In noch dunkelster Nacht, von der Allmacht erdacht, Welt veredelnd im Geist, der die Zukunft uns weist. Universelles Erleben, dem Kleinsten gegeben. So groß ist der Sinn, in allem zu sein, der ICH BIN.
Schlagwort: Leben
Unausweichlich

Sind dir geraubt des Lebens flücht’ge Gaben, nachdem du Haus und Garten wohl bestellt, und alle hohen Bäume, die Jahrzehnte waren, der Axt gewichen, schonungslos gefällt? Ist das genommen, was du tief empfunden, ging Liebe fort aus deinem Lebensbild, sind mit ihr deine Ziele hin, verschwunden und letzte Spuren aus dem Herz gespült? Hast du dich aufgegeben, fest entschlossen, dein Dasein zu beenden, das dich plagt? So schicksalshadernd, hat sich Frust ergossen, dass du am Leben und am Leid verzagst. Und allem Beileid tröstend Menschenwort, das fiel von dir herab, als Unverstand. Du wünschtest dich an einen anderen Ort, an dem Verschwundenes nicht mehr verband. Der stolze Baum steht auch mit kahler Krone, erträgt im Lebenskampf des Sturmes Biegen, damit er manches Vogelnest verschone, wird sie mit letzter Kraft am Boden liegen. Der Mensch allein hebt gegen sich die Hand, will nichts aus Lebenskraft den anderen reichen; sieht nicht der Bäume zugedachten Stand, bereit, viel Frucht zu tragen statt zu weichen.
Phönixgleich

Wie du dich plagst im körperlichen Leid, wie du sie liebst, die ungestüme Freud, wie du den Tag in Schweigen hüllst, und deine heißen Tränen stillst. Seh im Gesicht, die Blicke, stumm, in der die Frage furcht: „Warum?“ Verstehst nichts von der Erde Not, nur deine. - Was das Leben bot, war dir willkommener Genuss; verzichten ist der letzte Schluss. In körperliche Starre geht die arme Seele, die versteht: belebt wird sie vom Lebensgeist, bis er sie in die Schranken weist. Er flieht aus ihr, allein die Hülle bleibt in der Erde dunklen Fülle. Das Lied der Todgeweihten kennen, die hier im Lebenslicht verbrennen, sich phönixgleich vom Grab erheben, in neuem Klang, zu neuem Leben.
Berührungslose Nähe

Fühle berührungslose Nähe, distanzlose Gedanken,die, würdest du sie sehen, wie dornenlose Rosen, duftend um dich ranken. Bruchteile von Sekunden, mit einem Lächeln lieben – so seelentief verbunden, als stünd’s in einem heil’gen Buch geschrieben, mit tausend Zauberworten,die, wenn sie ausgesprochen an geheimen Orten, die Herzensflammen bis in Ewigkeiten brennen ließen, und dort verweilend, würden sie den Jüngsten Tag begrüßen. In den Unendlichkeiten würden sie die neuen Morgen kränzen, als kleine Sterne, funkelnd, an den fernen Himmeln glänzen, und sich, wie unsichtbarer Liebesregen, auf die Geschöpfe dieser Erde legen. Ahnst du mein unsichtbares Wangenstreicheln, fühlst du die fessellosen Bande? Möchte’ gerne deiner Seele schmeicheln, bin ich doch deinen Weg zu glätten außerstande.
Winterende

Das Grün in diesem Land ist blass, befleckt, dem Wachstum fern, im Wintergrau verblichen; das kahle Astwerk, das sich in die Lüfte streckt, ist wärmesuchend vor dem Frost gewichen. Wie ein Chamäleon, bereit für neue Farben, liegt es getarnt, das Kolorit verdeckt; fast unsichtbar, die Haut mit Kältenarben, geduldig, tief im letzten Schnee versteckt. Das Leben haucht im Atem feuchte Wärme, im Februar klopft ein eisig‘ Kälteherz, erstarrt ist die Natur in Sonnenferne, am Winterende pflügt der Monat März. Dann bricht hervor aus dunklen Erdenschollen, was in der Tiefe längst im Kern geboren, und aus naturbedingtem heil‘gem Wollen treibt es hinaus am warmen Frühjahrsmorgen.
Berg der letzten Sicht

Die vielen Stufen, wie sie mich rufen! Das Menschsein ertragend, den Aufstieg wagend, muss ich sie gehen, um zu verstehen. Die Höhen erklimmen, Erkenntnis erringen, am Gipfelkreuz stehen, die Erde besehen: verschleierte Wahrheit, vernebelte Klarheit. Mensch, von Dämonen besessen, Natur vergessend, vom Ego beschwert, lieblos abgekehrt von gnädiger Güte. Die göttliche Blüte der Liebe empfangen, Demut erlangen! Kein Auge um Auge, nicht Zahn um Zahn – verzeihen, vergeben in Rückschau und Leben, nicht vom Hass zerfressen, sich selbst vergessen. Der Körper vergeht, nur die Liebe besteht. Im Wiederfinden die Einheit verbinden, wenn aus dem Berg der letzten Sicht, das Edelweiß bricht.
Im Licht der Wahrheit

Ein reicherer, schönerer Ort, gerecht durch höheres Wissen,
ausgegossen aus dem Füllhorn leibbefreiter Wesen,
die Quelle der Kraft und der Zuversicht in Gott suchen,
Frieden und Ruhe finden und in den Gesetzen des Lebens die Harmonie,
Kummer und Angst besiegen und durch Trost ersetzen.
Das Licht der Wahrheit wird in der Finsternis des Verstandes leuchten,
wo Unwissenheit herrschte, wird das tiefere Erkennen erwachen.
Gesundheit wird Krankheit vertreiben und der göttliche Geist, der im Menschen ist,
wird sich ausdrucksvoll zu erkennen geben;
die Prüfungen des Lebens werden sein, wie ein Gang durch den Park,
mit sprudelnden Brunnen darin, als Reservoir des Geistes.
Der erschaffene Mensch, als Idee Gottes, war das Muster der Vollkommenheit.
Er ist immer noch da, verdeckt, latent, unaussprechlich, und wartet darauf, zu größerem Ausdruck vollendet zu werden.
Schicksal

Ins irdische Geschehen geboren, mit einem Bild, das längst umrissen, musst ernten, was moralverloren, du einst gesät im Ungewissen. Fügst ersten unbeholfnen Schritten in Freiheit Licht und Schatten ein; dem schicksalhaften Weg entglitten, wird zwingend eine Wandlung sein. So ist die Freiheit deines Weges ein Akt, der einen Ausgleich sucht. Aus Geisteswelt hast du’s errungen, weil dich ein neues Leben ruft. Trittst durch das dunkle Tor der Stille, geboren, blind und ahnungslos. Aufwachen, Träumer! Es ist eigner Wille. Ändern des Schicksals - dein Erdenlos.
Fremde Welt

Die Welt, in der wir leben, ist wie ein fremdes Reich, wir sind dem fernen nah, das nicht dem uns’ren gleicht. Schau nicht die ‚Schattenpflanzen‘, sie nähren sich im Hass, es strahlen Sonnenaugen, wenn sie die Sanftmut fasst. Fremd, das Getragenwerden im warm getränkten Strom, der auf den Sonnenwegen in reinen Herzen wohnt. Die sich wie Unkraut breiten, im Dunkeln, übers Land; sie werden bald vergehen, zum kalten Tod verbannt. Dort, wo der Strom der Sonne, das Licht der Liebe speist, vergehen alle Schatten und alle Kälte weicht. Es scheut das Licht der Liebe, wer tief im Dunkeln lebt, weiß nichts von fernen Höhen, wohin die Seele strebt. Bist Fremder dieser Welt, auch in der Heimat Land, der Mensch ist heimatlos, der keine Liebe fand.
Fernes Rufen

In wechselnden Dingen erhebt sich mein Leben, tief unten, noch atmend, die Ströme der Nacht; begraben vom Alltag, vom endlosen Streben, tief müde geschlafen, die Tage vollbracht. In unergründlichen Tiefen geschwommen, verwurzelt gehört, den unendlichen Klang. Von fernen Welten ein Rufen vernommen, ein Erwachen des Geistes im Körper begann. Ich spürte die Liebe der Heimat mir sagen, dass Leben ein Gipfel ist, den man besteigt, ein endloser Weg, zwischen Hoffen und Wagen, der von Gipfel zu Gipfel in Kreuzwege zweigt. Den geraden Weg mag ein jeder Mensch finden, die Dornen zu räumen, ist Lebenspflicht; zu gehn ohne Angst, zu höheren Gründen, zu Welten aus Liebe, Gottvertrauen und Licht.