Gott zu bitten im Gedränge
hoffender Versammlungsmenge,
nicht in Kirchen, andren Stätten,
wo sich Mensch an Menschen ketten.
Unnütz wird die große Zahl
Worte plappern ohne Wahl.
Einst erdacht und komponiert
in Gemeinden eingeführt,
sollen Anmut sie verströmen,
Worte soll’n mit Gott versöhnen,
demütig um Hilfe bitten,
wenn des Volkes Macht entglitten.
Was ursächlich Menschen tun,
dessen Wirkung gibt kein Ruhen;
Menschen Macht ist wirkungslos,
Kausalität dagegen groß.
Nach Handlung ist man oft der Dumme,
es folgt als Resultat die Summe.
Naturgesetze hier auf Erden,
sind festgeschrieben und erklären,
kein Mensch entzieht sich deren Macht,
sind von der Schöpfung selbst erdacht.
Kein Wort kann lindern im Gebet,
die Wirkung, die im Raume steht.
Die Nachtwandlerin – Maximilian Pirner ( 1854-1924)
Der Traum ist dein Teil, nicht das Wachen,
durch Silbergewässer dein Nachen
trägt rosenbekränzt dich zurück.
Wenn morgens die Sterne verblassen,
dann gehst du durch irdische Gassen
und freust dich am irdischen Glück.
Wie wenige wissen vom Träumen,
wie viele verwundert dein Säumen
und dass du es dennoch erreichst,
dass Sonne wie Wolken dich segnen,
dass Wunder dir lächelnd begegnen.
Sie wissen nicht, wie du uns gleichst,
uns heiteren Traumlandgefährten,
die wir unsern Schutz dir gewährten,
dich sandten, mit Rosen bekränzt,
im Lande der Wachen zu sagen,
wie reich deine Traumgärten tragen,
bis Wachen und Traum sich ergänzt.
<Ephides>
Aus dem Film „Avatar“ – Der Baum der Seelen (Na’vi: Vitraya Ramunong) ist ein Baum auf Pandora und der heiligste Ort der Na’vi.
Einsam steht er,
wie ein ‚Baum der Seelen‘
leuchten seine weiten Zweige.
Drehen sich zur Erde,
fortgesetzt und tanzen,
schimmernd ist ihr sanftes Strahlen.
Heilig ist sein Ort
wo Ewigkeiten überdauern,
und die Seelen der vergangenen Zeiten
wiegen sich im Schutze seiner Krone;
hoch gewachsen stößt er an den Himmel,
sammelt Kräfte, niemals endend.
Erkenntnis-Lichter zünden an ihr Leuchten,
immer wieder die Verwandelten empfangend,
die körperlos und schwerelos geworden.
Lass von der Liebe dich krönen,
schau auf die Zeichen der Sterne und ihre Gesetze.
In der Welt diene IHM;
nimm dein Leben und lerne
schwerelos sein schon auf Erden,
um verwandelt in Himmeln zu tanzen.
Aus Wasser und Geist geborene Form.
Vom Gedanken zum Wort;
vom Ur-Klang bewegte
Schwingung des Seins.
Aus dem Nichts geborene Vielfalt.
Od von Erde und Wasser.
Erschaffenes Leben,
beseeltes Wunder.
Frucht vom Baum der Erkenntnis.
Bewusstes Dasein und Wahl.
Mensch sein heißt
folgen der göttlichen Ordnung.
Vom geistigen Tod zum Leben;
aus der Bewusstlosigkeit zur Erleuchtung.
Erhöht zur Auferstehung
durch göttliche Gnade und Plan.
Ihr nehmt zum Bau des Tempels kalte Steine, aus Splittern fügt Gedankenmosaik der eine, Gigantenblöcke türmt der andre auf.
Doch Gottes Tempel ist das warme Leben, sein Atem der Geschöpfe Jauchzen und Erbeben, sein Wirken der lebendige Verlauf!
Er ist das Feuer in Myriaden Flammen, die lodern müssen, weil sie seinem Licht entstammen, bis sie der Sehnsucht goldne Glut verzehrt. – –
Wer Stein zu Stein fügt, wird IHN nie ergründen. Die GOTT-Erkenntnis kommt als Blitz – Und kommt zu zünden! Gib dich der Flamme! und die bist verklärt.
Rosenzeit ist bald gekommen,
wachsen blütenschwer und rein,
und im Innern duftet’s milde,
Blatt für Blatt will innig sein.
Dornen reißen manche Wunde,
sitzen tief wie Lebensschmerz;
sind des groben Leichtsinns Kunde,
brachen Rosenpracht und Herz.
Alte Narben für die Tränen,
deren inn’rer Brand gestillt,
waren Ausgleich für das Schöne,
das im Augenblick gefühlt.
Und es reihen Kletterrosen
sich wie Wunden, dicht an dicht.
Ranken wie die Schwerelosen,
binden Dunkelheit an Licht.
Alles Dasein ist ein Streben,
auch wenn unsre Blüten fallen
und des Strebens Lohn ist Geben,
Rosenteppich breitend allen!
Gemälde von Sir John Everett Millais (1829-1896) Jeanne D’Arc starb am 30. Mai 1431 auf dem Scheiterhaufen
Aus „Die Jungfrau von Orleans“ von Friedrich von Schiller
Seht ihr den Regenbogen in der Luft?
Der Himmel öffnet seine goldnen Tore,
Im Chor der Engel steht sie glänzend da,
Sie hält den ewgen Sohn an ihrer Brust,
Die Arme streckt sie lächelnd mir entgegen.
Wie wird mir – Leichte Wolken heben mich –
Der schwere Panzer wird zum Flügelkleide.
Hinauf – hinauf – Die Erde flieht zurück –
Kurz ist der Schmerz und ewig ist die Freude!
Albert Lynch: Jeanne d’Arc. Titelblatt von „Figaro Illustré“, 1.4.1903 (Ausschnitt)
Das edle Bild der Menschheit zu verhöhnen,
im tiefsten Staube wälzte dich der Spott,
Krieg führt der Witz auf ewig mit dem Schönen,
er glaubt nicht an den Engel und den Gott,
dem Herzen will er seine Schätze rauben,
den Wahn bekriegt er und verletzt den Glauben.
Doch, wie du selbst, aus kindlichem Geschlechte,
selbst eine fromme Schäferin wie du,
reicht dir die Dichtkunst ihre Götterrechte,
schwingt sich mit dir den ewgen Sternen zu,
mit einer Glorie hat sie dich umgeben,
dich schuf das Herz, du wirst unsterblich leben.
Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen
und das Erhabne in den Staub zu ziehn.
Doch fürchte nicht! Es gibt noch schöne Herzen,
die für das Hohe, Herrliche entglühn.
Den lauten Markt mag Momus* unterhalten,
ein edler Sinn liebt edlere Gestalten.
*griechischer Gott der Satire und Spott
Schiller setzte sich auseinander mit der gotteslästerlichen und verhöhnenden Satire „Voltaire - La Pucelle d`Orléans“
Ist jeder Mensch, der früher einmal gelebt hat, jeder seiner Gedanken, wirklich ganz verschwunden, oder lebt er weiter, von Welt zu Welt, von einer Zeit zur anderen, von Ewigkeit zu Ewigkeit?
Trotz aller Umstürze und Umbrüche bleibt ‚das Wort‘ bestehen. Von Generation zu Generation wird es schriftlich oder mündlich weitergereicht. Es ist uns Menschen die „Tewa“, die Arche Noah. Dort wird alles mitgenommen, in die neue Welt hinübergetragen. Dort entsteht Leben unter anderen Verhältnissen. So erzählen die Göttersagen vom Leben in früheren Welten und tragen so das Entstehen vom Uranfang mit sich durch alle weltlichen Zeitalter hindurch.
‚Das Wort‘ überlebte so manchen Weltuntergang. Angefangen von der Geschichte des Menschen im Paradies und vom Untergang des Paradieses für den Menschen. Wir lesen von Kains Vertreibung und vom Weltuntergang im Geschlecht Enosch, dem 3. Sohn Adam und Evas. Damals begann man den Namen Gottes, JHWH, anzurufen.
Weiter erfahren wir vom Untergang durch die Sintflut (diese Geschichte wird bereits im Gilgamesch-Epos beschrieben ca. 1800 v. Chr.) und der Zerstörung von Sodom und Gomorrha. Es gibt viele Weltveränderungen und Hungersnöte. Mythen erzählen von einer Distanzierung zwischen Himmel und Erde; der Abstand hätte sich 10-mal verändert. Auch hätte der Mensch des Altertums eine andere Luftzusammensetzung geatmet. Die Welt ist schon mehrfach aus den Fugen geraten und hat sich selbst erneuert. Geschöpfe, wie Dinosaurier, Riesen sind ausgestorben, angeblich durch einen Meteoriten Einschlag, dann die Eiszeit…neues, anderes Leben.
Die Bibel zeigt Bilder von Verwüstungen, durch die die Welt augenblicklich ihr Gesicht änderte. Nach dem Untergang Babels bekam die Menschheit ein anderes Bewusstsein.
Wenn Tewa die Arche Noah des Wortes ist, was bietet sie den Menschen, wenn sich Worte wieder tiefgründig erschließen lassen und nicht, wie heutzutage nur oberflächlich ausgesprochen werden? Die Gesellschaft befasst sich im Moment größtenteils mit gedankenlos hingeworfenen Sprachfetzen – siehe Facebook und Co. Man redet davon, die Handschrift abschaffen zu wollen. Dabei hat jedes Wort einen tieferen Inhalt, jede Handschrift zeigt den individuellen Charakter des Schreibers.
Manchmal erinnern wir uns an die Gedanken in uns und nehmen sie wahr durch unsere Wahrnehmung.
Im ‚Wort‘ wird das Bild einer besonderen Spaltung der Menschheit dargestellt, wenn nämlich beim Turmbau zu Babel eine Wortverwirrung über die Menschen kommt, weil diese durch die Errungenschaften ihres diesseitigen Denkens und Handels glauben, den Sinn des Lebens zu erfahren.
So ist das auch bei den vielen Religionen: Das Wort verliert seine Einheit, gerät aus den Fugen. Jeder versteht unter den gleichen Worten etwas anderes. Damals entwickelte sich die Menschheit zurück und heute?
Die Menschheit lebt auf wissenschaftlich gestützter Basis, läuft aber jedem Wahn hinterher, seien es Mode, Schönheit oder Sport. In Demonstrationen und Kriegen wird der Mensch zum Messer- oder Stein schwingenden, brüllenden Primitiven, der seine Begehrlichkeiten durchsetzen will. Die vielen Gaffer, die sich am Elend anderer weiden und gar nicht wissen, was sie da tun. Die Geldgier kennt keine Grenzen, denn es gilt nicht das Wohl der Allgemeinheit, sondern lediglich das eigene. Reisen ohne Grenzen, um die eigene primitive Kultur in die Welt zu tragen, Kinder schänden, mit Unterstützung der frommen Kirchenleute; überall Blut, Krieg und Spiele. Weltweit hungernde Menschen und andererseits maßloses Schlachten und Essen von allem was sich bewegt.
So ist die Welt minderwertig geworden. Das Wort bildet den Charakter des Menschen. In den ‚Sozialen Netzwerken‘ haben manche Menschen schon längst ihren Charakter verloren und zeigen anonym ihren wahren. So wird der Sinn der Sprache zerstört. Aber auch der fehlgeleitete Mensch ist im Wesen ‚Mensch im Bilde Gottes‘. Viele meinen, wir sehen aus wie Er. Hat jemand, der ALLES ist, ein Aussehen? Nein, das würde jeden Rahmen und jede Fantasie sprengen. Gott bildete uns nach seiner Idee. Es braucht viel Geduld, um den edlen Kern unter der Bösartigkeit eines Menschen zu finden.
Einerseits ist so mancher Mensch an geistiger Größe gewachsen, andererseits erscheint mancher hier auf dieser Welt leichtsinnig und beschränkt. Deshalb braucht der Mensch hier Grenzen durch irdische Gesetze.
Mit dem Verlust des Wortes in den Sprachen geht auch die Erinnerung verloren. Mit dem Wort wird das Leben durch die Zeit getragen. Bei verstümmelten Worten und Geschichten kann Verwirrung nicht ausbleiben. Naht ein neuer Weltuntergang?
Das ganze Leben hier ist Gebet. Jeder Gedanke, jedes Wort, jede Tat sind Teil des Gespräches.
Aufs Neue breitet sich der Tag,
gefächert sind die Stunden.
Wie er uns auch erscheinen mag,
er füllt manch Glückssekunden,
auch die des Leids gereicht er uns,
um höheren Sinn zu spüren,
er zeigt uns manche Lebenskunst
und schließt uns auf die Türen.
Vereint in Gottes großem Licht
durchschreiten wir die Zeiten.
Sein Segen aus dem Dunkel bricht,
um unsren Weg zu leiten -
so ‚richtet‘ er; kennt Not und Pein,
den Grund für unser Flehen,
legt seinen Geist um unser Sein,
wie milder Frühlingsregen.
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