Du, Frühling, der die Welt belebt,
lass blühen, was blühen will!
Wo Gottes Geist aufsteigend weht,
dort steht der Winter still.
Treib Fruchtbarkeit in Raum und Zeit,
blas' Tod und Kälte fort.
Erwacht im Licht - empfangsbereit
ist der verschlossene Ort.
Wie Sand, bleibt unfruchtbar zurück,
was Kälte dunkel hält.
Lass wachsen in dir, zeitentrückt,
die lichte Sonnenwelt.
Ich brauch die Ruhe früher Morgenstunden,
die wie ein Fließen mit dem Tag erwachen.
Mit letztem Schlaf und Dunkelheit verbunden,
treib Phönix gleich ich auf dem Traumwelt-Nachen
in einen weiten See der neuen Augenblicke;
wenn ich die Lider öffne, leidensfrei,
nehme ich dankbar an, des neuen Tages Bitte,
behutsam sein, wie Gegenwart auch sei.
Es geht ganz leis die Nacht, wie all die Jahre,
deckt zu, was dunkel im Verborgenen liegt.
Obwohl ich sie schon längst verschlafen habe,
ist Traum- Essenz in meinem Denken, fest und tief.
Im Glanz des Morgens ein Geschenk zu sehen,
als Gottesgabe, es mit Dank empfangen;
gestärkt sein für das weitere Weltgeschehen
und nach Vollendung Wahrheit zu erlangen.
Die Jahre müssen wahrlich doppelt zählen,
durch die des Krieges tiefe Radspur schneidet,
so tief wie Bombenkrater im Gelände,
das wie aus toten Augen blicklos starrt.
Hier rauschte einst der Wald mit vielen Wipfeln -
hier schweigen jetzt die Gräber vieler Menschen.
Was lebte, starb, was jetzt noch lebt, das hungert,
wie diese Krüppelkiefern hier im Sand.
Geduld! Es kommt ein Regen, uns zu laben,
vielleicht auch nur der Sturm, um uns zu brechen.
Wir wurzeln nicht mehr tief genug zum Leiden,
das Ende wird uns leicht und gnädig sein.
Kam ich nicht her, ein teures Grab zu suchen,
dass ich in junges Grün gebettet glaubte?
Wo, in der Wüste will ich jetzt es finden?
Ach, nach Oasen such ich nur, nach Trost.
Da! Endlich, endlich! Wald kommt mir entgegen.
Ein Stück Natur noch rein und ungeschändet,
streckt grüne Arme aus. Ich bin gerettet!
Wie spielend greift ein Rosenstrauch nach mir;
ein Rosenstrauch auf einem Efeuhügel.
Ich kenne ihn gut. Ich hab ihn einst gefunden,
als er am Weg sich zwischen Steinen mühte,
und hab ihn auf ein totes Herz gepflanzt.
Nun baut er Bogen über Kreuz und Hügel,
ein Baldachin aus purpurroten Blüten
mit spitzer Dornenwehr, zum Schutz des Schläfers,
des Ritters mit geschlossenem Visier.
Nur mir enträtselten sich deine Züge:
Der jungenhafte Trotz der rechten Braue,
die hilflos zarte Seele, die im Winkel
stahlharter Augen wohnt und sich versteckt
vor deinem Stolz, der dir den Nacken steifte,
ach, und dem Schalk der dir zu schaffen machte,
und deinen herben Mund, der selten lachte,
mit kleinen Wellen feinen Spots umspielt.
Mein Kämpfer du, zu dem ich mich geflüchtet,
die ich allein und ohne Schützer stehe.
Ich spür, wie deine Kräfte mich umranken
mit Blüt‘ und Dorn, wie dich mein Rosenstrauch.
Die Stürme sind los, im lenzlichen Prangen, des ersten Blühens im Land ohne Frieden, wo Regengüsse die Böden erlangen, der Häuser, die dachlos, wo Leben vertrieben.
Gemächer, so schutzlos, die Wände zerbrochen, der bröckelnden Mauern, knirschend‘ Gebälk. Hält denn noch stand, was den Tod gerochen, was nicht wankt und im heren Wunsche nicht fällt?
Himmel, er dunkelt trüb über dem Felde, Wolkentreiben weint auf unsere Not. Alles ist fort! – Dort auf dem Minenfelde keimte Korn letztes Jahr, für unser Brot.
Doch die Natur lässt sich nicht besiegen; Trauerweiden verschleiern die Sicht. Ob schon die ersten Schneeglöckchen blühen? Zwischen Ruinen sieht man sie nicht.
Irgendwo draußen wird es wieder grünen - österlich leuchtend, der Horizont. Die Leiber getötet, dem Guten dienend, auferstehen im Licht, wo die Liebe wohnt.
Es fließt die Zeit, und in Sekunden ist ein Bild,
ein Bild, das fesselte und um Beachtung rang,
ganz aufgelöst im Nichts. Das ist sein Gang.
Doch schon ein neues Bild, in neuem Kleid,
folgt ihm, dem Werdegang der Zeit.
Löst sich das eine, nimmt sie mit sich fort,
den letzten Augenblick an einen andren Ort.
Dort träumt die Zeit mit uns, am Tag und nächtens,
wie Filme aufgereihte Bilder, dass sie brächten,
nur Fortgang und Erneuerung im Leben.
Die Zeit wird Bilder in die Seele weben,
in hell und dunkel, wo Momentaufnahmen,
bedrückend finster und in Strahlen kamen.
Wo immer sich der Hoffnungsschimmer breitet,
die Zeit in schnellem Schritt darüberschreitet.
Zeitlos, wie Einer, der einst über Wasser ging,
wie er nicht untergeht, so trägt er uns darin.
Du, edle Perle, hast den Glanz verloren;
die Jahre legten bloß, den trüben Kern.
Mit hohem Haupt glichst du, wie auserkoren,
dem Burgfräulein vom andern Stern.
Die stolze Rose ist schon lang verblüht.
Verblasst die Farbe - rosig war dein Leben.
Darnieder liegt dein Leib. Man ist bemüht,
dir Kraft für deinen letzten Weg zu geben.
In Krämpfen liefst du letzte, kurze Wege,
immer dieselben, kilometerlang im Kreis.
Das Sitzen war dir Qual; warst im Gehege,
das blickerlahmte Tier, das sich zerreißt.
Die letzten Worte waren unverständlich,
die du in deinem Krankheitswahn gesprochen.
Du warst noch jung, es wurde unumgänglich,
der Stab des Schicksals über dir gebrochen.
Dein Heimatort, die Menschen waren fort,
mit denen du dein gutes Leben teiltest.
Man gab dich hin, an einen anderen Ort,
an dem nur Alte waren, wo du weiltest.
Dein Geist ist dir verhängnisvoll genommen,
du hast geweint, als er vor Jahren ging.
Mit ihm ist jedes Bild in dir verschwommen,
an denen tränenreich Erinnerung hing.
Vor vielen Jahren hab ich dich verloren,
an eine Krankheit, die den Lauf der Dinge
so anders machte und geschworen,
dass in Gedanken ich dir Rosen bringe.
In noch dunkelster Nacht,
von der Allmacht erdacht,
Welt veredelnd im Geist,
der die Zukunft uns weist.
Universelles Erleben,
dem Kleinsten gegeben.
So groß ist der Sinn,
in allem zu sein, der ICH BIN.
Dichtung von Georg Philipp Friedrich von Hardenberg (1772-1801), genannt „Novalis“
Rezitation: Fritz Stavenhagen
Anmerkung: Die Synthese von Seele und Leib heißt Person. Die Person verhält sich zum Geist wie der Körper zur Seele. Sie zerfällt auch einst und geht in veredelter Gestalt wieder hervor. (Novalis)
Es färbte sich die Wiese grün
Und um die Hecken sah ich blühn,
Tagtäglich sah ich neue Kräuter,
Mild war die Luft, der Himmel heiter.
Ich wusste nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
Und immer dunkler ward der Wald
Auch bunter Sänger Aufenthalt,
Es drang mir bald auf allen Wegen
Ihr Klang in süßem Duft entgegen.
Ich wusste nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
Es quoll und trieb nun überall
Mit Leben, Farben, Duft und Schall,
Sie schienen gern sich zu vereinen,
Dass alles möchte lieblich scheinen.
Ich wusste nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
So dacht ich: ist ein Geist erwacht,
Der alles so lebendig macht
Und der mit tausend schönen Waren
Und Blüten sich will offenbaren?
Ich wusste nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
Vielleicht beginnt ein neues Reich
Der lockre Staub wird zum Gesträuch
Der Baum nimmt tierische Gebärden
Das Tier soll gar zum Menschen werden.
Ich wusste nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
Wie ich so stand und bei mir sann,
Ein mächtger Trieb in mir begann.
Ein freundlich Mädchen kam gegangen
Und nahm mir jeden Sinn gefangen.
Ich wusste nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
Sie ging vorbei, ich grüßte sie,
Sie dankte, das vergess ich nie.
Ich musste ihre Hand erfassen
Und Sie schien gern sie mir zu lassen.
Ich wusste nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
Uns barg der Wald vor Sonnenschein
Das ist der Frühling fiel mir ein.
Kurzum, ich sah, daß jetzt auf Erden
Die Menschen sollten Götter werden.
Nun wußt ich wohl, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
Sind dir geraubt des Lebens flücht’ge Gaben,
nachdem du Haus und Garten wohl bestellt,
und alle hohen Bäume, die Jahrzehnte waren,
der Axt gewichen, schonungslos gefällt?
Ist das genommen, was du tief empfunden,
ging Liebe fort aus deinem Lebensbild,
sind mit ihr deine Ziele hin, verschwunden
und letzte Spuren aus dem Herz gespült?
Hast du dich aufgegeben, fest entschlossen,
dein Dasein zu beenden, das dich plagt?
So schicksalshadernd, hat sich Frust ergossen,
dass du am Leben und am Leid verzagst.
Und allem Beileid tröstend Menschenwort,
das fiel von dir herab, als Unverstand.
Du wünschtest dich an einen anderen Ort,
an dem Verschwundenes nicht mehr verband.
Der stolze Baum steht auch mit kahler Krone,
erträgt im Lebenskampf des Sturmes Biegen,
damit er manches Vogelnest verschone,
wird sie mit letzter Kraft am Boden liegen.
Der Mensch allein hebt gegen sich die Hand,
will nichts aus Lebenskraft den anderen reichen;
sieht nicht der Bäume zugedachten Stand,
bereit, viel Frucht zu tragen statt zu weichen.
Bald öffnen sich die Tore…
will ihn willkommen heißen,
ihm ohne viel Furore
im Geist entgegenreisen.
Bin längst des Frierens müde,
reiß alle Fenster auf,
damit ein Strahl sich grübe
vom hohen Sonnenhaus.
In warmen Sommerhänden
wiegt mich mein Traum sodann;
er kommt mir sehr gelegen,
damit ich hoffen kann.
Dann streicheln mich die Schatten,
das Dunkel schwindet schnell,
Das Licht auf den Rabatten
macht Taggedanken hell.
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