Festgelegten Pfaden folgend,
gehen wir des Lebens Lauf,
fühlen uns von Gott verlassen,
nehmen tiefes Leid in Kauf.
Erde dreht um ihre Achse,
der Gezeiten Flut verebbt,
Sterne und Planeten kreisen,
vorbestimmt im Himmelsbett.
Teil des ewigen Zyklus sein,
Jahreszeiten gehn und kommen;
wachsen, blühen und vergehen,
Frühling wird sie neu besonnen.
In Couleur der vielen Vögel
fröhlich in den Tag gesungen,
wie im Wind die Bäume tanzen,
positiv und ungezwungen.
Überall gehorcht das Leben
dem Gesetz des Großen Geistes;
ist ein Teil davon in jedem,
jeder ist Teil Seines Reiches.
Ich sah den Orient und seine Umgebung, mit dem Mond als Banner, und ich wollte in einem Vierzeiler der Welt sein Licht singen.
Doch als ich Jerusalem sah, Mohnblume auf einem Felsen, hörte ich ein Requiem, als ich mich über sie beugte.
Siehst du nicht die bescheidene Kapelle, du, der du flüsterst „Frieden auf Erden“ dass die Vögel mit ihren Flügeln verbergen diese Feuerbuchstaben: „Gefahr Grenze“.
Der Weg führt zum Brunnen, du möchtest deinen Eimer füllen. Halte an! Maria Magdalena, für sie ist dein Körper das Wasser nicht wert.
Inch Allah, Inch Allah Inch Allah, Inch Allah
Und der Olivenbaum trauert um seinen Schatten. Seine zärtliche Frau, seine Freundin, die unter den Trümmern liegt, gefangen im Feindesland.
Auf einem Stacheldrahtdorn: Der Schmetterling wartet auf die Rose. Die Menschen sind so hirnlos, dass sie mich verstoßen werden, wenn ich es wage.
Gott der Hölle oder Gott des Himmels, Du, der Du bist, wo Du willst, in diesem Land Israel gibt es Kinder, die zittern.
Inch Allah, Inch Allah Inch Allah, Inch Allah
Die Frauen fallen im Sturm. Morgen wird das Blut gewaschen; der Weg ist aus Mut gemacht. Eine Frau für einen Pflasterstein.
Aber ja, ich habe Jerusalem gesehen, Mohnblume auf einem Felsen. Ich höre noch immer das Requiem, wenn ich mich über sie beuge.
Requiem für sechs Millionen Seelen, die ihre Marmor-Mausoleen nicht haben, und die trotz des berüchtigten Sandes sechs Millionen Bäume wachsen ließen.
Inch Allah, Inch Allah Inch Allah, Inch Allah
J’ai vu l’Orient dans son écrin avec la lune pour bannière et je comptais en un quatrain chanter au monde sa lumière
Mais quand j’ai vu Jérusalem coquelicot sur un rocher j’ai entendu un requiem quand sur lui je me suis penché
Ne vois-tu pas humble chapelle toi qui murmure paix sur la terre que les oiseaux cachent de leurs ailes ces lettres de feu : danger frontière
Le chemin mène à la fontaine tu voudrais bien remplir ton seau arrête-toi Marie-Madeleine pour eux ton corps ne vaut pas l’eau
Inch Allah, Inch Allah Inch Allah, Inch Allah
Et l’olivier pleure son ombre sa tendre épouse son amie qui repose sous les décombres prisonnière en terre ennemie
Sur une épine de barbelé le papillon guette la rose les gens sont si écervelés qu’ils me répudieront si j’ose
Dieu de l’enfer ou Dieu du ciel toi que te trouve où bon te semble sur cette terre d’Israël il y a des enfants qui tremblent
Inch Allah, Inch Allah Inch Allah, Inch Allah
Les femmes tombent sous l’orage demain le sang sera lavé la route est faite de courage une femme pour un pavé
Mais oui j’ai vu Jérusalem coquelicot sur un rocher j’entends toujours ce requiem lorsque sur lui je suis penché
Requiem pour six millions d’âmes qui n’ont pas leurs mausolées de marbre et qui malgré le sable infâme ont fait pousser six millions d’arbres
Es kämpft die Stille gegen ferne Stimmen, verklingen leise, wie vergangne Nacht. Der Wind hob an ein letztes Singen; die Frühe hat ein Leuchten uns gebracht.
Lässt graue Dissonanzen höher klingen, dass jeder Ton am lichten Fest in Dur verwandelt, alles Moll der Dinge, wie Glockenläuten klingen lässt.
Die Welt erwacht und Regenbogen-Fahnen weh’n auf der Brücke, die zum Himmel führt, so bunt und freudig; lässt das Ziel erahnen, das Mensch und Tier seit Ewigkeit berührt.
Wir gehn und sehen nur das Dunkel, manch‘ helles Leuchten sehn wir nicht, wie über uns das Sternenfunkeln, doch ist es bei uns, bis das Auge bricht.
Noch kämpft das Sein um trübe Stunden. Des Lebenslichtes blasser Schein, er blieb. Die ferne Zukunft ist im Nichts verschwunden, so wie der Drang, der mich einst vorwärts trieb.
Es brannte, wie die Fackeln, heiß und groß, so lebensdurstig war es angefacht. Die Flamme brannte gierig, pausenlos, erhellte meine Wege Tag und Nacht.
So, wie ein Kerzen-Heer auf einem Feld, in Groß und Klein, mal neu, mal abgebrannt, seh ich die Lebenslichter aufgestellt, bis sie verlöschen, kalt und unbekannt.
In letzter Glut, zur wohl bestimmten Zeit, verbleibt der Geist des Lebens in der Welt. Entzündet neue Flammen, reine Helligkeit, macht aus der Finsternis ein lichtes Feld.
Mein kleines Licht, kein Zufallshandeln, es ist entfachter Sinn in mir. Heilig der Geist, der Leben wandelt in Sein und Nichtsein, dort und hier.
Ist erst der Geist im Mensch erwacht,
der Göttliches empfängt,
vergeht alsdann die lange Nacht,
die Fesseln sind gesprengt.
Empfängt nun Wissen mit Begier,
die Saat beginnt zu blühen.
Emporgeschwungen siegt die Kür,
in Seinem Licht gediehen.
Zweckdienlich ist des Körpers Zier,
sein Dasein wird vergehen,
erfüllt nur die Bestimmung hier,
sein Geist, er bleibt bestehen.
Der Geist, das wahre DU in dir,
mit allen Seelenteilen,
wird inkarniert im Fleische hier
zur Geistesgröße treiben.
Wenn die trübe Zeit vergangen,
die vor unseren Türen liegt,
Wind und Regen sich gefangen,
der kalt durch die Länder trieb;
wenn die Totenglocken schweigen,
die von Gotteshäusern klingen,
Kirchenbänke leere Stätten,
menschenleer und ohne Singen;
wenn nur Leere füllt die Öde,
sich die Stolpersteine heben,
wird man fallen in den Straßen,
denn ein alter Geist will leben.
Er beschwert das Tun der Guten -
die Erinnerung wird bleiben;
wird zur Last – als müder Schuldner
übt man, Gläubiger zu meiden.
Tote Augen der Verlorenen
seh ich glühn in finstrer Stunde;
fühle ihre Angst des Sterbens,
schreckensbleich in ihrer Runde.
Zeitgeist färbt die grauen Haare,
blutrot, in des Mühsals Tücken;
eh die Rose blüht im Garten,
muss man manches Unkraut pflücken.
Zum Geburtstag von Friedrich von Schiller am 10.11.1759: Dies ist eines meiner Lieblingsgedichte. Die Wahrheit liegt auf dem Weg des Lebens, der ein fortwährendes Lernen ist. Nur dieses Lernen macht den Menschen erst empfänglich für die Wahrheit. Dazu zählt auch die Selbsterkenntnis. Das Gedicht zeigt, dass ein vorschnelles, verbotenes Handeln zu einem kummervollen Leben führen kann.
Ein Jüngling, den des Wissens heißer Durst nach Sais in Ägypten trieb, der Priester geheime Weisheit zu erlernen, hatte schon manchen Grad mit schnellem Geist durcheilt, stets riß ihn seine Forschbegierde weiter, und kaum besänftigte der Hierophant den ungeduldig Strebenden. »Was hab ich, wenn ich nicht alles habe?« sprach der Jüngling.
»Gibts etwa hier ein Weniger und Mehr? Ist deine Wahrheit wie der Sinne Glück nur eine Summe, die man größer, kleiner besitzen kann und immer doch besitzt? Ist sie nicht eine einzge, ungeteilte? Nimm einen Ton aus einer Harmonie, nimm eine Farbe aus dem Regenbogen, und alles, was dir bleibt, ist nichts, solang das schöne All der Töne fehlt und Farben.«
Indem sie einst so sprachen, standen sie in einer einsamen Rotonde still, wo ein verschleiert Bild von Riesengröße dem Jüngling in die Augen fiel. Verwundert blickt er den Führer an und spricht: »Was ists, das hinter diesem Schleier sich verbirgt?« »Die Wahrheit«, ist die Antwort. – »Wie?« ruft jener, »Nach Wahrheit streb ich ja allein, und diese gerade ist es, die man mir verhüllt?«
»Das mache mit der Gottheit aus«, versetzt der Hierophant. »Kein Sterblicher, sagt sie, rückt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe. Und wer mit ungeweihter, schuldger Hand den heiligen, verbotnen früher hebt, der, spricht die Gottheit« – »Nun?« – »Der sieht die Wahrheit.«
»Ein seltsamer Orakelspruch! Du selbst, Du hättest also niemals ihn gehoben?« »Ich? Wahrlich nicht! Und war auch nie dazu versucht.« – »Das fass ich nicht. Wenn von der Wahrheit nur diese dünne Scheidewand mich trennte –« »Und ein Gesetz«, fällt ihm sein Führer ein. »Gewichtiger, mein Sohn, als du es meinst, Ist dieser dünne Flor – für deine Hand zwar leicht, doch zentnerschwer für dein Gewissen.«
Der Jüngling ging gedankenvoll nach Hause. Ihm raubt des Wissens brennende Begier den Schlaf, er wälzt sich glühend auf dem Lager und rafft sich auf um Mitternacht. Zum Tempel führt unfreiwillig ihn der scheue Tritt. Leicht ward es ihm, die Mauer zu ersteigen, Und mitten in das Innre der Rotonde trägt ein beherzter Sprung den Wagenden.
Hier steht er nun, und grauenvoll umfängt den Einsamen die lebenlose Stille, die nur der Tritte hohler Widerhall In den geheimen Grüften unterbricht. Von oben durch der Kuppel Öffnung wirft Der Mond den bleichen, silberblauen Schein, und furchtbar wie ein gegenwärtger Gott erglänzt durch des Gewölbes Finsternisse In ihrem langen Schleier die Gestalt.
Er tritt hinan mit ungewissem Schritt, Schon will die freche Hand das Heilige berühren, Da zuckt es heiß und kühl durch sein Gebein und stößt ihn weg mit unsichtbarem Arme. Unglücklicher, was willst du tun? So ruft in seinem Innern eine treue Stimme. Versuchen den Allheiligen willst du? Kein Sterblicher, sprach des Orakels Mund, rückt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe. Doch setzte nicht derselbe Mund hinzu: Wer diesen Schleier hebt, soll Wahrheit schauen? »Sei hinter ihm, was will! Ich heb ihn auf.« (Er rufts mit lauter Stimm.) »Ich will sie schauen.«
Schauen! Gellt ihm ein langes Echo spottend nach. Er sprichts und hat den Schleier aufgedeckt. Nun, fragt ihr, und was zeigte sich ihm hier? Ich weiß es nicht. Besinnungslos und bleich, so fanden ihn am andern Tag die Priester am Fußgestell der Isis ausgestreckt. Was er allda gesehen und erfahren, Hat seine Zunge nie bekannt. Auf ewig war seines Lebens Heiterkeit dahin, ihn riß ein tiefer Gram zum frühen Grabe.
»Weh dem«, dies war sein warnungsvolles Wort, wenn ungestüme Frager in ihn drangen, »Weh dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld, Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein.«
Erklärung:
Sais: Eine antike Stadt in Ägypten (Unterägypten), am Nil gelegen.
Hierophant: Ein Priester, der heilige Gegenstände zeigt.
Rotonde: Eine Rotunde ist ein Gebäude mit einem kreisrunden Grundriss.
Flor: ein dünner Vorhang aus Seide oder Wolle.
Isis: Ist eine Göttin in der ägypt. Mythologie. Sie war die Göttin der Geburt, der Wiedergeburt und der Magie, aber auch Totengöttin.
Märchen von Hans Christian Andersen – Des Kaisers neue Kleider
Es lügen Große mit den Kleinen
und lassen sich für Geld verbiegen,
um Macht zu halten, zu vermeiden,
dass manche Menschen besser lügen.
Sie fälschen, schleimen oder wüten,
wo‘s doch banal und unbegründet,
und zeigen ihrer Unschuld Güte,
obwohl ihr Heil’genschein verschwindet.
Noch leben sie auf großem Fuße,
schleichen mit finsterem Gesicht.
Ihr Größenwahn wird längst zum Fluche,
doch die Fassade bröckelt nicht.
In ‚Kaisers neuen Kleidern‘ stehend,
leugnet man seinen Niedergang,
damit manch Dummer, Gelder gebend,
noch schmeichelnd ‚Jacke ziehen‘ kann.
Des Lügners Nacktheit sieht ein Jeder,
die ganze Welt schaut auf sein Toben.
Lügt er nun weiter oder geht er?
Brillen dem Volk und Hirn von oben!
John Atkinson Grimshaw (1836-1893) – November Morgen
Novembertag, du dunkler Pantomime, bist jemand, der nicht gehen will. Treibst hinter Fenster und Gardine Gebärdenspiele, schweigend still.
Wie die Ruinen ausgedienter Hallen, ganz lichtlos, elend, grau erfüllt, verlassen, melancholisch, halb verfallen, bedrückend, scheint bizarr dein Bild.
Der Himmel hängt nicht voller Geigen, er hat sich lichtlos eingehüllt. Aus vielen Wolken tropft das Schweigen – der Tag, er steht mit Schwert und Schild.
Will sich der Helligkeit erwehren, verteidigt seine Dunkelheit und weder Kampf, noch Aufbegehren, hilft abzuwenden diese Zeit.
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