Zeitenwende

Quelle: Pinterest

Nur ein paar Tage trennen altes Jahr vom neuen.
Wird es voll Frieden sein, voll Harmonie,
wird deines traurig sein und andere freuen? –
Das Schicksal trägt den Hauch von Ironie!

Manchmal ist Leid der Andern Sinn des Lebens.
Es fordert dich mit jedem neuen Tag.
Entfällt der Sinn, suchst du vergebens
und trauerst ungeliebten Lasten nach.

Du siehst im Dienst an andern nur die Bürde,
siehst nicht ihr Los und wie es dient für dich?
Als schicksalhafte Last fordert es Würde,
die du so leicht verlierst in deinem Ich.

Man spielt die Lotterie des Geldgewinnens,
sucht Glück und Anerkennung auf der Bank.
Nicht von der Arbeit täglichem Beginnen,
vom Müßiggang wird unsere Seele krank.

Für jede Phase dieses Lebens gibt es Stufen,
ob einfach, kompliziert, groß oder klein;
der Gott in uns wird uns zu gehn berufen,
wird das Motiv der Weisheit für uns sein.

Er gibt der Seele Hoffnung zur Genesung –
Gott ist der Schöpfung immanent!
Er zeigt die Richtung Liebe und Erlösung,
ist Feuer, das auf ewig in uns brennt.

Schonungslos

Ich verabschiede mich hiermit in eine Pause bis ins neue Jahr. Nach neuen Veröffentlichungen werde ich trotzdem gelegentlich schauen.
Allen Lesern wünsche ich ein friedvolles, besinnliches Weihnachtsfest!

Ein Tannenbaum
liegt schonungslos
und abgeschlagen
auf dem Moos.

Er duftet noch
nach nahem Wald;
am Boden liegt er,
tot und kalt.

Zu fernen Höhen
ging sein Streben,
in jeder Nadel
pulste Leben.

Man arbeitet
mit scharfem Beil
ganz gnadenlos
am Unterteil.

Entfernt die Zweige,
welch‘ an Tagen,
mit Sehnsucht
in den Spitzen lagen.

Kein Gelbfink,
der auf starken Ästen
im Frühling singt,
mit neuen Nestern.

Und auf dem
Marktplatz, wie im Traum,
ward aufgestellt
der Weihnachtsbaum.

Ein kurzes Glitzern,
lichterschwer,
erhellt das Dunkel,
seelenleer.

Die Herzen warm,
die Glocken klingen,
die kleinen Kinder
stehn und singen.

Und schweigend
glänzt ein Sternentraum
dem abgeschlag‘nen
Tannenbaum.

Holzstich von Hans Tegner

Rose im Schnee

Quelle: www.botanikus.de

Durch jedes Lieben geht ein Lichtlein an,
vermehrt entzündet an geweihten Tagen.
Die Nächstenliebe schreitet dem voran,
verstreut voll Güte ihre Liebesgaben.

Gemeinsamkeit im Mühn des Schenkens,
der Zeiten Dunkel tröstlich aufzuhellen.
Sei denen dankbar, die sich selbst verschenken,
die ihre Lichtlein denen zugesellen,

die sterbend um ihr kleines Leben bangen,
die einsam und voll Leid in Hospitälern,
nach Atem ringend, Trost und Zeit verlangen.
Lasst Licht entzünden in den Jammertälern!

Die Menschheit friert so lange schon,
weil jeder nehmen will und keiner geben.
Den Andern wärmen, nur für Gottes-Lohn,
sein eigen Licht entzünden und zum Zeichen heben.

Schaut auf des Wunders lichten Schein,
seht dort die Rose tief im Schnee!
Sie fügt sich strahlend in den Winter ein,
erleidet nicht des Wetters Frost und Weh.

Christkind

Quelle: Pinterest

Das Christkind lebt!
Ich hab es kommen sehen.
So leis war es,
ich konnt‘s doch tapsen hören.

Von Geist durchwebt,
im Haar ein güldenes Wehen.
Ja, lächelt nur –
ich kann es doch beschwören!

Ein himmlisch reiner Glanz
auf weißen Schwingen –
einmal im Jahr,
da schwebt‘s von Herz zu Geist.

Nur lichte Freude
will sein Dasein bringen,
und unter hellen Liedern,
die die Menschen singen,
ein Christgeschenk,
das durch die Seelen reist.

Quelle: Pinterest

Lied des Kindes

Es war noch klein.
Ein Kindlein, das allein den Weg nicht fand.
Es lief im Traum entlang an Dorf und Feld,
während es fern von aller Welt
ein Liedchen sang.

Es suchte einen Ort,
der Heimat war, wo man es kannte,
gütig es rief und es mit Namen nannte,
wo es geborgen und in Gottes Hand
am Abend schlief.

Die kleine Melodie
sang es in sich hinein, damit die Angst verflog,
und als es um des Weges Ecke bog,
da war ein Feuer angefacht,
wohl in der Nacht.

Es knisterte und loderte hinauf.
Staunend stand das Kind, schwieg und schaute.
Dort flackerte, als schon der Morgen graute,
die lichtumhüllte, engelhafte Kraft,
von Gott gebracht.

Es war das Licht der Welt
tief ihm im Kindersinn.
Die Sehnsucht blieb, der Traum, er ging.
Als tausend Lichter brannten an des Baumes Pracht,
lauschte das Kind dem ew’gen Lied
der stillen Nacht.

Neue Flagge

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Sturmerprobt im morgenkühlen Meer –
das Geschrei des Abends ist verklungen,
in den Städten stand ein Männerheer,
freudenschussbereit und siegestrunken.

Ausgedient – das Alte scheint vergangen,
das mit kaltem Herzen folternd trieb;
Unschuld war im Spinnennetz gefangen,
deren Herrschaft man auf Fahnen schrieb.

Unter toten Steinen liegt das Erbe,
noch bedeckt von Trümmern und Verrat;
gebt, dass nach dem Aufbau nicht verderbe,
was der Tod versäumt und Leben gab.

Lass das Land auf leichten Wellen wiegen,
wie ein Schiff, das bald vor Anker geht;
lass es Unmoral und Hass besiegen,
unter neuer Flagge auf der LIEBE steht.

Frostiger Spätherbst

Johann Bernhard Klombeck (1815-1893)

Morgenkühle Spätherbststille!
Misteln in den leeren Zweigen,
Nebelhauch aus feuchten Wiesen –
alles ist so hold und eigen.

Draußen treiben Sturm und Wetter –
wie ein Wehgeheul ihr Singen;
Blätter türmten sich zuhauf,
bis sie sturmbefreit vergingen.

Frostig schreitet der Dezember,
Raureif bildend, allerorten;
über Puderzuckerwelten
öffnen Himmel ihre Pforten.

Der Dezember

von Erich Kästner

Quelle: https://design.tutsplus.com/

Das Jahr ward alt. Hat dünnes Haar.
Ist gar nicht sehr gesund.
Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
Kennt gar die letzte Stund.

Ist viel geschehn. Ward viel versäumt.
Ruht beides unterm Schnee.
Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.
Und Wehmut tut halt weh.

Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.
Nichts bleibt. Und nichts vergeht.
Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.
Nützt nichts, dass man’s versteht.

Und wieder stapft der Nikolaus
durch jeden Kindertraum.
Und wieder blüht in jedem Haus
der goldengrüne Baum.

Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,
wie hold Christbäume blühn.
Hast nun den Weihnachtsmann gespielt
und glaubst nicht mehr an ihn.

Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.
Dann dröhnt das Erz und spricht:
„Das Jahr kennt seinen letzten Tag,
und du kennst deinen nicht.“

Erich Kästner (1899-1974)

Schnee von gestern

Schon sechzehn Jahre her
und längst verblasst –
doch manchmal zeigt ein Traum Gesicht.

Ist wie ein Bild,
das, in Erinnerung gefasst,
ganz tief im Herzen mir ein: „Schau mal!“, spricht.

Wie ein Gespinst
aus tausend Fäden Alltagsgrau,
in Wirklichkeit gewickeltes Geschehen,

erscheint sein Bild
mit Kindern, seiner Ehefrau
und fremden Frauen, die verborgen stehen.

Ghosting tat weh,
doch heute bin ich froh –
verschwunden ist, was nicht zu mir gehörte.

Betrogen hat er
alle Frauen, sowieso,
mit Leidenschaft, bevor er sie zerstörte.