Tropfen

Wasserperlen kleben auf der Scheibe –
unaufhörlich wie der Regen rinnt.
Tropfen, schillernd im kristallnen Kleide,
fließen ineinander mit dem Wind.

Wie die Tropfen waren wir verbunden,
spürten uns bei Tag, im stillen Traum.
Nun ist alles, was uns band verschwunden,
keine Liebe füllt den toten Raum.

Kalt und leer hast du dich selbst beschrieben,
denn dein Lebenskrug brach jäh entzwei.
Nichts als Wehmut ist zurück geblieben,
und der Regen klopft den Takt dabei.

Alle Wärme wurde mir genommen,
spür‘ nur Kälte statt Geborgenheit.
Wird die Sonne nach dem Regen kommen,
oder gar ein neuer Winter vor der Zeit?

Abstand

Johann Heinrich Vogeler 1872-1942

Wie ein Dolchstoß traf mich dieses Wort,
wie ein Pfeil durchdrang es Mark und Bein.
Aus, vorbei! – Ein kurzer Schlussakkord,
klang mir warnend tief ins Herz hinein.
 
Wo vor nicht allzu langer Zeit
Nähe und Verbundenheit bestand,
löst nun dieses messerscharfe Wort
für ewig unser ‚untrennbares‘ Band.
 
Nichts blieb mir, nur Leere, Illusion.
Abstand halten, wird zur Zukunftspflicht.
Trifft mich doch dein harter Liebeslohn
wie ein Faustschlag mitten ins Gesicht.
 
 Deiner Liebe hab‘ ich blind vertraut,
doch sie war ein langes Trauerspiel.
Wo normal sie Zukunftsschlösser baut,
hattest du nicht einen Stein, – kein Ziel.
 
 Alles nahmst du mir, nichts bleibt zurück.
Scherben kann man kleben, Herzen nie!
Kreuzt sich dennoch unser Weg ein Stück,
werd‘ ich Abstand halten…irgendwie.

Zerbrochen

Frank William Warwick Topham (1838-1924)  – Der zerbrochene Krug

So viele Tränen hab ich geweint,
zu Hause in dunkelster Stunde.
So viele Verse hab ich gereimt,
sie tragen des Leids bittre Kunde.
 
Vergeblichkeit spür’ ich, in all meinem Tun,
bei Tag und bei Nacht in den Gliedern.
Meine zerbrochene Seele muss ruhn.
Gabst meinem Gefühl kein Erwidern.
 
Mit vollen Händen stand ich vor dir,
gab dir mein Herz, unverwunden.
Du hast’s genommen, doch was gabst du mir:
Nur ein paar gestohlene Stunden!?
 
Brachte der Wahn nach vermeintlichem Glück,
nur Illusionen und Träume zum Blühen,
lass’ ich mit bittrer Enttäuschung zurück,
all’ meine Hoffnung, mein Mühen.
 
Alles im Wandel! Die Gegenwart rinnt
wie feiner Sand durch die Hände,
auch, wenn das Sehnen tief in mir brennt,
so fühl ich doch: Es ist zu Ende.
 
Wieder hat meines Schicksals Geschick
ein bittres Kapitel geschrieben.
Die Zeit begräbt mein scheinbares Glück,
ich werd’ von ihr weiter getrieben.
 
Lange noch sucht die Sonne vergebens,
einen Weg, durch die Wolken zu scheinen.
Solang’ der gänzliche Sinn meines Lebens,
ist, deinen Verlust zu beweinen.

Getrennte Wege

Der lange Weg, er teilt sich in der Mitte
Und jeder Abzweig strebt ins Nirgendwo.
Du wähltest deinen Weg, mit festem Schritte,
längst bist du weit von mir, im Irgendwo.
 
Hast ein Kleinwenig noch am Horizont gestanden.
Hast deinen Kopf nach mir gewandt ein letztes Mal.
Als meine Hoffnungen mit dir im Nichts verschwanden,
hab ich geweint in langer, stiller Qual.
 
Du ließest mich zurück. Im Alltagstreiben
war mir dein Leben völlig abgewandt.
Wenn tausend Dichter ‚schön’ von Liebe schreiben,
dann haben sie die unsre nicht gekannt!
 
Was mir ein Glück zu sein schien, war kein Segen,
es war nur Illusion, ein Tränenhort.
Die spülten wie ein sintflutart’ger Regen
all unsre Herzverbundenheit hinfort.
 
Die ‚kalten’ Augen wähltest du! Die warmen
sind doch längst trüb geweint, vom Gram ganz alt. 
Du lässt dich von Erinnerung umarmen
und willst nicht sehn: Die Gegenwart bleibt kalt.
 
Noch fühlen wir Gedanken. – Sie vergehen!
Erinnerung verblasst – der Weg ist weit!
Und unsre Liebe blieb am Wegkreuz stehen,
bald liegt sie tief unter dem Schnee der Zeit.

Gewissheit

Es wird noch lang so bleiben,
und ich fürchte mich:
Nur eisiges Schweigen
zwischen den Wänden –
und ich!
 
Da ist kein ‚Wir’,
das sich im ‚Uns’
verschließt – kein ‚Du’.
Kein Vogel singt
ein Lied für
‚unsren’ Tag!
 
Mit Sonnenhänden
hast du mich berührt,
und Hoffnung in den
Garten meiner Seligkeit
gepflanzt.
 
Doch ewig bist du fern,
und wo die andern Pärchen
liebend beieinander sitzen,
da ist kein Platz für uns.
 
Du sitzt mit andern –
nicht mit mir!
 
Dort, wo die Hoffnung
in mir wuchs,
blüht einzig wehes Bangen,
denn deine Sonnenhand,
sie brannte mir
Entsagen in das Herz.
 
Die Tage ohne dich
sind dunkel mir und kalt,
und alle Wege, die ich jemals
ging mit dir,
sie liegen traurig, tot im
Schatten unsrer Liebe.
 
Bitte, komm bald!

Mein Halt

Peter Fendi 1796 – 1842

Mein Herz ist müd’ vom Weinen, Hoffen.
Nicht enden will mein schicksalsschwerer Gang
auf Wegen, steinig, zukunftsoffen –
weit fort von dir.

Ich schau den Himmel an!
Mir scheint, das Blau ist fahl,
wird nie mehr leuchten.

Ein Sonnenstrahl streift mild mein Angesicht.
Er trocknet meine Augen nicht, die feuchten;
an meiner Traurigkeit zerbricht sein Licht.

So lang schon bist du fort, und immer wieder
spür ich das Atmen deiner Seele um mich her.

Dein Geist ist bei mir! Schwer sind meine Lider!
Nur deine Augen sehend wandle ich umher.

Bin nicht mehr ich! Mein Sein ist gramestrunken!
Nichts und doch alles bindet mich an dich!
Wenn ich in Nächten tief im Traum versunken
mein Selbst verliere, halte mich!

Fern von dir

Maximilian Pirner 1854-1924

Du bleibst die größte Liebe meines Lebens,
verblasst ist nur der öde, äußre Schein;
er trug den Glanz des Wollens, nicht des Gebens;
die falschen Hoffnungsschimmer trübten ein.
 
Du warst die Andacht, ich der Wahrheitsfinder,
der sich im Nebel stets im Kreise dreht.
Um dich der Hauch der Reinheit; Seelenbinder
warst du, den ich mir einst von Gott erfleht.
 
Die Trauer ist der dunkle Dieb des Lichtes,
sie nahm mein Innen – ich versink in ihr.
Tief auf dem Todesgrund in mir gebricht es.
Was wärmend dich und mich einst band, gefriert.
 
Ich schüttle ab die schweren Kälteschauer,
doch greift die kalte Hand erneut nach mir.
Sie reißt mich mit, ich treib in hoffnungsloser, grauer
Vergessenheit. Nichts führt zurück zu dir.
 
Wie soll ich deine Augen je vergessen?
Wenn ich hineinsah, fühlte ich das Glück!
Die Sehnsucht hat mein krankes Herz zerfressen.
Kein weher Wunschgedanke bringt dich je zurück.
 
Auch, wenn ich des Vermissens stille Qualen
noch immer leide…mehr, mit jedem Tag,
muss ich auf schwarzer Leinwand fremde Bilder malen,
weil ich das Bild von dir nie wieder denken mag.
 
Wenn ich es denke, bricht mir dein „nicht Wollen“
mein Herz in stiller Seelenqual. Du fehlst!
Das neue Jahr begann mit Donnergrollen.
Wird es mir Tage bringen, die du nicht beseelst?!
 
Mein Alles warst du – ich war nur die Schwere,
die Last, die auf dir lag und die dich bitter machte.
Du wolltest Ruhe, tauschtest Liebe ein, in Leere.
Wortlos gingst du! Ob es dir Frieden brachte?
 
Ich gab die Hoffnung auf – sie starb und doch…
sitz’ manchmal ich am Fenster, schau hinaus.
Gleich kommt er um die Ecke, denk‘ ich noch,
dann seh‘ ich dich im Geiste: meine Maus.
 
Kurz streichle in Gedanken ich dein Haar,
fühl dein Gesicht für einen Augenblick.
Doch schon beim nächsten Wimpernschlag ist klar:
Es war nur Illusion…und doch mein ganzes Glück.

Dornen

John William Waterhouse 1949-1917

So wie des Pflückers Zoll die blut’gen Hände,
wenn er die stolze Rose bricht,
so ist der Trennungsschmerz am Ende
des Lebens auf dem Weg ins Licht.
 
Dann bist so schmerzlich du umfangen,
fühlst dich alleine ohne Sinn,
hältst zur bereits geschlag’nen Wange
dem Schicksal noch die andre hin.
 
Du klammerst dich an die Sekunden,
am Ende bricht dein letzter Blick
und hast du Traurigkeit empfunden,
tauchst du nun ein in lichtes Glück.
 
Musstest im Kampfe unterliegen,
als Sieger trittst du nun hervor,
gekränzt mit dornenlosem Frieden,
der Rosen dort am Himmelstor.