The soul of the rose – John William Waterhouse (1849-1917)
Erträumen wir ein Leben wie im Rosengarten, ein Paradies der Phantasie, verwandelt sich das Streben in ein Warten und uns’re Träume werden Ironie.
Bald überdrüssig wird des Müßigganges Bürde, denn fehlen uns des Lebens Tiefen, als ob das Einerlei nie enden würde, werden wir leid, was wir einst riefen.
So nehmet hin das Bittre und das Süße, wenn ihr das eine liebt, tretet das andre nicht mit Füßen. Nur wer im Dunkeln steht, ersehnt das Helle; wer nur im Glücke schwebt, tritt auf der Stelle.
Wer reinen Herzens sucht, sucht nicht vergebens. Such nach den Quellen, tief in dir vergraben, Du findest Quellen reinen Lebens, so schöpf aus ihnen ihre heil’gen Gaben.
Möcht’ einen Blütenkranz dir binden für dein Haar, mit wilden Wiesenblumen weiß und grün verschlungen; er soll dein Antlitz schmücken, mild und wunderbar, vom Frühlingsnahen wird schon leis’ gesungen.
Der Wind, er fegt mit kalter, starker Hand den letzten Rest des Schnee’s über die Auen. Schon ohne Frost, frei, ruht das weite Land, die Blumenwelt darf aus der Erde schauen.
Die bunten Köpfe lugen keck hervor, die Vögel ringsum fröhlich tirilieren, die ganze Welt klingt wie ein großer Chor, kein Herz will nun noch einsam sein und frieren.
Frühling in Oberweimar – Johann Carl Buchholz (1849-1889)
Mit tausend Blütenblättern hast du über Nacht ein weißes Leuchten in die Welt gebracht. Des süßen Kernes lockender Genuss strömt in den lauen Tag – ein stiller Gruß von aller höchster Stelle, denn von der Himmelsschwelle leert Gott ein Füllhorn aus, und die Natur, sie malt mit bunten Farben ein duftig‘ Frühlingsbild daraus.
Seated Nude 1884 – William Adolphe Bouguereau 1825-1905
Mein Herz ist müd’ vom Weinen, Hoffen. Nicht enden will mein schicksalsschwerer Gang auf Wegen, steinig, zukunftsoffen – weit fort von dir.
Ich schau den Himmel an! Mir scheint, das Blau ist fahl, wird nie mehr leuchten.
Ein Sonnenstrahl streift mild mein Angesicht. Er trocknet meine Augen nicht, die feuchten; an meiner Traurigkeit zerbricht sein Licht.
So lang schon bist du fort, und immer wieder spür ich das Atmen deiner Seele um mich her.
Dein Geist ist bei mir! Schwer sind meine Lider. Nur deine Augen sehend wandle ich umher.
Bin nicht mehr ich! Mein Sein ist gramestrunken. Nichts und doch alles bindet mich an dich. Wenn ich in Nächten tief im Traum versunken mein Selbst verliere, halte mich.
Verhüllt liegt unsre Zukunft, weltverborgen, und um uns webt der lichte, helle Morgen, die weißen Zauberschleier in den Tag.
Am Abend wirft die Nacht die langen Schatten und legt sich auf des Tages Lasten nieder; leise raunt die Natur die alten Lieder, auf den Rabatten.
Die Weise, die erklingt, so fern der Nöte, sie schwebt zum Wohle aller durch die Nächte, als ob sie allem Übel Tröstung böte und Freunde brächte.
Wer hoffend lauscht, den wird der Segen finden, er eilt von Herz zu Herz, wie ein Gebet. Den rechten Weg, wirst du ergründen, wenn deine Seele es erfleht.
Wenn du die Liebe fühlst, so ganz durchdrungen, dann öffnest du dich deinem Gott in dir. Folge der Stimme, voll Vertrauen, unumwunden, öffne die Tür.
Streust dich wie Himmel aus, mit Zauberhand, und wo du jemals hast geblüht, da strahlst du immer wieder; es legen sich mit dir die alten Lieder, die mir aus meiner Kindheit wohl bekannt, so adelsblau aufs frühlingsschwere Land und bringen jedes Jahr Erinnerungen wieder.
Wenn warm die Sonne durch die Wolken bricht und will der Welt die ersten milden Strahlen spenden, streckt sich der Mensch wie eine Blume nach dem Licht, der Kälte müd’, wird er sich zu ihr wenden.
Schneewittchen und die sieben Zwerge – meine Kindergarten-Zeichnung 1957
Ich mag in der Vergangenheit wühlen, habe so manche Träne vergossen. Ich dekoriere Eier, spür‘ alte Gefühle; hab sie tief in meinem Herzen verschlossen. Ich tue so, als wären ALLE bei mir. Denn nur, weil IHR gelebt, bin ich hier!
Ich mag Kamine, die rauchen…wie auf meinen Kinderbildern. Häuser, in denen vertraute Menschen wohnen und Gewohnheit, die, wie gewachsen an Jahren, Ringe wie in Stämmen tragen.
Ich mag rote Ziegelstein-Dächer, die bei Regen dunkler werden, dort, die vielen kleinen Schlote, für das Rauchige auf Erden, Kaminfeuer, das in Haus und Gemüt Behaglichkeit versprüht.
Ich mag, wenn Vögel in den Rinnen Regenwasser trinken, auf den Dächern landen und zurück in hohe Bäume fliegen, wo in den Gärten ihre Nester liegen und sie kunstvoll Zweig am Zweig verbinden.
Ich mag, wie in der Kindheit auf der steinernen Treppe sitzen, Lakritz-Wasser trinken und Glanzbilder in Opas Zigarrendose betrachten, die Unbeschwertheit weniger Tage genießen und abends mit Grießbrei den Abend beschließen.
Ich mag die ferne Zeit in unserem Garten, wo Ostereier noch mancherorts lagen. Als ich zum jährlichen Osterfest unter den Sträuchern fand so manches Nest.
Ostern 1957 – Foto: Almuth Köhler
Dort, wo die Osterfeuer nicht verboten, sondern der Freude dienen und dem Brauch. Wo uns niemand am Menschsein hindert, das eigentlich gut war, als wir erschaffen, das mag ich auch!
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