Unser Weg

Jahre nach unserem Spaziergang

In Träumen blicke ich ins Weite,
geh still den Weg, der unser war;
Nachdenklichkeit geht mir zur Seite,
macht mir Vergangenes offenbar.

Zeugt jeder Stein und Baum des Weges
von deiner Gegenwart allhier,
so wird mein Gang – ein Traumerlebnis,
ein Weg, der tiefen Seufzer mir.

Nur Trauer fühl’ ich, übermächtig,
in mir da toben Gram und Pein.
Mein Gang ist schwer, mein Schritt bedächtig,
denn heut geh‘ ich den Weg allein.

Der Wind, er haucht mir deinen Namen:
„Mein Liebes“ schwebt mir sanft durchs Licht.
Doch, ach, der Spott kennt kein Erbarmen,
wenn er mit deiner Stimme spricht.

Treibt voller Hohn mit diesen Worten
nun Wehmut in den Herzensgrund;
fühl’ ich an den vertrauten Orten,
noch deinen Kuss auf meinem Mund.

Dort steht verwaist die Bank. Und wieder
füllt sich mit Traurigkeit mein Herz,
und meine tränenschweren Lider,
verschließen sich in wehem Schmerz.

Wo bist du, dem ich so vertraut,
der mich so sanft und zart umfing?
Nichts blieb mir! Wie der Morgen graut,
so graut in mir mein Lebenssinn.

Warst meines Daseins reichste Fülle,
in Liebe hülltest du mich ein.
Trag deren inhaltslose Hülle,
in eine leere Zeit hinein.

Sonniger Nachmittag

Erinnerung an einen Spaziergang 2008

Rheinhausen-Friemersheim Rheinaue
Foto: Gisela Seidel
Die Luft um uns hängt voller Geigen,
der leise Wind ist ganz erfüllt
von Glücksgefühl. Ein Strahlenreigen
umspielt dein liebes, trautes Bild.

Der Zweige sanftes Auf und Nieder
klingt rhythmisch, wie ein Flügelschlag,
es schwingt in unsren Herzen wieder,
der golddurchwirkte, heitre Tag.

Wie Flüstern hebt das Blätterrauschen
von Baum zu Baum sich, wie ein Chor.
Es singt und klingt – wir stehn und lauschen
und Seligkeit durchströmt das Ohr.

Wir fühlen Harmonie und Frieden,
der unsre Seelen sanft erfasst,
vereint mit der Natur, getrieben
von Liebe, fern von aller Last.

Die russische Seele ist eine Nachtigall

Diashow „Dorflandschaft“ oder „Das verschwindende Russland“ nach Gemälden großer russischer Maler.
Musik: Balalaika-Solo – Alexei Archipowski (Cinderella).

Jeden Menschen von innen her verstehen,
in dessen eigener Muttersprache und Kultur.
Ihn nicht nur als Besatzungsmacht zu sehen,
die lieblos ist und dort zum Töten nur.

Dient der, der tötet, nicht dem höheren Geheiß?
Dient er der Macht und mordet auf Diktat,
weil er ums Leben kämpft? Was ist der Preis?
Er leidet für Regierung und Verrat!

Als man ihn lehrte, dass der Feind zu töten sei,
weil die Armee, in der er diente, ‚Gute‘ sind,
da wählte er die eigene Tauglichkeit, um frei
die Waffen abzufeuern, hörig, wie ein Kind.

Wer einmal in den Krieg zog, der bleibt dort,
denn niemals kehrt er ganz nach Haus' zurück.
Er käme fremd an seinen Heimatort,
und fände dort nie mehr sein Lebensglück.

Aus unerfüllter Liebe und aus Schmerz
in innerer Zerrissenheit und Leid,
zerfließt, kaum aufgeblüht das wehe Herz –
singt wie die Nachtigall in dunkler Zeit.

Die weite Landschaft russischer Kultur,
die melancholisch und gefühlvoll träumt,
steht für die Sehnsucht selbst, zeigt ihre Spur
von Größe, die die Steppe säumt.

Pfingsten

von Marie Paschke-Diergarten

John William Waterhouse (1849-1917)


Nun schmückt sich zu dem Fest der Pfingsten
mit frischen Blumen jedes Haus,
selbst in den Hütten der Geringsten
sieht’s heute feiertäglich aus.

Die allerärmsten Siebensachen
verklärt ein Hauch von Poesie,
auf frischen Lippen liegt ein Lachen
und eine heitre Melodie.

Da draußen blumenreiche Auen
und Lust und Leben weit und breit
und rings, wohin die Blicke schauen,
nur Glück und Daseinsfreudigkeit.

Und unter all dem Jauchzen, Klingen,
inmitten froher Festtagslust,
da will’s auch mich zum Liede zwingen,
als Dankgebet aus voller Brust.

Marie Paschke-Diergarten
(1870-Sterbedatum nicht bekannt)

Ur-ewige Liebe

von Ephides

Quelle: Wikipedia

Urew’ge Liebe, Anfang und Vollendung,
Ursprung und Ziel! An jeder Wegeswendung
rückschauend halt ich Rast, um mich zu laben,
und auf den Spuren, die mein Fuß gegraben,
geht das Erinnern meinen Weg zurück…

Und aus den Stapfen, die entgegenkommen,
steigt Bild um Bild. – Du hast sie mir genommen,
weil sich mein Herz, das allzu leicht verschenkte,
ans Bild verlor. Doch immer wieder drängte
mein hoffend‘ Herz zu nie erfülltem Glück. –

Wie ein Verbannter zog ich einst die Straßen,
als ein Verkannter litt ich ohne Maßen.
Nur Halbheit war mir, wo ich Ew’ges meinte,
bis sich mir Bild um Bild in Dir vereinte.
Von Deinem Glanz ist jedes nur ein Stück!

Urew’ge Liebe, Vater aller Wesen,
Dein Siegel steht auf jeder Stirn zu lesen,
Dein Glanz strahlt mir aus allen Augen wider,
Dein Segen strömt als Licht zur Erde nieder.

Eh ich Dich suchte, bist Du mir begegnet,
eh ich mich sehnte, hast Du mich gesegnet!


Kunst von gestern

Quelle: Pinterest


Die Welt von einst:
In dunklem Eichenholz gerahmtes Bild in Öl;
auf alter Leinwand, gelb vom Dunst,
doch unter leichtem Krakele spricht jeder Pinselstrich von Kunst,
die Ehrfurcht zollt dem Geist, der aus dem Rahmen fiel,
den der Betrachter in Erinnerung bewahrt,
und sich im Denken als ein Funken „Gestern“ offenbart.

Neu begrünt


Alt, der Sprache Worte, viele,
die durchdringen mit Bedacht,
was sich als Gedankenspiele
in den Sinnen breitgemacht.

Klingen anders heutzutage,
gänzlich fremd sind sie im Ohr;
flüstern „damals“, wo die Sage
sich in ferner Zeit verlor.

Neu begrünt, wie Tannenspitzen,
die an alten Zweigen stehen,
soll’n der Worte Lichter blitzen
und tief ins Gedächtnis gehen.

Dein Segen

Betende Hände – Albrecht Dürer (1471-1528)
Herr, es ist Dein hoher Wille,
Sturm und Stille, Licht und Regen
und die Kraft der Lebenstriebe
uns zu schenken, all den Segen.

Danken möchte ich für alles,
was Du für mich hast bereitet,
weil Du Dein erleuchtend’ Licht
über alle Fehler breitest.

Schirmst mich ab vor Trug zum Schutze,
wie sich Baumeskronen breiten,
über mir, ihr grün Geäst,
das die Vögelchen durchstreifen.

Wird der Tod vorüberschreiten,
werden sie im Geist Gefährten,
die mir lichte Wege zeigen
hin zum Ziel, dem traumverklärten.

Zeitgeist

Die Zeit vergeht,
so zäh wälzt sie sich oftmals,
wie ein Lavastrom
und so behäbig,
manchmal scheint’s,
sie ist nur Illusion.

Durch die Epochen
kommt sie gekrochen;
doch halten kann man sie nie,
und irgendwann wird sie vergehen,
mit ihr das Zeitgeschehen,
und eine neue Zeit
sie folgt der alten,
so wie ein endlos' Band
geknüpft an die Gewalten
der vergang’nen Zeiten,
steht sie in dunklem Kleid
und hast du sie erkannt,
wird sie dir sanft entgleiten.