Ich stehe am Fenster und schau in die Ferne, seh’ durch die beschlagenen Scheiben hinaus. Betrachte das herbstliche Treiben so gerne; der Wind fegt mit heftigem Brausen ums Haus.
Bald werden sie kahl sein, die noch vollen Zweige. Die Wiese, sie füllt sich allmählich mit Laub. Es kommen die Stürme – das Jahr geht zur Neige. Der Herbst bringt die Kälte und Dunkelheit auch.
Die Ernte liegt sicher in Scheunen und Hallen, der Dank wird gesprochen, der Segen erteilt. Wenn erst die schweren Frühnebel wallen, dann macht sich das Jahr zum Sterben bereit.
Ich lausche dem Wind, er pfeift durch die Schächte, treibt Regen und Blattwerk, streut bunt seine Spur. Nicht enden wollen die unruhigen Nächte, die Wärme der Sonne verlässt die Natur.
Die müden Blätter fallen von den Zweigen und auf den Straßen liegt das nasse Laub; schwer, wie die Äste sich im Wind verneigen, und Regen mischt sich mit dem Straßenstaub.
Von Ferne naht die Nacht mit dunklen Schatten, und um die Häuserecke pfeift der Wind. Ein braunes Blatt tanzt auf den Gehwegplatten; die feuchte Luft macht Fensterscheiben blind.
Spinnweben schmücken sich, wenn Tropfen fallen – der Regen zieht schon über Stadt und Land. Mit vollen Zweigen die Kastanien prahlen, stehn majestätisch dort am Straßenrand.
Hör’ fern vom Kirchturm her der Abendglocke Ton. Ihr Klang ist anders, als an Sommertagen. Die graue Stille ist des Herbstes Handwerkslohn – bald kommt die Kälte, will das Läuten sagen.
Und oft in dieser finstren Totensonntags-Zeit, lässt sich ein Lichtstrahl durch die kahlen Äste gleiten. So wirst du Mensch – traf dich auch wehes Leid – zu neuer Hoffnung über Gräber schreiten!
Eintauchen in die unfassbare Stille, die Tiefe ahnen und den dunklen Grund, er lebt, und das in einer Fülle, die uns den Atem raubt, so schön und bunt.
Da schweben tausend glitzernde Gestalten, die Wasser atmend ihre Kreise ziehn; in lebensfroher Einheit sich verwalten und nie, dem nebenan, im Wege stehn.
Sie treiben, wie mit Leuchtreklame, Kleine und Große, die sich Nahrung geben. Ein Fressen und Gefressenwerden - geben und nehmen, um zu überleben.
Unzählig leuchtend bunte Farben, graziös und unbeschreiblich schön; berauschend, wie sie sich umwarben, um arterhaltend niemals zu vergehen.
Uraltes Meer, trägst Wurzeln dieser Erde, dein Leben trug die Sonne an das Land, aus deinem ewigen „Es werde!“, das alles Leben weckend in sich fand.
Es dünnt sich merklich der Kalender, der letzte warme Monat flieht mit Kühle, bringt Frische in die luftigen Gewänder, der Regen zaubert leere Liegestühle.
Das Meer liegt grau; der Strand, leer, wie gefegt, wo Korb an Korb in Richtung Wasser stand. Die Promenade, einzeln, nur mit Schirm belebt – im Regen holt sich niemand Sonnenbrand.
Die Wolken ziehen schnell, wie die Gezeiten. Die Möwen kreisen über leeren Tischen, wo kreischend sie um karge Nahrung streiten und mit viel Glück ein wenig noch erwischen.
Fischbuden schließen – leer sind die Gestade, der Strand noch voll von Hinterlassenschaften, der Vielen, die die liebenswerte Lage des Orts bereichert und vermüllt zurückgelassen.
Die Schönheit in der Einsamkeit des Strandes zu sehen – Bilder in sich festzuhalten, die Elemente strömenden Verbandes, vertraut, weit fort von menschlichen Gestalten.
Wo Wellen gleiten schon seit Ewigkeiten, kommen und gehen, ohne stillzustehen; so ziehn auch wir durch dunkle, kalte Zeiten, um Licht und Wärme besser zu verstehen.
Spätsommer – Hans Andersen Brendekilde (1857-1942)
Der Sommer schreitet still, mit langen Schatten, sein goldener Glanz, verregnet und verhangen; wo ihn die letzte Hitze kühlte, hat Herbst angefangen, und Blattwerk liegt auf Straßen und Rabatten, die eingegrenzt in Parks von Wegen trennen, bepflanzt in bunte Sommerblumenfarben, doch nun erblasst und müde in der Wärme starben und die Vergänglichkeit beim Namen nennen.
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