Federleicht

Bild von Sabine Zierer auf Pixabay
Gib Achtung jenem Drängen, 
das tief im Herzen liegt;
als ob‘s mit zarten Klängen
ein Notenblatt beschrieb.

Tanz leicht im Takt des Liedes;
sei fröhlich und beschwingt.
Folg seinem Rhythmus, lieb es,
weil es von Wahrheit singt.

Folg federleicht dem Einen,
der übers Wasser ging;
hör, wie das Lied in Reimen
den Glauben trägt im Sinn.

Wirf einen Stein ins Wasser,
schau, wie er untergeht,
sieh, es bewegt ein Raster,
das weite Kreise dreht.

Das Wertvolle im Leben,
umkreist noch lang die Welt;
sei nicht ein steinig Beben,
der untergeht und fällt.

Folg tanzend allen Winden,
durchströme Raum und Zeit;
du wirst das Gute finden
im Takt der Ewigkeit.

Pilgerweg

Peregrinus preparatus – Westminster abbey
Das Leben ist uns Lehrpfad hier auf Erden,
ist uns ein Pilgerweg, mit Blumen ausgeschmückt,
auch wenn die Schritte steinig unterlegen,
ist er mit Liebe und mit Hoffnung überdeckt.

Wir sammeln Blüten wie Erfahrungswerte,
mit Steinen bauen wir ein winderprobtes Haus;
wir folgen einer unbekannten Fährte,
die sich durchs Leben zieht, auch wenn es graust.

Schau immer nur nach oben, nie nach unten -
die Sonne scheint vom Himmel jeden Tag.
Mit hellen Strahlen wird sie ewig funkeln,
ist uns ein Sinnbild, das uns geistig füllen mag.

Vital erleuchtend wird sie Kummer stillen,
den Geist in uns erreichen und beleben;
das, was uns niederschlug in Weisheit hüllen,
in unser Pilgerkleid den Glauben weben.

Kein Buch auf dieser Welt kann ihn uns lehren,
kein Lehrer weitergeben dem, der’s wissen will.
Die Göttlichkeit im Menschen zu beschreiben,
gleicht einer unbekannten Pflanze, die erst keimen will.

Durch deine Taten musst du sie verdienen -
Wahrheit erkennen, frei und ohne Schuld.
Sei Pilger nicht zu Kirchen und Ruinen,
erreich das Ziel des Lebensweges in Geduld.

Stille hören

Unsterbliche Seele – Sulamith Wülfing (1901-1989)
Stets aufs Neue ‚Stille hören‘,
wie sie auf die Schultern rieselt,
ganz von oben, fern der Erde,
so, wie warmer Regen nieselt.

Jeder Tropfen wird zum Golde,
legt sich auf das Heer der Sinne,
dass es Schwere der Gefühle
federleicht zum Vorschein bringe.

Und im Draußen, die Gestalten -
sind zu viele an der Zahl,
ziehn vorbei mit langen Schatten,
tragen schwer die Lebensqual.

Fühle mit geschloss‘nen Augen,
wie es Sterne um mich regnet,
wie aus unbekannter Ferne
Großer Geist mich liebend segnet.

Ein Land nach unserer Zeit

Bild von Stefan Keller auf Pixabay
Vom Strom der Zeit gelöst und mitgerissen,
nichts kann ihn halten, den Moment.
Ein Augenblick ist wie ein innig Küssen,
zeitlos erlebt, verbunden, dann getrennt.

Es streift durch jede Zeit Vergänglichkeit,
die Toten tragen Ruhm und Glanz im alten Namen.
Im Ganzen lebten sie – Geist existiert und bleibt,
Es änderten sich Menschen, Mode, ihr Gebaren.

Generationen, wie sie lachten, liebten,
und hofften, dass die Menschheit besser würde,
und sich letztendlich doch bekriegten,
im kleinsten Raum oder der Welt zur Bürde.

Sie machten nieder, was der andre baute,
zerstörten Existenzen, Hoffnung, Leben,
und als am neuen Tag das Chaos graute,
lag ein Geruch der Fäulnis auf den Wegen.

Gepflastert einst mit Hoffnungsschimmern,
hat dies ein Leichentuch längst zugedeckt.
Verstummt ist auch das letzte Wimmern,
zerstört das Land – ein grässlich leerer Fleck.

Wie ein Komet, der einschlug, Leben ändert,
wirkt Klimawandel, Krieg und saurer Regen.
Die neue Eiszeit kommt, nichts führt zur Wende;
der dezimierte Mensch sucht neue Wege.

Schein der Mode

Foto: privat 1975
Vom Schein der Mode sollt‘ ich mich entwöhnen;
ein Hauch von Nichts, der sich um Leiber schmiegt,
ein bisschen krumm Gewachs’nes gerade biegt,
die Blicke auf sich zieht, um zu verschönen.

Liegt doch ein Trug, der augenscheinlich da,
in Kleidern, die den Trägern schmeicheln,
kaschiert die Linie in einigen Bereichen
und man verbirgt, was sonst erkennbar war.

Ganz unentbehrlich schienen einst die Blicke,
die beim Flanieren meinem Körper galten;
es war mir ein Genuss, sie an mir festzuhalten,
es gab mir Selbstvertrauen, Leichtigkeit der Schritte.

Die Moden ändern sich im Lauf der langen Zeit,
Gepflogenheiten sind nur temporär - das Alter kam,
und jede Falte zeigt mir, was es mit sich nahm:
die Schönheit und die Oberflächlichkeit.

Lindenblüten

Postkartenmotiv: Maler Paul Hey (1867-1952)

Sieh, die Linden in der Sommernacht,
deren grüne Kronen über Wege reichen,
wie im Lüftespiel die Blätter gleichen,
wenn sie rauschen, wild und sacht.

Lauscht dem Vogel in der Stille, träume,
heb dich fort im Fluge deines Denkens,
such den Schutz im Schatten grüner Bäume,
ihre Art des milden Kühle Spendens.

Blühe, wie die Blüten einer Linde,
webe einen Blütenteppich in Gedanken.
Kränze deines Lebensbaumes binde,
lasse Blütensterne um dich ranken.

Gebe jenen, die vorübergehen, einen Strauß,
schenke, was dich selber glücklich macht.
Breite deinen Blütenteppich aus,
sei wie Linden in der Sommernacht.

Graue Vorzeit

Schlacht bei Rocroi am 19. Mai 1643 – Augusto Ferrer-Dalmau Nieto *1964
Aus der Vorzeit dunkler Tage
steigen sie empor, wie Schwaden,
flüstern mir mit leisen Stimmen,
hör‘ sie lachen, hör‘ sie klagen.

Nur der Wind kennt ihre Namen,
Ihre Leiber nahm die Erde;
denn die Vielen, die da kamen,
starben auf dem ‚Feld der Ehre‘.

„Gott gesegnet sei ihr Handeln
und der Krieg von Gott befohlen.“ -
Seh‘ in Priesterkleidern wandeln,
die zum Lohn der Welt gelogen.

Gott, den sie mit Namen nannten,
aus den heiligen Legenden,
dessen Nennung Priester brannten,
in die Herzen der Bedrängten.

Menschen, die vor tausend Jahren
durch den Zeitkanal geschritten,
mussten einst zu Grabe tragen,
sich und unerfüllte Bitten.

Wispern hör‘ ich ihre Stimmen -
rufen Gott mit fremden Namen;
Trug und Wahn zu überwinden,
ist nicht Zeugnis dieser Armen.

Frömmigkeit mit Augenbinden -
löst sie sanft in Lieb‘ und Lehre,
lass sie Lügen überwinden -
Leben ist das Feld der Ehre.

Im Grase

von Adolf Friedrich Graf von Schack
John William Waterhouse 1849-1917

Um mich schwärmender Bienen Gesumm;
fernher Singen von Schnittern;
Sommerlüfte, die heiß ringsum
über der Wiese zittern!

Hoch aus dem dunkelnden Himmelsblau,
drin die Wolken verschwimmen,
quillt es und rinnt hernieder wie Tau,
säuselt wie liebe Stimmen.

Gaukelt und lacht mir hinweg das Leid,
hebt die Erdengewichte,
bis die Seele, gelöst, befreit,
schwärmt in dem himmlischen Lichte.

Adolf Friedrich Graf von Schack 1815-1894 – gemalt von Franz von Lenbach

Fluidum

Bild von Mier Chen auf Pixabay
Das Meer, es fließt, als gäb es keine Grenzen;
mit weißer Krone steigt es, sinkt herab,
es schwingt und schäumt durch irdische Frequenzen,
in ewiger Routine zieht’s hinab.

In grauem Blau und gleißend lichtem Funkeln
gleitet’s dahin am Erdenstrand der Zeit,
bis es von Sturm gepeitscht, sich bäumt und dunkel
als Fluidum das feste Land durchstreift.

In unbegrenzten Tiefen seiner Wonnen,
mit Kraft des Schöpfers, die in Allem ist,
wird es gespeist durch Mond und Sonne,
bis das, was anfangs war, am Ende IST.

Gespinste der Nacht

Quelle: Pinterest
Der Tag vergeht ganz leise
und bringt die Nacht zurück;
Minuten, die ermatten,
im kurzen Stundenglück.

Der Sonne Glanz verschwindet,
Mondlicht durchstreift das Land,
wo es die Wachen findet
und müde Augen band.

Vollmond beglänzt die Fenster;
gar mitternächtlich tief,
holt er die Nachtgespenster,
mit Namen, die er rief.

Sie rauben dir im Plaudern
den lang ersehnten Schlummer;
sie bringen dir ein Schaudern
im längst vergessenen Kummer.

Kalt scheinend ist das Leuchten,
auf Teichen, Schilf und Moosen,
treibt aus den dunklen Feuchten,
Nénuphar - weiße Rosen.

Bringt Schönheit in die Welten
durch geheimnisvolles Walten -
wenn es dämmert in der Ferne,
lichte Wunder sich entfalten.