Geistige Qualitäten

Quelle: Pinterest – donhosho
Der Mensch packt eine leichte Tasche,
stark voll Bewusstsein und Verstand,
sein Körper wird zu Staub, zur Asche,
nachdem er körperlich verschwand.

Sein Geist ist einzig, ihm zu eigen -
er ist ganz Geist auf Studienfahrt.
Ein physisch losgelöstes Treiben,
mit Eigenschaften seiner Art.

In ihm die Fähigkeit zu lieben
und zugeneigter Empathie;
sein Geist ist frei, im Sein geblieben,
zu neuer Lebensharmonie.

Wie die Blätter einer Rose

von Ephides
Bild von Stefan Schweihofer auf Pixabay
Wie die Blätter einer Rose
fallen Tage, welk geworden,
in den Schoß, aus dem sie kamen.
Heißt das: Sterben und Vergehen?
Heißt das nicht: Das Wiederkehren
eines stets verjüngten Urbilds?

Auch der Bäume leises Frösteln,
wenn das grüne Kleid des Sommers,
sich verfärbend, niederrieselt,
teilt der Mensch. Er teilt Ermatten
und ihr großes Einsamwerden
und das frühe Schlafengehn. 

So auch teilt er ihr Geheimnis,
sich im Tode zu erneuern,
ew’gen Werdens Kleid zu weben.
Also steht es aufgeschrieben
auf den Blättern aller Bäume,
auf den grünen und den welken!

Der November

von Erich Kästner

Quelle: Pinterest
Ach, dieser Monat trägt den Trauerflor...
Der Sturm ritt johlend durch das Land der Farben.
Die Wälder weinten. Und die Farben starben.
Nun sind die Tage grau wie nie zuvor.
Und der November trägt den Trauerflor.

Der Friedhof öffnete sein dunkles Tor.
Die letzten Kränze werden feilgeboten.
Die Lebenden besuchen ihre Toten.
In der Kapelle klagt ein Männerchor.
Und der November trägt den Trauerflor.

Was man besaß, weiß man, wenn man's verlor.
Der Winter sitzt schon auf den kahlen Zweigen.
Es regnet, Freunde. Und der Rest ist Schweigen.
Wer noch nicht starb, dem steht es noch bevor.
Und der November trägt den Trauerflor.
Erich Kästner (1899-1974)

Glauben und erkennen

Fraktale: Karin M.
Du bist ein Teil des Plans,
dem reinen Geist der Liebe
in Wohltätigkeit zu dienen,
dich als sein Antrieb zu sehen,
selbst dann,
wenn du die Dinge, die dir widerfahren,
nicht verstehen kannst,
und zu erkennen, 
dass sie dennoch Teil des ewigen Plans sind -
die unumstößliche Absicht des All-Einen.

Fremder im Spiegel

Christoffer Wilhelm Eckersberg (1783-1853) –
Collage Pinterest
Jugend vergeht, mit ihr geh‘n Zukunftspläne,
man reist ins Leben und verändert sich,
und die Verluste fordern manche Träne,
weil auf dem Weg sich Licht und Schatten bricht.

Vor anderen zeigt man stolz Besitz und Status,
doch manchmal wiegt er schwer wie Blei und fällt.
Leben wird einsam, Weg von Pontius zu Pilatus,
wenn Geld zum dürft’gen Überleben fehlt.  

Auf Sand gebaut, was auf Materie gründet,
bestandlos wird es sein, hält kurze Zeit.
Was man in den Gesichtern wiederfindet,
ist Hülle, Schale, nicht die Wirklichkeit.

Wir schauen in Spiegel und erkennen nicht,
dass wir das eigene Ich nicht fanden.
Ein fremder Schatten liegt auf dem Gesicht;
sich selbst zu finden, ist uns schier entgangen. 

Auf und nieder

Quelle: Pinterest – Marina Terauds
Ich fliege durch die Gärten meiner Träume,
die Flügel weit gebreitet, alles sehend.
Die Lüfte tragen mich durch kahle Bäume,
wie Vogel Roch, nach kleinster Beute spähend. 

Die milde Sonne trocknet mein Gefieder,
auf einem Zweig sitz‘ ich zu kurzer Rast.
Ich schaue auf die karge Erde nieder,
mein Geist wird von Erinnerung erfasst. 

Gebunden ruht das Leben unter Rasen, 
wo einstens Felder waren, liegt das tote Land.
Die Bäume werden niemals Früchte tragen,
fruchtbare Böden kiesbedeckt verbannt. 

Hinunter stürze ich vom Zweige, flügellahm;
zum Fliegen ist mein Sinn von einst veraltet. 
Im Schweben kam ich einst auf Erden an,
doch meine Schwingen sind vom Gram gefaltet.

Nehmen und Geben, wie ein Auf und Nieder
der Schwingen, die sich in die Lüfte heben, 
lässt das vom Geist gesegnete Gefieder
geerdet leben und zum Himmel streben. 

Geist des Ursprungs

So glänzend war die Aussicht, die nun trübe,
ein Diamant, der Geist des Ursprungs trug.
Was ist die Wahrheit, wenn nichts übrigbliebe,
als die Vision von Macht, die sie begrub?

Des Lebens Anstoß ist, der Welt zu zeigen,
dass höhere Mächte hier zum Ausdruck kommen.
Antrieb zu sein, das Putztuch breiten,
den fahl geword’nen Edelstein besonnen. 

So unermesslich Deine Liebe, Großer Geist,
hast jedem Wesen von Dir selbst gegeben.
Denn, wer vertrauensvoll die Schöpfung preist,
wird so zu hohen Idealen streben. 
 
Unendlich bist Du, Großer Geist der Quelle.
Was je gewesen ist und sein wird, das bist Du.
Bist jenseits der Gedanken Freiheitsschwelle,
Dir gilt mein Dank in Demut, immerzu! 	

Wer Wahrheit schaut

von Ephides
Quelle: Pinterest
Wer mit himmlischen Augen schaut,
sieht verwandelt die Welt.
Fremdes scheint ihm so nah vertraut,
Wissen schenkt ihm ein Vogellaut,
und Geheimnis, das ferne blaut,
seinem Blick sich erhellt. 

Wahrheit schaut, wer verwandeln kann,
sagt auch die Welt, dass er irrt.
Einmal kommt seine Zeit heran –
dann erfüllt sich, was er ersann.
Er, der Helfer im Schöpfungsplan,
sieht die Welt, wie sie wird. 

<Ephides>

Außen und Innen

Quelle: Pinterest
Ich gehe meinen Weg durch herbstliche Gefilde,
nicht etwa durch die Landschaft, nur im Bilde,
das Rascheln unter meinen Schritten lauschend,
hör‘ ich, wie Winde durch die Bäume rauschen.

Die Frische streift den Hals und senkt die Glieder,
nach Wärme suchend, in die Taschen nieder. 
Gesenkten Kopfes über Bürgersteige eilen,
voran zum Platz der Wärme – dort verweilen. 

Bei einer Tasse Tee oder Kaffee sinnieren, 
aus dem Café heraus den Alltag spüren.
Die Menschen kommen oder gehen sehen,
die mir so fremd – unsichtbar dort zu stehen.

Von allem losgelöst, vom Außen eingeweiht,
dem Leben abgewandt, schiebt sich die Zeit,
so wie ein Deckel auf den Sarkophag,
damit ich eingeweiht das Innen spüren mag. 

Plan und Zukunft

Bild von Micha auf Pixabay
Da war die Zeit, in der ich Pläne hatte,
wollte meiner Zukunft Hütte bauen,
schützend wie ein Nest aus Watte,
allein durch menschliches Vertrauen.

Doch die Mauern, die ich um mich baute,
waren kalt, und blutend alle Wunden,
die der Trübsinn in die Seele graute;
Hoffnung war vom Glück entbunden.

Ich verlor, was mir die Welt geboten,
alle Lebenspläne menschlicher Natur;
befreite mich von letzten Knoten,
verließ befreit die alte Lebensspur.

Verworfen sind die Ziele meines Lebens,
meine ‚warme Hütte‘ heizt mit LICHT,
Gott zu dienen ist mein Sinn des Strebens,
Ihm Vertrauen, Lebensziel und Pflicht.