Herbstzeit

Die letzten Blätter fallen von den Zweigen
und auf den Straßen liegt das nasse Laub.
Tief sich die Äste der Platanen neigen
und Regen mischt sich mit dem Straßenstaub.
 
Von Ferne naht die Nacht mit dunklen Schatten
und um die Häuserecke pfeift der Wind.
Ein braunes Blatt tanzt auf den Gehwegplatten,
die feuchte Luft macht Fensterscheiben blind.
 
Spinnweben glänzen nass in letzten Sonnenstrahlen;
ein Regenbogen spannt sich über Stadt und Land.
Mit voll bepackten Zweigen die Kastanien prahlen –
stehn majestätisch dort am Straßenrand.
 
Hör’ fern vom Kirchturm her der Abendglocke Ton.
Ihr Klang ist anders als an Sommertagen.
Die graue Stille ist des Herbstes Handwerkslohn –
es wird bald Winter, will das Läuten sagen.
 
Und oft in dieser finstren Totensonntags-Zeit,
lässt sich ein Lichtstrahl durch die kahlen Äste gleiten.
So wirst du Mensch – traf dich auch wehes Leid –
zu neuer Hoffnung über Gräber schreiten!
 

Verbotene Sehnsucht

So, wie die Schwalben ohne Rast
zu segeln durch die Lüfte,
 
mit allen Sinnen, fern der Last
zu atmen süße Düfte;
 
oh, wie du lockst, du weite Welt,
mit Schönheit und mit Leben,
 
und jeder Stern am Himmelszelt,
will meine Sehnsucht regen;
 
wie leide ich an meiner Ruh’
der abgeschied’nen Welten,
 
so hör’ mich rufen, laut: Nur DU
kannst meiner Seele helfen!
 
Wollt’ nahe sein nur DIR, mein Herz
und opfern DIR mein Leben,
 
dass Einsamkeit mir wird zum Schmerz,
bitt’ ich DICH zu vergeben.
 
Seh’ nicht als Sünde meinen Drang
des Daseins Sinn zu üben,
 
folg’ trotzdem DIR ein Leben lang,
gib meiner Seele Frieden.
 

Der Wind

John William Waterhouse 1849-1917

Es ist der Wind, der durch die Bäume fegt,
der peitschend mein Gesicht zerschneidet,
 
der sich hoch zu den weißen Wolken hebt
und tief sich mit dem Boden dann vereinet;
 
der die Natur mit fester Hand stets voran treibt
und nächtelang um meine Hauswand heult,
 
der Räder drehend in den Sphären bleibt,
als Weltengärtner Samen um sich streut.
 
Er ist der rastlose Motor der Welt,
denn ohne ihn versiegt das Leben;
 
ob stürmisch oder milde eingestellt,
vereint er sich mit Sonne, Mond und Regen.
 

Hölle

Bild: Karin M.

Satans lieblose Sphäre der Frevel.
 
Dem Guten abgewandte
finstere Welt der Schatten.
Dimension der Bewusstlosigkeit.
 
Ohne Gott sein ist Qual.
 
Unterwelt der Dämonen und Ängste.
 
Erlösung der geistig Toten
durch Jesus am Kreuz,
 
Reinkarnation als Bewährung.
 
Heimkehr der verlorenen Söhne und Töchter.
 
Aus der Verdammnis
zurück in die himmlische Reinheit.
 

Zerbrochen

Frank William Warwick Topham (1838-1924)  – Der zerbrochene Krug

So viele Tränen hab ich geweint,
zu Hause in dunkelster Stunde.
So viele Verse hab ich gereimt,
sie tragen des Leids bittre Kunde.
 
Vergeblichkeit spür’ ich, in all meinem Tun,
bei Tag und bei Nacht in den Gliedern.
Meine zerbrochene Seele muss ruhn.
Gabst meinem Gefühl kein Erwidern.
 
Mit vollen Händen stand ich vor dir,
gab dir mein Herz, unverwunden.
Du hast’s genommen, doch was gabst du mir:
Nur ein paar gestohlene Stunden!?
 
Brachte der Wahn nach vermeintlichem Glück,
nur Illusionen und Träume zum Blühen,
lass’ ich mit bittrer Enttäuschung zurück,
all’ meine Hoffnung, mein Mühen.
 
Alles im Wandel! Die Gegenwart rinnt
wie feiner Sand durch die Hände,
auch, wenn das Sehnen tief in mir brennt,
so fühl ich doch: Es ist zu Ende.
 
Wieder hat meines Schicksals Geschick
ein bittres Kapitel geschrieben.
Die Zeit begräbt mein scheinbares Glück,
ich werd’ von ihr weiter getrieben.
 
Lange noch sucht die Sonne vergebens,
einen Weg, durch die Wolken zu scheinen.
Solang’ der gänzliche Sinn meines Lebens,
ist, deinen Verlust zu beweinen.

Strudel

Edler Schein,
silbriges Fließen.

Licht formt verhärteten Geist,
löst seine Gestalt,
elementar.

Stetig und kreisend
dreht sich der Lauf aller Dinge.
Niemals im Stillstand;
wechselt Formen und Farben.

Strudelt in haltlose Tiefen,
wird aufs Neue geboren,
veredelt zum Aufstieg.

Erlöste Glückseligkeit!

Dämon

Bild: Karin M.


Versteckst dein magisches Auge.
Versuchst zu beherrschen, verführen.
 
Dein Auftrag Zerstörung,
Dein Urgrund Verzweiflung.
 
Ich sah dich im Spiegel,
ließ dich ins Bewusstsein.
 
Begeisterst die Menschen.
 
Gut oder Böse?
Sekunde der Wahl.
 
Durch Liebe erlösen,
positiv wandeln
in Christus Namen,

zum inneren Frieden.

Dunkle Jahre

Edmund Blair Leighton 1853-1922 – The Unknown Land

Der Tränen hab’ ich viel vergossen,
in stetem Leid ertrank mein Herz
und war’n die Augen fest geschlossen,
empfand ich tiefen Seelenschmerz.
 
Ich irrte lange durch die Zeiten,
fand keinen Menschen, der mich trug,
ließ mich von Traurigkeit begleiten,
nur Ablehnung fand ich genug.
 
So gingen hin die alten Tage,
mir folgte nur die Einsamkeit,
nichts änderte die Lebenslage,
die Liebe blieb so fern, so weit.
 
Mein Herz, das suchte stets den Wandel,
doch Menschen brachten nicht das Glück
und durch das oftmals falsche Handeln,
blieb nur die Bitterkeit zurück.
 
Nach langen dunkeltrüben Jahren
sind’s neue Wege die ich gehe,
ich darf mit Dankbarkeit erfahren,
die liebevolle Gottesnähe.

Hölle auf Erden

Gustave Doré 1832-1883 – Dante, Hölle

Mit großen Lebensfehlern,
die wir einst gemacht,
pflastern wir uns die eigne Erdenhölle,
 
die uns umgibt,
wie rabenschwarze Nacht,
wo dunkle Mächte fordern ihre hohen Zölle.
 
So, wie ein Strudel,
der uns aus der Mitte reißt,
und dann erbarmungslos in seine Tiefen zieht,
 
wie uns ein Sturz den Aufprall wohl verheißt,
wenn man mit großen Augen in den Abgrund sieht,
 
so quält allgegenwärtig unser Missgeschick,
versperrt den Blick zu neuen, guten Dingen,
 
und standen wir schon auf dem ob’ren Leiterstück,
muss dann ein neuer Aufstieg erst gelingen.
 
So werden wir die Meister unsres Lebens,
gelernt sein muss ein jeder unsrer Schritte,
 
und mühen wir uns manchmal auch vergebens,
die Umkehr führt uns heim in unsre Mitte.