Sommerspaziergang

An einem Sommertag, der längst vergangen,
an dem ich einsam durch die stillen Wiesen schritt, vernahm
ich Laute hinter mir, die wie ein Wispern mit dem Winde flogen,
und jedes Mal, wenn ich die weite Stätte überblickte,
war außer meinem Schatten niemand dort,
kein Unbekannter, der mich schreckte, kreuzte meinen Weg.

Und als ich weiter ging, vorbei an bunten Auen,
da senkten dunkle Tannen ihre Zweige wie zum Gruße.
Ihr dunkles Grün verneigte sacht sich unter milden Winden,
und wie im Spiele tanzten die Libellen an den Teichen.
Da raunte mir ein Säuseln, wie aus fernen Welten, durch die Äste,
und wie ein leises Flüstern ging es hoch durch alle Wipfel.

Nun hielt ich inne, lauschte in die angenehme Stille,
benommen noch von all’ den süßen Blütendüften,
und um mich wob ein herrlicher Altweibersommer,
in dem die Spinnentiere lautlos ihre Netze spannten,
und eine süße Schwere lag schon auf den Reben,
die voll des edlen Saftes an den Stöcken hingen.

Die Welt lag wie ein großer, bunter Garten,
so weit, bis lichter Horizont das Blau des Himmels küsste,
und als das Sonnenglühn die Felder golden malte,
da glaubte ich erneut, den schnellen Schritt zu hören, hinter mir.
Doch wieder ging mein Blick zurück ins Leere.
Geheimnisvoll, das Blätterrauschen in den Sträuchern!

  Was war das für ein Flüstern in den Hecken?
Erst klang es fremd, dann rätselhaft vertraut.
Der Mais trug in der Sonne schwer an seinen Kolben;
wie goldne Meere wogten weite Ährenfelder mit dem Winde.
Die Drossel sang zum Abschied mir ein Lied vom Abend,
und üppig rankte Efeu an den alten Stämmen.

Die schwere Luft vibrierte, heiß, mit Hitzeflimmern
und lauter wurden Flüstern und die Schritte.
Ein fernes Raunen drang wie dumpfes Donnergrollen, und
eine leise Ahnung kreuzte meinen Weg auf seiner Mitte.
Was folgte mir, verborgen, doch so gegenwärtig?!
Wird es in Schönheit mir erscheinen oder gar mit Grausen?

Saumselig ging ich durch die Auen an das Flüsschen,
vorbei an feuchten Ufern in das Abenddämmern.
Die ferne Glocke läutete zur Andacht wie in all den Jahren,
sie trug mir wohlbekannte Töne in die graue Stunde.
Und als die Stadt schon nah, da war der Tag verschwunden,
doch er, der Unsichtbare, folgte ihm mit eil’gen Schritten. –

Es war der Herbst! – Trug kühlen Abendwind in unser Städtchen
und trieb die ersten braunen Blätter auf die Wege.
Das satte Grün – schon bald wird es sich wandeln!
Und die Natur, sie wartet müd’, mit früchteschweren Zweigen.
So ist mit einem Mal der letzte Sommertag vergangen,
und ich ging nachdenklich dem Herbst entgegen.

Im Grase

John William Waterhouse 1849-1917

Um mich schwärmender Bienen Gesumm;
fernher Singen von Schnittern;
Sommerlüfte, die heiß ringsum
über der Wiese zittern!

Hoch aus dem dunkelnden Himmelsblau,
drin die Wolken verschwimmen,
quillt es und rinnt hernieder wie Tau,
säuselt wie liebe Stimmen.

Gaukelt und lacht mir hinweg das Leid,
hebt die Erdengewichte,
bis die Seele, gelöst, befreit,
schwärmt in dem himmlischen Lichte.

Adolf Friedrich Graf von Schack 1815-1894 – gemalt von Franz von Lenbach

Sonniger Nachmittag

Die Luft um uns hängt voller Geigen,
der leise Wind ist ganz erfüllt
 von Glücksgefühl. Ein Strahlenreigen
umspielt dein liebes, trautes Bild.

Der Zweige sanftes Auf und Nieder
 klingt rhythmisch, wie ein Flügelschlag,
es schwingt in unsren Herzen wieder,
der golddurchwirkte, heitre Tag.

Wie Flüstern hebt das Blätterrauschen
von Baum zu Baum sich, wie ein Chor.
Es singt und klingt – wir stehn und lauschen
und Seligkeit durchströmt das Ohr.

Wir fühlen Harmonie und Frieden,
der unsre Seelen sanft erfasst,
vereint mit der Natur, getrieben
von Liebe, fern von aller Last.

Gnadengabe

Pierre Auguste Cot 1837-1883

Dein Gesicht, wie es strahlt!
Einzig das Anschauen malt bunte Bilder
in mein graues Denken.
Wie deine Sonne von innen dich malt!
Sie weiß dir göttlichen Schimmer
zu schenken.
 
Wie dein Herz mich erhellt!
Deine Blicke halten ganz fest, sie zügeln
den unruhigen Geist.
Es scheint nicht von dieser Welt,
wenn das Gefühl vom Schweben
mich vom Hier und Jetzt entreißt.
 
Wie sehr du mich erfüllst!
Worte, sie führen zusammen, verbinden
Geist und Körper im Fluss.
Charismatisch ist das Empfinden!
Die Anziehung, wie ein
nicht endendes Muss.

Das bucklige Männlein

Gezeichnet von Sulamith Wülfing 1901-1989

Erstausgabe in ‚Des Knaben Wunderhorn‘ von L. Achim von Arnim und Clemens Brentano 1806/08

Will ich in mein Gärtlein gehn,
Will meine Zwiebeln gießen,
Steht ein bucklicht Männlein da,
Fängt als an zu niesen.

Will ich in mein Küchel gehn,
Will mein Süpplein kochen,
Steht ein bucklicht Männlein da,
Hat mein Töpflein brochen.

Will ich in mein Stüblein gehn,
Will mein Müslein essen,
Steht ein bucklicht Männlein da,
Hat’s schon halber gessen.

Will ich auf mein Boden gehn,
Will mein Hölzlein holen,
Steht ein bucklicht Männlein da,
Hat mir’s halber gstohlen.

Will ich in mein Keller gehn,
Will mein Weinlein zapfen,
Steht ein bucklicht Männlein da,
Tut mirn Krug wegschnappen.

Setz ich mich ans Rädlein hin,
Will mein Fädlein drehen,
Steht ein bucklicht Männlein da,
Läßt mirs Rad nicht gehen.

Geh ich in mein Kämmerlein,
Will mein Bettlein machen,
Steht ein bucklicht Männlein da,
Fängt als an zu lachen.

Wenn ich an mein Bänklein knie,
Will ein bißlein beten,
Steht ein bucklicht Männlein da,
Fängt als an zu reden:

„Liebes Kindlein, ach, ich bitt,
Bet fürs bucklicht Männlein mit !“

Der Mond ist aufgegangen

Zwei Männer beim Betrachten des Mondes – Caspar David Friedrich

1790 vom Matthias Claudius als religiöses Abendlied geschrieben. Vertont wurde es noch im selben Jahr vom Hofkapellmeister Johann A. P. Schulz.


Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;

Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!

Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön!

So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel;

Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß uns dein Heil schauen,
Auf nichts Vergänglichs trauen,
Nicht Eitelkeit uns freun!

Laß uns einfältig werden
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein!

Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!

Und, wenn du uns genommen,
Laß uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!

So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.

Verschon uns, Gott! mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbar auch!

Matthias Claudius 1740-1815

Schicksalstage

Porträt Hermann Hesse 1905Ernst Würtenberger 1868-1934

Wenn die trüben Tage grauen,
kalt und feindlich blickt die Welt,
findet scheu sich dein Vertrauen
ganz auf dich allein gestellt.

Aber in dich selbst verwiesen
aus der alten Freuden Land,
siehst du neuen Paradiesen
deinen Glauben zugewandt.

Als dein Eigenstes erkennst du,
was dir fremd und feind erschien,
und mit neuem Namen nennst du
dein Geschick und nimmst es hin.

Was dich zu erdrücken drohte,
zeigt sich freundlich, atmet Geist,
ist ein Führer, ist ein Bote,
der dich hoch und höher weist.

Ostern und Pfingsten

Pfingsten – Ausgießung des Heiligen Geistes – Rabbula-Evangeliar 586

Was machen die Menschen aus Gott? Für mich ist es bedauerlich und abscheulich, Gott für all das Böse auf der Welt verantwortlich zu machen, obwohl es immer ‚nur‘ die Menschen waren/sind, die sich oft auf bestialische Art und Weise an anderen Völkern vergehen und vergingen.

Hier ein einfaches Beispiel, obwohl es das Osterfest betrifft: So sagten die Juden: Gott befahl einen Widder zu schlachten, weil die Ägypter diesen verehrte. Die Christen hingegen bezeugen einmütig, das Opferlamm sei ein Vorbild des Opfers Christi gewesen.

Woher stammen die Überlieferungen von Jesus Kreuzigung, die aussagen, ihm seien die Beine nicht gebrochen worden? Joh 19,36: Dies ist nämlich geschehen, damit das Schriftwort erfüllt würde (Ps 34,21): »Es soll kein Knochen an ihm zerbrochen werden.«

Allgemein war es üblich, dass die römischen Soldaten die Beine der Leidenden brachen, damit diese schneller sterben konnten.

So machen auch die Verse 4. Moses 9,12 und 2. Moses 12,46 einsichtig, dass beim Pessach (Frühlingsfest/Ostern) die Knochen des Opfers unzerbrochen bleiben sollten.

Die Tatsachen wurden auf üble Art und Weise verdreht und zu Kirchenzwecken verwendet, wahrscheinlich auch zur Schaffung des ‚Neuen Testamentes‘.  

So behaupteten die ägyptischen Priester, dass ihre heiligen Schriften von Thot (dem Gott der Weisheit) herstammten, der durch das Wort erschafft.

Thot – Gott der Weisheit wird zum Schöpfer durch die Macht der Worte. Auftraggeber dazu ist Re.
Thot bleibt ihm aber untergeordnet.

Joh 1: „ Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott…“

Die Hellenen nahmen ihn als Logos in ihren Glauben auf ; die Christen verbanden ihn mit dem Heiligen Geist, welcher die Menschen zum Weissagen befähigte und zur Verrichtung von Wundern.

So verfestigte sich diese Vorstellung bei den katholischen Priestern, die damit den Heiligendienst ausbildeten und den Einklang zur Offenbarung sahen. Diese Annahmen wurden dann auch von der Evangelischen Kirche vertreten, um die Glaubwürdigkeit der neuen Religion zu unterstreichen.

Vom Ursprung des Pfingstfestes

„Und sie (die Menschen) erstaunten über seine (Jesus) Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten.“ – Mar 1,22

Deren vorentworfenen Reden sind tot in sich selbst und beleben keine Seele.

Jesus (Gott) hingegen hat das Feuer in den Zuhörern entfacht und ihren Geist (ihr Bewusstsein) geöffnet, damit sie seine Botschaften verstehen konnten. So ging ihnen ein Licht auf!

In Apostelgeschichte 2 folgt dann ein Zitat aus dem Propheten Joel 2,28:

„Und danach wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgießen werde über alles Fleisch.“

Die katholische Kirche hat in den ersten Jahrhunderten heidnische Feste umgewandelt und als christliche eingeführt. Darunter fällt auch das Pfingstfest. Das ursprüngliche, alt-ägyptische chamsin bedeutet Fünfzig, nämlich die 50tägige Dauer des heißen Wüstenwindes, dessen Anfang von den Juden als pessach (Ostern) und dessen Ende als Wochenfest gefeiert wurde.

Priester und Opfer! Die Opfer für dieses Fest waren von den Priestern vorgeschrieben: Ein 7jähriges Lamm, 2 Brote und 2 Schafe als Brandopfer. Außerdem wurden noch ein Bock für die Sünden des Volkes und 2 weitere für das Wohlergehen des Volkes geopfert.

Das brachte Geld in die Kasse, gestern und heute. Die Einfältigkeit des Volkes wurde stets ausgenutzt. Für jedes Orakel gab es Geld. Weissagungen Dritter wurde deshalb mit dem Tod bestraft. Um an der Macht zu bleiben, mussten die Priester dem Volk Angst machen.

Schon zu Moses Zeiten wurden Tausende aus dem eigenen Volk geopfert, durch verbrennen, nieder metzeln, aufhängen oder kreuzigen, lebendig begraben oder in den Abgrund stoßen. Moses als Prophet benannte sein Opfer durch ein Orakel und vollzog dieses Todesurteil in der Überzeugung, dass es für das Gemeinwohl notwendig sei.

Die biblischen Gestalten konnten die Verhältnisse des Weltgeschehens nicht deuten. Immer war Glück und Unglück Wirkung unsichtbarer Wesen, deren Wille man sich erdienen musste.

Die Bibel bleibt für jeden denkenden Menschen ein wichtiges Dokument alter Zeit, auch wenn die mit Fälschungen behaftete Theologie, welche von den Päpsten und Kaisern beauftragt waren, längst aufgedeckt ist.

Die Schriften sind ein vortreffliches Menschenwerk, den damaligen Bildungsstand widerspiegelnd, erhaben aber fehlerhaft. Auf keinen Fall sind sie Gottes Wort!

Menschliches Wohlergehen liegt nicht in der Täuschung, sondern in der Erkenntnis.

Mystik, Metaphysik

Und wenn sie nicht gestorben sind…“ – Hoffnung auf Unsterblichkeit

Sulamit Wülfing 1901 -1989, -Die unsterbliche Seele

Wenn ein menschlicher Geist hier auf der Erde inkarniert, dann ist es so, als würde er sich in die Fessel der Unfreiheit begeben, wobei sein wahres Ich, als ein Teil seines Wesens, jenseits der menschlichen Wahrnehmung verbleibt. Mit der Geburt ist er in seiner Körperlichkeit gefangen. Dadurch gehen ihm Teile seiner Fähigkeiten verloren, d. h. sie sind zwar latent vorhanden, können aber im Laufe des Lebens nur zum Teil neu erweckt werden.

Der Kampf zwischen Licht und Dunkel und der trennende Schnitt der Scheidung, gehen durch alles was lebt. Jeder Mensch trägt Seelenanteile vieler Leben in sich. Vor Urzeiten, als der mächtige Geist seine Macht missbrauchte und aus der Harmonie das Chaos erschuf, sind viele Wesen verzaubert und in die Materie gebannt worden. Die Geister können erlöst werden, durch die Arbeit an der Welt und am Nächsten, damit die Menschenkinder*) zurückkehren können. Es ist wie die Versteinerung im Märchen, die nur durch ein Erlösungswort oder bestimmte Taten rückgängig gemacht werden kann. Immer ist es die Liebe, die die Krusten aufbricht und den wahren Seelenkern zum Vorschein bringt.

*)Psalm 90.3: Du lässt den Menschen zum Staub zurückkehren und sprichst: Kehrt zurück, ihr Menschenkinder!

Im großen Zusammenhang stehend ist alles verbunden; selbst das Kleinste im großen Gefüge kann eine tragende Rolle spielen, denn zur vollen Harmonie bedarf es auch des geringsten Klanges.

Der Heilige Geist ist keine Person, sondern die Liebe Gottes, die uns nicht nur mit Leben erfüllt, sondern auch treibende Kraft in uns ist. Liebe, Glaube und Hoffnung sollten diese Welt begeistern. Ohne die Liebe würde die Welt und der Mensch zugrunde gehen. Und es ist ganz gleich in welcher Form und von wem sie uns gegeben wird, wir erkennen darin immer Gottes Gesicht. ER offenbart sich durch alles, durch Mineralien, Energien, Pflanzen, Tiere und durch den Menschen, eben durch alles was ist, d. h. nicht nur im Lebendigen. Farben und Töne, Ideen und Gedanken, Worte und Zahlen, chemische, mathematische und physikalische Gesetze, Atome und Himmelskörper, all das sind göttliche Offenbarungen. Welcher Bewusstseinsstufe entsprechen wir selbst auf der Jakobsleiter? Die tieferen Zusammenhänge verstehen, bedeutet nicht nur Reifeprozess und innere Entwicklung, sondern letztendlich auch Selbsterkenntnis = Gotteserkenntnis.

Es war einmal vor langer, langer Zeit, als die Menschheit noch annähernd glücklich war. Das klingt wie ein Märchen und so ist es leider auch. Die Naturvölker lebten Jahrtausende lang in kosmischer Verbundenheit, aber sie waren niemals zufrieden mit dem was sie hatten. So zeigt es sich auch im Bild von Adam und Eva im Paradies. Die Gier nach mehr ist in jedem Menschen vorhanden, und die Neugier nach Verborgenem ist der Motor des Fortschrittes und der Entwicklung.

Die vielen wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften unserer Zeit bringt der Welt der Vielfalt keine Zufriedenheit. Wissenschaft, Politik und Medien wollen uns weismachen, dass wir auf unsere technischen Errungenschaften stolz sein können. Kamen sie nicht allesamt, wie von Gott gegeben, zur rechten Zeit? Anstatt sich über das, was man hat, zu freuen und es mit anderen, die weniger haben, zu teilen, giert man immer mehr nach Macht, rüstet auf und uniformiert sich entweder beim Militär oder in der Modewelt, ertränkt seinen Frust im Alkohol, oder flieht mittels neuzeitlicher Drogen, wie TV und Computer, kurzzeitig in eine Scheinwelt. Trotzdem bleibt man im Seeleninnern leer und alleine.

Der Mensch gewann Wissen und Zivilisation, vergaß jedoch seine kosmische Verbundenheit. Wie lebt es sich im Reich der geistig Toten, wo nicht Gottesliebe, sondern Geld die Welt reGIERT? Dadurch ist Mutter Erde – ‚die Himmelskönigin‘ ins Ungleichgewicht geraten, und Satan, der ‚Herr der Welt‘, verlangt nach einem Ausgleich. Je mehr wir erhalten, desto höher wird der Preis sein. Die Bewusstseinsstufe der Menschheit befindet sich im Erdgeschoss, weit entfernt von der himmlischen Glückseligkeit. Nimmt man die Bewusstseinsstufen als Maßstab, so schauen wir in die Abgründe der menschlichen Rasse hinein.

Früher kannte man Mord und Totschlag, Krieg und Ausbeutung nur aus den Geschichtsbüchern. Heute sind die Medien voll von diesen Nachrichten. Die Welt ist klein geworden, die grausamen Bilder des Weltgeschehens sollten uns die Augen öffnen. Das sind nicht nur Bilder, sondern Dinge, die tatsächlich geschehen, Tag für Tag. Wir können dies ändern, indem wir uns selbst ändern.

Rudi Berner hat sie in seinem Buch ‚Auf ein Wort‘ präzise benannt:

„Krieg, Folter, Massenmord und Totschlag – soweit man in den Geschichtsbüchern zurückblättert; Verhungern, Krankheit, Seuchen bei Mensch und Tier; Ozonalarm, Smogalarm, Natur- und Umweltkatastrophen nie gekannten Ausmaßes – und es wird immer schlimmer; kranke Monokulturen in der Landwirtschaft, grausamste Massentierhaltung, Tiertransporte und Abschlachtung; Atemwegserkrankungen, Abgase, Verkehrschaos, Reaktorunfälle und Pannen – und das meiste wird verschwiegen; Waffenhandel, Lüge, Betrug, Korruption, Profitgier – an allen Ecken und Enden; Hypotheken, Zinslast, Staatsverschuldungen – in nie da gewesener Höhe; Selbstmorde, Allergien, Aggressionen, massive Schlafstörungen, Phobien, Manien, Depressionen – mit rapid ansteigenden Kurven; Rassenhass, Skinheads, Terror von Links und Rechts, immer mehr korrupte Politiker, Religionsfanatiker, heuchlerische Kirchen und Sekten; nahezu vollkommene Abhängigkeit von Mikrochips und Magnetkarten, elektronische Verblödung, Genmanipulation – und das ist erst der Anfang; permanente Angst um den Arbeitsplatz, Stress, Hektik, rote Zahlen; Drogenkonsum, Mafia, Prostitution, Menschenhandel; steigende sexuelle Perversionen, Kinderschändung, Gewalt- und Horrorfilme – rund um die Uhr; Angst vor dem Altwerden, Pflegenotstand, zerrissene Familien, Jugendarbeitslosigkeit, kaputte Kinder, Marken-Zwang bei Kleidung und Gebrauchsgegenständen, Dauerwerbung, Schulstress, Notendruck, Amokläufe, Selbstmorde; Modepüppchen, Abtreibungswahnsinn, Magersucht und Bulimie; gnadenlose Ausbeutung der Erde, Umweltverschmutzung, Giftmüllskandale, Ölpest, Müllberge, Wegwerf- und Spaßgesellschaft, Bruttosozialprodukt, Konsumterror, kaufen, kaufen, kaufen – sonst verlieren wir den Arbeitsplatz; zum Platzen aufgeblähte Großstädte, Ghettos, Kinderarbeit, Müllmenschen, Slums, Mietskasernen, Mietwucher, Ausbeutung, Steuerlast, Bodenspekulanten – jeder Quadratmeter ist verkauft; Großfinanz, Aktienwahnsinn, Globalisierung, Zentralisierung, mehr und mehr Kontrolle und Überwachung; Handys, Sendemasten, Satelliten – Rundumbestrahlung vom Feinsten etc.“

Gewiss ist das erschreckend. Aber es sind hier noch nicht alle negativen Dinge erwähnt. Ich möchte noch einen wichtigen Punkt hinzufügen: die BeGEISTERung, mit der sich die Menschheit neue Götzen erschafft, wie zum Beispiel im Sport und in der Musik- und Filmbranche. Es gruselt mich total, wenn man einen Sportler zum Helden erklärt, wie das heutzutage der Fall ist. Ein Sportler spielt für seinen Verein und für sein Bankkonto. Das sind die hochdotierten Gladiatoren der Neuzeit, die neuen Götter!

Vielleicht denke ich falsch? Immer mehr empfinde ich rein weltliche Ansichten als Belastung, und ich frage mich, wohin all diese Errungenschaften führen werden. Dann möchte ich wieder Kind sein und sehne mich nach meinen Märchenbüchern zurück. Da gab es alte Geschichten von Gut und Böse, aber am Ende siegte immer das Gute. Kinder erleben Märchen und Mythen mit ihren Geheimnissen völlig ohne Vorurteile. Wahrheit spricht eine einfache Sprache. Wir Erwachsenen haben verlernt, sie zu verstehen. Die Stimme der Wissenschaften ist oft zu laut und das Leben lockt mit weltlichen Dingen. Deshalb müssen wir wieder so werden wie die Kinder und unsere Herzen und Ohren dafür öffnen.

Wie in den alten Geschichten und Märchen kann nur die Liebe die Erstarrung durchbrechen und erlösen. Nur die Liebe kann Erlösung bringen, durch die die hässliche Gestalt des Verzauberten von ihm abfällt und ihn befreit, damit hinter der zerbrochenen Schale der alte Glanz hervorstrahlt, den alle Menschen in sich tragen, auch wenn sie sich hinter ihren weltlichen Masken aufführen wie blutrünstige Bestien.

Mystik ist für mich etwas, was im Verborgenen geschieht – das Geheimnisvolle in unserem Leben. Sie ist der Pfad, auf dem der, der vorurteilsfrei und vertrauensvoll darauf wandelt, Diesseits und Jenseits erfahren kann. Wenn man lernt, in die Dinge hineinzuschauen, erfährt man eine neue Welt und man erfährt viel über sich selbst. Das ist mit ‚Esoterik‘ gemeint: Das Göttliche in sich selbst finden, jedoch nicht die New Age Ansicht, dass jeder Mensch Gott sei. Ein Mensch kann nur tote Dinge erschaffen, Gott erschafft lebendige.

Wozu gehört die Metaphysik? In den Bereich Vernunft oder zur Mystik? Wikipedia sagt: Sie ist eine Lehre, die sich mit den nicht erfahrbaren und nicht erkennbaren Dingen des Seins beschäftigt.

Wie nützlich ist eine Wissenschaft über Dinge, die man weder erfahren noch erkennen kann, weil der Verstand die größte Hürde für diese Erkenntnis ist? Das nennt man dann ‚Abgrenzung aus Vernunftsgründen‘. Die Ratio ist in diesem Fall sehr hinderlich, weil sie eine Öffnung in diese Richtung nicht zulässt.

Steht nicht schon in der Bibel, erst kommt das Natürliche, dann erst das Geistige? Wenn wir alle diesen „Himmel“ bereits in uns tragen, dann ist das Wort „Metaphysik“ mit „jenseitig des Natürlichen“, irreführend erklärt. Wir alle haben die Macht zur Wandlung, als christliche Erlösungsgabe, mit auf den Weg bekommen. Daran kann man glauben oder nicht. Glauben ist eine subjektive, sehr intime Angelegenheit. Für mich ist Gott viel mehr, als nur eine Idee; für mich ist Gott Erfahrung, wie auch das Wissen um eine jenseitige Welt hinter dem „verschleierten Bild zu Sais“ für mich Erfahrung ist. Denn manchmal hebt Gott selbst den Schleier, und uns werden Dinge zuteil, die wahre Geschenke sind und nicht mit Geld zu beziffern. Aber er gibt nur dem, dessen Bewusstsein dafür aufnahmebereit ist.

Es ist wie im Märchen oder in dieser biblischen Geschichte: Ein Dornbusch brennt, für jedes Auge sichtbar, doch tatsächlich verbrennt er nicht, sondern existiert weiter. Unser Leben ist an Raum und Zeit gebunden, trotzdem gehören wir auch zum Bereich der Ewigkeit. Wie kann der menschliche Verstand lernen, dass beides im Grunde eine Einheit ist?!

Wenn wir uns dieser, für uns unsichtbaren Welt, öffnen, müssen wir einsehen, dass sie das Fundament für jede andere Seinsmöglichkeit ist. Was für uns im Nichts, im Unmöglichen und Undenkbaren liegt, ist in Wirklichkeit ALLES. Es bildet die Grundlage für das Sichtbare und Begreifbare.

Zitat Friedrich Weinreb: „Wissen, dass Gott IST; begreifen, dass er ihm den Weg und die Wahrheit zeigt, ja, dass erst darin das Leben IST, das also heißt Mensch sein im Bilde Gottes, das ist der alles erfüllende, ewige Mensch in allen Welten. Könnte denn Gottes Ebenbild zu etwas anderem berufen sein als zu ewigem, sinnvollem, strahlendem, freudigem Sein?“

In Kants „Kritik der Urteilskraft“ gibt er selbst Hoffnung auf Unsterblichkeit. Gibt es jenseits der menschlichen Wahrnehmung noch eine andere, geistige Welt?
Die Metaphysik beschäftigt sich mit Spekulationen, bei denen Erfahrungen außen vor bleiben. Es ist in unserem Urwissen verankert, bleibt aber im Verborgenen und bestärkt die Sehnsucht eines jeden Menschen.

Goethe lässt im “Faust” Mephistopheles sprechen:

„Nachher vor allen andern Sachen
Müsst ihr euch an die Metaphisick machen!
Da seht, dass ihr tiefsinnig fasst,
Was in des Menschen Hirn nicht passt!
Für was drein geht und nicht drein geht,
Ein prächtig Wort zu Diensten steht.“

Reinkarnation

Hieronymus Bosch 1450-1516 – Der Aufstieg in das himmlische Paradies

Der Namen viele trug ich durch die Zeit,
von ihrer Last hat mich die Zeit befreit.
Denn Namen sind wie Rahmen um ein Bild
und schließen ein, was trotzig oder mild,

was lächelnd oder wichtig blickt und prahlt,
und doch nur Fläche ist und nur gemalt,
ein Teil des Wesens nur, ein blasser Schein.
Kein Rahmen fasst des Geistes ganzes Sein.

Der Namen viele trug ich durch die Zeit,
sie sind mir fremd und glänzen matt und weit.
Von manchen bröckelt Ruhm wie Blattgold ab
und sinkt zu Längstvergessenem hinab.

Das bisschen Gute, das ich je vollbracht,
gab weiter ich an den, der’s besser macht.
In jedem Bild gemahnt ein Zug an mich,
ein Zug, nicht mehr, erst alle sind mein Ich!

Der Namen viele trug ich durch die Zeit
zum namenlosen Strand der Ewigkeit
und tauch’ ins Meer der Namenlosigkeit…

<Ephides>

Kürzlich fand ich zum Thema Reinkarnation im NET eine ausführliche Stellungnahme von Herrn Prof. Dr. theol. habil. Werner Thiede. Der Vortrag ist zwar schon etwas älter (1996), trotzdem ist er wohl als grundlegende Auffassung der evangelischen Kirche zu sehen.

Schon beim Lesen der 1. Überschrift wurde mir klar, dass manche Vernunftmenschen gedanklich gar nicht imstande sind, sich in den Sinn des wiederholten Lebens hineinzudenken. Vielleicht wollen sie das auch gar nicht, weil ihr Ego die eigene Vergänglichkeit nicht wahrhaben will. Vom Verstand blockiert, der alles immer nur zeitlich begrenzt sehen will, vermögen sie niemals über „den Tellerrand“ zu schauen. Es kann nicht sein, was nicht sein darf! Wenn Wiedergeburt wirklich wahr wäre, würde das die Existenz der Kirchen noch mehr in Frage stellen. Das wussten die Päpste schon vor Jahrhunderten, als sie fleißig den Ablass kassierten und die Bibel fälschen ließen.

Durch wiederholte Leben „richten“ wir uns quasi selber, solange, bis wir freiwillig und ganz bewusst zu Gott zurückkehren. Wir sind nur zu einem Zweck hier: um bedingungslos lieben zu lernen. Das bedeutet, die innere Finsternis zu überwinden, das Ego zurück zu nehmen, die eigenen Belange klein und die der anderen groß zu halten. Und noch etwas lehrt uns die Reinkarnation: Jedes Leben ist gleichwertig; niemand steht über dem anderen!

Link zum Thema: www.origenes.de/lehre/Wiedergeburt.htm

Kein Mensch kann sich zu Lebzeiten an das „Jenseits“ erinnern, selbst wenn er schon viele Tode gestorben sein sollte, auch nicht an die vielen Persönlichkeiten, die sein Ich vielleicht ausmachen. Der Mensch hat doch viel mehr Facetten, viel mehr Talente, als die, die er in einem einzigen Leben auszubilden und zu zeigen vermag. Doch all seine Fähigkeiten und Talente bekommt er von Gott.

Auch verfügt der Mensch über keine eigene Lebenskraft. Wenn er das eingesehen hat, wird er bescheiden. Er fühlt, dass Gottes Stimme durch ihn ertönt, dass Gott ihn liebt und Absichten mit ihm hat. Dann wird der Mensch zum Offenbarungswerkzeug und wird freudig Gottes Willen tun, weil er sich als dessen Kind fühlt. Es wird offensichtlich, dass die seelische Stufe des Menschen kein Spiegel seines Wissens ist, sondern sie hängt davon ab, wie viel Liebe der Mensch in sich hat.

Herr Prof. Dr. Thiede schreibt, Zitat: „… in unserer Zeit hängen viele Menschen dem Reinkarnationsgedanken gerade deshalb an, weil er ihnen die beste Gewähr dafür bietet, dass mit dem Tod nicht alles aus ist.[..] Weiter: “Reinkarnation heißt ja: Es gibt etwas, das sich wiederverkörpert, das also der Macht des Todes eigentlich nicht unterworfen ist. In der Abfolge zahlreicher Existenzen nimmt sich der Tod demnach als bloße Bagatelle aus.“

Wir werden in das Leben hineingeboren, an einen Ort, der uns entspricht. Mit göttlichem Geist beseelt, erblicken Kinder das Licht dieser Welt, doch der Tod geht fortan mit an ihrer Seite. Im Laufe der Jahre vergessen wir unsere eigentliche Herkunft und den Geist, der in uns wohnt. Obwohl wir unseren Körper als Tempel betrachten sollten, zerstören und entweihen wir ihn. Wir verlieren uns an die Welt der Vielfalt, die nicht nur positive Dinge in sich birgt, sondern auch genau das Gegenteil. Dabei können wir gar nicht mehr erkennen, was gut oder nicht gut für uns ist. Jeder Mensch wird früher oder später an den Punkt kommen, an dem er sich verlassen und verloren fühlt. Dann erkennt er, wie sinnlos die Flut der von Menschen erschaffenen Vielfalt doch eigentlich ist und gerät in tiefste Verzweiflung, denn die innere Leere ist damit nicht zu füllen. Das erinnert an unsere eigene Sterblichkeit. Alles, was in der Welt ist, ist auch im Menschen. Gott erzieht uns nicht nur zur bedingungslosen Liebe, sondern auch dazu, umsonst zu handeln, denn der Tod macht das Leben eines jeden Menschen zu einer „ehrenamtlichen“ Handlung. Deshalb können Leben und Tod, die beide zusammengehören, nicht nur „Bagatellen“ sein. Ich bin davon überzeugt, dass der Augenblick des Todes der Moment des höchsten Fühlens sein wird.

Das Höhere Selbst, der göttliche Geist in einer jeden Menschenseele, ist unsterblich. Mit diesem Geist sind wir verbunden im Diesseits und im Jenseits. Die menschliche Urform und Präexistenz war Gott ähnlich: Erschaffen, als Mann und Frau in einem geistigen Wesen. 

Gewiss wird der Tod von den Lebenden verdrängt, denn er passt so wenig zur Lebendigkeit, zur Fülle des Alltags, dass wir ihn uns nicht vorstellen wollen und können, solange wir gesund und geistig aktiv sind. Das Denken an den Tod hemmt unseren Tatendrang, macht uns klein und abhängig von einer Größe, die wir nicht fassen können. Wir fühlen uns ausgeliefert an etwas, das unberechenbar ist. In diesen Momenten werden wir daran erinnert, das alles hier auf Erden endlich ist.

ALLES ist von Gott gegeben, aber nur auf Zeit. Irgendwann kommt der Tag, an dem wir all das zurücklassen müssen. Mit dem Unfassbaren befassen muss sich jeder Mensch früher oder später. Entweder aufgrund seines eigenen Schicksals oder aber wegen Krankheit und Tod eines Nahestehenden; manchmal auch „nur“ wegen einer Trennung, die zu Herzen geht. Auch das ist ein kleiner Tod, ein Weggehen für immer. Möglicherweise ist der Tod grundsätzlich so unfassbar, weil wir eigentlich in unserem tiefsten Seeleninnern wissen, dass es ihn gar nicht gibt. Gott existiert im zeitlosen Bereich. Auch wir gehen nach dem körperlichen Tod dorthin zurück, von der zeitlich begrenzten Seite des Werdens, auf die ewige Seite des Seins. Das Leben hier gleicht einem Traum, aus dem wir irgendwann aufwachen werden.

Hat Jesus uns nicht selbst gesagt, dass Gott ein Gott der Lebenden und nicht der Toten sei?! Mat 22.32

Herr Prof. Dr. Thiede meint, „die verschiedenen Inkarnationen werden „nebensächlicher“ weil die Reinkarnationsgläubigen das Dasein und den Tod bagatellisieren.

Jede Person, jedes Leben, jeder Tod ist einzigartig, bedeutungsvoll für die Seele, die darin involviert ist und daran wachsen soll. Sie soll sich doch wandeln, um vom unbewusst handelnden Triebmenschen wieder zum bewusst Gott bejahenden Abbild desselben zu werden. Der Sinn des Lebens ist die Verbindung mit dem Ursprung zu suchen und dorthin zurückzukehren, wo sich die Gegensätze in Harmonie umwandeln.

Deshalb verstehe ich diese Auffassung von Herrn Prof. Dr. Thiede überhaupt nicht: „Wenn mein Leben nur eines von vielen aneinandergereihten ist, stellt es sich bedeutungsloser dar als in dem anderen Fall, daß jeder Mensch nur einmal auf dieser Erde lebt, wie es im Neuen Testament ausdrücklich der Hebräerbrief (9,27) sagt.“

Ist das wirklich die Aussage des Hebräerbriefes? Dort steht geschrieben: „Und wie den Menschen bevorsteht, einmal zu sterben, darnach aber das Gericht…“

Es ist kirchlich dogmatisch interpretiert, wenn man daraus schließt, dass es ein erneutes Erdendasein nicht geben kann. Wenn man die Betonung weglässt, steht dort doch lediglich, dass jeder Mensch irgendwann einmal sterben muss. Jede Persönlichkeit (Person) stirbt irgendwann, ist dann ohne irdisches Bewusstsein. Das bedeutet keinesfalls, dass jeder Mensch nur ein einziges Mal lebt. Ebenso ist es wichtig, auf die Aussage „darnach aber das Gericht“ zu schauen. Wann soll denn das Jüngste Gericht stattfinden? Zeitlich gesehen doch wohl immer direkt nach dem Tod. Wir werden also nach dem Tod gerichtet, nach unseren Taten, die wir zu Lebzeiten begangen haben. Bedeutet das, wir gehen einer gnadenlosen Strafe entgegen, von einem zornigen Gott, der nicht nur uns Menschen, sondern auch die Dualität erschaffen hat, damit wir daraus lernen und daran wachsen können? Er weiß doch, dass wir Menschen Gut und Böse nicht unterscheiden können, und manchmal tun wir Böses, obwohl wir genau wissen, dass es nicht gut ist. Gott wird uns gnädig die richtige Richtung weisen und uns an einen Ort bringen, an dem wir weiter lernen können. Dieser Ort wird den bisherigen Taten entsprechen, ist also das Resultat von Saat und Ernte. Um gerichtet werden zu können, müssen wir lebendig bleiben.

Den alten Körper legen wir im Tod ab, wie ein Kleid, aus dem wir herausgewachsen sind. Mit demselben Körper wiederauferstehen hieße doch „neuen Wein in alte Schläuche füllen“. Dabei steht geschrieben: „Sondern den Most soll man in neue Schläuche fassen, so werden sie beide erhalten.“ Luk 5.38

Kann das Gute, das eine Persönlichkeit im Leben vollbracht hat und sei es noch so gering, erhalten und gespeichert bleiben, wie alles, was ihn zu Lebzeiten ausmachte? Geist und Seele in einen neuen Körper fassen, so werden sie beide erhalten…und können dort reifen, bis Gott sie erlöst. Wir müssen ja noch „hochprozentiger“ werden, um zum geistlichen Menschen zu werden. Erst dann brauchen wir keinen Körper mehr, sind leibbefreit, und werden dem geistigen Zustand unserer Erschaffung gerecht. Dann sind wir tatsächlich „neue“ Menschen geworden, mit einem Auferstehungsleib, der dann ganz anders beschaffen sein wird, als der Körper, wie wir ihn jetzt kennen.  

Geistige Reife kann nicht in einem einzigen Leben erlangt werden. Es ist ein Prozess! Das hat nichts mit Intelligenz und Verstand zu tun, denn auch ein böser Mensch kann durchaus intelligent und gebildet sein. Geistige Reife ist, wenn aus einem „Du sollst nicht“ ein „Ich will nicht“ wird. Erst dann hat der Mensch Gottes Gebote verinnerlicht. Denn jede Bejahung ist besser als eine Verneinung, unter deren Last man sich quält. Wenn Jesus sagt, wir sollen wieder wie die Kinder werden, dann müssen wir dem Kommenden nicht nur blindes Vertrauen schenken, sondern trotz Intelligenz und Verstand demütig sein. Beide sind stets auf der Suche nach Beweisen. Mit den Augen der Kinder können wir plötzlich wieder über die Wunder des Lebens staunen und Engel sehen. In den schwersten Stunden des Lebens kehren wir wie die Kinder gedanklich zu Gott zurück. Dann wird die Welt mit ihrer verlockenden Vielfalt plötzlich ganz unwichtig und alle irdische Weisheit fragwürdig und klein. Menschen neigen dazu die Wissenschaften zum Gott zu erheben und dienen ihr, weil sie sich dadurch Macht, Reichtum und irdisches Vergnügen erhoffen, doch sie töten damit auch die Demut gegenüber dem Unerklärlichen!

Herr Prof. Dr. Thiede vertritt den Standpunkt, Zitat: dass die Einmaligkeit eines jedes Menschen der Einmaligkeit des Sohnes Gottes in seinem geschichtlichen Kommen entspräche.

Ist es nicht vermessen und geradezu überheblich, diesen Vergleich anzustellen? Jesus Geburt war gewiss einmalig, weil er als einziger Mensch den christlichen Geist besaß. Er benutzte das Erdenleben in einem menschlichen Körper, um uns Menschenseelen den Weg nach Hause zu öffnen. Erst Jesus machte uns das erstmals möglich, denn er machte uns Menschen klar, was für unser Dasein hier wichtig ist. Das war seine Lebensaufgabe. Er hatte doch alle Weisheit und Liebe in sich! Wir Menschen dürfen nicht so vermessen sein und glauben, es ihm jetzt schon gleichtun zu können.

Zitat Prof. Dr. Thiede: „Eines freilich impliziert der Gedanke der Reinkarnation grundsätzlich: Der Tod wird zwar überlebt, aber meist nur, um wieder in ein weiteres dem Tod ausgeliefertes Leben zurückzuführen. Das „Leben nach dem Tod“ ist insofern lediglich eine Zwischenstation und rückt als mögliche Ewigkeitshoffnung – falls eine solche überhaupt in den Blick kommt- in weiteste Fernen.“

Ist Lazarus nicht letztendlich doch gestorben, nachdem er von Jesus wiederauferweckt worden ist?!

Manche Theologen haben nicht verstanden, dass der Tod, so paradox es auch klingen mag, die Folge der Existenz im zeitlich linearen Bereich ist. Was hier tot ist, ist andererseits noch sehr lebendig.

Die „Ewigkeitshoffnung“ wird als gnädige Erlösung aus dem Rad der Erdenleben erfüllt. Durch seine Auferstehung wollte Jesus uns zeigen, dass es keinen Tod gibt, nur eine Wandlung. Er ist aber nicht in seinem alten Körper zurückgekehrt, sondern kam in neuer Gestalt, so dass ihn niemand erkannte. Nur an seiner geistigen Ausstrahlung, und an dem was er sagte, konnten ihn die Jünger erkennen. War es eine geistige Materialisation, die noch nicht abgeschlossen war, als Maria Magdalena ihn nach seiner Auferstehung  berühren wollte und es nicht durfte? Eine Odverdichtung erfolgt mit Hilfe starker Kraftströme. Eine Berührung wäre lebensgefährlich gewesen. Im Alten Testament wird davon häufig berichtet. Jesus ging als Christus schließlich wieder in die geistige Sphäre seines Vaters zurück. In einer materialisierten Odgestalt erschien er nach seiner Auferstehung den Jüngern am Himmelfahrtstage. Sie sahen, wie sich der Odkörper vor ihren Augen in eine Wolke auflöste. Und als diese durch eine weitere Auflösung unsichtbar geworden war, war auch Christus ihren Blicken entschwunden.

„Wahrlich, wahrlich ich (Jesus) sage euch: So jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich“ . Joh 8.51

Ist die Menschheit etwa schon dazu in der Lage und willig, Gottes Wort zu halten? Um Israeliten (Erleuchtete s. u.) zu werden, bedarf es wohl noch einiger Lebenserfahrung.

Herr Prof. Dr. Thiede hofft auf die Auferstehung des Fleisches, d. h., er nimmt sich so wichtig, dass er als Prof. Dr. Thiede auferstehen möchte. Viele kirchlich geprägten Menschen hoffen auf ein Königreich Gottes auf Erden und auf Wiederauferstehung der Person, die sie zu Lebzeiten einmal waren. Welche Persönlichkeiten waren denn so wichtig? Da würden zu allererst die Päpste den Finger heben, im Anschluss die Diktatoren, Wissenschaftler etc. Zum Glück macht der Tod alle gleich!

Jesus sagte doch : „Mein Reich ist nicht von dieser Welt!“

Alle Kirchen stellen das Materielle über das Geistige, obwohl sie scheinheilig den Anschein geben, dass sie genau das Gegenteil denken und tun. Die menschliche Heimat ist geistig und nicht materiell. Ziel für jedes Geschöpf ist, in die geistige Ebene aufzusteigen, denn nur dort gibt es keinen Tod; im materiellen Bereich des Werdens MUSS alles enden, ist der Tod Erlösung und Mahnung für die Zurückbleibenden zugleich.

Man kann dieses materielle Bild auch anders betrachten: In uns fließt eine Ur-Energie, die nicht sterben kann. Diese Energie materialisiert sich in allem was ist, immer wieder aufs Neue. Diesem Kreislauf müssen wir uns fügen, solange bis Gott uns daraus erlöst. Es gibt nichts, das sterben könnte, auch wenn man das wollte! Es gibt nur ewiges Leben. Das höhere Selbst, der Geist, kann nicht sterben, weil es nie geboren wurde. Der Körper kann ebensowenig sterben, weil er nie ein eigenes Leben gehabt hat und alleine, ohne das höhere Selbst, gar nicht lebensfähig ist. Körper leben nur, weil der Geist seine Energie durch die Körper manifestiert. Die Formen ändern sich, aber es gibt weder Anfang noch Ende.

Friedrich Weinrebs Erklärung des Wortes “Israel”:

“Israel” ist ein Synonym für einen spirituell oder religiös “erleuchteten” Menschen, und diese “Erleuchtung” hat mit der persönlichen Einstellung eines Menschen zur Welt und zum Leben zu tun und nichts mit der Abstammung, Sprache, Kultur oder konfessioneller Angehörigkeit. “Israel” hat also mit dem Staat Israel, mit Judentum etc. nichts zu tun. Deshalb sind Israelis genauso wenig als “Israeliten” (Erleuchtete) zu betrachten, wie das christliche Abendland, als eine Ansammlung von Christen, was ja auch nichts anderes bedeutet, als im Christusbewusstsein Erleuchtete.

Überwunden
sind die Stunden
meines Sterbens. –
Und ich lebe!
Und erhebe
meine Stimme, und ich klage
an und frage euch,
ihr Priester des Verderbens:
Schreit ihr nicht durch alle Gassen,
gottverlassen
sei die Erde?
Und die Menschheit eine Herde
triebbesessner,
pflichtvergessner
Zufallswesen, preisgegeben
einem Leben,
das nichts birgt als den Genuss?
Und sein Schluss
die Grabesstille?
Keines Schöpfers hoher Wille,
nur der Willkür blindes Spiel,
ursachlos und ohne Ziel
ist das menschliche Gewimmel?
Über ihm ein leerer Himmel? –
Die ihr solches lehrt und lebet,
hört: Ihr gebet
Steine jenen,
die voll Sehnen
Brot erbaten.
Eure Taten
sind Verbrechen. Drei Mal Wehe!
Eure Nähe,
pesthauchgleich und krankheitsbringend,
glückverschlingend!
Euer Lehren,
euer Wehren
ist vergebens:
Das Gesetz wird euch erfassen.
Denn wir lassen
nicht vom Rufen, wir, die Toten,
wir die Boten
ew’gen Lebens.

<Ephides>