Osterzeiten

Foto: Gisela Seidel
Ein letzter Tag in bunten Osterzeiten,
der, wie so manch ein and‘rer Tag verging,
gleich einem Bogenstrich, auf alten Saiten,
bereit zum Sprung, ein wundgescheuert‘ Ding. 

Gefärbte Eier, wie an Kindertagen -
niemand, der lacht und strahlt vor Glück.
Allein bleib ich mit all‘ den vielen Fragen,
nach denen, die aus meiner Welt entrückt.

Doch redsam ist die Stille in den Wänden,
gibt mir ihr Geist, der immer noch bei mir,
die Antwort in mein Herz: „Es wird nie enden!
Bist du bei mir, so bin ich auch bei dir.“  

In dieser Hoffnung werd‘ ich wieder Eier färben, 
werd‘ denken an vergang’ne Ostertage;
trübe Gedanken sollen nicht verderben,
was ich in all‘ der Zeit erfahren habe. 
Ich (Ostern 1957 + 1958)

Kleine Meditation – Ein Versuch

Zum ersten Mal ist meine Stimme zu hören. Es ist mir gelungen, diese kleine MP3-Meditation hochzuladen, die ich vor zig Jahren geschrieben habe. Der Klang ist nicht optimal, aber mit Mikrofon des Android-Handys geht es nicht besser. Ich musste das Format konvertieren.

Frage: Ist meine Stimme ‚bühnenreif‘ oder sollte ich lieber schweigen?
Ich bin gespannt auf Eure Reaktion!

Ton des Videos bitte leise stellen, sonst wird die Sprache übertönt.

Schulzeit

Ich, 5 Jahre alt (1958)
Vergangen ist, was längst dahin,
erinnerungstief verschlossen;
doch wird so oft, des Geistes Sinn,
mit Tränen übergossen. 

Man wühlt in allem, was geschehn,
sieht sich in Kinderjahren
mit anderen im Reigen drehn,
im Hof an Schülertagen.

Wo sich im steinig klaren Quell
der alte Brunnen füllte
und sich die Kinder an der Stell
den Durst mit Wasser stillten.

Als uns der Pausenhof verband
zum Fangenspiel und Lachen,
wo Kinder sich noch Hand in Hand
im Singspiel Freude machten. 

Das Butterbrot in Zellophan,
mit Milchgeld für die Klasse,
in Reih und Glied standen wir an,
vorm Eingang in der Masse.

Es war geordnet, ruhig und schön,
das bunte Schulhoftreiben;
respektvoll gar wurd‘ angesehen,
was Lehrer tun und schreiben.

Mittags, da war die Schule aus.
Mit Ranzen auf dem Rücken
gingen wir wohlgemut nach Haus,
den Weg in unseren Blicken.

Da war kein Auto, kein Verkehr,
nur unser heimwärts gehen.
Heut‘ wird bestimmt, vom Handy her,
der Blick in’s Zeitgeschehen. 
Schulspaziergang – Albert Anker (1831-1910)

Mutter

Almuth Sidonie Köhler, geb. Nicolay (1925-1997)
Mein Licht warst du! –
So eng und ganz verbunden, 
wie es ein kindliches Gemüt begreifen kann.

Herzlose Taten von dir,
hab ich nie verwunden,
die mir das Ur-Vertrauen schließlich nahmen.

Als kleines Mädchen
legte ich all mein Denken,
mein ganzes Dasein, brav in deine Hand. 
Dem Vater dienend -
so wie du, ihm Achtung schenken,
und immer folgsam sein, von Anfang an.

Du hast mich viel gelehrt,
von Nähmaschinen, 
vom Stricken, Häkeln u.s.w.
 
Bei uns zu Hause 
hast du glatt gebügelt,
was vor den Augen anderer, wie Plissee. 
Meine Eltern 1950
Den Leuten zeigtest du 
stets nur Fassade. Es ging darum,
mit Lächeln das Gesicht zu wahren. 

Im Vater-Mutter-Kind-Spiel
zuzuschlagen, ganz gleich warum, 
war mir aus Angst in Mark und Bein gefahren.

Still zugesehen, hast du - 
eiskalt war dein Fühlen -
weil’s dir am fremden Leib gerecht erschien.

Du strafst mich immer noch, 
wenn die Gedanken in mir wühlen.
Ich kann, so weit ich laufe, nicht entfliehen. 
Ihr wart so groß!
Ich nur ein kleiner Wicht,
der stets erdulden musste, was geschah.

Hab zu dir aufgesehen -
verklärt ist dein Gesicht.
Du lebst in meiner Seele, immerdar! 

Wintermüdigkeit

Foto: Andrzej Berłowski – Quelle: Pinterest
Wintermüde ist mein Leben;
ich fühl noch des Frostes Schliff.
Tausendfach dem preisgegeben,
was mit kalten Händen griff.

War betäubt, wie leidumnachtet,
leergeweint im Wankelmut,
fuhr der letzte Hoffnungsschimmer
durch mein frosterstarrtes Blut. 

Sehnend nach des Frühlings Milde,
nach der Leichtigkeit des Seins;
war mit Ungeduld im Bilde,
denn das Warten war nicht meins.

Meine Wimpern, eisverhangen,
tauten auf, gelöst in Tränen.
Was bedrückte, ist vergangen -
Frühling fließt in meinen Venen. 

Trink die Tränen, gute Erde!
So viel Hoffnung ging zu Boden.
Tröste unser Sein und werde
Sonne uns, von Heut und Morgen.

Morgenfrühe

Quelle: Pinterest
Ich brauch die Ruhe früher Morgenstunden,
die wie ein Fließen mit dem Tag erwachen.
Mit letztem Schlaf und Dunkelheit verbunden,
treib Phönix gleich ich auf dem Traumwelt-Nachen

in einen weiten See der neuen Augenblicke;
wenn ich die Lider öffne, leidensfrei,
nehme ich dankbar an, des neuen Tages Bitte,
behutsam sein, wie Gegenwart auch sei.    

Es geht ganz leis die Nacht, wie all die Jahre,
deckt zu, was dunkel im Verborgenen liegt.
Obwohl ich sie schon längst verschlafen habe,
ist Traum- Essenz in meinem Denken, fest und tief. 

Im Glanz des Morgens ein Geschenk zu sehen,
als Gottesgabe, es mit Dank empfangen;
gestärkt sein für das weitere Weltgeschehen
und nach Vollendung Wahrheit zu erlangen. 

Auferstanden im Licht

Bild von Stefan Keller auf Pixabay
Die Stürme sind los, im lenzlichen Prangen,
des ersten Blühens im Land ohne Frieden,
wo Regengüsse die Böden erlangen,
der Häuser, die dachlos, wo Leben vertrieben.

Gemächer, so schutzlos, die Wände zerbrochen,
der bröckelnden Mauern, knirschend‘ Gebälk.
Hält denn noch stand, was den Tod gerochen,
was nicht wankt und im heren Wunsche nicht fällt?

Himmel, er dunkelt trüb über dem Felde,
Wolkentreiben weint auf unsere Not.
Alles ist fort! – Dort auf dem Minenfelde
keimte Korn letztes Jahr, für unser Brot.

Doch die Natur lässt sich nicht besiegen;
Trauerweiden verschleiern die Sicht.
Ob schon die ersten Schneeglöckchen blühen?
Zwischen Ruinen sieht man sie nicht.

Irgendwo draußen wird es wieder grünen -
österlich leuchtend, der Horizont.
Die Leiber getötet, dem Guten dienend,
auferstehen im Licht, wo die Liebe wohnt.

Unvergessen

an eine Freundin
John William Waterhouse (1849-1917)
Du, edle Perle, hast den Glanz verloren;
die Jahre legten bloß, den trüben Kern.
Mit hohem Haupt glichst du, wie auserkoren, 
dem Burgfräulein vom andern Stern. 

Die stolze Rose ist schon lang verblüht.
Verblasst die Farbe - rosig war dein Leben.
Darnieder liegt dein Leib. Man ist bemüht,
dir Kraft für deinen letzten Weg zu geben. 

In Krämpfen liefst du letzte, kurze Wege,
immer dieselben, kilometerlang im Kreis.
Das Sitzen war dir Qual; warst im Gehege,
das blickerlahmte Tier, das sich zerreißt.

Die letzten Worte waren unverständlich,
die du in deinem Krankheitswahn gesprochen.
Du warst noch jung, es wurde unumgänglich,
der Stab des Schicksals über dir gebrochen.

Dein Heimatort, die Menschen waren fort,
mit denen du dein gutes Leben teiltest.
Man gab dich hin, an einen anderen Ort,
an dem nur Alte waren, wo du weiltest. 

Dein Geist ist dir verhängnisvoll genommen,
du hast geweint, als er vor Jahren ging.
Mit ihm ist jedes Bild in dir verschwommen,
an denen tränenreich Erinnerung hing. 

Vor vielen Jahren hab ich dich verloren,
an eine Krankheit, die den Lauf der Dinge
so anders machte und geschworen, 
dass in Gedanken ich dir Rosen bringe. 

Vorfreude

Musik: Frederick Theodore Albert Delius (1862-1934)

Bald öffnen sich die Tore…
will ihn willkommen heißen,
ihm ohne viel Furore
im Geist entgegenreisen.

Bin längst des Frierens müde,
reiß alle Fenster auf,
damit ein Strahl sich grübe
vom hohen Sonnenhaus.  

In warmen Sommerhänden
wiegt mich mein Traum sodann;
er kommt mir sehr gelegen, 
damit ich hoffen kann.

Dann streicheln mich die Schatten,
das Dunkel schwindet schnell,
Das Licht auf den Rabatten 
macht Taggedanken hell.