Ausgeflogen

Bild von Gerhard C. auf Pixabay
Zwischen groben Ästen hängt ein Vogelnest;
ist verwaist und leer, drin ein Schalenrest,
und am unteren Stamm sitzt ein Federknäuel,
schreit nach der Mama. – Warten wird zum Gräuel.

Amselmama schwebt hin und wieder hin,
Nest war schon zu klein und zu groß was drin. 
Aufgeriss‘nes Maul, wenn die Mutter kommt,
sie stopft alles rein, was sie kriegen konnt‘.

Ihre Brut wird groß, Mehrungsziel ist hin
und von vorne los geht der Paarungssinn. 
Doch mit einem Mal ist kein Singen mehr
und das kleine Nest ist verlassen, leer. 

Die Natur verstummt. Vögel ziehen fort.
Dann kommt bald der Herbst; kälter wird’s am Ort.
Alle Zeiten ziehn angedacht durchs Jahr,
nächster Frühling kommt und das Vogelpaar.

Baut sogleich ein Nest, neu, im feinen Licht,
singt der Sonn‘ entgegen, die durch Zweige bricht.
Fragt nie nach der Dauer ihres kleinen Lebens,
folgt im leichten Flug ihrem Sinn des Strebens. 

Stern an Stern

Tiefen des Himmels sucht mein Blick,
seh‘ Stern an Stern, die Bilder alter Zeit;
er gibt dem Staunen frei ein kleines Stück,
bleibt bloßen Augen unerkennbar weit.

In fernen Räumen wird das Gold der Nacht
mit Sonnenstaub und Glanz des Lichts bestückt;
ihr Dasein liegt in keines Menschen Macht,
gestirnter Himmel, der sich selber schmückt.

So groß bist du – ein magisch stiller Ort,
treibst ruhig im Wellenspiel der Zeit dahin.
Geheimnisvoll gesproch‘nes Schöpfungswort,
du bist des Lebens Ende und Beginn. 

Abend wird es wieder

Text: Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Interpret: Rudolf Schock
Chorgemeinschaft Siegburg 1862
Studio-Orchester Köln
Dirigent: Fried Walter

Abend wird es wieder
über Wald und Feld,
säuselt Frieden nieder,
und es ruht die Welt.

Nur der Bach ergießet
sich am Felsen dort,
und er braust und fließet
immer, immer fort.

Und kein Abend bringet
Frieden ihm und Ruh',
keine Glocke klinget
ihm ein Rastlied zu.

So in deinem Streben
bist, mein Herz, auch du:
Gott nur kann dir geben
wahre Abendruh'.

Das Gebet – Ursache und Wirkung

William Adolphe Bouguereau (1825-1905)
Gott zu bitten im Gedränge
hoffender Versammlungsmenge,
nicht in Kirchen, andren Stätten,
wo sich Mensch an Menschen ketten.
Unnütz wird die große Zahl
Worte plappern ohne Wahl. 

Einst erdacht und komponiert
in Gemeinden eingeführt,
sollen Anmut sie verströmen,
Worte soll’n mit Gott versöhnen,
demütig um Hilfe bitten,
wenn des Volkes Macht entglitten. 

Was ursächlich Menschen tun,
dessen Wirkung gibt kein Ruhen;
Menschen Macht ist wirkungslos,
Kausalität dagegen groß.
Nach Handlung ist man oft der Dumme,
es folgt als Resultat die Summe. 

Naturgesetze hier auf Erden,
sind festgeschrieben und erklären,
kein Mensch entzieht sich deren Macht,
sind von der Schöpfung selbst erdacht.
Kein Wort kann lindern im Gebet,
die Wirkung, die im Raume steht.  

Klang der Glocken

Bild von Paul Henri Degrande auf Pixabay
Es beginnt der Tag im Klang der Glocken,
der so bronze-tönig schwebt durchs Land.

Altvertraut will er die Zweifler locken,
wie den Sucher, der hier Wahrheit fand.

Seht die Türme, wie sie aufwärts weisen,
Kreuz oder Hahn, sie pochen auf ihr Sein;

höher, mächtig, um den Himmel kreisend,
zog der Papst als Macht auf Erden ein.

Kirchen, die erbaut aus schweren Steinen,
ins Licht geführt durch heil’ge Fensterkunst,

sakral verschlossen, wie das streng Geheime,
um das Brimborium priesterlichen Tuns.

All die Materie wird in Gräber sinken,
die Kraft des Geistes bleibt in Ewigkeit.

Er geht nicht unter, in den Erdengründen,
wie Jesus einst, denn geistig ist sein Leib.

Die Schlafwandlerin

Die Nachtwandlerin – Maximilian Pirner ( 1854-1924)
Der Traum ist dein Teil, nicht das Wachen,
durch Silbergewässer dein Nachen
trägt rosenbekränzt dich zurück.
Wenn morgens die Sterne verblassen,
dann gehst du durch irdische Gassen
und freust dich am irdischen Glück.
 
Wie wenige wissen vom Träumen,
wie viele verwundert dein Säumen
und dass du es dennoch erreichst,
dass Sonne wie Wolken dich segnen,
dass Wunder dir lächelnd begegnen.
Sie wissen nicht, wie du uns gleichst,
 
uns heiteren Traumlandgefährten,
die wir unsern Schutz dir gewährten,
dich sandten, mit Rosen bekränzt,
im Lande der Wachen zu sagen,
wie reich deine Traumgärten tragen,
bis Wachen und Traum sich ergänzt.

<Ephides>

Seelenbaum

Aus dem Film „Avatar“ – Der Baum der Seelen (Na’vi: Vitraya Ramunong) ist ein Baum auf Pandora und der heiligste Ort der Na’vi.
Einsam steht er, 
wie ein ‚Baum der Seelen‘
leuchten seine weiten Zweige.

Drehen sich zur Erde,
fortgesetzt und tanzen,
schimmernd ist ihr sanftes Strahlen.

Heilig ist sein Ort
wo Ewigkeiten überdauern,
und die Seelen der vergangenen Zeiten

wiegen sich im Schutze seiner Krone;
hoch gewachsen stößt er an den Himmel,
sammelt Kräfte, niemals endend. 

Erkenntnis-Lichter zünden an ihr Leuchten,
immer wieder die Verwandelten empfangend,
die körperlos und schwerelos geworden. 

Lass von der Liebe dich krönen,
schau auf die Zeichen der Sterne und ihre Gesetze.
In der Welt diene IHM; 

nimm dein Leben und lerne
schwerelos sein schon auf Erden,
um verwandelt in Himmeln zu tanzen. 

Seele – Film: Avatar

Schöpfung

Fraktale: Karin M.
Aus Wasser und Geist geborene Form.
Vom Gedanken zum Wort;
vom Ur-Klang bewegte
Schwingung des Seins.

Aus dem Nichts geborene Vielfalt.
Od von Erde und Wasser.
Erschaffenes Leben,
beseeltes Wunder.

Frucht vom Baum der Erkenntnis.
Bewusstes Dasein und Wahl.
Mensch sein heißt
folgen der göttlichen Ordnung.

Vom geistigen Tod zum Leben;
aus der Bewusstlosigkeit zur Erleuchtung.
Erhöht zur Auferstehung
durch göttliche Gnade und Plan.

Gottes Tempel

Ihr nehmt zum Bau des Tempels kalte Steine,
aus Splittern fügt Gedankenmosaik der eine,
Gigantenblöcke türmt der andre auf.

Doch Gottes Tempel ist das warme Leben,
sein Atem der Geschöpfe Jauchzen und Erbeben,
sein Wirken der lebendige Verlauf!

Er ist das Feuer in Myriaden Flammen,
die lodern müssen, weil sie seinem Licht entstammen,
bis sie der Sehnsucht goldne Glut verzehrt. – –

Wer Stein zu Stein fügt, wird IHN nie ergründen.
Die GOTT-Erkenntnis kommt als Blitz –
Und kommt zu zünden!
Gib dich der Flamme! und die bist verklärt.

<Ephides>

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende. Vielen Dank für Eure Besuche und Kommentare. 💕

Zeit der Rosen

Ferdinand Georg Waldmüller (1793-1865)
Rosenzeit ist bald gekommen,
wachsen blütenschwer und rein,
und im Innern duftet’s milde,
Blatt für Blatt will innig sein.

Dornen reißen manche Wunde,
sitzen tief wie Lebensschmerz;
sind des groben Leichtsinns Kunde,
brachen Rosenpracht und Herz. 

Alte Narben für die Tränen,
deren inn’rer Brand gestillt,
waren Ausgleich für das Schöne,
das im Augenblick gefühlt.

Und es reihen Kletterrosen 
sich wie Wunden, dicht an dicht. 
Ranken wie die Schwerelosen,
binden Dunkelheit an Licht. 

Alles Dasein ist ein Streben,
auch wenn unsre Blüten fallen
und des Strebens Lohn ist Geben,
Rosenteppich breitend allen!