Der Mensch ist heimatlos und elend hier auf Erden,
wenn er, wie ausgestoßen, in der Fremde lebt.
Es trieb in Hoffnungslosigkeit und Not sein Werden,
als vom Geburtsland er in andere Kulturen strebt.
Sein letztes Hab und Gut gibt er den Schleppern,
Familienbande lässt er hinter sich zurück,
um Glück zu finden, fern von Not und Neppern,
ein Stück vom Kuchen finden, nur ein Stück.
Hin zu den Wohlbehüteten und Satten,
bei vollen Tafeln in beheizten Stuben,
zu all den Ehrsamen, den Tugendhaften,
die an Verbrechen Hungriger sich nie versuchten.
Aus Ländern, die wir aus Prospekten kennen,
zu denen die Touristen Urlaubsreisen machen,
kamen sie her, die wir die Fremden nennen,
die sie als armes Volk beäugten und begafften.
Niemand hat Recht, Verzweiflungstaten anzuprangern,
Urteil zu sprechen über all die Heimatlosen,
sie wissen mit der neuen Not nichts anzufangen,
wenn Wellen im Behördenwahnsinn tosen.
Pharisäisch scheint das Treiben an den Tischen;
die Stirne aufrecht tragen sie, die Harten,
denen, die ihre schweißbedeckte wischen,
verzeihen sie nichts;
der gilt schon, weil er schwarz ist, als missraten.
Sie straucheln, die Verelenden im Lande,
ihr Pfad ins Glück ist eine Straße ohne Licht.
Auch wir sind Fremde, die ins Leben fanden,
dem Wohlstand dienen wir, dem Geld, der Pflicht.
Wir alle sind die Heimatlosen hier auf Erden,
irdische Gebundenheiten lösen, ist der Sinn,
von Süchten frei, zu reifen und zu werden,
in grenzenloser Welt, seit Anbeginn.
Schlagwort: Dichtung
Lichter

Wie Schiffe, die sich nachts begegnen, sind die Verwandten meiner Seele, und ihre Blicke sagen schwere Dinge mir vom Leben, wie winkend stehen sie als Lichter, die mich heimlich aus der Ferne grüßen. So, wie ein Händereichen, das kurz geschieht, danach, verstehendes Schweigen. In meiner Einsamkeit beleben sie mein Schaffen; bin wie ein Baum, der in der Ruhe wächst und neue Triebe zeigt. Und hin und wieder geht ein Licht auf in Gedanken, versenken mich in Orte ohne Zeit, wo Wunderblumen blühen; Gesichter, sich lächelnd öffnen. Gleich einem Gefäß aus Alabaster, fast durchscheinend wird’s dann und leicht, und hell und rein. Im Höhenflug, da steigen auf die Träume; ich atme Luft aus Einsamkeit und Schweigen. Alles Geschehens Grund zu finden, beim Sternenflug in ewige Sphären, die Flügel aufspannend, von Lichtern begleitet.
Übersetzung:
Like ships that meet at night, are the relatives of my soul, and their looks tell me heavy things of life, like beckoning lights they stand, That secretly greet me from afar. So, like a handshake that happens briefly, then, understanding silence. In my loneliness they animate my work; am like a tree that grows in silence and shows new shoots. And now and then a light comes on in thought, immersing me in places without time, where miracle flowers bloom; Faces, opening with smiles. Like a vessel of alabaster, almost translucent it becomes then and light, and bright and pure. In the flight of fancy, there the dreams rise; I breathe air of loneliness and silence. To find the reason for everything that happens, in the starry flight to eternal spheres, spreading my wings, accompanied by lights.
Wende

Es sind die Tage, die nun kürzer werden, die, angestrengt von Helligkeit und Licht, die Menschen träge macht auf Erden und Ruhe in des Lebens Trubel bricht. Die Jahreshälfte ist so rasch vergangen, war fassungslos im Lauf der schnellen Zeit; so übervoll von menschlichem Verlangen, ist‘s klein geworden, unser Erdenkleid. Begehrlichkeiten, ein globales Treiben, ein Ziehn und Zerren an der Macht der Welt. Das Menschsein wird die Schwachen einverleiben, den anderen macht es stark durch Ruhm und Geld. Erstickt im lauten Treiben unseres Lebens sind all die Tränen in den Niederungen; mutloses Hoffen, wo kein Aufwärtsstreben - ein „Weine nicht!“, erklingt durch Engelszungen. Ein süßes Lied, gefüllt mit Lichtgedanken, das trotz Entbehrung tröstet jedes Leid, lässt Leid als Rosen bis zum Himmel ranken, macht alle armen Seelen groß und weit. Doch nur der’s hören will, wird sich erweisen, denn er erkennt die Dunkelheit um sich, beendet dieses hoffnungslose Kreisen, um einen Punkt: sein viel zu großes Ich.
Tage am Strand

Strände, gefüllt mit Menschen, die aufs Wasser starren, die ihre Zeit verfließen lassen an den Ufern, wo sich die Wogen schäumend türmen, gleiten, ihr Element sich öffnet und umschließt wie Heimat. Wo Möwen kreischen und zu Schwärmen in den Häfen nach Nahrung suchen, zwischen all den Booten, und auf den Promenaden geht, mit flatternden Gewändern, die Heiterkeit mit alltagsmüden Augen, hinter Sonnenbrillen. Da ist ein Lachen, dort Musik und Kinder, der Großstadt müde, laufen hin zu den Gestaden; Muscheln, die an Land getrieben, halten sie wie Gold in ihren kleinen Händen, tragen sie in ihre Plastikwelt zurück, wie wahre Schätze. Sonne strahlt auf eingecremte, blasse Leiber - wie Panade setzt sich Sand auf ihre Haut, oft rot gefärbt von Glut, gesalbt, doch schutzlos vor Natur und Elementen, ihnen preisgegeben, frei und ungezwungen. Wie eine Hand voll Sand ist die durchlebte Zeit. Ich fühle, wie er stetig durch die Finger rinnt; öffne die Hand, lass‘ ihn vom Wind verwehen, hin zu den Wellen unterm Sternenhimmel.
Willkür

Mit Willkür ist des Staates Macht
so voll und ganz durchwoben,
dass sie den Menschen Leiden schafft,
die sie zum Dienst erhoben.
Was wir gewählt in manchem Gang,
trug doch nur eine Maske,
die scheinbar groß, rhetorisch gut,
zu unsren Wünschen passte.
Bestimmungen sie sind geschrieben
wohl auf recht dehnbarem Papier.
Erwartungsvoll erhoffst du Frieden,
doch naht sogleich ein Kriegsgewirr.
Du hast als Bürger viele Rechte,
geschrieben auf geduld’gem Grunde
doch gibt’s genauso viele Schächte,
die wohl umgehen diese Kunde.
Erst wenn am Boden du schon kriechst,
mit blutig, blauen Knien,
du deinen Rücken krumm dir biegst,
wird dir Gehör verliehen!
Zur Ewigkeit

Ewig soll‘n sie währen, diese Leben, ausgegossen aus dem heil’gen Gral, wie ein Tropfen Heiltrank aus dem Lichte, in nicht feststellbarer großer Zahl. Auferblühn zu neuer Kraft und Stärke, voller Lichtgedanken und Ideen, die in guten Taten ihrer Werke, mit dem Siegel „Göttlichkeit“ versehen. Aufgerichtet aus dem Tal der Trauer, als der Trost der Heilung Lehre nahte, im Berühren Christus Traumgewandes, sich die Liebe Gottes offenbarte. Wie ein süßes Lied, ein Kinderlachen – wie das Sehnen nach der Mutterhand, geht ein Streicheln durch die fiebrig‘ Wachen, tröstet sanft die Kranken, die es fand. Lernten, ihre Schmerzen zu verbergen, lächelten in Tränen und in Leid; über sich hinausgewachsen ist die Seele, fort von Dingen hier, zur Ewigkeit.
Morgengebet

O wunderbares, tiefes Schweigen, Wie einsam ist's noch auf der Welt! Die Wälder nur sich leise neigen, Als ging' der Herr durchs stille Feld. Ich fühl mich recht wie neu geschaffen, Wo ist die Sorge nun und Not? Was mich noch gestern wollt erschlaffen, Ich schäm mich des im Morgenrot. Die Welt mit ihrem Gram und Glücke Will ich, ein Pilger, frohbereit Betreten nur wie eine Brücke Zu dir, Herr, übern Strom der Zeit. Und buhlt mein Lied, auf Weltgunst lauernd, Um schnöden Sold der Eitelkeit: Zerschlag mein Saitenspiel, und schauernd Schweig ich vor dir in Ewigkeit.

Auf Sand gebaut

Die Kirche hat in frühen Jahren, Fahnen mit Kreuz voran - der Ritter Sturmgewand und Schwert getragen. So hat das Elend dieser Welt im Kampf begonnen, fuhr fort im Kriege, Waffen segnend, unter brauner Sonne. Zwischen Trümmern baute man ein neues Babel. Herrschaftlich und edel, sagen Bilder alter Fabeln, auf hohen Felsen, einst bebaut mit Blut und Erden, wo Aberwitz in Recht verkehrt zu Märchen werden. Der Hufe Klappern tönt im Geiste durch die Zeiten und lässt beschwingte Rosse durch die Wälder reiten; man ahnt noch ihr Gewieher zwischen den Ruinen, doch floh die Zeit und nahm das Bild mit ihnen. Noch immer stellen Macht und Geld die größten Götter; wie einst erhoben von den Maulhelden und Spöttern. Das Volk baut weiter die Paläste hier auf Erden. Zeit lässt sie, wie auf Sand gebaut, Ruinen werden. Doch manchmal treibt der Rauch verbrannter Räume und einst verkohlter Throne durch die Träume; nach Brandschatzen der vielen wilden Reiter, Jahrtausende zurück, geht Babels Gier heut weiter.

Abendglocken

Wenn sich zu abendlicher Stunde der Glocke Klang vom Turme schwingt, hinaus getrieben in die Welt, die sich verhüllt im Abendwind, dann gurren Tauben auf dem Dache, der Falke zieht die Kreise dichter und in den Häusern, nah dem Bache, erleuchten erste traute Lichter. Nur das Geläut tönt durch die Reihen, lädt ein mit Predigt und Gesang; das Volk erscheint im frommen Schweigen, zur Abendmesse geht ihr Gang. Scheu gilt ihr Blick den Heimgegangnen, die hier in ihren Gräbern ruhen; spüren die wandermüden Füße, in frisch polierten guten Schuhen. Sie huschen auf die Kirchenbänke, von wo sie still der Andacht lauschen, sie singen, was sie stets gesungen, gemeinsam mit der Orgel Rauschen. Windig streicht ein frisches Lüftchen, in der Linde düstern Zweigen, aus der Kirche Himmelsspeise nehmen sie nach Haus und schweigen. Haben nichts als leere Hände, denn das Brot ist auf und teuer, doch dem Priester schmeckt der Braten - wohlgenährt sitzt er am Feuer.
Sonnenaufgang – Polsprung

Im Osten geht die Sonne auf - was, wenn der Pol einst bricht? Die Welt verändert ihren Lauf, verkehrt ihr Angesicht. Was jetzt noch grün, wird Wüste sein, manch Land liegt dann verborgen; fallen erst Wasserfluten ein, erscheint die Welt von morgen. Versunken ist die reiche Welt, der Menschen Not wird nichtig. Der Polsprung will vollzogen sein, der Neubeginn wird wichtig. Vertraut ist, wie die Welt sich dreht, in Menschenmacht ertrunken, das Chaos wird hinweggespült - mit ‚Mann und Maus‘ versunken. Nur Wenige, die überstehen, Veränderung und Wandel, die Erde wird sich weiterdrehen, bringt Mensch und Art den Wandel. Die Sonne geht im Westen auf, das Alte ist vergangen; die Welt erscheint in neuem Licht, so, wie sie einst empfangen.