Neue Zeit

Leberblümchen – Quelle: Pinterest
Was ich sehen sollte, habe ich gesehen
und gefühlt so manche Dinge;
hab viel Zeit vertan und muss gestehn,
dass ich heut noch mit den Bildern ringe.

Die Vergangenheit, sie hält mich wach,
manchmal richtet sie den Blick auf mich.
Manchmal werde ich im Starksein schwach,
weine bittere Tränen, innerlich.

Irgendwann kommt eine neue Zeit,
sie spült alles Alte in mir fort;
finde Ganzheit und Vollkommenheit
an der blauen Blume Sehnsuchtsort.

Drang des Handelns

Prozession im Nebel – Ernst Ferdinand Oehme (1797-1855)
Wir sind von sterbender Natur,
geboren, um zu bauen diese Welt;
im Auf und Ab des Daseins Schicksalsspur,
die nebelhaften Pfade gehn, wie’s uns gefällt.

Vertrauend folgen wir dem Drang des Handelns,
um, was wir schufen, staunend anzusehen:
Das Wissen steht im Licht des Wandels,
es offenbart sich hässlich oder schön.

Nichts scheint mehr sinnbefreit, dient dem Verstehen
und offenbart sein Für und Wider,
hat Ausgleich und Vergeltung vorgesehen -
was wertlos schien, gewinnt Bedeutung wieder.

Vollkommenheit – der Weg dorthin ein Wählen,
Naturgesetze sind die Pflastersteine;
Aufrichtigkeit befreit von allem Quälen,
Ausgleich für Fehler treibt die müden Beine.

Nur eine Spur

Bild von beasternchen auf Pixabay
Nur eine Spur, die aussagt: Ich war hier!

Ein paar Gedanken zur Erinnerung auf Papier –

nur eine Schwingung, wie das Pendeln einer Uhr,

im Lauf der Zeiger stets dieselbe Spur.

Der Augenblick – vielleicht nur ein Gedicht.

Das war’s alsdann – ich lösch mein kleines Licht,

schließ meine Seele zu, und meine innere Welt

ist eine Weile nur auf Stille eingestellt.

Hier ist es ruhig geworden.

Ich ziehe mich zurück und werde eine kleine Pause machen.
Genießt das schöne Wetter und bleibt gesund.

Bis bald!

Stille des Himmels

Hans Andersen Brendekilde (1857-1942)
Motorengeräusche und Lärm auf den Straßen
durchdringen doppelte Fensterscheiben;
nie gewöhnt an die Laute - nach außen, gelassen,
Beschaulichkeit muss auf der Strecke bleiben.

Man schiebt Jalousien als Sonnenblende,
vor den Lauten des Alltags schirmt man sich ab;
hinzu eine Prise TV-Elemente
mit lauter Beschallung - der Muße Grab.

Momente der Ruhe – zu Kränzen binden,
in Träumen nur wandeln durch Wiesen und Wald;
abgeschieden vom Leben Genüge finden,
wo die Stille des Himmels widerhallt.

Mit letzter Kraft

Quelle: Pinterest
Gang runter und mit letzter Kraft
den Berg erklimmen, der in Sicht.
Die Sonne sinkt. Bald wird es Nacht.
Sie taucht die Welt in rötlich Licht.

Bald ruht das Schweigen auf dem Hügel,
der mich umschließt in dunkler Welt.
Der Seele wachsen Himmelsflügel,
die Silberschnur, sie reißt – nichts fehlt.

Die Zeit hat sich ins Nichts verkrochen,
der Geist, die Energie, sie schweigt;
Gedanken reisen durch Epochen,
ätherisch sich das Dasein zeigt.

Ich bin zurück! Im Geist verbunden -
kein Wort beschreibt das ew’ge Licht;
der Sprache Klang, er ist verschwunden,
weil‘s einfach unbeschreiblich ist.

Bruchstücke

Foto: privat – Rheinaue Duisburg-Friemersheim
Der Ort, geleert von Augenblicken,
die frühlingshaft das Jahr bescherte,
als hinter rosa Wolkenstücken
ein grauer Himmel aufbegehrte.

Der Abgang, Trauma bitterer Note,
geschmacklich heute noch im Mund.
Verwandelt ist der Liebesbote,
verschwundner Geist im Nebelgrund.

Es kühlte Regen heiß Geliebtes
und wusch es fort, als Unbekannten.
Erloschen ist sein Strahlen, trieb es
in die mentalen Alltagsschranken.

Versiegt ist längst die alte Quelle,
gespeist von einst geträumten Dingen;
verflossen sind die Sehnsuchtswellen.
Nur im Alleinsein liegt Gelingen!

Einbahnstraße

Kampf mit dem Drachen – Sulamith Wülfing (1901-1989)
Bin wie ein Schwamm,
hab alle Trauer aufgesogen,
von der End-Täuschung voll,
vom Lebensglück betrogen.

Wollt ich auf Einbahnstraßen
dem Tod ins Auge sehen,
zum lebensmüden Spaße,
ohne mich umzudrehen?

Trag selber ich die Schuld? -
Bin wohl falsch abgebogen,
als mich gedankenlos
des Limbus Mächte zogen.

Benutzte den Besitz,
den andere längst ihr Eigen.
War’s letzte Galgenfrist,
mein stolzes Haupt zu neigen?

Mein Kreuzweg endet hier;
die Tür zum Licht stand offen.
Bin nun zu Haus bei Dir,
vorbei das Suchen, Hoffen.

Die Irrfahrt durch mein Leben
leg ich in Deine Hände;
mein Mühen und mein Streben,
die Ernte nach der Wende.

Vertrau auf Deine Führung -
gabst Einsicht mir, zu sehen,
um nach des Leids Berührung,
als Blüte aufzugehen.

Osterglocken

Foto: privat
Regenschleier, Nebel wallen –
Welt, wie kühl ist dein Erwachen!
Werden warme Sonnenstrahlen
Tagesstunden lichtvoll machen?

Wenn die Osterglocken läuten,
will des Klanges Ruf uns dienen,
und die frohe Botschaft deutet
jeder Ton, der schwingt in ihnen.

Noch verhüllt von dichten Zweifeln,
wie der Dunst die Sonne deckt,
wird der Glaube siegend reifen,
der erst klärt, dann siegt und weckt.

Schein-bar

Quelle: Pinterest
Wenn Gott den Schleier hebt und wir erkennen,
sie stimmt, die längst verspürte Ahnung,
die Zu-fall, Ein-sicht oder Geistesblitz wir nennen,
dann öffnet sich die Tür zur Offenbarung.

Sind wir nur Körper? Erdverlass’ne Kreaturen?
Ist unser irdisch Reich nur Schein, nicht Wirklichkeit?
Nur Spiegelbild, sich ändernd seit Äonen,
die leere Form - des Lebens abgestreiftes Kleid?

Was wir für wesentlich und wichtig halten,
dient der Materie - freier Geist wird Knecht.
Er dient im Kerker der Naturgewalten,
gefang’nes Ego, wird sich selbst gerecht.

Die Erden-Geister sind zu Eis erstarrtes Wasser;
in tiefster Unbewusstheit schwingt das Leben.
Ein auf Erlösung festgelegtes Raster,
den Geist in sich, zum Ursprung strebend.

Nur bei gefühltem Glück, da bricht die Hülle,
wenn das Bewusstsein durch die Mauern schaut
und Freiheit sieht, den reinen Geist der Fülle,
der fruchtbar wird, wie Eis, wenn Licht es taut.

Des Lebens Kür

Ostern 1957 – Foto: Almuth Köhler

Ich mag in der Vergangenheit wühlen,
der alten Bilderkiste;
je mehr ich die Kindheit von damals fühle,
reis ich auf holpriger Piste.

Nichts ist mehr so, wie es einmal war,
die Gesichter der Kindheit sind fort.
Ich bilde mir ein, alle wären noch da
und sehe mein Leben dort.

Es gibt so vieles, das sie mich gelehrt,
viel Bitteres trenn ich vom Guten;
bin wieder Kind, denke: Ist es verkehrt,
Stunden von damals zu suchen?

Die Suche nach Gott ist des Schicksals Sinn,
das Leben ist eine Kür;
der Familie dank ich, für das, was ich bin. –
Nur, weil sie gelebt, bin ich hier!