Der Mond

Bild von Susan Cipriano auf Pixabay

Der Monde fahlen Glanz hab ich genossen,
wenn sie vom dunklen Firmament,
wie Silberflüsse durch die Fenster flossen,
besonntes Hell, das Schlaf vom Wachsein trennt.

Das Mondlicht zeichnet Himmelsblässe.
Wie es Konturen auf den Häusern malt!
Frau Luna ist die älteste Mätresse,
die Existenz des Mondes längst bezahlt.

Es scheint, er hat sich abgewandt vom Leben,
damit die Erde fruchtbar wird durch ihn,
denn ohne ihn, würd‘ es kein Leben geben,
und alle Jahreszeiten wär’n dahin.

Er malt das Bild des fernen Widerscheines,
die Sonne drosselt durch ihn ihre Kraft.
Einmal im Monat zeigt er sein geheimes
und fahles Leuchten in der Nacht.

Er ist Begleiter, Lenker der Gezeiten,
und wenn die Achse unsrer Erde wankt,
ist er die Stütze; alle Klimabreiten
und deren Ausgleich sind in seiner Hand.

Lebensfaden

Quelle: Pinterest
An einem goldnen Faden hängt das Leben,
der Mensch webt schicksalhafte Bilder auf den Grund.
Um die Stationen klar hervorzuheben,
sind sie oft dunkel, farblos, manchmal bunt.

Aus vielen Fäden, die verknotet, wirren,
entstand ein finsteres Gespinst aus Schuld;
durch Leid und Tragik, fehlerhaftem Irren,
riss manchem Lebensfaden die Geduld.

Beim Auseinanderwirren, müßig Trennen,
der vielen Fäden, die das Lebenstuch bedecken,
ist jener goldene Faden zu erkennen,
der sich in all dem Wust der Zeit versteckte.

Führt Mensch ans Ziel der göttlichen Bestimmung,
hineingewoben, wie im goldenen Vlies,
bringt er auf dunklem Grund Erkenntnis und Besinnung,
gesponnen für des Geistes Paradies.

Millionenfach

Quelle: Pinterest
Durchtränkt vom Blut millionenfacher Leben,
tief in den Gründen anfänglichen Werdens;
im Daseinskampf des triebbedingten Strebens
der Ungetüme, die erlegt im Massensterben.

Ur-Wälder, undurchdringlich, wild und mächtig,
mit alten Bäumen, unermesslich groß;
die Riesenpflanzen, Schachtelhalme, prächtig,
ein Dschungel, der die ganze Welt umschloss.

Es folgten nach dem Einschlag von Kometen,
nachdem Vulkangestein begrub das Land,
die Asche, die wie Schnee vom Himmel regnet,
die Luft vergiftet, Sonnenschein verbannt.

Millionen Jahre, bis der Mensch ‚erwachte‘,
als neues Ungetüm der neuen Welt;
der sich das Erdenrund zu eigen machte,
der es bebaute, herrschte und erfand das Geld.

Ein neuer Daseinskampf hat längst begonnen,
Mensch gegen Tier, Mann gegen Mann;
das triebbedingte Streben hat gewonnen,
weil Mensch das alte Tun nicht lassen kann.

Schon wieder tränkt das Blut die durst’ge Erde -
ein Herrscher kann nicht herrschen ohne Krieg.
Die Welt der Waffen lässt die Menschheit sterben.
Die neue Eiszeit kommt – ganz ohne Sieg!

Heer der Taggedanken

Quelle: Pinterest – Christian Schloe, Austria

Im Heer der vielen Taggedanken,
steht deine Seele tief inmitten Krieg und Frieden.
Manchmal, wenn es dich trifft, wirst du am Boden liegen;
von Kampf und Schwere in die Knie gezwungen,
hast du im Leid erstritten, was dich ließ gesunden;
heldenhaft aufgerichtet nach Verlust und Überwinden,
nach Nächten voller Tränen, wirst du neue Wege finden.
Die Zeit hat alte Seelenwunden dir verbunden,
denn was du suchtest, hast du längst gefunden.
Wirst neue, hoffnungsvolle Ziele sehen:
Am Ende aller Kämpfe wird der Friede stehen!

Daumen hoch, Daumen runter

Pollice Verso „Daumen runter“ von Jean-Léon Gérôme 1872
Sport und Spiele sind eröffnet.
Sieger freun sich, lachen, jubeln,
wenn vom eignen Tun enttäuscht,
der Verlierer weint im Trubel.

Kleiner Krieg in Fangemeinden,
Pyrotechnik und Randale;
Böse werfen Böller, Becher,
fiebern hin bis zum Finale.

Heben Sieger auf den Sockel,
von dort stürzen ihn die Massen,
wenn er nicht ‚geliefert‘ runter.
Grölend treibt’s den Mob durch Straßen.

Der Kommerz reibt sich die Hände,
denn es blühen volle Kassen.
Die Athleten dieser Erde,
sie be-geistern Menschenmassen.

„Ich bin besser, größer, schneller!“,
stehts im Mienenspiel geschrieben;
Alkohol fließt durch die Reihen,
Mengen sind vom Wahn getrieben.

Ordnungshüter staatsbedienstet,
sind bezahlt vom Geld der Schwachen,
die sich wehrlos ausgeliefert
nichts aus Sport und Spielen machen.

Sex und Spiel und Alkohol
messen sich an falschen Göttern,
was im Rausch man finden wird,
sind des guten Geistes Spötter.

Rosenduft

Rosen Wannseegarten – Philipp Franck (1860 – 1944)

Die alte Rosenlaube dort am Buchenhain,
ihr gilt mein täglich Sinnen, ach, so oft.

Sie ließ mich sinken in die tiefsten Träumereien,
mit meinem Oden sog ich auf den Duft.

Vergangen ist die Zeit, als ich noch Worte fand,
so wie der Sand rinnt
durch das schmale Glas der Uhren,

und als entzweite sich des Lebens lichte Band,
verwischten auch die letzten meiner Spuren.

So grau blickt eine Welt der Lichtgestalt entgegen,
die ich geworden, alt und ewiglich.

Die Uhren bitt’ ich, mögen rückwärts sich bewegen.
So dufte Rose einmal noch für mich!

1338 von Ambrogio Lorenzetti erschaffenen Fresko „Allegorie der Guten Regierung“ im Palazzo Pubblico (Siena)

Fülle

Time Stops (2005). Zelkats. Digitale Kunst. 2008-2012

Wie eine leere Zeit,
die nicht gefüllt mit Dingen,
in der kein Tun und Ringen –
nicht Liebe und nicht Leid;
wo nur Gedanken wachen,
kein Weinen und kein Lachen,
von Gegenwart befreit;
wie eine laute Stille,
in der die Geistesfülle
sich schweigend Raum verleiht.

Sport und Spiele

Fußballspiel – Tisa von der Schulenburg (1903-2001)
Be-geistert werden Menschen jubeln,
auf dieser unvollkommenen Erde,
bald geben sie im Freudetrubel
dem Sport und Spiel der Welt die Ehre.

Gejubelt wird von den Tribünen -
die Sorgen sind ganz klein geworden,
wenn in sonst alltagstrüben Mienen
die Siege für Triumphe sorgen.

Der Mensch, er kämpft, verliert, gewinnt,
mühselig, wie sein Lebensplan,
und wenn der Traum vom Sieg zerrinnt,
erwacht er aus dem Rausch alsdann.

Die ausgestreckten Hände vieler -,
im Chaos dieser Welt versponnen,
gehören zu den wahren Spielern,
für die das Lebensspiel gewonnen.

Geisteslicht

Bild von Leopictures auf Pixabay
Ein Wunschkonzert ist dieses Leben nicht,
oft scheint der Schatten uns, als die Substanz,
und wenn die harte Schale einer Nuss zerbricht,
beißen wir sie, den Kern verschmähn wir ganz.

Wir scheuen manche Wirklichkeit im Licht,
sehn die Materie als krankheitsbringend an.
Die Wahrheit steht vor uns – wir sehn sie nicht,
ein Zufall ist für uns des Lebens Plan.

Glücklich ist der, der weitergeht und glaubt,
das alles besser wird im Geisteslicht,
das unterstützt, wenn uns das Leben raubt,
was stark macht, wenn der Mut zerbricht.

Niemals verlassen sein, trotz Schwäche oder Not,
an Hilfe glauben, selbst im tödlichen Moment,
sie ist die Wahrheit – ein gerechtes Lot,
im Dasein uns ein festes Fundament.

Der Menschheit Reigen

Hans Thoma (1839-1924) – Kinderreigen

Manchmal muss man schweigen,
wenn der Menschheit Reigen
sich im Trubel dreht.

Man muss manchmal lachen,
über dumme Sachen,
die man nicht versteht.

Mit den Wölfen heulen,
muss man nicht und meiden,
den Dämonensieg.

Unsagbares sagen,
wenn die ‚Großen‘ tragen,
uns zum nächsten Krieg.

Manchmal soll man singen,
und die Geigen klingen,
tränenreich im Lied.

Klangvoll wird die Stille,
manchmal scheint die Fülle,
Harmonie besiegt.