
Rascheln
unter den Füßen –
Baumkronen
lichten
ihr herbstliches Kleid.
Auf des Windes Flügeln
ergeben sich
taumelnde
Blätter
der welken Zeit.
Gedichte und Poesie von Gisela Seidel über Gott und die Welt

Rascheln
unter den Füßen –
Baumkronen
lichten
ihr herbstliches Kleid.
Auf des Windes Flügeln
ergeben sich
taumelnde
Blätter
der welken Zeit.

Ahnenforschung ist eine spannende Sache. Eine genetische Kette führt von Generation zu Generation in die ferne Vergangenheit. Abstammungen, die verblüffen, zeigen Vorfahren aus Herkunftsländern in Allerwelt. Den bisher Ahnungslosen wird ein genetisches Spiegelbild gezeigt, das mancherlei Hautfarben und Religionen präsentieren kann. Alles nur körperliche Eigenschaften, die zwar Blutsverwandtschaften aufweisen, jedoch keine geistigen Entwicklungsstufen anzeigen.
Re-Inkarnation mag wissenschaftlich nicht beweisbar sein, doch für mich ist sie eine logische Folge. Im Laufe des Lebens wird man an einen Ort geführt, den man schon lange zu kennen glaubt, obwohl man niemals zuvor dort war. Man fühlt etwas heimatlich Vertrautes, das einen immer aufs Neue anzieht. Oder man wird plötzlich zu einem schon lange verstorbenen Menschen hingezogen. Im Tagesgeschehen scheint man ihn kaum vorher wahrgenommen zu haben, wird dann aber möglicherweise durch ein Bild ‚angesprochen‘, das einen aufs Tiefste berührt. Man weiß nicht wieso, aber man kennt diesen Menschen – es ist wie ein Déjà-vu. So ging es mir mit Friedrich von Schiller und Weimar. Es war wie das Öffnen einer bisher verschlossenen Türe. Nachdem ich im Goethe Museum zu Düsseldorf vor dem Graff Gemälde Schillers gestanden hatte, verließ ich tiefgerührt die Ausstellung „Weimarer Frühling“. Das war Anfang des Jahres 2004. Seitdem hat sich vieles geändert.
Ahnenforschung ist eine materielle Anschauung; eine weitere Komponente wäre die Seelenforschung. Wer war ich vor diesem Leben und worin besteht die Verbindung zum jetzigen? Welchen Weg haben Seele und Geist bisher genommen? Man sagt: Wer hoch steigt, kann tief fallen. Eine Bewusstseinsstufe ‚hinaufzuklettern‘ ist bestimmt eine Lebensaufgabe, die mit einem falschen Fußtritt in einem tiefen Fall enden kann. Welches Karma musste ein solcher Fall ausgleichen? Was hat die Schule des Lebens als Hauptfach für mich auf dem Plan? Was muss ich lernen? Was habe ich anderen Menschen zu geben?
Das Geheimnis der Vorleben bleibt verschlossen, wenn die Seele unter der Wahrheit im Diesseits leiden würde. Doch manchmal öffnet sich ein Spalt und man darf hineinsehen. Im Tagesbewusstsein wird man dorthin geführt. Vor vielen Jahren habe ich eine Rückführung machen lassen, die mehrere Stunden dauerte, weil ich Näheres über mein Verhältnis zu Schiller wissen wollte. Leider habe ich dazu in einer Art Trance nur ein einziges Bild zu sehen bekommen: Schiller in einer offenen, großen Kutsche, ganz in Felle gehüllt und Goethe daneben, der hinzu steigt, in Kniebundhosen gekleidet und mit damals üblichen Schnallenschuhen. Alles andere bleibt im Verborgenen.
Es gibt viele Situationen, die mich in puncto Vorleben stutzig gemacht haben. Ich hatte eine hellsichtige Bekannte, zu der ich regelmäßig fuhr. Sie nannte sich Schamanin und sprach über Esoterik. Mitten in einer solchen ‚Schulung‘, die mit mehreren Frauen stattfand, stockte sie plötzlich, und wandte sich an mich: „Du hattest in einem früheren Leben etwas mit Jan Huss, Luther und Eck zu tun.“ Zu einem späteren Zeitpunkt dann: „Du wurdest auf Befehl von Katharina II“ auf dem Marktplatz in Moskau enthauptet. Du warst Anführer der Kosaken und hast wild ausgesehen.“ – (Anm. Sein Name war Jemeljan Iwanowitsch Pugatschow)
Wenn das alles zu meiner Seelenvergangenheit gehören sollte, würde es im 1. Fall meine Verbindung zur Religion erklären. Aber es gibt noch weitere Aussagen anderer hellsichtiger Personen, über die ich nur ungerne berichte. Dabei spielt z. B. Schottland eine Rolle, auch von einem Vorleben als jüdisches kleines Mädchen mit Folterungen und einem brutalen Ende wurde mir berichtet, obwohl ich nie nach meiner Vergangenheit gefragt hatte. Letzteres berührt mich noch heute.
Mag sein, dass man manches sehen soll und manches nicht. Hier auf Erden, auf der oftmals unterdurchschnittlichen Bewusstseinsebene der Menschheit, macht man gegensätzliche Erfahrungen, weil man daraus lernen soll. Hier gibt es kein abgestuftes Leben, in dem die Menschen, die die gleiche Evolutionsstufe erreicht haben, die gleiche Existenzebene einnehmen. Hier macht man auf einer Ebene gegensätzliche Erfahrungen. Hier leben unentwickelte und hochentwickelte Seelen. Auf dieser materiellen Ebene leben Tag für Tag Menschen mit unterschiedlichem geistigen und spirituellen Niveau eng beieinander.
Ist Re-Inkarnation wahr? Es gibt diejenigen, die die Idee der Re-Inkarnation ebenso nachdrücklich ablehnen wie diejenigen, die sie aufgrund ihrer Erfahrungen befürworten. Ich gehöre zur letzten Kategorie.
Die Heilung dieser Welt wird durch geistige Kraft erreicht. Diese ist keine Zauberei, denn die Kraft wird von der Seele des Leidenden angezogen. Deshalb kann sie erst dann eine Reaktion hervorrufen, wenn diese Seele berührt wird. Es gibt keine magnetische Verbindung, solange die Seele nicht offen ist. Wenn sie verschlossen ist, kann sie keinen Kontakt herstellen.
Unsere Welt muss sich geistige Heilung verdienen. Wer in dieser Welt ein falsches Leben führt, z. B. mit unnötiger Grausamkeit hilflose Tiere und Mitmenschen quält, hat das Recht auf Heilung verwirkt.
Das Rad des Schicksals wird sich weiterdrehen und die Menschheit in einem schier unendlich erscheinenden Prozess zum Guten führen.

Ihr, die ihr noch im Geiste um mich seid,
so nah und doch so fern, nur in Gedanken,
als stumme Zeugen der Vergangenheit,
ihr seid wie Wurzeln unlösbarer Ranken.
Gabt körperlich bedingten Sinn im Sein,
um mich Gefahr in einem Hauch von Zeit,
doch ohne euch da schwebte ich als Schein,
so wie ein Stäubchen, welches ziellos treibt.
Ihr ward gewordenes Ziel, von Gott bestimmt,
und ich vom Geist des Lebens wachgeküsst;
der Heimat fortgerissen, war ich Kind,
platziert im Körper eines menschlichen Gerüsts.
Im Lebensauftrag inkarniert und ohne Sinn,
tanzte ich schwebend meinen Drahtseilakt,
unter mir, freier Fall mit stetem Wind,
der an mir zerrte und vertrieb die Kraft.
So balancierte ich, verlor das Gleichgewicht,
wohl aufgefangen, ging ich durch ein Tor,
dahinter trat der Wahrheit helles Licht,
wie eine Botschaft und Mission hervor.
Berufung ist des Daseins Sinn und Ziel,
dem Geist zu dienen, der uns schuf,
als Hilfe da zu sein, für den der fiel,
die Seele öffnen, wenn Er in uns ruft.

Leben erhalten, nicht morden in Kriegen,
den Anderen achtend, im Höheren siegen.
Das gütige Innen im Äußeren tragen,
nicht an bitteren Worten andrer verzagen.
Hass und Gewalt, die selbstmordend binden,
um rückstrahlend stets sich selber zu finden,
begegnen, mit Abwehr aus friedlicher Mitte;
das Gute erstreiten, trotz schmerzender Schritte.
Pazifist sein - auch in blutigen Zeiten,
selbst Kämpfen Ausdruck von Frieden bereiten.
Trotz Opfer gerecht sein, das Böse wandeln,
in dunkelsten Stunden mit Liebe handeln.
Taten begehen, oft grausam und schlecht,
Menschen, getrieben von dämonischem Recht.
Für dreißig Silberlinge verraten,
wurde Jesus damals im biblischen Garten.
Des Verratenen Tod, war der Welt ein Gewinn -
das Kreuz seines Schicksals geplant zu Beginn?
War Judas Verrat geplant höheres Ziel,
oder band ihn nur ein dämonisches Spiel?
Aussichtslos scheint manches Handeln und Sinn -
was das Ende des Einen, ist des Neuen Beginn;
wenn der Brandung des Kampfes Welle bricht,
hört man’s rauschen, die Tiefe erkennt man nicht.

Des Nachts ging ich spazieren,
vorbei an Feld und Flur;
im geistigen Flanieren
verliert sich meine Spur.
Hob ab vom harten Boden,
schwebte die Straßen lang,
bis körperschwere Sorgen
entschwanden meinem Gang.
Wie trunken war mein Wandeln,
ganz ohne Schmerz und frei,
so, dass mein Trieb und Handeln
der Weg zur Wahrheit sei.
Unendlich schien mein Sehen,
im schrankenlosen Viel;
so klar war das Verstehen,
als ob‘s vom Himmel fiel.
Ganz leer, doch voller Habe,
die körperlos mein Eigen,
trug meine Geistesgabe
mich hin, im ew’gen Reigen.
Die Endlichkeit des Schwebens
als Lebenstraum begrüßen,
durch tausend neue Leben
das Ziel erkennen müssen.

Wenn ich genieße der Erinnerung kleines Glück,
in einem Leben, das ich heut‘ nicht wiederfinde,
leb ich im Traum, der Gegenwart entrückt,
so dass der Weg zurück sich nur im Müssen gründet.
Werd‘ immer in die Zeit zurückgezogen,
so wie am Gummiband gerissen, hin und her,
und bin ich erst der Schattenwelt entflogen,
zieht’s mich zurück – bald ohne Wiederkehr.
Dann BIN ICH, nur im großen Schweigen,
um mich herum, nur Sonne, Wind und Regen;
das ALL um mich, wo alle Sterne steigen
und paradiesisch blüht ein neues Leben.

Der Süden hat mich nie gelockt,
wo Leichtes schwebt in sonnigen Gefilden,
blieb Sinn und Denken mir verstockt;
Verbundenheit ließ sich nicht bilden.
Der Osten trägt Melancholie,
umhüllt die längst verklärte Fährte.
Die ferne Zeit zeigt irgendwie
Natur, die so ersehnenswerte.
Die schwere Schlichtheit dieses Lebens,
so Gott gegeben, urvertraut,
ein fein Gespinst wie Leingewebe,
das kratzt und schmerzt auf bloßer Haut.
Blutig die Knie, die Hände rau,
erschuf man sich sein täglich Brot.
Brachte den Bauersleuten auch
die schwere Arbeit frühen Tod.
Entbehrung hieß die Einfachheit,
gesegnet war des Tages Lauf.
Die Sehnsucht kannte keine Zeit,
man sah getrost zum Himmel auf.
Morbides trieb die Politik,
nahm Mensch und Sprache mit sich fort.
So flüchtig war der Traum von Glück,
vergessen altes Land und Ort.
Was blieb ist die Melancholie,
die Traurigkeit der Ahnen.
Selbst wenn ich lache, spür ich es,
ihr gegenwärt’ges Mahnen.

Ich stehe am Fenster und schau in die Ferne,
seh’ durch die beschlagenen Scheiben hinaus.
Betrachte das herbstliche Treiben so gerne;
der Wind fegt mit heftigem Brausen ums Haus.
Bald werden sie kahl sein, die noch vollen Zweige.
Die Wiese, sie füllt sich allmählich mit Laub.
Es kommen die Stürme – das Jahr geht zur Neige.
Der Herbst bringt die Kälte und Dunkelheit auch.
Die Ernte liegt sicher in Scheunen und Hallen,
der Dank wird gesprochen, der Segen erteilt.
Wenn erst die schweren Frühnebel wallen,
dann macht sich das Jahr zum Sterben bereit.
Ich lausche dem Wind, er pfeift durch die Schächte,
treibt Regen und Blattwerk, streut bunt seine Spur.
Nicht enden wollen die unruhigen Nächte,
die Wärme der Sonne verlässt die Natur.

Altes Volk, in Harm und Sorge,
kraftlos auf die Knie gesunken,
bist du, trotz der Schar der Hüter
dieses Ortes, fast ertrunken.
Doch das laute Weh verklang
in der Dämmrung Horizont;
Heimat – auf dem Boden trat
man vor dem, der oben thront.
Keine Antwort, nur ein Schweigen
rieselt durch die Wolkenbälle;
sieht die Armen, wie sie wandern,
folgen der Gedanken Welle,
und die zieht, wie ein Gewinde,
näher hin zu den Gefahren.
Laut und schneller wird der Drall,
hält die Pilgerschaft zum Narren.
Wieder steht so manche Größe,
tut sich auf mit Siegerworten,
doch nur leer wie Seifenblasen
platzen die an allen Orten.
Lasst sie doch ihr Werk vollbringen,
das sie johlend propagieren.
Heils-Botschaften, die misslingen,
wird das Volk zur Wahrheit führen!
Östlich stehen sie und schreien -
aus den Mündern schlagen Flammen.
Fackelt ab die Nebelkerzen,
die die wahre Sicht verschlangen!


Gerechtigkeit, dein Maß, wo ist‘s geblieben,
was hat dich fortgetrieben?
Bist du des Lebens Preis?
Konnt‘ dich nicht immer halten,
dein waagerechtes Walten,
es glitt mir aus dem Gleis.
Die Schalen deiner Waage in Harmonie zu bringen,
sie halten, soll gelingen. –
Kein menschliches Geschick!
Denn dein Gewand der Wahrheit,
in leidvoll süßer Klarheit,
nimmt den globalen Blick.
Kurzsichtig ist das Leben, sieht nicht die finstre Brücke;
besorgt sein Haus zum Glücke,
noch in der Tageszeit.
Hört nicht des Todes Lachen,
wenn er mit seinem Nachen
am Abend steht bereit.