Die Erlösung aus Ägypten

Die Teilung des Meeres

Exodus 14,21 „Als nun Mose seine Hand über das Meer ausstreckte, da trieb der HERR das Meer die ganze Nacht durch einen starken Ostwind hinweg; und er machte das Meer zu trockenem Land, und die Wasser teilten sich.“


Die biblische Geschichte zeichnet hier Moses als Erlöser, der die Ausgezogenen aus Ägypten endgültig vom Verfolger trennt, indem er die alte Welt tötet, obwohl oder gerade, weil Menschen sich noch immer zu ihr hingezogen fühlten. Frei sollten sie sein vom Alten und eine Zurückholung durch den Pharao unmöglich werden.

Es gibt Erscheinungsformen des siebten Schöpfungstages, die mit den Entwicklungskräften der Materie in der Welt der Polarität untergehen müssen. Deren zeitlich begrenzte Umhüllung (Körper) wird genommen. Erst danach kann die neue Welt kommen, die Welt des 8. Tages.

In der Kabbala gibt es verschiedene Zahlen, die auf etwas vollkommen Neues hinweisen. Dazu gehören die 5, die 8 und die 17. Jede Endzeit ist voller Dämonen, sagt die Überlieferung. Die Welt der Vielfalt wird zerbrechen, wenn man sie nicht nähren will.

Überall, wo in der Bibel von Ägypten geschrieben steht, zeichnet das Wort „Ägypten“ ein Bild der materiellen Welt (das Diesseits), die von einer Leiden verursachenden Zweiheit beherrscht wird. In der Bibel ist es der Pharao, der alle Zeichen des nahenden Untergangs übersah. Ich muss hier leider eine Parallele zur heutigen Zeit und den Politikern dieser Welt ziehen.

Die Welt wird sich häuten wie eine Schlange. Wenn die Umhüllung zerstört und bedeutungslos geworden ist, sind die einst geschaffenen Erscheinungsformen wertlos geworden. Dann zieht sich der Mensch zurück ins Alleinsein und begegnet dort in seinem Innern einer anderen Welt. Dort kommt es zu einer Auseinandersetzung mit dem göttlichen Kern, der in der alten Welt der Vielfalt kaum Beachtung fand.

In der Schlachter-Übersetzung Genesis 32,29 heißt es: Jakob stritt mit Gott und Menschen. Lt. hebräischer Überlieferung war es nicht Gott, mit dem dieser innere Streit stattfand, sondern Engel und Dämonen. Das Gute im Menschen stritt mit dem Bösen. Es war das Bild eines inneren Kampfes auf höherer Ebene, wo sich das Wesentliche aller Dinge ohne Maske zeigt. Dort ist die eigentliche Welt der Menschen, die Welt der Seele. Da sich die Seele in der Welt der Materie äußern muss und sich darin kleidet, wird sie diesem Lebenskampf ständig begegnen.

Auch beim Sterben findet dieser Kampf statt. Der Körper kennt nur die Maßstäbe dieser Welt und will sie nicht verlassen. Er nimmt dabei dieselbe Haltung wie der Pharao ein. Auch beim Sterbevorgang gibt es einen Durchzug durch ein Meer, das vorher der Absperrung diente. Der noch Fliehende will nicht loslassen und wird auf die andere Seite geholt. Der Körper ist tot, doch nur so kann ein neues Leben beginnen.

Fährmann Tod – Franz Lippisch (1859-1941)

Überwunden

Quelle: Pinterest
Ist Ergebung eine Tugend
oder steht sie falsch zur Pflicht,
wenn man starrsinnig im Trubel
Teil des Temperamentes ist?

Duldsam Dinge hinzunehmen,
die nicht änderbar zum Teil,
sich zur Demut zu bequemen,
wo doch nichts zu ändern sei.

Vor dem Unabänderbaren
niederknien und im Verzicht
auch die Perspektiven wagen,
würdevoll in Zuversicht.

Nicht die Schwere allen Ringens
und die Kämpfe, die man wählte,
wägt Gott als Erfolg der Dinge -
nur der gute Weg, der zählte.

Schicksalsmächtiges Erleben,
Stirne senkend muss Welt schweigen;
einsam muss sich Mensch durchkämpfen
und in blut’gen Stunden leiden.

Auszuloten die Gewalten -
ist Gesetz dies zu bestehen;
schützend Leben zu erhalten
oder tapfer untergehen.

Auch die leidbeschwerten Stunden
tragen volle Segensschalen.
Siegend ist, der überwunden;
wird statt Dornen Lorbeer tragen.

In Treu und Glauben

Betende Hände – Albrecht Dürer (1471-1528)
Als ich gefangen war in der Leere,
hast Du mich getragen, so manche Stunde,
bedrückt vom Leid durch geistige Schwere
seit Geburt in die irdische Runde.

Hast abgelenkt meine Sorgen ums Leben,
Gefühle gelöscht, in die ich getrieben;
hast mich geleitet durch Wissen und Streben,
bist trotz manchem Übel bei mir geblieben.

In tiefer Dunkelheit warst Du die Kerze,
die mir entzündet ein ewiges Licht;
durch Dich wich die Trauer aus meinem Herzen,
füllte es glaubend mit Zuversicht.

Hast mich geführt wie ein furchtsames Kind
und den Weg gezeigt, den ich längst verloren.
Warst der Fingerzeig, wenn ich ratlos und blind
mein Zuhause suchte, das im Geiste verborgen.

Und wenn das Leben in Stürmen zerbrach,
war Deine Nähe mein schützender Hort.
Hast Hoffnung gesät, wo Zweifel erwacht,
warst immer da, am entferntesten Ort.

Dein Wort war ein Trost in stummen Nächten,
Dein Schweigen ein Anker im reißenden Wind.
Mit Dir lernte ich, auf das Gute zu setzen,
wenn im Lebensspiel andere hilflos sind.

Geh weiter voran. Nimm mich bei der Hand
und führe mich still durch die Zeiten.
Bist Licht auf dem Weg in ein fruchtbares Land,
wirst mich in die Zukunft geleiten.

Individualität

Fliegen lernen – Lisa Aisato *1981
Seele mit Geist, in Körpern enger Norm,
die physisch nur den Teil des Ganzen zeigen,
die durch Begrenztheit und durch Leiden
in katalytischer Manier Bewusstsein formt.

Besonderheit, die jeder Seele Kern,
hat keine Möglichkeit sich vollends darzutun,
denn noch umhüllt vom Körper muss sie ruhen,
ist ausdrucksschwach, dem wahren Selbst so fern.

Ein winzig kleiner Teil Persönlichkeit,
manifestiert sich als Aspekt im Erdenleben hier.
Getrübt ist das Bewusstsein für die Lebenskür,
bis es erweckt den Sinn versteht im Leid.

Wir sind Seelen mit Geist, die sich durch physische Körper ausdrücken; die Persönlichkeit ist der Aspekt, der sich nur manifestieren kann, während wir auf der Erde sind. Es ist nur ein winziger Teil der Individualität, der das wahre Selbst ist, weil er keine Möglichkeit hat, sich voll auszudrücken, während er vom physischen Körper umhüllt ist.

Bevor wir auf die Erde kamen, hatten wir unseren Weg gewählt. Unser Bewusstsein vor der Geburt war in der Lage, all die Vertiefungen zu erforschen, die sich im unterbewussten Teil unseres Geistes befinden. Hier auf Erden müssen wir durch eine Krise gehen, die zum Katalysator wird, der beginnt, das Bewusstsein zu wecken, das wir ursprünglich hatten. Eines Tages wird es uns klar werden. Nichts geschieht ohne Sinn.

Der Geist ist der Materie überlegen. Was aus dem Geist ist, hat Bestand, was aus der Materie ist, nicht. Deshalb muss jeder sterben. Es ist nicht leicht. Aber alles ist durch ein unfehlbares Gesetz geregelt. Die Liebe ist der Schlüssel, denn die Liebe ist der Ausdruck des Großen Geistes, Gottes, des Herrn, des Schöpfers, welchen Namen die Menschen auch immer verwenden möchten.


Lied des Friedens

Jean-Léon Gerôme (1824-1904)

So, wie der Muezzin von seinem Minarett
zur Stunde des Gebetes ruft,

möchte ich der Menschheit singen,

von einem einzigen Gott, der Christ und Moslem eint,
weil er sie beide schuf –

dies Lied soll allen Völkern in den Herzen klingen.

Will Frieden in die wunden Seelen tragen
und tauschen Freude gegen Leid.

Die Zeichen werden stehn und Menschen
die Veränderung wagen –

Freundschaften wachsen mit der Zeit.

Die Welt braucht Händedruck und keine Kriege,
die weder Sieg noch Frieden bringen.

Vereint die Völker dieser Erde,
doch nur mit Liebe wird euch das gelingen!

Caspar David Friedrichs (1774-1840)

Übersetzung Deepl: (arabisch)

وكما يؤذن المؤذن من مئذنته
في ساعة الصلاة، أود أن أنشد للبشرية عن إله واحد يجمع بين المسيحيين والمسلمين،
لأنه خلقهما معاً، هذا النشيد يجب أن يرن في قلوب جميع الشعوب. أريد أن أحمل السلام إلى النفوس المكلومة
وأبدل الفرح بالحزن. ستبقى العلامات قائمة وسيتجرأ الناس
على التغيير – فالصداقات تنمو مع الوقت. العالم بحاجة إلى مصافحة وليس إلى حروب،
التي لا تجلب النصر ولا السلام. وحّدوا شعوب هذه الأرض،
ولكن بالحب فقط ستنجحون!

Gott der Dichter

Frederick Leighton (1830-1896) – Musik
Die Poesie ist wie die Liebe,
sie kommt und geht nach einer Zeit.
Den tiefen Wunsch, dass sie doch bliebe,
hat sich das Schicksal einverleibt. 

Die Verse sprühen und die Worte;
im Zauber fügt sich Reim an Reim,
erreichen des Vergessens Pforte
und gehn in die Geschichte ein. 

Ein frommer Spruch auf Dichters Füßen,
ein edles Wort aus Herzens Grund,
lässt die Gedankenkraft genießen,
färbt ein das Grau so mancher Stund‘. 

Verdichtet sind wohl tausend Worte,
mein Gott, das Dankgebet sei Dir!
Gedichte blüh‘n an lichten Orten,
den Gleichklang suchend, neben mir. 

Wie ein Gedicht schuf Gott die Welt,
band ein, den Reimen gleich, den Klang,
der so verdichtet steigt und fällt,
einträchtig in des Rhythmus Gang. 

Die Menschen suchen ziellos leidend,
wie Worte, die im Reim sich binden.
Ein Jeder will zu den gehören, 
die sich im Einklang wiederfinden.

Bahnhof Absurdistan

Die Europabrücke Bahnhof Saint Lazare in Paris – Claude Monet (1840-1926)

Willkommen im Bahnhof Absurdistan!
Hier halten Züge der Zukunft an,

sind menschenleer und leer das Gleis
und jedes Abteil ist grau und verwaist.

Aus dem Fenster starrend, ohne Ton,
schaut ein Geist in die leere Situation.

Die Züge bewegen sich wie im Traum,
so lautlos wie Blicke, die sie beschau‘n.

Sie fahren ins Nichts und halten alsdann.
Für wen? Da sind weder Frauen, Kinder, kein Mann.

Die Lautsprecher schweigen im grausigen Nichts,
als wär es die Zugfahrt des Jüngsten Gerichts.

Der Tod ist der Führer des letzten Gefährts,
mit geistiger Fracht fährt er, kalt, ohne Herz,

und die Stationen, die er befährt,
sind den Begriff „himmlisch“ nicht annähernd wert.

Antrieb des Zuges ist Resignation,
fuhr Freude am Leben doch lang schon davon.

Was Menschen erschaffen, wird Staub in der Hand.
Sie glauben, ihr Zug fährt ins Niemandsland.

Sind sie Zufallswesen, nur Körper, nichts mehr?
Die Energie des Lebens, wo kommt sie her?

Führt weit sie im Leben der Wissensdrang,
beendet ein Schicksal den geistigen Wahn,

denn den kurzen Weg zum wahren Ich,
geht man erst, wenn man sieht, dass die Brücke bricht.

Man entdeckt im menschlichen Seelenschrein,
auf der Zugfahrt des Lebens sind wir nicht allein.

Der Körper, ein Tempel, wo ein Heiligtum wacht –
Gott löst den Fahrschein, bis die Strecke vollbracht.

Festtag

KI generiert – Quelle: Pinterest
Einmal umflattert uns die Ewigkeit,
auf sanften Schwingen trägt sie uns davon;
sie schneidert uns ein neues Festtagskleid
legt unser altes in das Fach „Erinnerung“.

Doch unsere Seele öffnet ihre Gärten
voller Gedanken, bunt wie Tausendschön;
wird neu erblühen auf den Fährten,
die wir durchschwebend als Zuhause sehn.

Hier darf man sein, sich froh gebärden
und wachsen, sprossen bis zur Blütenfülle;
hier kann nichts Zeit und Raum gefährden,
hier wiegt die Schwingung Gottes in der Stille.

Zeichen und Wunder

Quelle: Pinterest
Wie sanfter Regen fiel Erkennen auf die Erde,
geflossen aus des Geistes Macht und Kraft.
Von alters her bewirkte es die Wunder des „Es werde!“,
gab Zeichen, das vorübergehend Wissen schafft.

Die Menschen aller Zeiten nahmen hin
die Geistesgaben jener, die dem Tod sie weihten,
und durch Verfall und Fälschung wurde Sinn
zu Unsinn jene Kunde des einst Mitgeteilten.

Theologie und Politik – von Macht beseeltes Handeln
zum eigenen Zweck, konträr den Idealen,
die es ermöglichen, den rechten Weg zu wandeln
und Gott mit Liebe Dank für unser Leben zahlen.

Weiße Gräber

Jesus streitet mit den Priestern – William Brassey Hole (1846-1917)
„Ein Verbrechen!“, rief da Einer,
"Evangelien zu lehren."
„Missionierte Teufelsstücke,
fremde Völker zu bekehren!“

Die Kulturen auszulöschen,
wenn sie eigenen Göttern dienen,
dienen sie doch nur dem Einen,
wenn auch unähnlich beschienen.

In dem kalten Licht der Tage
nutzten sie die Emotionen,
die Verbundenheit nach ‚oben‘
kappten sie mit Illusionen.

Unvernünftig klingt so vieles,
was die Kirchenleute sagen,
und die Frommen, die vertrauen
glauben, was die Lehrer klagen.

Inbrunst zollen ihre Lieder
in der Andacht. – „Wie sie singen!“
„Lauscht nur dem Brimborium
und den priesterlichen Stimmen.“

Jeder, der den Geist empfangen,
der die Schöpfung ist auf Erden,
in des Zweifels Finsternissen
muss ihn niemand erst bekehren.

Trägt er doch das alte Wissen
in des Lebens Neubeginn
und kein Widerstreit der Kirchen
beugt das Haupt vor dem „Ich bin!“

Die Macht des Geistes wird manifestiert, nicht durch Erzbischöfe, Bischöfe, Päpste, Priester, Imane und Rabbiner, sondern durch gewöhnliche Sterbliche, die mit der wunderbaren Aufgabe betraut sind, dem Großen Geist zu helfen, damit göttliche Liebe, Weisheit und Macht allen zur Verfügung stehen, die bereit sind, sie zu empfangen.

Die Arbeit aus Nächstenliebe, die diese Menschen leisten, kann man nicht messen. Das ist eine Aufgabe, die die Kirchen erfüllen sollten. Aber anstatt Aufbewahrungsorte vitalisierender geistiger Kraft zu sein, sind sie zu dem geworden, was der Nazarener „übertünchte Gräber“* nannte, wo sie unfruchtbare, sterile, antiquierte, dogmatische Lehren predigen, die keine Beziehung zum menschlichen Leben, seinen Problemen und seinen enormen Möglichkeiten haben.

*Matthäus 23:27 :„Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr gleich seid wie die übertünchten Gräber, welche auswendig hübsch scheinen, aber inwendig sind sie voller Totenbeine und alles Unflats.“