Was ich noch sagen wollte,
halten Lippen noch verschlossen;
unaussprechlich ist der Sinn,
bis in Letter er gegossen.
Meine Zunge hütet ihn
und der Ausdruck schweigt im Hirn;
viele Weichen muss er nehmen,
um Synapsen zu entwirren.
Innere Bilder nur, sie gleichen
dem Gedankenfluss im Kopf;
fließen durch die Nervenbahnen
in die Hände wie ein Tropf.
Um ein leeres Blatt zu füllen,
strömen Worte aufs Papier
und der Kopf wird frei für Neues –
so reift ein Gedicht in mir.
Eine Weile fortzureisen,
Urlaub nehmen von Daheim,
neue Wege, die da weisen,
die vom alten Trott befreien.
Wo sich tummeln die Besucher,
sind sie voll, die Liegestühle,
viele Menschen schauen den Ort,
und am Meer sucht man die Kühle.
Voll die Nacht mit Kichern, Grölen,
alkoholisierten Massen,
jeder will am Ort „Zuhause“
Ruhe haben auf den Straßen,
doch der Ort ist eingenommen
von Touristik und vom Geld;
Freiheit ist im Suff verkommen.
„Hey, was kostet uns die Welt?!“
Edward Henry Potthast (1857-1927)
Wie doch die Finanzen fließen,
aus den übersatten Reihen!
Alltagsmasken abgesetzt,
wollen sie die Gier befreien.
Am Büffet und an den Tischen,
abends an den Bars am Strand,
lassen sie es ‚richtig krachen‘,
losgelöst vom Anstandsband.
Nach dem Alkohol die Leere,
und die Sünden letzter Nacht
werden nach der Tagesschwere
erst verdrängt, dann neu gemacht.
Schließlich fahren sie nach Hause
und sie sehn sich als ‚die Coolen‘,
feierten in fremden Betten,
drängten sich an Swimmingpoolen.
Edward Henry Potthast (1857-1927)
Dem „Ich muss“ bestimmten Handeln,
folgte man im Gruppenzwang.
Sittlich stark, sich selbst zu dienen,
damit man anderen dienen kann,
ein „Ich will“ bestimmtes Leben
zeugt den freiheitlichen Geist,
der im ehrenhaften Streben
in die fernen Länder reist.
Die Luft ist feucht –
aus den Kalendertagen fließt der Schweiß,
und durch die Hitze trocknet das Gemüt,
wie manches Blatt,
das sich dem Ast entreißt
und still zu Boden geht;
braun,
wie die Haut der Sonnentrunkenen,
liegt es dort,
verbrennt,
ein kleines Teil,
das sich von grün nach grau gefärbt,
„vergangen“ nennt.
Ein Zeichen dieser Zeit,
die schneller scheint als sonst,
eilig, ihr Schritt;
die mit sich reißt, was brüchig ist.
Nichts bleibt!
Auch das Erinnern an sie geht.
Wir gehen mit.
Aus den Wurzeln neues Leben,
neue Triebe, Licht beseelt,
will sich hin zum Himmel heben,
wie von ferner Kraft gestählt.
In des Baumes hohem Schweigen,
fließt die Kraft aus Lust am Sein;
von Natur getränkte Ströme
heben ihn im Sonnenschein.
Trotzig, wie zerbrochene Türme,
stehn im Zeichen wilder Zeit,
von Gewittern und den Stürmen,
Kronen im zerteilten Kleid.
Eine segnende Gebärde
ist sein stiller Dienst allein,
dient dem Himmel wie der Erde,
will ein Lächeln Gottes sein.
Der Klang der Zeit ist hart;
der ‚Großen‘ Resonanz,
von Ruhm erfüllte Macht,
die durch die Feuer tanzt.
Verbrannt sind Empathie,
zu fühlen anderer Leid.
Zu Asche und zu Staub
verweht das Demutskleid.
Wer einen Namen hat,
dem teuer war sein Ruhm,
bezahlt mit seinem Blut.
Gierig des Molochs Tun!
Er selber zog die Kraft,
wie ein Vampir aus Leben,
die Geister, die er rief,
beherrschen all sein Streben.
Persönlichkeiten schwinden,
das Heil siegt sanft und mild.
Ein edler Seelenspiegel,
zeigt nicht des Ruhmes Bild.
Still ruht die Stadt. Es wogt die Flur.
Die Menschheit geht auf Reisen
oder wandert sehr oder wandelt nur.
Und die Bauern vermieten die Natur
zu sehenswerten Preisen.
Sie vermieten den Himmel, den Sand am Meer,
die Platzmusik der Ortsfeuerwehr
und den Blick auf die Kuh auf der Wiese.
Limousinen rasen hin und her
und finden und finden den Weg nicht mehr
zum Verlorenen Paradiese.
Im Feld wächst Brot. Und es wachsen dort
auch die zukünftigen Brötchen und Brezeln.
Eidechsen zucken von Ort zu Ort.
Und die Wolken führen Regen an Bord
und den spitzen Blitz und das Donnerwort.
Der Mensch treibt Berg- und Wassersport
und hält nicht viel von Rätseln.
Er hält die Welt für ein Bilderbuch
mit Ansichtskartenserien.
Die Landschaft belächelt den lauten Besuch.
Sie weiß Bescheid.
Sie weiß, die Zeit
überdauert sogar die Ferien.
Sie weiß auch: Einen Steinwurf schon
von hier beginnt das Märchen.
Verborgen im Korn, auf zerdrücktem Mohn,
ruht ein zerzaustes Pärchen.
Hier steigt kein Preis, hier sinkt kein Lohn.
Hier steigen und sinken die Lerchen.
Das Mädchen schläft entzückten Gesichts.
Die Bienen summen zufrieden.
Der Jüngling heißt, immer noch, Taugenichts.
Er tritt durch das Gitter des Schattens und Lichts
in den Wald und zieht, durch den Schluß des Gedichts,
wie in alten Zeiten gen Süden.
Der Mensch ist heimatlos und elend hier auf Erden, wenn er, wie ausgestoßen, in der Fremde lebt. Es trieb in Hoffnungslosigkeit und Not sein Werden, als vom Geburtsland er in andere Kulturen strebt.
Sein letztes Hab und Gut gibt er den Schleppern, Familienbande lässt er hinter sich zurück, um Glück zu finden, fern von Not und Neppern, ein Stück vom Kuchen finden, nur ein Stück.
Hin zu den Wohlbehüteten und Satten, bei vollen Tafeln in beheizten Stuben, zu all den Ehrsamen, den Tugendhaften, die an Verbrechen Hungriger sich nie versuchten.
Aus Ländern, die wir aus Prospekten kennen, zu denen die Touristen Urlaubsreisen machen, kamen sie her, die wir die Fremden nennen, die sie als armes Volk beäugten und begafften.
Niemand hat Recht, Verzweiflungstaten anzuprangern, Urteil zu sprechen über all die Heimatlosen, sie wissen mit der neuen Not nichts anzufangen, wenn Wellen im Behördenwahnsinn tosen.
Pharisäisch scheint das Treiben an den Tischen; die Stirne aufrecht tragen sie, die Harten, denen, die ihre schweißbedeckte wischen, verzeihen sie nichts; der gilt schon, weil er schwarz ist, als missraten.
Sie straucheln, die Verelenden im Lande, ihr Pfad ins Glück ist eine Straße ohne Licht. Auch wir sind Fremde, die ins Leben fanden, dem Wohlstand dienen wir, dem Geld, der Pflicht.
Wir alle sind die Heimatlosen hier auf Erden, irdische Gebundenheiten lösen, ist der Sinn, von Süchten frei, zu reifen und zu werden, in grenzenloser Welt, seit Anbeginn.
Wie Schiffe, die sich nachts begegnen,
sind die Verwandten meiner Seele,
und ihre Blicke sagen schwere Dinge mir vom Leben,
wie winkend stehen sie als Lichter,
die mich heimlich aus der Ferne grüßen.
So, wie ein Händereichen, das kurz geschieht,
danach, verstehendes Schweigen.
In meiner Einsamkeit beleben sie mein Schaffen;
bin wie ein Baum, der in der Ruhe wächst und neue Triebe zeigt.
Und hin und wieder geht ein Licht auf in Gedanken,
versenken mich in Orte ohne Zeit,
wo Wunderblumen blühen;
Gesichter, sich lächelnd öffnen.
Gleich einem Gefäß aus Alabaster, fast durchscheinend
wird’s dann und leicht, und hell und rein.
Im Höhenflug, da steigen auf die Träume;
ich atme Luft aus Einsamkeit und Schweigen.
Alles Geschehens Grund zu finden,
beim Sternenflug in ewige Sphären,
die Flügel aufspannend,
von Lichtern begleitet.
Übersetzung:
Like ships that meet at night,
are the relatives of my soul,
and their looks tell me heavy things of life,
like beckoning lights they stand,
That secretly greet me from afar.
So, like a handshake that happens briefly,
then, understanding silence.
In my loneliness they animate my work;
am like a tree that grows in silence and shows new shoots.
And now and then a light comes on in thought,
immersing me in places without time,
where miracle flowers bloom;
Faces, opening with smiles.
Like a vessel of alabaster, almost translucent
it becomes then and light, and bright and pure.
In the flight of fancy, there the dreams rise;
I breathe air of loneliness and silence.
To find the reason for everything that happens,
in the starry flight to eternal spheres,
spreading my wings,
accompanied by lights.
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