Schlitterbahn

Rev. Robert Walker beim Schlittschuhlaufen
Henry Raeburn oder Henri-Pierre Danloux zugeschrieben, 1790er Jahre
Verbotene Linien überschreiten
und sich auf dünnem Eis bewegen,
voll Zuversicht die Arme weiten,
als Schirm, der schützt, darüberlegen.

Einbruch bei jedem Schritt erwarten,
beim Knistern jenes Untergrunds;
porös ist er, der Lebensgarten,
man fühlt sich sicher, doch man plumpst.

Man taucht hinab in die Kontraste,
fühlt sich ertappt im Gegensatz,
nur lieben wollte man und hasste
das, was der Seele gar nicht passt.

Oft sieht man Gutes, doch den Mangel
an Gutem sieht man oft zu spät;
Geschicklichkeit ist Teil des Angelns,
dem Fischer, der am Wasser steht.

Er fischt in Vielfalt von Erfahrung,
denn das ist wahrer Lebenszweck.
Man übt durch manche Offenbarung
Sünde, Gewalt und andern Dreck.

Man geht daraus gestärkt hervor,
aus diesem Unvollkommensein.
Doch kommt schon bald ein andrer Tor,
bricht wieder in die Eisbahn ein.

Kalte Gedanken

Julius Sergius von Klever (1850-1924)
Es wird bald Nacht sein, Gott,
gib für die letzte Fahrt mir Licht.
Kalt bläst der Wind von Nord
und rötet mein Gesicht.

Es wird noch lang nicht tauen -
der Reif hängt an den Zweigen
und aus dem flachen Land
seh’ ich die Nebel steigen.

Zeig mir den Weg nach Haus,
halt an die Weltenuhren,
deck zu mit Sternenglanz
und Mondlicht meine Spuren.

Lass Kirchenglocken schlagen,
hör’ sie durch Eis und Schnee;
so Gott will, werd‘ ich’s tragen,
das Schwere, wenn ich geh.

Wird sein kein Steingebilde,
geschmücktes Grab und Trauer,
wer Wahrheit führt im Schilde,
der ist allein – auf Dauer.

So blind bin ich, vertraue,
tappe durch Finsternisse;
wie die Lebendigen glauben -
und nur die Toten wissen.

Aus deinen hohen Stämmen
wob Nacht nun graue Fäden,
der Schneeluft gilt kein Dämmen,
wenn lichte Flocken weben.

Gespenst der Nacht, jetzt weiche!
Unholde Wesen kriechen
um Schnee verwehte Eiche,
aus Wald und Mauernischen.

Muss dunkle Pfade gehen -
tritt mir auch Angst entgegen,
werd‘ starken Mutes sehen:
auch dort liegt Gottes Segen.

Geistesfreiheit

Vladimir Kush
Die Welt verwandelt sich durch Taten,
durch die Gedanken, die du in dir trägst.
Säe die Liebe im Bewusstseinsgarten,
damit du Hass und Zweifel untergräbst.

Wo Liebe blüht, da schreibt das Herz Geschichte.
Ein neuer Himmel wird sich dir erschließen;
dann kann ein Strahl von Seinem Lichte
auf die noch dunklen Völker fließen.

Fülle mit Farben die Tristesse der Zeit,
damit sie aufgehellt im Licht erstrahlt;
unter den Körpern blitzt ein geistig’ Kleid,
das unvergänglich dir die Freiheit malt.

Als Kind des Himmels ist sie dir gewiss!
Geknechtet trägt die Welt die Dornenkrone,
doch anders, als die Menschheit es umriss:
Bewusstsein wird im Leiden erst zum Lohne.

Schicksalsschleier

Caspar David Friedrich 1774-1840
Wirst du erwartungsvoll nach einer Antwort suchen
und fragend deinen Blick zum Himmel lenken,
in Träumen einen unbekannten Namen rufen,
und auch am Tage oft an dies' Geheimnis denken?

Versperrt ist noch der freie Zukunftsblick,
wart’ nur, das Schicksal wird dir Zeichen senden,
und eines Tages mit noch unbekanntem Glück,
dein Leben und dein Los zum Guten wenden.

Das Namenlose, das du suchst, du wirst es finden,
das Unbekannte, es bekommt Gesicht.
Kannst du es lieben? Du wirst selbst ergründen,
ob du Erfüllung wähltest oder nicht.

Suche den rechten Weg, folg deinem Herzen;
lass alles, was dich traurig macht, zurück.
Die Engel leuchten dir mit Wunderkerzen,
Gott leitet dich auf deinem Weg ins Glück.

Fühlst du, der Himmel stellt des Lebens Weichen
für viele neue Wege, die wir gehen.
Eine Vision wird plötzlich dir die Hände reichen,
wo du es nicht erwartest, werden Engel stehen.

Sie dienen dir in Menschen und dein Sehen
entfaltet sich bewusst in neuem Licht.
Was bisher um dich unbemerkt geschehen,
gibt dir nun hoffnungsvolle Zuversicht.

Neue Erde

In der sternenklaren Stille
tummeln sich die ew’gen Geister;
unsichtbar und nach dem Willen
ihres Schöpfers, Herrn und Meister.

Aus dem früh erwachten Hauche,
jung und frisch aus Wasserfluten,
eine neue Erde tauche!
Alte Götzen stehn in Gluten.

Untergang den Falschen drohe –
Gott aus Holz, in Gold und Stein,
sind in ungeheurer Lohe
fortgenommen aus den Reihen.

Sanftmut lebt, der still gestaltet,
bleibt für immer hier auf Erden,
und von Weisheit, fromm verwaltet,
wird die Liebe wiederkehren.

Kommt der große Tag der Sühne?
Zeit und Stunde kennt nur Einer!
Doch der „Jüngste Tag“ wird kommen;
wenn ich heute geh’, ist’s meiner.

Flockentanz

So schwer fällt jeder Schritt auf weichem Grund,
versunken in den Schnee, der nächtens fiel,
der funkelnd in der frühen Morgenstund‘
auf schon verharschten Gründen fand sein Ziel.

Der Flocken Tanz im Nachtschein der Laternen,
die federleicht in Stille niedergehen,
scheint wie kristallner Glanz von fernen Sternen,
die sanft, vom Wind getragen und verwehen.

Weihnachtstage

Jakub Schikaneder (1855-1924)
Wirf ab, Herz, was dich kränket
und was dein Sein beschwert.
Wenn sich der Tag versenket,
sei hell, ein warmer Herd.

Lass alle Sorgen fahren,
denn deiner Seele Flehen
soll in die Weihnachtstage
mit frommer Hoffnung gehen.

Nimm Finsternis und Mächten
ihr tiefes Dunkelsein,
und lad in heiligen Nächten
den Schöpfer selbst dir ein.

Dann hört man leis die Engel
durch unsere Fülle gehen,
bis sie im Stern-Gepränge
am lichten Himmel stehen.

Der Weg der Pflicht

KI generiert mit Gemini
Schwer, wenn die Schritte vor Barrieren stehen
und jedes Denken schwächt das Weiterschreiten.
Gefahrlos sind die Wege kaum zu gehen,
zu undurchsichtig die Unwägbarkeiten.

Türmen Barrieren auf; der fremde Wille
beherrscht manch menschliches Geschick.
Dann wird zum Drahtseilakt die Tatenfülle,
jede Bewegung mahnt mit Todesblick.

Der Menschen Absicht ist mal gut, mal böse;
Bekriegen dient als Waffe und als Schutz.
All die Soldaten in dem Kriegsgetöse
sind auf dem Weg der Pflicht, die töten muss.

Marschieren durch die vielen Dornenranken,
den Stacheldraht, der keine Blüten trägt;
das Schlimmste dieser Welt sind die Gedanken,
wenn sie zum Schlachtfeld ziehn, das nie vergeht.

Die vielen Herrscher über Krieg und Frieden,
die nur befehlen und bequem aus ihren Sesseln
der Würde Unantastbarkeit verbiegen
und sie durch falsche Pflichten an sich fesseln.

Sind wie die Steine, kalt, mit leeren Worten,
wenn sie mit Eigenlob und Aberwitz berichten,
sie kümmert nicht die Schönheit mancher Orte,
die sie in ihrem Größenwahn vernichten.

Der Weg der Pflicht wird oft zum Überwinden,
wenn er der inneren Wahrheit nicht entspricht,
denn jeder Schritt wird dann zum Missempfinden,
fehlt es an Liebe und an Zuversicht.


Fest der Liebe

Bild von Sulamith Wülfing (1901-1989)
Als die Vögel weggezogen,
ist die Welt so still geworden.
Alles Laub liegt längst zu Boden,
der vom Regen vollgesogen.

So bizarr stehn jetzt die Bäume,
recken ihre nackten Zweige;
fühlen sich vom Wind gewogen,
bald stehn sie in weißem Kleide.

Nur der Sonne warmes Strahlen,
weckt das Leben in den Gliedern,
doch nur kurze Winterwärme
schönt die Kälte hin und wieder.

Und der Geist der Menschenkinder
grübelt oft in stillem Denken,
träumt und hofft, erinnert sich,
wie es war, das Freudeschenken

unter wurzelfreien Bäumen,
die man schonungslos geschlagen,
schmückte und sie lichtbehangen,
präsentiert an Weihnachtstagen.

Wenn die Kinderaugen funkeln,
die Erwachsenen Lieder singen,
feine Plätzchen backen, naschen,
und sich freuen an all den Dingen,

dann ist Wärme in den Stuben,
jede Sorge winzig klein;
denn das Christkind in den Herzen
lässt im Hause Liebe sein.

Weihnachtsstern

Quelle: Pinterest
Du schwebst im Dunkel, bald wirst du erstrahlen.
Oh, Weihnachtsstern, so flüchtig fern dein Bild,
zeig deinen Glanz, so wie vor vielen Jahren,
wo Mensch erinnerungsträchtig die Erneuerung fühlt.

Ein Kindlein einst als Unschuldsfrucht erblühte,
ein unbeschriebenes Blatt im Weltgeschehen,
um das sich Magier ferner Länder mühten,
ihm Zeichen schenkten, seine Zukunft sehen.

Gold schenkten sie, sodass der Hass versiegt
und Böses dieser Welt nur Gutes bringt;
Weihrauch, dass einst sein Geist den Tod besiegt,
der, auferstanden ins Bewusstsein dringt.

Die Bitterkeit des Leidens und des Todes,
als Zeichen wurde Myrrhe ihm geschenkt;
entkam dem Plan des mordenden Herodes,
den Weg zunächst nach Bethlehem gelenkt.

Geboren unter'm Weihnachtsstern in Liebe,
Du, Herr des Lichts, im Geist auch dieses Jahr,
der Ziel und Ursprung ist im Weltgetriebe,
Dein inneres Leuchten wird uns offenbar.
Quelle: Pinterest