Ideen wachsen wie Blumen in Träumen,
sind zarte Gebilde auf dem Zeitstrahl des Werdens.
Blühende Felder, genährt von der Ur-Pflanze,
füllen die Körbe mit neuen Eingebungen,
sind samenvoll für leere Tage;
aus dem Nichts herauswachsende Gedanken,
wie Blätter und Blüten. Sind Träger des Ursprungs,
entzünden in sich Funken des Lebens,
aus erfahrenen Impulsen für neue Ideen,
gepflückt auf den Feldern der Träume.
„Wenn ich mir denke, dass in der Welt vielleicht mehr solche Zirkel sind, die mich unbekannt lieben und sich freuen, mich zu kennen, dass vielleicht in hundert oder mehr Jahren – wenn auch mein Staub schon lange verweht ist – man mein Andenken segnet und mir noch im Grabe Tränen und Bewunderung zollt, dann freue ich mich meines Dichterberufes und versöhne mich mit Gott und meinem oft harten Verhängnis.“
Friedrich von Schiller als Dichter der Nation gehört nicht nur in die Zeit, in der sein Streben wirkte, er muss wie Goethe auch der fernen Nachwelt angehören, der die Frucht seines Schaffens als Vermächtnis zu behüten anheim fällt. Mit ihm verwandte Seelen werden immer aufs Neue in seinem Andenken den Geist der Betrachtung erweckt sehen.
Schiller weiß auf theatralische Art und Weise zu fesseln, nicht nur durch seine Werke, sondern auch durch seine dramatischen Lebensverhältnisse. Allein seiner eigenen Tatkraft und seinem unermüdlichen Streben hatte er es zu verdanken, dass er zu Lebzeiten als Dichter, Geschichtsschreiber und Philosoph zum Liebling der Jugend avancierte.
Er kämpfte mit Worten für die Freiheit und zerriss siegend die Fesseln, die ihn an das Gemeine, Gewöhnliche zu fixieren drohten. Mit all seiner Kraft erklomm er die Höhen des Ideals und fand dort die Heimat seines Geistes.
Schiller war ein Genie: Mediziner, Poet, Philosoph, Geschichtsprofessor, Freund des Schönen, Aufklärer und Freiheitskämpfer, doch vor allen Dingen war Schiller Europäer. Seine Ode „An die Freude“ steht dem als Zeichen voran. Nicht ohne Grund wurde diese Hymne gewählt, weil sie die Einheit eines freiheitlichen Europas symbolisiert.
Schiller meinte:
„Die Sprache ist ein Spiegel einer Nation; wenn wir in diesen Spiegel schauen, so kommt uns ein großes, treffliches Bild von uns selbst daraus entgegen.“
Welches Bild gibt der Spiegel heute preis?
Schiller gibt uns Nachdenkliches auf:
„Dieser Abfall des Menschen vom Instinkte, der das moralische Übel zwar in die Schöpfung brachte, aber nur um das moralisch Gute darin möglich zu machen, ist ohne Widerspruch die glücklichste und größte Begebenheit in der Menschheitsgeschichte; von diesem Augenblick her beschreibt sich seine Freiheit….“
Welchen Stellenwert nimmt Friedrich von Schiller heute noch ein? Sind seine Gedanken heute noch wichtig und zeitgemäß? – Ich denke ja! Schiller dachte zeitlos. Niemand kommt an ihm vorbei.
”Lass die Sprach dir sein, was der Körper den Liebenden. Er nur ist’s, der die Wesen trennt und der die Wesen vereint.”
Collage: „Schiller am Musenhof“ von Theobald Reinhold Anton Freiherr von Oer + Ich (2004)
Die Glocken klingen in der Ferne,
sie läuten schon den Sonntag aus;
am Himmel stehen erste Sterne,
die Stille zieht in Stadt und Haus.
Der Lampen Licht fällt durch die Scheiben,
wirft Schatten auf die leeren Straßen,
und es beginnt das bunte Treiben
im fahlen Mondlicht zu verblassen.
Wo Tag war, herrscht nun Dunkelheit;
der Wind, er schaukelt sanft die Welt,
Gott hat für unsre Schlafenszeit
die Uhren langsamer gestellt.
Die Englein singen Wiegenlieder,
du hörst sie, wenn’s ganz stille ist;
sie schwingen sanft zu uns hernieder,
damit das Dunkel heller ist.
Samenkörner segeln fort,
wie die Schiffe mit dem Wind,
hin bis in die fernsten Orte,
die versteckt im Dunkeln sind.
Irgendwann mit Licht beschienen,
fällt auch dort ein winz’ger Strahl,
stellt das Leben her in ihnen,
und sie wachsen ohne Zahl.
Dort entsteht die kleine Blume,
blütenschwer in gelber Pracht,
zarte Blüte wohlgefällig,
dehnt zum Sonnenschein ihr Blatt.
Schwer, das Köpfchen, gelb und offen,
um die Stängel Blätter satt,
Stiele sind, wenn sie gebrochen,
wohl gefüllt mit weißem Saft.
Nur des Abends, müd vom Blühen,
wenn die Sonne schlafen geht,
schließen sie die Blütenkelche,
wenn die Nacht um Wandel fleht.
Pludrig werden sie erwachen,
aus dem Blütenblatt ein Flaum,
rüsten ihre vielen Samen,
für den Flug im Lebenstraum.
Bis zum nächsten Jahr vollendet
sich der Kreislauf der Natur,
sie sind fort - wir seh’n sie wieder -
nur der Wind kennt ihre Spur.
Wieder lag ich schlaflos Stund um Stund,
unbegriffenen Leids die Seele voll und wund.
Brand und Tod sah ich auf Erden lodern,
Tausende unschuldig leiden, sterben, modern.
Und ich schwor dem Kriege ab im Herzen,
als dem blinden Gott sinnloser Schmerzen.
Sieh, da klang mir in der Stunde trüber
Einsamkeit Erinnerung herüber,
und es sprach zu mir den Friedensspruch
ein uraltes indisches Götterbuch:
„Krieg und Friede, beide gelten gleich,
denn kein Tod berührt des Geistes Reich.
Ob des Friedens Schale steigt, ob fällt,
ungemindert bleibt das Weh der Welt.
Darum kämpfe du und lieg nicht stille;
dass du Kräfte regst, ist Gottes Wille!
Doch ob dein Kampf zu tausend Siegen führt,
das Herz der Welt schlägt weiter unberührt.“
Gott gibt der Welt sein Glühen,
dem wild bewachsenen Feld,
mit Erde, die zum Blühen
nur Fruchtbarkeit enthält.
Er lässt die Sonne steigen,
tauscht sie mit Sternenglanz.
Ein Leuchten wird uns zeigen
des Himmels stillen Tanz.
Wir stehn in Gottes Schweigen
und fremd scheint unser Tun.
Wir warten auf sein Zeichen,
statt Antwort folgt sein Ruh‘n.
Vorüber rauscht das Leben,
inmitten stehen wir.
Muss ER uns Antwort geben?
ER öffnet uns die Tür!
Wir tauchen in sein Schweigen,
und geben ganz uns hin,
sehn auf dem Grunde treiben,
des Gebens Kraft und Sinn.
Wie sich die Erde abringt jedes Stück,
lebendig macht ein kleines Blütenglück!
Wie hingestreute Akeleien,
an stillen Orten uns erfreuen,
so strahlt der Löwenzahn in gelber Pracht,
auf jeder Wiese, wenn die Sonne lacht.
Die milde Luft ist wie gefüllt mit Leben,
der Atemzug ein Nehmen und ein Geben.
Wir ringen um die Jahre, Stück für Stück
und traurig richtet sich der Blick zurück.
So sinnlos war beizeiten unser Ringen,
so undankbar die Welt, so laut die Stimmen.
Wir sehnten uns nach schattenkühlen Wegen
und fühlten hoffnungsvoll des Weltenbauers Segen,
der allen Mühn Gelingen schenkt
und Lebenswege wie ein Band zum Himmel lenkt.
So federleicht im Morgengraun,
immer dem Himmel nah,
singt es dort oben aus dem Baum -
ein kleines Vogelpaar.
Besingen Welt und Sonnenschein,
so wunderbar zufrieden;
möchte ich doch – so insgeheim –
leicht, wie die Vöglein fliegen.
Brauchte nicht schaffen, ohne Sinn,
könnt’ nur den Tag besingen,
egal, wo ich auch steh’ und bin,
würd’ Gott mir Nahrung bringen.
Die Seele flög zum Himmelszelt,
bis an die weißen Wolken,
beschau von oben hoch die Welt,
würd’ weit dem Winde folgen.
Könnt’ bau’n mein Nest auf jeden Ast,
den Gott zum Platz mir böte;
ich lebte freudig, ohne Hast,
klein, meine Lebensnöte.
W. Crane (1845-1915) britischer Maler und Illustrator Rumpelstilzchen – Grimms Märchen
Zaghafte Schritte setzen wir im Ungewissen,
das schicksalhaft sich auf den Wegen breitet.
Des Menschen Lebensweg ist längst umrissen,
wenn er den angedachten Weg beschreitet.
So, wie ein leeres Blatt, ganz unbeschrieben,
fügt unser Handeln Licht und Schatten ein.
Wir wählten unsren Weg, auch wenn hienieden
das Bild verlorenging im Erdensein.
Bevor wir durch das dunkle Tor geboren,
da rangen wir in Freiheit um dies Leben.
Den Sinn des Leidens haben wir verloren,
das schon auf Erden wird Verwandlung geben.
Mit off’nen Sinnen kommt das Rückerinnern;
wenn wir besonnen unser Schicksal ändern,
dann können wir auch ohne „Rumpelstilzchen“,
allein, den gold’nen Lebensfaden spinnen.
Bewegung der Wellen,
ruhelose Urkraft
mit elementarem Tiefgang.
Sinnbild für kosmische Weiten,
ohne Anfang und Ende.
Sonnenuntergang –
horizontales Eintauchen.
Silbrige Wogen des Meeres
spiegeln die Farben des Lichts
wie orangerotes Feuer;
gekühlte Flammen in feuchter Unendlichkeit,
bringen himmlische Gute-Nacht-Wünsche
und Hoffnung auf einen neuen Morgen.
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