ein Brennglas trifft es die Welt.

Die Winde sind warm, die Schatten fort.
Wer hat diese Jahreszeit bestellt?

Fast tröstlich, der Gedanke an Eis –
wie ein Tropfen auf den heißen Stein!

Ein Regentanz im heil’gen Kreis -
könnte vielleicht der Retter sein.

Egal, ich tanz nicht. Ich tu‘ lieber nichts.
Bewegen verboten! Ergeb‘ mich der Zeit.

Man dümpelt so hin, als Opfer des Lichts.
Die elende Wärme – ich bin sie so leid!

Wesenlos

Es liegen zurück schon so manche Jahre,
voll fremder Gesichter und Avatare;
als Bildchen bekannte, doch fremde Gestalten,
fiktives Interesse an Worten und Walten
und anscheinender Sympathie –
ans Herz gewachsen sind sie, irgendwie.

Die Bilder möchte man nicht mehr missen,
und jedes ‚Like‘ kommt mir vor, wie das Grüßen
eines Menschen, anonym und nie nah,
der mir niemals die Hand reicht. Nur als Schein ist er da.

Dann verschwindet er lautlos, ohne ein Wort,
und man fragt sich traurig: Weshalb ging er fort?
Man sucht die Schuld bei den eignen Ideen.
Imaginäre Freundschaft? Wer kann das verstehen!?

Genauso schnelllebig, wie diese Zeit,
trägt Oberflächlichkeit ein gefühlloses Kleid.
Wer früher im Telefonbuch stand,
hat sich heute ins Internet verbannt;

als anonymer Mensch, der sein Wesen verlor,
geht er dort mit geschützten Daten d‘accord; 
taucht unter in der Menge der Namenlosen,
und die Offenheit ist mit in die Tiefe geflossen.  

Das Jahr geht

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Der Sommer bäumt sich auf, 
als wär’s das letzte Mal
an dem er Trost und Licht sein kann;
denn trotz August im Jahreslauf,
trägt Sonnenlicht gedämpften Strahl,
wie auch der Herbst ihn bringt alsdann.

Die Vögel schweigen ringsumher,
umflattern uns mit Schauer;
er trägt den Hauch von Ewigkeit,
die uns den Todesbecher reicht -
nichts ist von langer Dauer. 

Alles geht fort! – Verlassensein 
durchstreift die alten Glieder.
Man dreht sich um und ist allein,
die Nächsten gehn - kein Blick zurück, 
sie kehren nie mehr wieder. 

Das Jahr geht ohne Wiederkehr,
wie alle, die gegangen;
die um mich lebten, sie sind hier -
gedanklich einen Steinwurf weit,
von Dunkelheit umfangen.

Gedämpftes Licht

Ich friere -
zum ersten Mal in diesem Sommer;
im Raum ist’s kühl,
und ich verliere mich im Anbeginn des Tages.
Die Nacht war kurz, 
bedeckte das Gefühl von Gleichmut unter Träumen,
mit Menschen, fremd, von unbekannter Zahl, 
von Häusern, die sich an den Straßen säumen.

Ich schließ das Fenster, schaue zu,
wie Regentropfen an der Scheibe gleiten;
in meiner kleinen Welt,
da hat ein Herbst begonnen -
noch bricht ein großes Grün durch feuchte Zeiten.
Es wuchert ungestüm, wird mehr,
verdeckt den Schmutz der Mauerwand
und auf dem Boden blüht ein gelbes Meer,
das sich mit Frühlingslöwenzahn und Klee verband.

Und aus dem großen Wolkennass,
entleeren sich die Tränen, die der Himmel weint,
zeigen die Welt im dunklen Sonnenglas,
wie Buntpapier, durch das gedämpftes Licht durchscheint.

Grauer Tag

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Grau verhangen sind die Tage
und der Sommer geht dahin.
Regen lässt die Blüten fallen,
öde ist des Tags Beginn.

Traurig sinnend folgt der Wache
jedem Tropfen, der da fällt,
hört das Trommeln auf dem Dache -
es versinkt die Regenwelt.

Durch die Stunden geht ein Rauschen,
ein Gewitter zieht weit droben,
Blitz und Donner – neue Güsse
taumeln aus dem Nichts dort oben. 

Andere Sommer, andere Zeiten,
andere Menschen, andere Götter.
Einer bleibt: der Ewigliche -
unbeirrt vom Regenwetter. 

Bilder im Kopf

Fritz Zuber-Bühler (1822-1896)
Was ich noch sagen wollte,
halten Lippen noch verschlossen;
unaussprechlich ist der Sinn,
bis in Letter er gegossen. 

Meine Zunge hütet ihn
und der Ausdruck schweigt im Hirn;
viele Weichen muss er nehmen,
um Synapsen zu entwirren.

Innere Bilder nur, sie gleichen
dem Gedankenfluss im Kopf;
fließen durch die Nervenbahnen
in die Hände wie ein Tropf.

Um ein leeres Blatt zu füllen,
strömen Worte aufs Papier
und der Kopf wird frei für Neues –
so reift ein Gedicht in mir. 

Vom Strom getragen

Lautlos vom Strom getragen,
im Leuchten erster Sterne, wie an den Schöpfungstagen.

Irisierend – ein Zauber zarter Farben, im abgedämpften Licht;
wie schwerelos im Strome der Gezeiten gleiten,
berauscht und endlos durch die Weiten;

in unsagbaren Tiefen, leuchtendes Leben sehn,
sich und die Vielfalt dieser Welt verstehen –
auch in der Dunkelheit ist Licht.

Verbrannt

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Die Luft ist feucht –
aus den Kalendertagen fließt der Schweiß,
und durch die Hitze trocknet das Gemüt,
wie manches Blatt, 
das sich dem Ast entreißt
und still zu Boden geht; 
braun, 
wie die Haut der Sonnentrunkenen, 
liegt es dort, 
verbrennt,
ein kleines Teil, 
das sich von grün nach grau gefärbt,
„vergangen“ nennt. 

Ein Zeichen dieser Zeit,
die schneller scheint als sonst,
eilig, ihr Schritt;
die mit sich reißt, was brüchig ist. 
Nichts bleibt!
Auch das Erinnern an sie geht. 
Wir gehen mit. 

Tage am Strand

Bild von Sidcley auf Pixabay
Strände, gefüllt mit Menschen, die aufs Wasser starren,
die ihre Zeit verfließen lassen an den Ufern,
wo sich die Wogen schäumend türmen, gleiten,
ihr Element sich öffnet und umschließt wie Heimat.

Wo Möwen kreischen und zu Schwärmen in den Häfen
nach Nahrung suchen, zwischen all den Booten,
und auf den Promenaden geht, mit flatternden Gewändern,
die Heiterkeit mit alltagsmüden Augen, hinter Sonnenbrillen.

Da ist ein Lachen, dort Musik und Kinder, der Großstadt müde,
laufen hin zu den Gestaden; Muscheln, die an Land getrieben,
halten sie wie Gold in ihren kleinen Händen,
tragen sie in ihre Plastikwelt zurück, wie wahre Schätze. 

Sonne strahlt auf eingecremte, blasse Leiber -
wie Panade setzt sich Sand auf ihre Haut, oft rot gefärbt von Glut,
gesalbt, doch schutzlos vor Natur und Elementen,
ihnen preisgegeben, frei und ungezwungen.

Wie eine Hand voll Sand ist die durchlebte Zeit.
Ich fühle, wie er stetig durch die Finger rinnt;
öffne die Hand, lass‘ ihn vom Wind verwehen,
hin zu den Wellen unterm Sternenhimmel.