Den Winter umarmen

Er kommt mit großen Schritten;
auf seinen Schultern, drückt die Schwere,
denn was er trägt,
kann nur sein kaltes Wesen tragen,
denn es zerrinnt in wärmevoller Atmosphäre.
Im Rausch des Windes hört man seine Klagen,
die Spuren, die er hinterlässt,
sind Tränen, die zu Schnee geworden.
In Sehnsucht nach Umarmung
darf er nur Kälte geben –
zwiespältig wie das Leben.

Ewige Harmonien

Quelle: Pinterest
Sind die Leben auch verschieden,
währen kurz nur oder lang,
dienen müssen wir hienieden,
Schüler sind wir lebenslang.

Gehen ausgetretene Wege,
Sehnsucht führt zum Lebensort.
Über teils zerbrochene Stege
treibt des Körpers Gang uns fort.

Ein Mensch sind wir nur von vielen,
jeder sucht das Ziel, den Sinn.
Finden schließlich inneren Frieden
nur im ewigen ICH BIN.

Besenrein

Foto: privat 1957
Verdrängung bin ich wie ein Schweigen,
das Erinnerungen wie ein Denkzettel beschwert;
längst vergangene Stunden, deren Treiben
das Bewusstsein wie ein Vakuum entleert.

Bin nichts mehr, nur eine, die gewesen
durch das Tal vergangener Zeiten lief,
die manchmal mit allzu hartem Besen
letzten Schmutz aus ihren Räumen trieb.

Ordnung brachte Licht gerechte Tage,
löste sich von vielen Freundschaftsbändern.
‚Brauner‘ Sinn als infektiöse Plage
ist wie Pest, gefahrlos nicht zu ändern.

Alle sind wir Menschen gleicher Klasse.
Nichts und niemand hat sie zu bewerten!
Die Idee der Schöpfung strahlt aus jeder Rasse;
Herrenmenschen gibt es nicht auf Erden.

Lieber bleibe ich alleine in Gedanken -
besser als verdorbenes Wort zu reden.
Will dem Schöpfer jede Stunde danken,
die ich hier sein darf, im Garten Eden.

Nebelträume

Image by Zsolt Hegyi from Pixabay

Die Welt ist grau, trägt Schleier in den Bäumen,
es wabern Nebel durch den Straßenzug.

Der Übergang von Nacht zu Tagesträumen
gleitet im zeitlos unbemerkten Flug.

Die Vögel sind verstummt, kein Liebessingen;
die bunten sind dem Grau der Stadt entflogen.

Die Melodie aus hellen Vogelstimmen
ist nun ein Moll betontes Krähen droben.

Das Jahr geht hin, ihm folgen viele Pläne,
die bluterfüllt wie offene Wunden sind;

lebensberaubt wie ausgetrocknete Kanäle,
machen für Zuversicht die Augen blind.

Nebel verbirgt die Menschenferne,
wie sie tagtäglich fremd auf Straßen wandelt.

Nicht eine Seele für mich! Nur zu gerne
hat die Tristesse mich unsichtbar verschandelt.

Mein Herz sehnt sich nach alten Stätten,
dem Elternhaus, wo längst ein Fremder wohnt.

Erinnerungen zieren Schicksalsketten,
verklärt mit Nebel, der in Hirnen thront.

Fremdes Bild

Vexierbild „All is Vanity“ (Alles ist Einbildung),
eine Illustration des amerikanischen Künstlers Charles Allan Gilbert (1873-1929)
Fremdes Bild im matten Spiegel.
Wer bist du? Mein Konterfei?
Bist wie ein vergrämter Schatten,
Licht bezeugt nicht faltenfrei.

Treibst aus den Erinnerungen,
die dich dunkeln, lebenslang;
bist im Einst der Zeit gefangen,
die Erinnerung, dein Zwang.

All die einst gelebten Stunden
waren schnell vergangene Zeit.
Viel gerungen, viel vergessen –
Leben webte dir dein Kleid.

Was begehrt und was verloren,
liegt auf deinem Weg des Wandels;
der Vergebung hartes Los
zeichnet mild und abgehandelt.

In den Tiefen deiner Seele
schlummern Träume, die verloren,
nur der Hoffnung weiche Welle
wiegt dich in den neuen Morgen.

Zeit für Wahrheit

Die Zeit – unruhiger Geist der Uhren,
unhaltbar rinnt sie davon.
Von Gegenwart zu Vergangenheit
pendeln die Sekunden mit jedem Ticken;
Sekundenträume,
die im Zeitlosen schweben,
dort verweilen,
bis ein neuer Traum sie erlöst.

Zeit – wenn sie nicht bleibt, was nutzt das Wissen
um die Wahrheit der Welt in dieser Stunde?
Könnten wir die Zukunft ertragen?

Erkennen wir die Wahrheit des Lebens?
Es würde doch nur ein Resümee des eigenen sein,
nicht das der anderen.

Was nutzt es, wenn man nur einem Teil wahrhaftig wird?
Die Menschen sehen uns, wie wir unser Spiegelbild.
Es ist uns fremd. Wer sind wir wirklich?
Könnten wir die Wahrheit ertragen?

Wahrheit klebt an den Fingern der Theorie,
haftet dort einen Augenblick,
bildet in der Wissenschaft eine ständig neue.

Niemals erreicht sie den Boden der Wirklichkeit,
füllt sich immer wieder
mit Erkenntnissen im Wandel der Zeit.

Reif werden wie sonnenbestrahlt
und stark genug sein wie ein Baum,
um Wahrheit zu tragen.

Lebenszeit ist ein flüchtiges Gut;
übe das Ausruhen im Rückzug nach Innen.

Nutze den ‚Augenblick‘ deiner körperlichen Existenz
zum Heil deiner Seele im irdischen und astralen Bereich.
Irgendwann wirst du dort sein, im zeitlosen Raum,
um die ganze Wahrheit zu sehen!

Weisheit und Wahrheit – Pierre-Paul Prud’hon (1758-1823)

Erstarrter Geist

Bild: Karin M.
Kann Stille jemals lautlos sein,
wie scheinbar Starres schwingende Atome trägt,
den Augen unsichtbar, uns Fragen auferlegt
in dieser Welt des ewig Wandelbaren?

Die Dichte lebt, was nur im Licht gewahr,
und jeder Stein, so hart er scheint, trägt offenbar
ein unscheinbares Schwingungsfeld
in diese scheinbar starre Welt.

Der Menschenblick erliegt der Illusion.

Die Sonnensehnsucht ist der Wüste Tod!
Gleich der des Erdbeschwerten, der sich selbst genügt.
Geistig der Tod im Reich der Selbstverliebten,
die seelisch stumpf sind, blind vom Spiegelglanz,
verlieren sich im Licht der Arroganz.

Was ist der Sinn im Dur und Moll des Lebens?
Geistiger Tanz – das Auf und Nieder singt ein Lied
und plötzlich wird die Stille selbst zur Melodie:
Bewusstsein ist die Kraft der Fantasie.

Werden und vergehen

Grabstein auf dem Melatenfriedhof in Köln. Foto: Gisela Seidel

Es ist ein ewig Auf und Ab,
ein Werden und Vergehen.

Die Erde ist ein großes Grab,
die Zeit nur ein Geschehen.

Wie Blätter fallen sie vom Baum,
die vielen Todgeweihten.

Die Lebenszeit bleibt nur ein Traum
von Hoffnung in den Zeiten.

Du schöne Welt, du süßer Klang,
bald muss ich Abschied nehmen.

Bin wie die Vielen müd und bang,
vom Dasein wund gelegen,

und bettet mich der Sonne Strahl
in neue Frühlingsfülle,

so wandle ich ein weit’res Mal
auf dieser Erdenhülle.

Verklärtes Lied – im letzten Klang
dem Himmelsglanz zu singen;

der alten Töne neuer Sang,
Vollendung und Beginnen.

Halloween

Quelle: Stardock.com
Die ersten Kerzen sind entzündet,
so mancher Kürbis kriegt Gesicht,
an Halloween wird heut verkündet,
das, was man schenken soll, ist Pflicht.

Vor Türen stehn die frechen Gören,
mit Handylichtern und Geschrei.
Sie drohen denen, die nicht hören,
mit Rache, die gar sauer sei.

So einfach kann man bössein lernen -
die alte Zeit, wo ist sie hin?
Da gingen Kinder mit Laternen
von Haus zu Haus mit gutem Sinn.

Da freute man sich auf die Gaben,
auf Nüsse, Schokolade, Kuchen;
die Leckereien, sie zu haben,
war ein Geschenk für arme Stuben.

Aus Kindermündern wurd‘ gesungen,
heut singt man nicht mehr, nein, man droht;
Amerika ist durchgedrungen,
der neue Mensch im Spaß verroht.

Geschlossene Gesellschaft

Verblichen abgedankt –
erlöste Körper in versunkenen Gründen.
Weltlich entfernt, der Erde abgewandt,
der Zeit entrückt, zum niemals Wiederfinden.

Gereifte Energien, gepflückt im Wandelbaren,
geerntet in der Freude, wo kein Auge weint,
um leibbefreit ihr Sein zu offenbaren,
obwohl gestaltlos unsichtbar es scheint.

Den alten Reigen tanzend - ewige Natur,
um körperlos die Erde loszulassen,
dem Geist des Ursprungs auf der Spur,
den Sinn, die Wahrheit sterbend zu erfassen.