
Metamorphische Winde
tragen die göttlichen Funken.
Träger des ewigen Geistes
bereiten sich
zur elementaren Vereinigung.
Irisierendes Licht,
bringt der Welt ein Leuchten
voller Lebendigkeit.
Gedichte und Poesie von Gisela Seidel über Gott und die Welt

Metamorphische Winde
tragen die göttlichen Funken.
Träger des ewigen Geistes
bereiten sich
zur elementaren Vereinigung.
Irisierendes Licht,
bringt der Welt ein Leuchten
voller Lebendigkeit.

Es liegen zurück schon so manche Jahre, voll fremder Gesichter und Avatare; als Bildchen bekannte, doch fremde Gestalten, fiktives Interesse an Worten und Walten und anscheinender Sympathie – ans Herz gewachsen sind sie, irgendwie. Die Bilder möchte man nicht mehr missen, und jedes ‚Like‘ kommt mir vor, wie das Grüßen eines Menschen, anonym und nie nah, der mir niemals die Hand reicht. Nur als Schein ist er da. Dann verschwindet er lautlos, ohne ein Wort, und man fragt sich traurig: Weshalb ging er fort? Man sucht die Schuld bei den eignen Ideen. Imaginäre Freundschaft? Wer kann das verstehen!? Genauso schnelllebig, wie diese Zeit, trägt Oberflächlichkeit ein gefühlloses Kleid. Wer früher im Telefonbuch stand, hat sich heute ins Internet verbannt; als anonymer Mensch, der sein Wesen verlor, geht er dort mit geschützten Daten d‘accord; taucht unter in der Menge der Namenlosen, und die Offenheit ist mit in die Tiefe geflossen.

Der Sommer bäumt sich auf, als wär’s das letzte Mal an dem er Trost und Licht sein kann; denn trotz August im Jahreslauf, trägt Sonnenlicht gedämpften Strahl, wie auch der Herbst ihn bringt alsdann. Die Vögel schweigen ringsumher, umflattern uns mit Schauer; er trägt den Hauch von Ewigkeit, die uns den Todesbecher reicht - nichts ist von langer Dauer. Alles geht fort! – Verlassensein durchstreift die alten Glieder. Man dreht sich um und ist allein, die Nächsten gehn - kein Blick zurück, sie kehren nie mehr wieder. Das Jahr geht ohne Wiederkehr, wie alle, die gegangen; die um mich lebten, sie sind hier - gedanklich einen Steinwurf weit, von Dunkelheit umfangen.

Wie bedeutungsvoll scheint jeder, der von sich behaupten kann, er, als leistungsstarker Streber, sei der wahre, ganze Mann. Frauen liegen ihm zu Füßen, denn potent strotzt er vor Geld, nehmen hin das Dienenmüssen – schließlich zahlt er ihre Welt. Frauenliebe kann verzeihen, auch den nicht so treuen Sinn. Um ihm Größe zu verleihen, nimmt sie seine Lügen hin. Sein Bewusstsein ist verschwiegen, wenn es nur sich selber sieht; alle Spiegelbilder lügen, weil er sich am meisten liebt. Und sein Drang genießt im Stillen, seine Lust machtvoll zu sein; er kennt nur den eignen Willen, sticht heraus mit falschem Schein. Hart und lieblos ist sein Leben, denn ihn schert kein andres Glück, Freuden, die im andere geben, gibt sein kalter Blick zurück. Selbstverliebt will er nicht sehen, dass der Spiegel ihn belogen; denn das schöne Bild wird gehen, mit dem er sich selbst betrogen.

Er schaut zum Himmel und sinnt, was dort oben, ein Träumer, be-geistert mit dem Jenseits verwoben. Er geht mit sorglosen, eiligen Schritten, nur ist ihm im Traumland das Hiersein entglitten. Seine Füße tragen nicht Körper, nur Geist, ein Gefühl, das die Zukunft mit Leichtigkeit weist. Vom Alltag geschieden, sehnt er sich weit fort, weg von den Bürden am irdischen Ort. Er glaubt an nicht sichtbare Dinge und Mächte, die ihm auf dem Weg Sicherheit brächten, doch im täglichen Leben liegen Hürden bereit - er muss sie nehmen, ist davor nicht gefeit. Über Steine des Weges, die zu überwinden, triumphierend, mutig, den Ausweg finden. Sie sind die Schwere auf täglicher Spur, die zum Fall bringen kann – eine Mahnung nur, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen, um in dieser materiellen Welt zu bestehen. Dann sind wir gestärkt in Charakter und Geist, der mit uns durch die zeitlosen Sphären reist.

Dies halbe Jahr ging wie im Flug, so wie die vielen, die vergangen; des langen Wartens ist’s genug, die Zeit, vertanes Bangen. Ob wiederkehrt, was lang schon fort? - Schicksalhaft war’s geschrieben. Es ging vorbei, ohne ein Wort, wie Wasser fortgetrieben. Die Zweisamkeit, das war mein Plan, doch sollt‘ es anders werden. Geblieben ist das Bild alsdann, vom letzten Kuss auf Erden. Auf Abstand ist mein Leben leicht, geht ohne Sehnsuchtsplage. Wie Rosen, die das Schicksal reicht, sind nunmehr meine Tage.
Ich friere - zum ersten Mal in diesem Sommer; im Raum ist’s kühl, und ich verliere mich im Anbeginn des Tages. Die Nacht war kurz, bedeckte das Gefühl von Gleichmut unter Träumen, mit Menschen, fremd, von unbekannter Zahl, von Häusern, die sich an den Straßen säumen. Ich schließ das Fenster, schaue zu, wie Regentropfen an der Scheibe gleiten; in meiner kleinen Welt, da hat ein Herbst begonnen - noch bricht ein großes Grün durch feuchte Zeiten. Es wuchert ungestüm, wird mehr, verdeckt den Schmutz der Mauerwand und auf dem Boden blüht ein gelbes Meer, das sich mit Frühlingslöwenzahn und Klee verband. Und aus dem großen Wolkennass, entleeren sich die Tränen, die der Himmel weint, zeigen die Welt im dunklen Sonnenglas, wie Buntpapier, durch das gedämpftes Licht durchscheint.

Wie verborgene Gründe,
die wie fruchtbarer Boden auf Saatgut warten,
welches in die heimlichsten Tiefen des Innern dringt,
um der Erde im erblühenden Reifen Frucht zu bringen,
warten die Bezirke der Seele auf Bewusstwerdung und Reifung,
auf Wachstum aus der Tiefe durch Antreiben der Lebenskräfte;
eine harte Schule, wie ein Kreuz, das getragen wird,
um die Züge Gottes im Schweigen der Einsamkeit des Lebens zu erkennen.

Zur Gewährung zwingend ist die Kraft, die vom Großen Geist durchdrungen Wege schafft. Bitte, die so ungeheuer flehend im Gebet, dass sie flügelgleich zum Himmel schwebt. Reine Wünsche, die der Gegenwart entfliehen, weil sie sehnsuchtsvoll im hohen Geist gediehen; schicksalshaft bestimmt, vom Menschen zu erfüllen, auf so vielen Wegen zugeführt, um Gottes Willen. Genannt „Zu-fall“, der sich naht in menschlicher Gebärde, ‚fällt‘ von oben her – dient der Mission der Erde. Um den eignen Seelenkern mit Licht zu füllen, wird er plötzlich Bild, entsteht im Stillen. Anzusehen, in der Hand zu halten, das Geschick, ist des Schaffens und des Handelns Glück, dabei nie die Herzen anderer zertreten, um emporzusteigen, über alle, die da flehten.

„Was die Leute sagen werden?“ - Mitbestimmer mancher Mächte. Wer denn wohl die „Leute“ sind, sind es Feinde, sind’s Gerechte? Überzeugungsstarke Kämpfer, sind sie aufrecht, Führer, Ringer, oder gar die Übermächte herdeninstinktiver Bringer? Sind’s die lärmend, lauten Vielen, wirren Moden unterlegen, die zuwider den Gesetzen, herrschen in Gesellschaftsspielen? Sogenannte „Feine“ spotten hinter Oberflächlichkeit und Häme; oder sind es die Kollegen, die vor Vorgesetzen ‚krochen‘? Diese Münder, lass sie reden, weich nicht ab von deinen Wegen. Weh, der Rückgratlosigkeit! Trete falschem Tun entgegen.