Winter adé

Alfons Mucha 1860-1939 – Jahreszeiten ‚Frühling‘

Die Wärme kriecht durch meine Haut,
durchfließt die kleinsten Poren,
die Sonne strahlt, wohin man schaut
wird neues Grün geboren.
 
Die Bäume voll der Knospen Pracht,
stehn bald in neuem Kleide,
der Frühling hat sie über Nacht
befreit vom Winterleide.
 
Die Erde atmet tief und dehnt
sich aus im dunklen Bette,
streckt sich nach langer Nacht und gähnt,
durchtrennt die Zeitenkette.
 
Die kalte Zeit wird bald vergehn,
sie scheidet nun, mit Wehen
wird eine neue Welt entstehn,
zum staunend Wunder sehen.
 

Frühling

Wenn Räder, bunt, im Winde drehen,
wenn unsre Lebenslust erwacht,
wenn sanft die milden Lüfte gehen,
Natur sich streckt nach langer Nacht;
 
wenn sich die Erdenporen weiten,
erwartungsvoll im Morgenlicht,
und durch der tiefen Nebel Breiten,
die Sonne durch die Wolken bricht;
 
wenn aus den harten Erdenritzen,
die Pflanzenwelten aufwärts streben,
und bunte Frühlingsblumen-Spitzen
die Erde auseinander heben;
 
wenn Vögel wieder Nester bauen
und in der Morgenfrühe singen,
wenn tausend Augen Wunder schauen,
dann wird die Frühlingszeit beginnen.

Die Sense

Krankes Kind – Christian Krogh (1852-1925)

Die Hunde schlugen an um Mitternacht,
bis über ihrem Bellen wild erschrocken
des Gutsherrn jüngstes Kind vom Schlaf erwacht,
es strich sich aus der Stirn die langen Locken.

Zitternd vor Furcht und Frost hob’s die Gardinen,
um nach dem späten Wanderer zu spähn,
doch einsam lag der Garten, mondbeschienen,
und keine Spur war auf dem Schnee zu sehn.

Die Hunde aber bellten immer noch,
und ihre Ketten klirrten. An der Hecke
duckte der Tod sich, der vorüberkroch,
damit sein Schatten nicht das Kind erschrecke.

Aus seinem weiten weißen Schafspelz stach
der Sense Stahl und blitzte aus dem Graben.
Das sah die Kleine, die verschlafen sprach:
„Da liegt ein Mond im Schnee, den möcht‘ ich haben!“

Agnes Miegel (1869-1964) – Ostpreußische Dichterin

Frühlingssonne

Bild von Gerhard G. auf Pixabay

Der Winter zieht mit Trauerflor
vorbei am Horizont.
Der Sonne Strahl bricht mild hervor.
Erwacht, der Frühling kommt!

Schneeglöckchen sind sein erster Gruß,
stehn hier und dort im Tau.
Die Kälte weicht im warmen Kuss,
vergeht im lichten Blau.

Ein leises Zwitschern in der Luft
versöhnt mit Winterhärten.
Bald treibt ein Hyazinthenduft
durch bunte Heimatgärten.

Sein oder nicht Sein

Der Turm – Tarot von Bonifacio Bembo 15. Jahrh.

Was sich im Inneren eines Menschen abspielt, geschieht in seiner Welt, die er meist vor den Augen anderer verborgen hält. Die Bewusstseinsstufen in seiner inneren Welt muss er allein beschreiten. In der Außenwelt trägt er eine Maske, wo er selbst vor seinen engsten Freunden und Verwandten, sein wahres Ich verbergen kann. Doch wenn er bewusst lebt, wird er das irgendwann nicht mehr können und wollen.

In der Kabbala bedeutet die Zahl 4 Materie. Der Körper des Menschen ist sein materielles Wesen. Zwischen Brustbein und Bauchnabel befindet sich das „Sonnengeflecht“ des Menschen. Die Überlieferung sagt, dass er dort bei der Zeugung mit einem magischen Band an den Körper verbunden wurde, der sogenannten Silberschnur. Dort wird er nach dem Tod wieder aus dem Körper heraustreten.

So steht es in der Bibel Buch Kohelet, Kapitel 12, 1-7:

Denk an deinen Schöpfer in deinen frühen Jahren, / ehe die Tage der Krankheit kommen und die Jahre dich erreichen, / von denen du sagen wirst: Ich mag sie nicht!,
ehe Sonne und Licht und Mond und Sterne erlöschen / und auch nach dem Regen wieder Wolken aufziehen:
am Tag, da die Wächter des Hauses zittern, / die starken Männer sich krümmen, / die Müllerinnen ihre Arbeit einstellen, weil sie zu wenige sind, / es dunkel wird bei den Frauen, die aus den Fenstern blicken,
und das Tor zur Straße verschlossen wird; / wenn das Geräusch der Mühle verstummt, / steht man auf beim Zwitschern der Vögel, / doch die Töne des Lieds verklingen;
selbst vor der Anhöhe fürchtet man sich und vor den Schrecken am Weg; / der Mandelbaum blüht, / die Heuschrecke schleppt sich dahin, / die Frucht der Kaper platzt, / doch ein Mensch geht zu seinem ewigen Haus / und die Klagenden ziehen durch die Straßen –
ja, ehe die silberne Schnur zerreißt, / die goldene Schale bricht, / der Krug an der Quelle zerschmettert wird, / das Rad zerbrochen in die Grube fällt,
der Staub auf die Erde zurückfällt als das, was er war, / und der Atem zu Gott zurückkehrt, / der ihn gegeben hat.


Das „dritte Auge“, welches sich auf der Stirn befindet, ist ein Nervenzentrum, durch das der Mensch mit der geistigen Welt verbunden ist, dadurch erreicht er eine geistige Schau. Die Katholische Kirche hat durch das Kreuzzeichen auf der Stirn versucht, diese geistige Schau zu verhindern.

Irgendwann im Leben eines jeden Menschen geschieht etwas, was tief in sein äußeres Schicksal hineingreift und sein ganzes Leben auf den Kopf stellt. Es stellt alles in Frage. Bei jedem Menschen geschieht es auf verschiedene Weise, weil unterschiedliche Lebensräume existieren.

Es ist bedrohlich. Vielleicht verliert man nicht nur seine Existenz, sondern auch seine Familie. Alles scheint zusammenzustürzen, wie im Krieg. Oder man verliert seine Freunde und materiellen Güter. Man fühlt sich vernichtet und muss sein Leben allein und ganz neu aufbauen. Millionen Menschen haben das in den letzten Kriegen erlebt.

Die Menschen, die bis dahin völlig unbewusst lebten, sind seelisch gefangen in ihrer materiellen Welt und können sich nie mehr richtig erholen und weitergehen, auch wenn der Körper am Leben blieb.

Dann gibt es noch jene Menschen, die schon so weit sind, dass sie unbewusst keine körperlichen, triebgesteuerten Sklaven mehr sind. Sie sind sich ihres Geistes bewusst, der in ihrem „Selbst“ schlummert. Sie haben sich selbst erkannt und können ein ganz neues Leben beginnen. Diese haben nichts verloren, nur gewonnen.

Auf jedem Lebensweg wird irgendwann etwas passieren, das vernichtend zu sein scheint. Die bisherige innere Sicherheit ist bedroht, sein Glaube geht verloren. Dann muss er alle seine inneren Kräfte zusammenfassen, damit er nicht fällt.

Die Geschehnisse sind sehr verschieden: Jemand wird seinen Lieblingsmenschen verlieren, mit dem er lange verbunden war. Der bewusste Mensch weiß, dass es keinen Tod gibt, sondern nur ewiges Leben, und dass er nur Geduld haben muss, zu warten, bis seine Zeit auf der kosmischen Uhr abgelaufen ist und auch ihm die letzte Stunde schlägt, dem Geliebten nachgehen zu können. Bis dahin hat er seinen geliebten Menschen nicht verloren. Er bleibt mit ihm im Geiste immer verbunden. Durch sein Denken bleibt er aufrecht stehen und bricht nicht zusammen.

Bei jedem Menschen wird das Schicksal dessen persönliche Lage ausnutzen, um ihn am allerschwersten zu treffen und zu vernichten.
Der Mensch darf nie vergessen, dass man nur dem Körper und niemals dem Geist schaden kann. Einen solchen Menschen kann nichts vernichten. Niemand wird ihn ändern. Lieber lebt er allein. Er ist wie er ist!

Er weiß, dass Gott in ihm ist und auch diese Prüfungen hat Gott ihm gegeben. Warum?: Damit er etwas Wichtiges lernt und sein Bewusstsein erweitert.

Nach dieser Prüfung wir Gott ihm helfen, aus der Vernichtung heraus zu wachsen und von allem Schlechten loszukommen.

Das größte Übel unserer heutigen Zeit ist die Angst.
Ob es ein Virus ist oder eine Bedrohung aus den Nachbarländern. Da ist die Angst vor Verlusten, egal welcher Art… und es gibt viele, die Angst haben vor der Angst.

Doch gibt es noch einige wenige, die keine Angst haben, sondern Gottvertrauen. Sie tragen die Überzeugung im Bewusstsein, dass es eine höhere Macht gibt als die Macht der Menschen. Diese Macht wird uns immer Das geben, war für uns das beste ist. Wirkliche Werte lassen sich nicht vernichten! Das Leben überlebt alles!

Die materielle Welt bezieht das Leben nur aus bereits vorhandenem Leben. Das Leben, welches sich von der Materie befreit hat, wird in das große universelle ewige Leben, in Gott zurückkehren. „Göttliche Zerstörung“ führt immer zum Leben.

Paul Gustave Doré (1832-1883)

Aschermittwoch

Aschermittwoch – Carl Spitzweg (1808-1885)

Die Maske fiel. Alles vorbei!
Entblößt das wahre ICH im Spiegelbild.
Das Ende einer bloßen Gaukelei.
Es zeigt ein trauriges Gesicht,
ganz unverhüllt.

Du spielst die Rolle deines Lebens,
mit oder ohne Kreuz auf deiner Stirn.
Nur ein paar Tage suchtest du vergebens
in einem andern ICH dich zu verlier’n.

Doch du erwachst, nach Alkoholgenuss
erkennst zu spät das Übel deines Tuns.
Gefangener im Kerker deines Frusts,
wünscht du dir Asche auf dein Haupt
und kannst nicht ruhn.

Blick nach Ostpreußen

Flucht aus Ostpreußen 1914 – Gemälde von Claus Bergen

Der Süden hat mich nie gelockt,
wo Leichtes schwebt in sonnigen Gefilden,
blieb Sinn und Denken mir verstockt;
Verbundenheit ließ sich nicht bilden.

Der Osten trägt Melancholie,
umhüllt die längst verklärte Fährte.
Die ferne Zeit zeigt irgendwie
Natur, die so ersehnenswerte.

Die schwere Schlichtheit dieses Lebens,
so Gott gegeben, urvertraut,
ein fein Gespinst wie Leingewebe,
das kratzt und schmerzt auf bloßer Haut.

Blutig die Knie, die Hände rau,
erschuf man sich sein täglich Brot.
Brachte den Bauersleuten auch
die schwere Arbeit frühen Tod.

Entbehrung hieß die Einfachheit,
gesegnet war des Tages Lauf.
Die Sehnsucht kannte keine Zeit,
man sah getrost zum Himmel auf.

Morbides trieb die Politik,
nahm Mensch und Sprache mit sich fort.
So flüchtig war der Traum von Glück,
vergessen altes Land und Ort.

Was blieb ist die Melancholie,
die Traurigkeit der Ahnen.
Selbst wenn ich lache, spür ich es,
ihr gegenwärt’ges Mahnen.

Winterwandel

Bild von Free-Photos auf Pixabay

Die Straßen, fast gefegt
von Mensch und Wind.
Die letzten Flocken
kleben am Asphalt.

Die ersten milden Lüfte
schleichen lind,
gespenstisch leer und
matschig ist es bald.

Die Menschen nehmen
sich zurück und atmen schwer.
Sie ziehen ihre Schals
zu sich heran.

Nur hier und da ein Auto…
Kriechverkehr.
Ein jeder möcht‘ nach Haus,
nicht jeder kann.

Ein greiser Alter stapft
durchs Straßenbild,
an der Vergangenheit,
da trägt er schwer.

Er folgt dem
zugeschneiten Namensschild.
Die müden Augen
sehn den Weg kaum mehr.

Wie Puderzucker
schneit’s vom Himmel nieder
und schmilzt dahin,
wenn’s unten angelangt.

Vergeht das flüchtig‘
Element zu Wasser wieder,
treibt Wachstums Kraft
durchs frühlingshafte Land.

Der Mensch ist Eis,
das Fruchtbarkeit verloren.
Ein Wandel bringt des Segens Lenz:
In andern Sphären, neu geboren,
taut auf, was Eisblumen umkränzt.

Im warmen Licht- und Blüteregen
wird aufgetan das lichte Land,
macht jeden Stein des ird‘nen Lebens
zum Himmelssegen-Lichtgewand.

Dankbar sein

Stephen J. Darbishire geb. 1940

Nachdem der Eingriff gut und relativ schmerzfrei an mir vollzogen worden ist, bin ich gestern erleichtert nach Hause gefahren. Alles ist gut! Ich bin dankbar für jede Unterstützung die ich hatte. Nun bin ich zu Hause, muss noch eine Weile Antibiotika schlucken, dann kommt hoffentlich ein schönes Jahr, mit positiven Eindrücken.

Bis bald!

Eine kurze Unterbrechung

Leider bin ich momentan mit meinen Gedanken woanders, nämlich bei dem nächsten ärztlichen Eingriff, der mir am Mittwoch bevorsteht.
Es wird hoffentlich alles schnell und gut vorbeigehen. Nach meiner Blutvergiftung und der Menge an Antibiotika, die mir eingeflößt worden sind,
fühle ich mich noch sehr schlapp.

Mitte Februar geht es mir sicherlich besser. Ich lasse es langsam angehen.

Bis dahin muss ich mich verabschieden und wünsche allen Lesern eine schöne Zeit. Bleibt gesund und munter.