Blumenstrauß

Maler unbekannt

Du Blütenpracht, die du gen Himmel strebst,
wächst weit hinaus aus deiner Vasen-Gruft,
obwohl du wurzellos in stillem Wasser stehst,
ringst du mit letztem Drang nach Lebensluft.

Noch ist dein Grün so frisch und deine Blüten prahlen,
nur ein paar Tage schmückst du diesen Raum,
doch dann zerfällt dein lebensfrohes Strahlen,
und schnell vergeht der erste Frühlingstraum.

Schmerz

Es schmerzt so sehr:
Ich lese deinen Namen!
Er streut mir Salz
in meine offnen Herzenswunden.
Aus meinem Leben längst
verschwunden, bist du…
und immer noch kein „Amen“.
 
Weiß nicht was wird.
Hab’ keine Ziele mehr und kein Warum!
Ich sah im Traum dich gehen…
abgewandt und stumm,
und neben mich trat ein
Kapuzenmann in schwarzem Lein’.
Seitdem du gingst, steh’ ich mit ihm allein.
Der Tod ist gnädig, trotzdem fürcht’ ich ihn.
Er ist so kalt und fordert tausend Tränen.
Die Einsamkeit quält mich mit wehem Sehnen,
und Finsternis liegt mir auf Leib und Sinn.
 
Weiß nicht was wird.
Hab’ keine Träume mehr und kein Wofür.
Nicht ein Mal schautest du dich um nach mir,
nicht ein Gedanke mehr für mich…kein Wort!
 
Weiß nicht warum…
Du gingst ganz einfach fort.

Wochenende

Herzweh statt Freude,
verhaltenes Warten,
Blick auf die Uhr.
 
Gedanken,
bedrückend, verharrend im Leide,
wartend und hoffend,
von Glück keine Spur.
 
Lösung?
Nicht dürfen,
nicht können,
nicht wollen!
 
Fragen ins Leere!
Steht Pflicht vor Gefühl?
 
Abwenden,
leugnen,
Achtung zollen,
Gefühle der Anderen –
ein bitteres Spiel.
 
Ausweg?
Bringt Trennung!
Auf steinigen Wegen,
Wandel,
der schmerzhaft
das Neue gebiert.
 
Zeit und Geduld?
Ein klagendes Streben,
das meine Tage
mit Trauer verziert.
 

Irgendwann

Irgendwann, da werde ich dich fragen!
Fern noch liegt der Tag in grauer Zeit.
Irgendwann in jenen Frühlingstagen,
wählst du für uns zwischen Glück und Leid.
 
Wirst du bleiben oder trennt für immer
deine Wahl uns, ohne ein Zurück?
Bringt mein stärkstes Hoffen nimmer
wieder mir das größte Lebensglück?
 
Wirst du gehen, niemals wiederkehren,
wenn dein Mund die letzte Wahrheit bringt?
Nur mein banges Herz wird aufbegehren,
wenn meine Seele mit dem Teufel ringt.
 
Löscht du die Sonne mir in dieser Welt,
bleib ich alleine, hier, in meiner Einsamkeit.
Wenn hinter dir der schwere Vorhang fällt,
wird sich das Sterben zeigen, vor der Zeit.
 
Denn mit dir geht all meine Kraft, mein Heil, 
du trägst in deinem Herzen meinen Geist,
wie einen Schatten – deiner Seele Teil,
der mit ihr durch die Ewigkeiten reist.

Bittere Neige

Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski 1817-1900


Ich liebe dich so sehr, dass ich vergaß,
dass wir nicht Eins sind, sondern zweigeteilt.
Ich liebe dich so über jedes Maß,
dass mich die Trennung wie ein Todeskampf ereilt.
 
Ich habe nächtelang gelegen und gewacht!
Wer einst zusammenführend uns gelenkt,
der kann nicht Absicht haben und bedacht,
die Liebe hindern, weil er uns nun trennt.
 
So wie ein Leuchtturm steh’ ich, felsenfest;
du kennst den Weg zurück, er steht dir frei.
Noch schüttelt mich der Neige bittrer Rest,
des Daseins Kelch dir abgenommen sei.
 
Was fürchtest du? Du bleibst in deiner Welt.
Doch ihrer Ordnung dienst du nicht allein!
Der Seit an Seit uns zueinander stellte,
wird Planer unsrer Lebenswege sein.
 
Bringt dich die Liebe einst zurück zu mir,
gelenkt von ihm, der einzig weiß warum,
dann öffnet er uns Herz und Seelentür
und wandelt Tod in neues Leben um.
 

Durchlebte Zeit

Foto: Gisela Seidel


 

Wie schnell die Zeit läuft,
wenn du bei mir bist,
wie sie zu stehen scheint,
wenn du mich küsst;
wenn deine Hände sanft auf meinem Körper gleiten,
dann ist es so,
als würden die Sekunden schleppend schreiten,
und sich nur zögernd mit den Strömen der Vergänglichkeit verbinden,
als müssten unsre Seelen sich in ihren Tiefen wieder finden.
Nur unsre Liebe hilft uns aus dem irdischen Geschehen,
hinüber in die zeitenlose Dimension zu gehen.
Wenn unsre Geister sich im Über-All verbinden,
dann werden wir uns in den fernen Himmeln wieder finden,
die wir verlassen mussten schon vor Ewigkeit;
nun fanden wir uns auf der Erde wieder,
hier und heut.
Wenn mir dein Augen-Blick wie ein Versprechen scheint,
das uns nicht erst in der Unendlichkeit vereint,
dann werden mir die Tage lang und endlos scheinen,
und in der Zeit des Wartens werd‘ ich bittre Tränen weinen.
Du gabst mir nichts,
nur deine Liebe gabst du, deinen lieben Blick,
doch brachtest du mir das Elysium in diese graue Welt zurück.
Gib mir die Hand für eine lebenslange Reise durch die Zeit,
sag niemals, unsre Liebe sei Vergangenheit.

Still sein soll mein Herz

www.mondlicht08.de

Still sein soll mein Herz –
 kann im tiefen Schmerz
 keine schwere Last mehr tragen,
 will verzagen an der Welt,
 an den vielen bangen Fragen,
 die uns unsre Liebe stellt.
 Oft trifft die Erkenntnis bitter
 in den weichen Seelenkern,
 und der letzte Hoffnungsstern
 glänzt mir trübe durch die Gitter.
 „Einzelhaft – ein Leben lang!“,
 hör ich meine Seele klagen.
 Werde niemals mehr befreit,
 will und kann es nicht ertragen!
 Wenn der Kerkertüre Schluss,
 sich vollzieht durch deine Hände,
 fällt des Schattenbildes Guss
 hier an die Gefängniswände,
 und dein Bildnis schwebt im Raum,
 um schnell wieder zu verblassen.
 „Irgendwann muss ich dich lassen!“,
 flüstert es mir leis‘ im Traum.
 Kann das Schicksal nicht verstehen –
 es erscheint mir wie ein Hohn!
 Bleibt mein Wunschbild – Illusion?
 Und beim traurigen Erwachen,
 höre ich das Schicksal lachen:
 Es trägt Deiner Stimme Ton!
 

Abstand

Johann Heinrich Vogeler 1872-1942

Wie ein Dolchstoß traf mich dieses Wort,
wie ein Pfeil durchdrang es Mark und Bein.
Aus, vorbei! – Ein kurzer Schlussakkord,
klang mir warnend tief ins Herz hinein.
 
Wo vor nicht allzu langer Zeit
Nähe und Verbundenheit bestand,
löst nun dieses messerscharfe Wort
für ewig unser ‚untrennbares‘ Band.
 
Nichts blieb mir, nur Leere, Illusion.
Abstand halten, wird zur Zukunftspflicht.
Trifft mich doch dein harter Liebeslohn
wie ein Faustschlag mitten ins Gesicht.
 
 Deiner Liebe hab‘ ich blind vertraut,
doch sie war ein langes Trauerspiel.
Wo normal sie Zukunftsschlösser baut,
hattest du nicht einen Stein, – kein Ziel.
 
 Alles nahmst du mir, nichts bleibt zurück.
Scherben kann man kleben, Herzen nie!
Kreuzt sich dennoch unser Weg ein Stück,
werd‘ ich Abstand halten…irgendwie.

Getrennte Wege

Der lange Weg, er teilt sich in der Mitte
Und jeder Abzweig strebt ins Nirgendwo.
Du wähltest deinen Weg, mit festem Schritte,
längst bist du weit von mir, im Irgendwo.
 
Hast ein Kleinwenig noch am Horizont gestanden.
Hast deinen Kopf nach mir gewandt ein letztes Mal.
Als meine Hoffnungen mit dir im Nichts verschwanden,
hab ich geweint in langer, stiller Qual.
 
Du ließest mich zurück. Im Alltagstreiben
war mir dein Leben völlig abgewandt.
Wenn tausend Dichter ‚schön’ von Liebe schreiben,
dann haben sie die unsre nicht gekannt!
 
Was mir ein Glück zu sein schien, war kein Segen,
es war nur Illusion, ein Tränenhort.
Die spülten wie ein sintflutart’ger Regen
all unsre Herzverbundenheit hinfort.
 
Die ‚kalten’ Augen wähltest du! Die warmen
sind doch längst trüb geweint, vom Gram ganz alt. 
Du lässt dich von Erinnerung umarmen
und willst nicht sehn: Die Gegenwart bleibt kalt.
 
Noch fühlen wir Gedanken. – Sie vergehen!
Erinnerung verblasst – der Weg ist weit!
Und unsre Liebe blieb am Wegkreuz stehen,
bald liegt sie tief unter dem Schnee der Zeit.

Gewissheit

Es wird noch lang so bleiben,
und ich fürchte mich:
Nur eisiges Schweigen
zwischen den Wänden –
und ich!
 
Da ist kein ‚Wir’,
das sich im ‚Uns’
verschließt – kein ‚Du’.
Kein Vogel singt
ein Lied für
‚unsren’ Tag!
 
Mit Sonnenhänden
hast du mich berührt,
und Hoffnung in den
Garten meiner Seligkeit
gepflanzt.
 
Doch ewig bist du fern,
und wo die andern Pärchen
liebend beieinander sitzen,
da ist kein Platz für uns.
 
Du sitzt mit andern –
nicht mit mir!
 
Dort, wo die Hoffnung
in mir wuchs,
blüht einzig wehes Bangen,
denn deine Sonnenhand,
sie brannte mir
Entsagen in das Herz.
 
Die Tage ohne dich
sind dunkel mir und kalt,
und alle Wege, die ich jemals
ging mit dir,
sie liegen traurig, tot im
Schatten unsrer Liebe.
 
Bitte, komm bald!