aus: Die Leiden des Jungen Werthers – J. W. von Goethe
Was weinst du, Kind? Weil deine Hoffnungen gestorben sind? Ach, Hoffnungen, die sterben können, sollst neidlos du dem Tode gönnen. Sie waren Schein, dem Leben lieh allein nur deine Seelenkraft, die immer wieder neue Hoffnungsbilder schafft.
Was weinst du, Kind? Es trug nur welke Blätter fort der Wind, doch deine Kraft des Grünens ist geblieben und schenkt dir größ’re Hoffnung, rein’res Lieben. Enttäuschung ist ein Meilenstein und misst den Weg und deine Kraft. Wohl dir, wenn er dir zeigt, wie nah das Ziel der Wanderschaft!
Was weinst du, Kind? Es war die Gotteshand, sie hat nur lind den Schleier von den Augen dir genommen. Das Ende deiner Täuschung ist gekommen, und du erschaust die Wahrheit, und erbaust ein neues Hoffnungsbild, das nicht von dieser Erde ist und darum ewig gilt!
Bezaubernde Klänge in verwunschenen Stätten,
wo schlafende Zwerge in duftigen Betten,
Glühwürmchen Flimmer am lichten Tag,
ein grünender Garten, vom Moos überragt.
Eine fremde Welt, traumhaft und schön,
mit Wiesen, zum bunten Spazierengehen.
Die Luft so klar, die Wege so rein -
es muss ein Fleckchen Himmel sein.
Es riecht nach frisch gebackenem Brot,
das Leben ist heiter und kennt keine Not.
Am offenen Feuer Gemütlichkeit,
nur Ruhe strömt in den Raum, ohne Zeit.
Endloses Leben im Geist der Natur,
ohne Modewirren auf beglückender Spur.
Die Stufen zur Heimstatt mit Freuden gehen,
den Wundern begegnen, die wir übersehen.
Die Augen öffnen für das Schöne im Geist,
die Fantasie, die mit uns in die Traumwelt reist.
Wo das Leben sich vor uns Menschen verneigt
und der Große Geist seine Liebe zeigt.
Heimspiel klingt im ersten Moment nach einem sportlichen Ereignis, das im Stadion eines örtlich ansässigen Vereins stattfinden soll. Dort kann man dann den Heimvorteil nutzen, denn für viele Anhänger, die einem begeistert zujubeln, siegt es sich leichter. Da schadet es auch nicht, wenn sich die Mannschaft aus Spielern verschiedener Nationalitäten zusammensetzt, die gewiss dort nicht zu Hause sind. Denen ist es ganz gleich, für welchen Verein sie spielen, wenn nur die Bezahlung stimmt. Daheim spielt man das meiste Geld in die Kassen – ganz unsentimental.
Der Geburtsort, der im Pass steht, macht noch kein Heimatgefühl. Ich denke, man ist dort daheim, wo man geliebt wird, wo Menschen sind, denen man vertrauen kann, von denen man angenommen wird. In familiären Kreisen sollte das so sein, doch oft herrscht dort genau das Gegenteil. Familie kann formend oder zerstörend sein; man findet dort entweder Zuwendung oder Ablehnung. Die Gene spielen dabei keine große Rolle. Der Körper ist nur ein Kleid. Der Geist, der darinsteckt, stammt woanders her. Man bleibt sich trotz der Blutsverwandtschaft ein Leben lang fremd. Heimat ist demnach nicht gleich Familie.
Es gibt Momente im Leben, da fühlt man sich wie ein Außerirdischer; besonders dann, wenn man nicht „dem Rudel“ folgt, sondern ganz eigene Wege geht. Nach vielen Erfahrungen kann man der weltlichen Be-geisterung irgendwann nicht mehr viel abgewinnen; dann erst wendet man sich nach innen. Die irdische ‚Schwerkraft‘ zieht so stark herunter, dass es Mühe macht, das Profane vom Heiligen zu unterscheiden. In solchen Lebenssituationen sehnt man sich eine ganz andere Heimat herbei, einen Garten Eden, ein reines, heiliges Haus…das Haus Gottes.
Die Stille ist die Heimat, aus der wir kommen, der Schoß der Mutter, in den wir zurückkehren möchten. Sie ist ein Kraft spendender Speicher, der uns die Tage leichter ertragen lässt. Wenn wir das Eins-sein mit Gott trotz der weltlichen Getrenntheit spüren, dann zieht es uns hin zur Stille. Dort können wir wieder heil und vollkommen werden.
Aber da gab es noch einen anderen Heimatlosen, vor 2000 Jahren, der von sich sagte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“. Wie mag er sich gefühlt haben? Wie einsam muss er gewesen sein; weltverlassen und doch ganz und gar vom Göttlichen… von Heimat erfüllt!
Wie schwer ist es, gegen den Strom zu schwimmen!
Manch einer scheint darin unterzusinken,
wie im tiefen Wasser der fließenden Zeit,
wo kein rettendes Ufer, keine Hilfe bereit.
Die Trübnis des Lebens hinter sich lassen,
nichts mitnehmen und den Müll auf den Straßen,
wie die Taten gegen den Geist dieses Lebens,
verwandeln in ein Bewusstsein des Gebens.
Unsere todkranke Zeit hör ich flehen und rufen,
als würde sie Hände streckend Hilfe suchen.
Die moderne Kultur, oberflächlich und frevelhaft,
schaufelt längst entgottet ihr eigenes Grab.
Man weint um den eigenen Seelenfrieden –
hat sich ausgelebt und ergötzt, dem Geld zu dienen,
das durch stolze Technik und Wissenschaft
der Menschheit erschauernde Wahrheiten schafft.
Doch in Heimwehnächten, die sternenlos,
wird Sehnsucht nach höheren Werten groß.
Das sind Stunden der großen und guten Gedanken,
wo über den Schutt der Zeit weiße Blüten ranken.
Wenn ich doch sagen könnte, wovon die Seele in mir spricht!
Flüchtig und mild gibt sie sich manchmal ein Gesicht;
als wohlbekannter Duft, der nach Zuhause riecht,
ist sie dann Hauch, der blütenhaft umschwebt,
wo das, was war, vergeistigt weiterlebt;
gefiltert ist das Licht, das sie umhüllt,
quillt über sich hinaus, verklärt ihr Bild.
Bewusstsein, wohl gespeist von jenem Klang,
durch den sie wächst und träumt - ein Leben lang.
Wir sehen nur einen Ausschnitt des grenzenlosen Universums, mit allen Facetten des Lebens, die sich mit den Gesetzen der Natur in der Unermesslichkeit ihrer gigantischen Reichweite entfalten. Gleich einem Panorama nach universellem Plan, geschaffen durch den unendlichen Baumeister, der seine göttliche Intelligenz trägt, wie eine Krone, geleitet von Weisheit und Liebe.
Du kennst keinen Anfang und kein Ende, und vieles können wir in Deiner Fülle nicht verstehen, weil unsere Vorstellungen endlich sein müssen.
Wir wissen, dass Du kein eifersüchtiger Despot bist, wie die Kirchen heute noch lehren. Du bevorzugst niemanden und triffst keinen Menschen mit Deinem Fluch.
Du bist Steuermann all der Gesetze, die Du erschaffen hast, Richter, der dadurch die Folgen der Polaritäten des Lebens steuert, so dass Ursache und Wirkung unabänderlich und unumstößlich aufeinander folgen.
Wir suchen nach Deiner Wahrheit, um aus dem Schatz Deines All-Wissens Erkenntnisse zu gewinnen, die uns im tiefen Innern unserer Seelen fühlen lassen, dass wir auf der ewigen Suche den richtigen Weg finden werden.
Wie verborgene Gründe, die wie fruchtbarer Boden auf Saatgut warten, welches in die heimlichsten Tiefen des Innern dringt, um der Erde im erblühenden Reifen Frucht zu bringen, warten die Bezirke der Seele auf Bewusstwerdung und Reifung, auf Wachstum aus der Tiefe durch Antreiben der Lebenskräfte; eine harte Schule, wie ein Kreuz, das getragen wird, um die Züge Gottes im Schweigen der Einsamkeit des Lebens zu erkennen.
Zur Gewährung zwingend ist die Kraft,
die vom Großen Geist durchdrungen Wege schafft.
Bitte, die so ungeheuer flehend im Gebet,
dass sie flügelgleich zum Himmel schwebt.
Reine Wünsche, die der Gegenwart entfliehen,
weil sie sehnsuchtsvoll im hohen Geist gediehen;
schicksalshaft bestimmt, vom Menschen zu erfüllen,
auf so vielen Wegen zugeführt, um Gottes Willen.
Genannt „Zu-fall“, der sich naht in menschlicher Gebärde,
‚fällt‘ von oben her – dient der Mission der Erde.
Um den eignen Seelenkern mit Licht zu füllen,
wird er plötzlich Bild, entsteht im Stillen.
Anzusehen, in der Hand zu halten, das Geschick,
ist des Schaffens und des Handelns Glück,
dabei nie die Herzen anderer zertreten,
um emporzusteigen, über alle, die da flehten.
Aus den Wurzeln neues Leben,
neue Triebe, Licht beseelt,
will sich hin zum Himmel heben,
wie von ferner Kraft gestählt.
In des Baumes hohem Schweigen,
fließt die Kraft aus Lust am Sein;
von Natur getränkte Ströme
heben ihn im Sonnenschein.
Trotzig, wie zerbrochene Türme,
stehn im Zeichen wilder Zeit,
von Gewittern und den Stürmen,
Kronen im zerteilten Kleid.
Eine segnende Gebärde
ist sein stiller Dienst allein,
dient dem Himmel wie der Erde,
will ein Lächeln Gottes sein.
Es eilt des Lebens Fahrt vorbei an Freud’ und Leid, nie hält es an, erst, wenn das Ziel erreicht, steht es im Trauerkleid.
Was kommt nach dem Tod?
Diese Frage beschäftigt uns alle früher oder später und niemand weiß eine Antwort darauf.
Wenn man jung ist, steht das Leben im Mittelpunkt. Die Frage nach dem Tod scheint dann nicht wichtig. Er wird verdrängt, sogar verleugnet. Es kann doch gar nicht sein, dass die Lebenskraft vergeht, fast unmerklich, wenn sie nicht plötzlich durch ein großes Unglück genommen oder durch Krankheit eingeschränkt wird.
Ewiges Leben, bewusst, in einem einzigen menschlichen Körper, ist für mich persönlich eine Horrorvorstellung. Sterben und Vergehen bietet Raum für Neuwerdung und Verwandlung. Dann kommt der Tod als Freund.
Menschen hoffen schon immer auf ein ewiges, körperliches Dasein. Wie würden sie sich im Schlaraffenland langweilen, wo Überfluss herrscht und schöne Eintönigkeit?! Die Juden und andere Glaubensgemeinschaften warten bereits seit ewigen Zeiten auf den Erlöser, den Messias, der das Gleichgewicht und die Gerechtigkeit auf dieser Welt wiederherstellt.
Für mich sind Überlegungen vom materiellen Paradies auf Erden Utopie. Dieses Paradies befindet sich auf einer anderen, geistigen Ebene. Dort, wo es weder Tod noch Krankheiten gibt, nur ewige Glückseligkeit, von der alle Propheten, Dichter und Denker schrieben.
Ich freue mich, wenn ich meinen alten Körper irgendwann ablegen darf und auf mein Zuhause bei Gott, ganz egal wie das aussehen mag. Sind wir nicht alle wie die Schmetterlinge? Den alten Kokon abstreifen, der uns solange gequält hat und mit offenen Flügeln dem Licht entgegen fliegen!
Wir alle haben vergessen, woher wir einst kamen, doch manchmal scheint uns eine vage Erinnerung mitten ins Herz hinein.
Auch, wenn ich „nur“ als winzige Spur wieder ein Teil des Ganzen werden sollte, und die Persönlichkeit meines jetzigen Lebens sterben wird, wie alle davor, vertraue ich darauf, dass meine Ur-Seele in ihrer Einzigartigkeit erhalten bleibt.
Der Tod trennt Körper und Seele, diese beginnt mit der erreichten Entwicklungsstufe ihr neues Leben. Sie kann nicht höher und nicht niedriger sein als das, was sie ist. Das Naturgesetz hat Kenntnis von jedem einzelnen Faktor und übt Gerechtigkeit. Man bestraft sich selbst, genauso wie man sich selbst belohnt, durch jede Handlung, die man vornimmt. Der Mensch wächst oder versagt durch sein eigenes Leben. Er erlöst oder verdammt sich selbst durch seine Taten.
Immer ist das, was Gott für alle Menschen nach dem Tod vorgesehen hat, sinnvoll und gut.
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