Shlof, majn Kind

„Shlof, majn Kind, majn trejst“ von Thomas Friz (1950-2023) eigener Veröffentlichung „Jiddische Lieder“ (1987) – Zupfgeigenhansel.

Shlof mayn kind
 
Shlof mayn kind, mayn treyst mayn sheyner
Shlof zhe, lyu-lyu-lyu!
Shlof mayn lebn, mayn kadish eyner,
Shlof zhe, zunenyu.
 
Bay dayn vigl zitst dayn mame,
Zingt a lid un veynt.
Vest a mol farshteyn mistome
Vos zi hot gemeynt
 
In Amerike iz der tate
Dayner zunenyu,
Du bist nokh a kind lesate,
Shlof zhe, shlof, lyu-lyu.
 
Dos Amerike is far yedn,
zogt men gor a glik,
Un far Yidn a gan-eydn,
Epes an antik.
 
Dortn est men in der vokhn
Khale, zunenyu.
Yaykhelekh vel ikh dir kokhn,
Shlof zhe, shlof, lyu-lyu.
 
Er vet shikn tsvantsik dolar,
zayn portret dertsu,
Un vet nemen, lebn zol er,
Undz ahintsutsu.
 
Biz es kumt dos gute kvitl,
Shlof zhe zunenyu,
Slofn iz a tayer mitl,
Shlof zhe, shlof lyu-lyu.
Schlaf kleiner Sohn.
 
Deine Mutter sitzt an deiner Wiege,
singt ein Lied und weint.
Eines Tages wirst du ihr Weinen verstehen
Und was sie dachte.
 
Dein Vater, kleiner Sohn
Ist in Amerika
Währenddessen bist du noch ein Kind
Schlaf, schlaf, lyu-lyu.
 
Man sagt, Amerika ist
eine Freude für jeden.
Und für Juden ist es ein Paradies
Eine Seltenheit.
 
Dort, während der Woche
Sie essen Khale-Brot kleiner Sohn.
Ich werde dir dort Brühen kochen,
Schlaf, schlaf, lyu-lyu.
 
Dein Vater wird zwanzig Dollar schicken
und auch sein Foto,
Und er wird uns dorthin bringen,
Möge er lange leben.
 
Bis die guten Dinge kommen,
Schlaf, mein Sohn,
Schlaf ist ein göttliches Heilmittel,
Schlaf, schlaf, Lyu-Lyu.

Dichter:
Solomon Naumovich Rabinovich, besser bekannt unter seinem Pseudonym Sholem Aleichem, war ein führender jiddischer Autor und Dramatiker.  Das Musical Fiddler on the Roof, das auf seinen Geschichten über Tevye the Dairyman basiert, war der erste kommerzielle Erfolg…
 
Gitarrist: Gerhard Graf-Martinez

English translation © Helen Beer

Sleep My Child
Sleep my lovely child, my comfort,
Sleep, lyu-lyu-lyu!
Sleep, my life, my kadish
Sleep little son.

Your mother sits at your cradle,
Sings a song and weeps.
One day you will understand her weeping
And what she thought.

Your father little son
Is in America
Meanwhile you are still a child
Sleep, sleep, lyu-lyu.

They say that America is
a joy for everyone.
And for Jews it’s a paradise
Something of a rarity.

There, during the week
They eat khale-bread little son.
I will cook you broths there,
Sleep, sleep, lyu-lyu.

Your father will send twenty dollars
and his photo as well,
And he will bring us there,
Long may he live.

Until the good things come,
Sleep little son,
Sleep is a god remedy,
Sleep, sleep lyu-lyu.

Poet
Sholem Aleichem

Solomon Naumovich Rabinovich, better known under his pen name Sholem Aleichem, was a leading Yiddish author and playwright. The musical Fiddler on the Roof, based on his stories about Tevye the Dairyman, was the first commercially successful…

Gitarrist: Gerhard Graf-Martinez

Winterwald

von Ernst Preczang (1870-1949)

Peder Mørk Mønsted (1859-1941)
Weiß steht der Wald. Du wandelst still
und weltentrückt einsame Pfade.
Der Himmel schüttet lichte Gnade
auf alles, was hier funkeln will.

Die Wipfel glühn, und Ast bei Ast
entlodern in das große Schweigen;
Sprühfunken rieseln von den Zweigen
und ihrer silberschweren Last.

Mit einer Riesenmütze schaut
der Busch aus schneeverklärten Gründen,
und alle Glockensternchen zünden
den Märchenglanz auf Moos und Kraut.

Breit fließt des Tages helle Macht,
ein Meer, dahin in sanften Wellen,
und aus den letzten Winkeln quellen
siehst blitzend du die weiße Pracht.

Es schweigt der Wald. Doch leise schwingt
um dich ein Lied aus fernsten Auen.
Du hörst es nicht. Du kannst nur schauen.
Und hörst es doch: das Licht, es singt.

Winterstille

von Johannes Trojan (1837-1915)

Quelle: Pinterest
(gekürzt)

Nun hat der Berg sein Schneekleid angetan,
und Schnee liegt lastend auf den Tannenbäumen
und deckt die Felder zu, ein weißer Plan,
darunter still die jungen Saaten träumen.

Fried’ in der Weite! Nicht ein Laut erklingt
ein Zweig nur bebt und stäubt Kristalle nieder,
gestreift vom Vogel, der empor sich schwingt -
und still ist alles rings und reglos wieder.

In Winters Banden liegt der See und ruht,
die Wellen schlafen, die einst lockend riefen.
Nicht spielen mehr die Winde mit der Flut,
kaum regt sich Leben noch in ihren Tiefen.

Welch eine Stille! Kaum im Herzen mag
ein Wunsch sich regen, dass es anders werde.
Und doch, o Herz, du weißt, es kommt der Tag,
der wieder schmückt mit blüh’ndem Kranz die Erde.
Johannes Trojan, porträtiert von Hermann Scherenberg (1879)

Winter-Idyll

von Christian Morgenstern (1871-1914)
Quelle: Pinterest
Schlitten klingeln durch die Gassen,
fußhoch liegt der Schnee geschichtet;
deutschem Winter muss man lassen,
dass er gar entzückend dichtet.

Und wir gehn, ein schneeweiß Pärchen,
Arm in Arm, mit heissen Wangen.
Welch ein süßes Wintermärchen
hält zwei Herzen heut gefangen!
Christian Morgenstern 1910

Inch’Allah

Text: Originalversion 1967 von Adamo
Sängerin: Maurane eigentlich Claudine Luypaerts; (1960 -2018)
Sänger: Salvatore Adamo

Ich sah den Orient und seine Umgebung,
mit dem Mond als Banner,
und ich wollte in einem Vierzeiler
der Welt sein Licht singen.

Doch als ich Jerusalem sah,
Mohnblume auf einem Felsen,
hörte ich ein Requiem,
als ich mich über sie beugte.

Siehst du nicht die bescheidene Kapelle,
du, der du flüsterst „Frieden auf Erden“
dass die Vögel mit ihren Flügeln verbergen
diese Feuerbuchstaben: „Gefahr Grenze“.

Der Weg führt zum Brunnen,
du möchtest deinen Eimer füllen.
Halte an! Maria Magdalena,
für sie ist dein Körper das Wasser nicht wert.

Inch Allah, Inch Allah
Inch Allah, Inch Allah

Und der Olivenbaum trauert um seinen Schatten.
Seine zärtliche Frau, seine Freundin,
die unter den Trümmern liegt,
gefangen im Feindesland.

Auf einem Stacheldrahtdorn:
Der Schmetterling wartet auf die Rose.
Die Menschen sind so hirnlos,
dass sie mich verstoßen werden, wenn ich es wage.

Gott der Hölle oder Gott des Himmels,
Du, der Du bist, wo Du willst,
in diesem Land Israel
gibt es Kinder, die zittern.

Inch Allah, Inch Allah
Inch Allah, Inch Allah

Die Frauen fallen im Sturm.
Morgen wird das Blut gewaschen;
der Weg ist aus Mut gemacht.
Eine Frau für einen Pflasterstein.

Aber ja, ich habe Jerusalem gesehen,
Mohnblume auf einem Felsen.
Ich höre noch immer das Requiem,
wenn ich mich über sie beuge.

Requiem für sechs Millionen Seelen,
die ihre Marmor-Mausoleen nicht haben,
und die trotz des berüchtigten Sandes
sechs Millionen Bäume wachsen ließen.

Inch Allah, Inch Allah
Inch Allah, Inch Allah

J’ai vu l’Orient dans son écrin
avec la lune pour bannière
et je comptais en un quatrain
chanter au monde sa lumière

Mais quand j’ai vu Jérusalem
coquelicot sur un rocher
j’ai entendu un requiem
quand sur lui je me suis penché

Ne vois-tu pas humble chapelle
toi qui murmure paix sur la terre
que les oiseaux cachent de leurs ailes
ces lettres de feu : danger frontière

Le chemin mène à la fontaine
tu voudrais bien remplir ton seau
arrête-toi Marie-Madeleine
pour eux ton corps ne vaut pas l’eau

Inch Allah, Inch Allah
Inch Allah, Inch Allah

Et l’olivier pleure son ombre
sa tendre épouse son amie
qui repose sous les décombres
prisonnière en terre ennemie

Sur une épine de barbelé
le papillon guette la rose
les gens sont si écervelés
qu’ils me répudieront si j’ose

Dieu de l’enfer ou Dieu du ciel
toi que te trouve où bon te semble
sur cette terre d’Israël
il y a des enfants qui tremblent

Inch Allah, Inch Allah
Inch Allah, Inch Allah

Les femmes tombent sous l’orage
demain le sang sera lavé
la route est faite de courage
une femme pour un pavé

Mais oui j’ai vu Jérusalem
coquelicot sur un rocher
j’entends toujours ce requiem
lorsque sur lui je suis penché

Requiem pour six millions d’âmes
qui n’ont pas leurs mausolées de marbre
et qui malgré le sable infâme
ont fait pousser six millions d’arbres

Inch Allah, Inch Allah
Inch Allah, Inch Allah

Bald fällt von diesen Zweigen

Text:

Bald fällt von diesen Zweigen
das letzte Laub herab.
Die Busch´ und Wälder schweigen,
die Welt ist wie ein Grab.

Wo sind sie denn geblieben?
Ach, sie sangen einst so schön.
Der Reif hat sie vertrieben,
weg über Tal und Höh´n.

Und bange wird´s und bänger
und öd´ in Feld und Hag;
die Nächte werden länger
und kürzer wird der Tag.

Die Vögel sind verschwunden,
suchen Frühling anderswo;
Nur wo sie den gefunden,
da sind sie wieder froh.

Und wenn von diesen Zweigen
das letzte Laub nun fällt,
wenn Busch´ und Wälder schweigen,
als trauerte die Welt.

Dein Frühling kann nicht schwinden,
immer gleich bleibt dein Geschick,
du kannst den Frühling finden,
noch jeden Augenblick.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Text: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Musik: anonym – Französische Volksweise (auch: Ich hab die Nacht geträumet)

Das verschleierte Bild zu Sais

Gedicht von Friedrich von Schiller (1759-1805)


Zum Geburtstag von Friedrich von Schiller am 10.11.1759:
Dies ist eines meiner Lieblingsgedichte. Die Wahrheit liegt auf dem Weg des Lebens, der ein fortwährendes Lernen ist. Nur dieses Lernen macht den Menschen erst empfänglich für die Wahrheit. Dazu zählt auch die Selbsterkenntnis. Das Gedicht zeigt, dass ein vorschnelles, verbotenes Handeln zu einem kummervollen Leben führen kann.

Ein Jüngling, den des Wissens heißer Durst
nach Sais in Ägypten trieb, der Priester
geheime Weisheit zu erlernen, hatte
schon manchen Grad mit schnellem Geist durcheilt,
stets riß ihn seine Forschbegierde weiter,
und kaum besänftigte der Hierophant
den ungeduldig Strebenden.
»Was hab ich, wenn ich nicht alles habe?« sprach der Jüngling.

»Gibts etwa hier ein Weniger und Mehr?
Ist deine Wahrheit wie der Sinne Glück
nur eine Summe, die man größer, kleiner
besitzen kann und immer doch besitzt?
Ist sie nicht eine einzge, ungeteilte?
Nimm einen Ton aus einer Harmonie,
nimm eine Farbe aus dem Regenbogen,
und alles, was dir bleibt, ist nichts, solang
das schöne All der Töne fehlt und Farben.«

Indem sie einst so sprachen, standen sie
in einer einsamen Rotonde still,
wo ein verschleiert Bild von Riesengröße
dem Jüngling in die Augen fiel. Verwundert
blickt er den Führer an und spricht: »Was ists,
das hinter diesem Schleier sich verbirgt?«
»Die Wahrheit«, ist die Antwort. – »Wie?« ruft jener,
»Nach Wahrheit streb ich ja allein, und diese
gerade ist es, die man mir verhüllt?«

»Das mache mit der Gottheit aus«, versetzt
der Hierophant. »Kein Sterblicher, sagt sie,
rückt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe.
Und wer mit ungeweihter, schuldger Hand
den heiligen, verbotnen früher hebt,
der, spricht die Gottheit« – »Nun?« –
»Der sieht die Wahrheit.«

»Ein seltsamer Orakelspruch! Du selbst,
Du hättest also niemals ihn gehoben?«
»Ich? Wahrlich nicht! Und war auch nie dazu
versucht.« – »Das fass ich nicht. Wenn von der Wahrheit
nur diese dünne Scheidewand mich trennte –«
»Und ein Gesetz«, fällt ihm sein Führer ein.
»Gewichtiger, mein Sohn, als du es meinst,
Ist dieser dünne Flor – für deine Hand
zwar leicht, doch zentnerschwer für dein Gewissen.«

Der Jüngling ging gedankenvoll nach Hause.
Ihm raubt des Wissens brennende Begier
den Schlaf, er wälzt sich glühend auf dem Lager
und rafft sich auf um Mitternacht. Zum Tempel
führt unfreiwillig ihn der scheue Tritt.
Leicht ward es ihm, die Mauer zu ersteigen,
Und mitten in das Innre der Rotonde
trägt ein beherzter Sprung den Wagenden.

Hier steht er nun, und grauenvoll umfängt
den Einsamen die lebenlose Stille,
die nur der Tritte hohler Widerhall
In den geheimen Grüften unterbricht.
Von oben durch der Kuppel Öffnung wirft
Der Mond den bleichen, silberblauen Schein,
und furchtbar wie ein gegenwärtger Gott
erglänzt durch des Gewölbes Finsternisse
In ihrem langen Schleier die Gestalt.

Er tritt hinan mit ungewissem Schritt,
Schon will die freche Hand das Heilige berühren,
Da zuckt es heiß und kühl durch sein Gebein
und stößt ihn weg mit unsichtbarem Arme.
Unglücklicher, was willst du tun? So ruft
in seinem Innern eine treue Stimme.
Versuchen den Allheiligen willst du?
Kein Sterblicher, sprach des Orakels Mund,
rückt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe.
Doch setzte nicht derselbe Mund hinzu:
Wer diesen Schleier hebt, soll Wahrheit schauen?
»Sei hinter ihm, was will! Ich heb ihn auf.«
(Er rufts mit lauter Stimm.) »Ich will sie schauen.«

Schauen!
Gellt ihm ein langes Echo spottend nach.
Er sprichts und hat den Schleier aufgedeckt.
Nun, fragt ihr, und was zeigte sich ihm hier?
Ich weiß es nicht. Besinnungslos und bleich,
so fanden ihn am andern Tag die Priester
am Fußgestell der Isis ausgestreckt.
Was er allda gesehen und erfahren,
Hat seine Zunge nie bekannt. Auf ewig
war seines Lebens Heiterkeit dahin,
ihn riß ein tiefer Gram zum frühen Grabe.

»Weh dem«, dies war sein warnungsvolles Wort,
wenn ungestüme Frager in ihn drangen,
»Weh dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld,
Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein.«

Erklärung:

  1. Sais: Eine antike Stadt in Ägypten (Unterägypten), am Nil gelegen.
  2. Hierophant: Ein Priester, der heilige Gegenstände zeigt.
  3. Rotonde: Eine Rotunde ist ein Gebäude mit einem kreisrunden Grundriss.
  4. Flor: ein dünner Vorhang aus Seide oder Wolle.
  5. Isis: Ist eine Göttin in der ägypt. Mythologie. Sie war die Göttin der Geburt, der Wiedergeburt und der Magie, aber auch Totengöttin.

Gedankenbote

Raphael – Sixtinische Kapelle

Bin der Gedankenbote,
kein Wenn und Aber füg’ ich ein,
sende in ausgeglich’nem Lote,
Ideen mal in groß, mal klein.

Bin der Geschichtenschreiber
von allerhöchster Stelle,
ein wortgewandter Treiber,
mal langsam und mal schnelle.

Bin Morgenstund-Erzähler,
zum Abend stimme ich dich ein,
will Freude, niemals Quäler,
deiner Gedankenvielfalt sein.

Das Denken, trüb und heiter,
geht auf die Weltenreise,
rinnt durch dein Hirn und weiter
hinaus auf deine Weise.

Guter Mond du gehst so stille

Melody Max Friedlaender / Dichter unbekannt / Interpreten: Comedian Harmonists

Guter Mond, du gehst so stille durch die Abendwolken hin.
Bist so ruhig und ich fühle, dass ich ohne Ruhe bin.
Traurig folgen meine Blicke deiner stillen, heitern Bahn.
O, wie hart ist das Geschicke, dass ich dir nicht folgen kann.

Guter Mond, du gehst so stille durch die Abendwolken hin.
Deines Schöpfers weiser Wille hieß auf jener Bahn dich ziehn.
Leuchte freundlich jedem Müden in das stille Kämmerlein
und ergieße Ruh und Frieden ins bedrängte Herz hinein.

Guter Mond, dir will ich's sagen, was mein banges Herze kränkt,
und an wen mit bittern Klagen die betrübte Seele denkt!
Guter Mond, du sollst es wissen, weil du so verschwiegen bist,
warum meine Tränen fließen und mein Herz so traurig ist.

Die Urfassung war ein anonymes, volkstümliches Liebeslied mit sieben Strophen, das ab etwa 1800 in mehreren Schriften überliefert ist.

Karl Enslin ist nicht der Autor der Originalfassung, sondern des Andachtslieds von 1851, das drei Strophen umfasst.

Veni, veni, Emmanuel

Veni, veni, Emmanuel ist eigentlich ein Adventslied, doch aufgrund der neuesten Ereignisse habe ich es heute hier veröffentlicht.

Text bei John Mason Neale, Hymni Ecclesiae, 1851
Sängerin: Loreena McKennitt

Lateinisch  / 	Übersetzung

Veni, veni Emmanuel!
Captivum solve Israel!
Qui gemit in exilio,
Privatus Dei Filio,
Gaude, gaude, Emmanuel
Nascetur pro te, Israel.
	

Komm, komm, Immanuel!
Befreie das gefangene Israel,
das in der Verbannung wehklagt,
beraubt um Gottes Sohn.
Freue dich, freue dich; Immanuel
wird für dich, Israel, geboren werden.

Veni o Iesse virgula!
Ex hostis tuos ungula,
De specu tuos tartari
Educ, et antro barathri.
Gaude, gaude, Emmanuel
Nascetur pro te, Israel.
	

Komm, o Spross des Jesse!
Aus des Feindes Klauen
führe die Deinen heraus,
aus der Tiefe der Unterwelt,
aus dem Abgrund der Hölle.
Freue dich …

Veni, veni o oriens!
Solare nos adveniens,
Noctis depelle nebulas,
Dirasque mortis tenebras.
Gaude, gaude, Emmanuel
Nascetur pro te, Israel.
	

Komm, komm, o Morgenstern!
Tröste uns, indem du kommst.
Vertreibe die Nebel der Nacht
und die schreckliche Finsternis des Todes!
Freue dich …

Veni clavis Davidica!
Regna reclude coelica,
Fac iter tutum superum,
Et claude vias inferum.
Gaude, gaude, Emmanuel
Nascetur pro te, Israel.
	

Komm, Schlüssel Davids!
Schließe auf die himmlischen Reiche.
Mach sicher den Weg nach oben
und verschließe die Wege nach unten!
Freue dich …

Veni, veni Adonai!
Qui populo in Sinai
Legem dedisti vertice,
In maiestate gloriae.
Gaude, gaude, Emmanuel
Nascetur pro te, Israel.
	

Komm, komm, Herr!
Deinem Volk gabst du das Gesetz
auf Sinais Gipfel
in erhabener Herrlichkeit.
Freue dich …