Wie bedeutungsvoll scheint jeder,
der von sich behaupten kann,
er, als leistungsstarker Streber,
sei der wahre, ganze Mann.
Frauen liegen ihm zu Füßen,
denn potent strotzt er vor Geld,
nehmen hin das Dienenmüssen –
schließlich zahlt er ihre Welt.
Frauenliebe kann verzeihen,
auch den nicht so treuen Sinn.
Um ihm Größe zu verleihen,
nimmt sie seine Lügen hin.
Sein Bewusstsein ist verschwiegen,
wenn es nur sich selber sieht;
alle Spiegelbilder lügen,
weil er sich am meisten liebt.
Und sein Drang genießt im Stillen,
seine Lust machtvoll zu sein;
er kennt nur den eignen Willen,
sticht heraus mit falschem Schein.
Hart und lieblos ist sein Leben,
denn ihn schert kein andres Glück,
Freuden, die im andere geben,
gibt sein kalter Blick zurück.
Selbstverliebt will er nicht sehen,
dass der Spiegel ihn belogen;
denn das schöne Bild wird gehen,
mit dem er sich selbst betrogen.
aus „Der Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann aus dem Jahr 1844
Er schaut zum Himmel und sinnt, was dort oben,
ein Träumer, be-geistert mit dem Jenseits verwoben.
Er geht mit sorglosen, eiligen Schritten,
nur ist ihm im Traumland das Hiersein entglitten.
Seine Füße tragen nicht Körper, nur Geist,
ein Gefühl, das die Zukunft mit Leichtigkeit weist.
Vom Alltag geschieden, sehnt er sich weit fort,
weg von den Bürden am irdischen Ort.
Er glaubt an nicht sichtbare Dinge und Mächte,
die ihm auf dem Weg Sicherheit brächten,
doch im täglichen Leben liegen Hürden bereit -
er muss sie nehmen, ist davor nicht gefeit.
Über Steine des Weges, die zu überwinden,
triumphierend, mutig, den Ausweg finden.
Sie sind die Schwere auf täglicher Spur,
die zum Fall bringen kann – eine Mahnung nur,
mit offenen Augen durchs Leben zu gehen,
um in dieser materiellen Welt zu bestehen.
Dann sind wir gestärkt in Charakter und Geist,
der mit uns durch die zeitlosen Sphären reist.
Dies halbe Jahr ging wie im Flug,
so wie die vielen, die vergangen;
des langen Wartens ist’s genug,
die Zeit, vertanes Bangen.
Ob wiederkehrt, was lang schon fort? -
Schicksalhaft war’s geschrieben.
Es ging vorbei, ohne ein Wort,
wie Wasser fortgetrieben.
Die Zweisamkeit, das war mein Plan,
doch sollt‘ es anders werden.
Geblieben ist das Bild alsdann,
vom letzten Kuss auf Erden.
Auf Abstand ist mein Leben leicht,
geht ohne Sehnsuchtsplage.
Wie Rosen, die das Schicksal reicht,
sind nunmehr meine Tage.
Ich friere -
zum ersten Mal in diesem Sommer;
im Raum ist’s kühl,
und ich verliere mich im Anbeginn des Tages.
Die Nacht war kurz,
bedeckte das Gefühl von Gleichmut unter Träumen,
mit Menschen, fremd, von unbekannter Zahl,
von Häusern, die sich an den Straßen säumen.
Ich schließ das Fenster, schaue zu,
wie Regentropfen an der Scheibe gleiten;
in meiner kleinen Welt,
da hat ein Herbst begonnen -
noch bricht ein großes Grün durch feuchte Zeiten.
Es wuchert ungestüm, wird mehr,
verdeckt den Schmutz der Mauerwand
und auf dem Boden blüht ein gelbes Meer,
das sich mit Frühlingslöwenzahn und Klee verband.
Und aus dem großen Wolkennass,
entleeren sich die Tränen, die der Himmel weint,
zeigen die Welt im dunklen Sonnenglas,
wie Buntpapier, durch das gedämpftes Licht durchscheint.
Zur Gewährung zwingend ist die Kraft,
die vom Großen Geist durchdrungen Wege schafft.
Bitte, die so ungeheuer flehend im Gebet,
dass sie flügelgleich zum Himmel schwebt.
Reine Wünsche, die der Gegenwart entfliehen,
weil sie sehnsuchtsvoll im hohen Geist gediehen;
schicksalshaft bestimmt, vom Menschen zu erfüllen,
auf so vielen Wegen zugeführt, um Gottes Willen.
Genannt „Zu-fall“, der sich naht in menschlicher Gebärde,
‚fällt‘ von oben her – dient der Mission der Erde.
Um den eignen Seelenkern mit Licht zu füllen,
wird er plötzlich Bild, entsteht im Stillen.
Anzusehen, in der Hand zu halten, das Geschick,
ist des Schaffens und des Handelns Glück,
dabei nie die Herzen anderer zertreten,
um emporzusteigen, über alle, die da flehten.
„Was die Leute sagen werden?“ -
Mitbestimmer mancher Mächte.
Wer denn wohl die „Leute“ sind,
sind es Feinde, sind’s Gerechte?
Überzeugungsstarke Kämpfer,
sind sie aufrecht, Führer, Ringer,
oder gar die Übermächte
herdeninstinktiver Bringer?
Sind’s die lärmend, lauten Vielen,
wirren Moden unterlegen,
die zuwider den Gesetzen,
herrschen in Gesellschaftsspielen?
Sogenannte „Feine“ spotten
hinter Oberflächlichkeit und Häme;
oder sind es die Kollegen,
die vor Vorgesetzen ‚krochen‘?
Diese Münder, lass sie reden,
weich nicht ab von deinen Wegen.
Weh, der Rückgratlosigkeit!
Trete falschem Tun entgegen.
Wie vergessene Tempel, weite Hallen,
wild bedeckt von blütelosen Ranken,
die einander schlingend, aufwärts wallen,
dann zum Boden wiederkehrend sanken,
die sich wegbegrünend mit dem Moose,
fern vom Weltentrubel ausgebreitet,
über Pfade, sonnenfernem Schoße,
vom Gesang der Vogelwelt begleitet.
Alte Steine in verfallenen Ruinen,
wo die Stimmen geisterhaft im Winde flüstern,
doch es führt kein Weg zurück zu ihnen,
den Vergessenen, die hier gelebt im Düstern,
die gebetet, dass das Böse heller werde,
waren sie doch selbst wie Schatten auf der Erde.
Wallen immer noch um die Altäre,
sitzen auf den unsichtbaren Bänken,
fühlen noch des Büßerhemdes Schwere,
geißeln sich im blutvollen Versenken.
Die Gebeine ruhen auf dem Grunde,
Kreuz an Kreuz, in namenlosen Reihen;
von dem Katafalk des Höchsten dieser Runde,
tönt sein Schrei hinaus durch die Abteien.
Grau verhangen sind die Tage
und der Sommer geht dahin.
Regen lässt die Blüten fallen,
öde ist des Tags Beginn.
Traurig sinnend folgt der Wache
jedem Tropfen, der da fällt,
hört das Trommeln auf dem Dache -
es versinkt die Regenwelt.
Durch die Stunden geht ein Rauschen,
ein Gewitter zieht weit droben,
Blitz und Donner – neue Güsse
taumeln aus dem Nichts dort oben.
Andere Sommer, andere Zeiten,
andere Menschen, andere Götter.
Einer bleibt: der Ewigliche -
unbeirrt vom Regenwetter.
Flammarions Holzstich – erstmals erschienen in L’atmosphère, Paris 1888, als Illustration zu La forme du ciel im Kapitel Le jour
Der Ur-Grund unbegreiflich sich verschließt,
obwohl des All-Bewusstseins Wissen in uns fließt;
die Wissenschaft, im Grunde weiß sie nichts,
weil täglich Neues im Bewusstseinslicht,
weil die Erforschung, die ein ständig‘ Streben,
nur tote Dinge schaffen kann, kein Leben.
Der Mensch kreiert sein eigenes Gesetz,
das sich dem Ursprungswillen widersetzt.
Verbirgt sich nur die trügerische Welt des Scheins
im Bild des materiellen Seins?
Göttlich, erhaben, war der Sinn;
der Mensch – erschaffener Geist, Beginn;
in zweigeteilter* Gier nach Neuem, das „Es werde!“
„Adam“, der Mensch, gebildet aus der Ackererde.
Die körperliche Welt ist endlich, wird zu Staub,
ihr Geist ist ewig, wie der Lebensbaum, stets neu belaubt.
Er steht in Ruhe, friedlich, kahl und winterstill,
er weiß ums Auferstehen, wenn‘s der Frühling will.
Hebräisch: „Adam“ (אָדָם ʼādām) = Mensch, „Adama“ (אֲדָמָה ʼǎdāmāh) = Ackererde *Adam und Eva = zweigeteilt
Missgestaltet, wer zertreten ist im Leben;
unter harten Schritten, die vernichten,
liegen sie zu Boden, sind zermalmt,
wie ein Gewächs des Weges,
unbeachtet von der Welt
im Schmutz zertrampelt,
vor der Blütezeit.
Harte Sohlen ließen keine Sonne,
kein Erwecken, kein Gedeihen;
abgestorben, die zerstörten Seelen -
zerdrückte Lebenskraft, am Boden festgepresst
und in sich selbst verkrochen,
wie stumpft geworden in Gleichgültigkeit.
Erstickter Keim,
der nach Fruchtbarkeit strebte,
doch außer Leid nichts fand als Tragik und Verdruss.
Sich ausgeschlossen fühlen ist ein Drucklufthammer,
von außen eingedrungen in den Kern des Lebens.
Entgottet ist die kranke Zeit, erschauernd.
Hört, wie in sternenlosen Heimwehnächten sie schreit und schreit!
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