Assimilation

= Angleichung eines Einzelnen oder einer Gruppe an die Eigenart einer anderen Gruppe, eines anderen Volkes

Bild von Ri Butov auf Pixabay

Man denkt, dass die Entwicklung der Menschheit langsam vorwärtsschreitet. Jedoch scheint es den Menschen auch heute noch nicht zu gelingen, aus ihrem „Steinzeit-Verhalten“ herauszukommen.

Wer meint, der in die Welt gesetzte Antisemitismus würde vor allem durch die bildungsferne Schicht verbreitet, liegt falsch. Der unterschwellige Judenhass der Bevölkerung, wurde durch teils offenen Antisemitismus vieler Studentenverbindungen befeuert, zu dem die Kirchen das nötige ‚Brennmaterial‘ lieferten. Kirchgänger wurden manipuliert: „Juden sind böse. Sie haben unseren Jesus ans Kreuz geschlagen.“

Nicht nur die katholische Kirche hat dies der ungebildeten Gesellschaft vermittelt, auch die evangelische Kirche und Martin Luther hat durch seine negativen Äußerungen „…das Judentum sei eine von Gott verdammte Religion, weil sie Jesus von Nazareth nicht als den Messias anerkennen“, dazu beigetragen. Das Relief „Judensau“ an der Stadtkirche in Wittenberg, das um 1200 entstanden ist, sollte Juden ausgrenzen, verhöhnen und demütigen. Noch immer ist es dort als historisches Denk-mal zu sehen.

In seinem Lustspiel „Die Juden“ hatte Gotthold Ephraim Lessing diese positiv dargestellt. Aber die Stimmen der Kritiker verstummten nicht, die da behaupteten, einen anständigen und edlen Juden gäbe es gar nicht.

Die seit Generationen hier lebenden Juden warteten vor ca. 200 Jahren zunächst auf die Einbürgerung, wonach sie sich trotz aller antisemitischen Anfeindungen zur Einheit von Deutschsein und Judesein bekannten. Sie waren stolz darauf, Deutscher und Jude zu sein.

Nach Erhalt der Bürgerrechte hatten sie darauf gehofft, dass es viele Generationen später vielleicht keinem einzigen Menschen mehr einfallen wird, zu bezweifeln, dass sie Deutsche sind.
Sie haben ihre religiöse Kultur mit Würde getragen und sich selbst als Deutsche gefühlt und wollten als Deutsche wirken. Doch Ressentiments zwischen Juden und Christen erschwerten den Alltag, obwohl jüdisch erzogene Männer im 1. Weltkrieg für Deutschland gefallen sind.

So ist es heute noch in Deutschland. Auch heute warten die ausländischen Mitbürger auf Einbürgerung und Arbeitserlaubnis. Wird es die erhoffte Zugehörigkeit nur auf dem Papier geben?

Menschen sind wie Tiere, die ihr Revier verteidigen wollen, wenn es darum geht, andere Kulturen, Hautfarben und Religionen zu akzeptieren.

Solch ein Verhalten geht immer erst von Erwachsenen aus, die sich durch bösartige Lügen in das positive Denken der Kinder einmischen. Meine Eltern hatten mir beispielsweise verboten, mit einem italienischen Mädchen zu spielen, weil ein deutsches Kind nicht mit einem ausländischen spielt.

Jüdische, muslimische und christliche Erwachsene würden in einträchtiger Weise miteinander verkehren, wenn sie dies bereits als Kinder getan hätten. Für Kinder ist es natürlich, die gegebenen Verhältnisse anzunehmen; ihnen ist alles neu, und wenn anders, dadurch spannend. Sie würden von selber nie auf den Gedanken kommen, dass man gegen Menschen von anderer Haut- und Haarfarbe oder anderer Nasenbildung auch ein anderes Verhalten zeigen müsse.

Ich finde es schlimm, wenn Menschen auf die Bezeichnungen „Jude“, „Migranten“ oder „Ausländer“ reduziert und deshalb ausgegrenzt werden. Fremdartige Speisen, andere Feiertage, andere Gotteshäuser, ja selbst auch andere Sprachen – haben wir uns daran noch nicht gewöhnt!? Deutsche reisen durch die ganze Welt und lieben ‚ausländisches‘ Essen. Nur, wenn zu viel Fremdes die Heimat ‚verfärbt‘, schließen sie schnell die Türe.

Es wird Zeit einander schätzen zu lernen und nicht mit Demütigung auf andere herabzublicken. Es ist wie beim Bruchrechnen: Es gibt immer einen gemeinsamen Nenner!

Qual der Wahl

Vintage Grafik – Pyramide des Kapitalismus, Quelle: Pinterest
Entflieht den Wirren dieser lauten Tage,
in der die Wahl der Wägbarkeiten zur Bedrängnis wird,
als Hin und Her der Meinungen und Fragen,
Unvorstellbares als möglich präsentiert.

Es brodelt in den Töpfen des Geschehens -
zu viele Köche, die den Alltag uns verderben;
seh sie entkleidet, ohne Masken stehen,
die nicht ihr wahres Innerstes verbergen.

Getäuscht! – Wie alle Bilder gleichen.
Wer geht den Heilands Weg im Menschentum?
Wollt ihr dem Volke Schierlingsbecher reichen?
Geht die Welt dunkle Wege, nur für Macht und Ruhm?

Ihr Gottesleugner, faltet nur die Hände! -
Trotz „C“ habt ihr Ihm abgeschworen.
Nomen est omen! – Zeichen nur, nicht Wende.
Nach Golgatha folgt lichtvoll Ostermorgen!

Der Schutzengel

von Rainer Maria Rilke

Quelle: Pinterest
Du bist der Vogel, dessen Flügel kamen,
wenn ich erwachte in der Nacht und rief.
Nur mit den Armen rief ich, denn dein Namen
ist wie ein Abgrund, tausend Nächte tief.
Du bist der Schatten, drin ich still entschlief,
und jeden Traum ersinnt in mir dein Samen, –
du bist das Bild, ich aber bin der Rahmen,
der dich ergänzt in glänzendem Relief.

Wie nenn ich dich? Sieh, meine Lippen lahmen.
Du bist der Anfang, der sich groß ergießt,
ich bin das langsame und bange Amen,
das deine Schönheit scheu beschließt.

Du hast mich oft aus dunklem Ruhn gerissen,
wenn mir das Schlafen wie ein Grab erschien
und wie Verlorengehen und Entfliehn, –
da hobst du mich aus Herzensfinsternissen
und wolltest mich auf allen Türmen hissen
wie Scharlachfahnen und wie Draperien.

Du: der von Wundern redet wie vom Wissen
und von den Menschen wie von Melodien
und von den Rosen: von Ereignissen,
die flammend sich in deinem Blick vollziehn, –
du Seliger, wann nennst du einmal Ihn,
aus dessen siebentem und letztem Tage
noch immer Glanz auf deinem Flügelschlage
verloren liegt...
Befiehlst du, dass ich frage?
Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Gott sei Dank!

Evening glow – Andrii Kateryniuk (*1994)
Du bist am Morgen mein Beginnen,
am Abend bist Du meine Rast;
wenn manche Tage wirr beginnen,
dann bist Du’s, der’s in Rahmen fasst.

Du lässt gedankenfrei mich träumen,
wenn ich im Geist der Nacht versinke;
flutest mit Atemluft die Räume,
hältst mich, damit ich nicht ertrinke.

Du schenktest mir die Zeit des Lebens,
was sinnlos schien, ist längst ein Wissen;
bist mir der Sinn all meines Strebens,
bist mir ein Wollen, nicht ein Müssen.

Nachtzeit des Lebens

Quelle: Pinterest
Zünde ein Licht an in der Nachtzeit des Lebens,
wag dich durch das Dunkel, Schritt für Schritt;
wenn deine Füße über Hindernisse schweben,
dann hebt der dienende Geist dich ein Stück.

Mache Fragliches fassbar, beleuchte die Seiten,
manchmal wird der Grund dir unsicher scheinen;
geh durch all die quälenden Unwägbarkeiten,
lass die Stille in dir die Verwirrtheit verneinen.

Der Erkenntnis der Wahrheit reiche die Hände,
sie leitet auf sicherem Wege dein Schaffen;
folge der Weisheit durch erschlossnes Gelände,
wo große Empfindungen weinen und lachen.

Heulende Wölfe

Der Wolf in mir, ist wieder erwacht.
Er geisterte durch die Vollmondnacht,

die Lefzen triefend, die Zähne gefletscht,
zog er durch die Stadt, wie vom Teufel gehetzt.

Ist nur der Vollmond! - Wer ließ ihn frei?
Wer sprach die verbotene Litanei?

Was willst du in mir, du Seelendunkel?
Bist nur ein Trugbild im Vollmond-Gefunkel.

Deine roten Augen fürchte ich nicht!
Bist nur von Nacht gesponnenes Licht.

Wie der Mond versteck ich die dunkle Seite,
dass man verkennt, was ich selbst nicht begreife.

Es gibt viele Wölfe im eigenen Lande,
fürchten das Licht, wie die Treiberbande.

Wenn die Sterne tief am Nachthimmel stehen,
hör ich sie heulend den Mond anflehen.

Hell und Dunkel im Streit - ein Für und Wider!
Mondscheintraum – tiefgründiges Auf und Nieder.

Was ist die Welt?

von Hugo von Hoffmannsthal

Quelle: Pinterest
Was ist die Welt? Ein ewiges Gedicht.
Daraus der Geist der Gottheit strahlt und glüht,
daraus der Wein der Weisheit schäumt und sprüht,
daraus der Laut der Liebe zu uns spricht.

Und jedes Menschen wechselndes Gemüth,
ein Strahl ist’s, der aus dieser Sonne bricht,
ein Vers, der sich an tausend and’re flicht,
der unbemerkt verhallt, verlischt, verblüht.

Und doch auch eine Welt für sich allein,
voll süß-geheimer, nie vernomm’ner Töne,
begabt mit eig’ner, unentweihter Schöne,
und keines Andern Nachhall, Widerschein.
Und wenn du gar zu lesen d’rin verstündest,
ein Buch, das du im Leben nicht ergründest.

Hugo von Hoffmannsthal (1874-1929)

Materie und Geist

Quelle: Pinterest
Nicht trennbar sind die Elemente,
auch nicht Materie und Geist;
sie sind verbunden, die Latenten,
die Geist zu kontrollieren weiß.

So richtet Ausmaß der Kontrolle,
sich nach Materie bedingter Regel,
sie zieht heran des Geistes Rolle,
der prüft die Richtung unserer Segel.

Gemeinsam machen sie Erfahrung,
sich zu entfalten, zu entwickeln,
werden des Lebens Offenbarung
als Funken Göttlichkeit vermitteln.

Wintermüde

Friedlich, unter Wintererde,
träumt der Frühling vom Erwachen;
der schon lang im Schlaf verfangen,
will sich auf die Reise machen.

Bald schon färbt im kühlen Grunde,
er die Erde bunt und grün;
Tränentuch und dunkle Wolken,
lässt er mit dem Winter ziehn.

Noch im Traum, geschlossnen Auges,
streckt er die gelähmten Flügel,
schüttelt ab die Winterschwere,
bricht das Jahreszeiten Siegel.

Kalt und keusch, die ersten Lichter,
mondbeglänzt die dunklen Auen;
zaubert Helle den Gesichtern,
Sonnenschein und Urvertrauen.

Wer die Wahl hat

Bild von Arek Socha auf Pixabay
Das Schicksal dieser Tage, unumgänglich,
als nicht vermeidbar mögen sie dir scheinen;
das Resümee daraus – es ist vergänglich,
die Wahl aus vielen Möglichkeiten eine.

Du wählst den Weg nach deinem Wollen;
lass ruhig um dich die Massen toben,
bring einen schweren Stein ins Rollen.
Die Inhaltslosen schwimmen immer oben!