Oh Mond – jetzt ist es gut! Lass deinen silbrig fahlen Glanz verdunkeln. Du musst nicht heller als die Sterne funkeln. Machst in mir Wut!
Du kleine Leuchte dort am Himmel, besiegst den mächt’gen Arm des Schlafes, kenn schon den Namen jenes letzten Schafes, das ich gezählt, im Nachtgewimmel.
Tauche in Dunkel deine silbrig grauen Fäden, spinn nicht mehr ein, was nur der Nacht gehört! Der neue Tag klopft schon – du bist es, der ihn stört. Die Helligkeit greift durch die Fensterläden.
Entzweit sein, werden wir und einsam verloren sein, uns fühlen wie ein Kind, das Dunkelheit umhüllt verlassen, sich fürchtet, als sei‘s plötzlich blind.
Blühendes Leben, golden war’s beschienen, voll Lebensübermut und Zuversicht; das innere Kind spielt zwischen den Ruinen, sieht nur die Furcht im Dunkeln, ohne Licht.
Entreißt das Schicksal Menschen, was sie lieben, verliert ihr wundes Herz den Lebenssinn. Das, was verwachsen und im Geist getrieben – mit Herzblut geht ein Teil verloren und dahin.
Das innere Kind, gebrannt in Seelenflammen, ergab sich mit gebundenen Händen unter Tränen; es glimmt ein letztes Glühen in den Herzenskammern, ist wohlverborgen unter Asche reichem Sehnen.
Des Menschen Seele Gleicht dem Wasser: Vom Himmel kommt es, Zum Himmel steigt es, Und wieder nieder Zur Erde muß es, Ewig wechselnd.
Strömt von der hohen, Steilen Felswand Der reine Strahl, Dann stäubt er lieblich In Wolkenwellen Zum glatten Fels, Und leicht empfangen, Wallt er verschleiernd, Leisrauschend Zur Tiefe nieder.
Ragen Klippen Dem Sturz entgegen, Schäumt er unmutig Stufenweise Zum Abgrund.
Im flachen Bette Schleicht er das Wiesental hin, Und in dem glatten See Weiden ihr Antlitz Alle Gestirne.
Wind ist der Welle Lieblicher Buhler; Wind mischt vom Grund aus Schäumende Wogen.
Seele des Menschen, Wie gleichst du dem Wasser! Schicksal des Menschen, Wie gleichst du dem Wind!
Wenn das Laubwerk fällt ist so kühl die Welt. Wie ein letztes Scheiden, ist das bunte Treiben; pendeln sich im Schwingen hin zum Neubeginnen, Blatt für Blatt im Wind.
Ewig neues Leben ist der Schöpfung Streben. Geben, wie die Bäume tragen Frühlingsträume, Ruhezeit und Frieden – Menschen sei’s beschieden, denn der Herbst beginnt.
Ich sehe die Welt am Abgrund stehen, harrt dort aus mit wehenden Fahnen. Ich weiß, noch weiter darf sie nicht gehen, denn die Tiefe kennt kein Erbarmen.
Generationen liegen in ihr begraben, suchten Schutz durch weltliche Götter; gefallen sind nicht nur Krieger, es starben auch Fromme, Heuchler und Spötter.
Was gelebt, ist vergangen, zu Erde geworden - der Prozess ist nicht nur eine Fabel. Die Menschheit, im Elend neu geboren, baut auf Trümmern ein neues Babel.
Größer gebaut auf dem Friedhof der Welt, in vom Wind umkreisten Höhen; arglos sind sie, bis das Bauwerk zerfällt, begraben mit hämmerndem Dröhnen.
Machtkampf geht weiter – ein ewiger Krieg; Forschung schuf Selbsttötungsmaschinen. Atomenergie hat die Menschheit als Waffe besiegt und sie dafür als zu unreif beschrieben.
Wie die Lemminge stehn sie und warten darauf, dass zwischen Furcht und triebhaftem Verlangen der Erste über die Klippe geht, um Einsicht im Fall zu empfangen.
In ein Jahrhundert gehn von anno dazumal, das scheinbar schön und einfach war, das Tagwerk härter nur, mit wenig Lohn, ein müßig Ding, die Armut offenbar.
In tristen Hütten, strohbedeckt und klein erhellte Kerzenlicht das dunkle Heim; Geldadel, hoch zu Ross, einsilbig streng, beherrschte das Gesetz im Land allein.
Nach Notdurft stank es in den Städten, den Nachttopf leerte man auf Straßen, statt im Kanal, wie wir ihn heute kennen, roch es auf den urin-getränkten Gassen.
Das arme Volk ersann sich eigene Lieder, die Kinder tanzten fröhlich Ringelreihen; die Bauern hegten lang die reife Saat und fuhren, wenn das Laub fiel, Ernte ein.
So golden war die Welt gefärbter Felder, des Lenzes Blüten längst gereift und hin; der letzte Apfel war gepflückt und selber suchte man Wärme nach der Arbeit am Kamin.
Man schaffte sich an gelbbelaubten Plätzen im Herbst ein kleines Stück Gemütlichkeit; wenn vom Kastanienbaum die Früchte fielen, dann war das Erntedankfest nicht mehr weit.
Mensch sein, dessen Unvollkommenheit Aufgabe und Grund ist, hier auf dieser Erde und als Arbeit an sich selbst zur rechten Zeit groß im Wachstum sein des geistigen „Es werde!“.
Schwer passierbar sind so manche Werdegänge, steil bergauf fällt Atemholen schwer im Vorwärtsschreiten. Wer das Unvorhersehbare fürchtet in der Enge, droht auf großen, spitzen Steinen auszugleiten.
Durchzuatmen unter schweren Alltagslasten, und sie fortzuräumen, um den Blick aufs Glück zu schauen; neue Pfade finden und nach vorsichtigem Tasten diese hoffnungsfroh mit Blümlein zu bebauen.
Wie arm ist ein Mensch, der alles hat an Reichtum und Macht, nur Liebe nicht, weil er nur die Eigenliebe kennt;
wie parteiisch und egozentrisch ist ein Mensch, der gesättigt von seinem Tun, die Lanze bricht über Andersdenkende;
wie blamabel verhält sich ein Mensch, der respektlos und voller Lüge über andere spricht und jeden Satz mit „ICH“ beginnt;
wie eigensüchtig ist ein Mensch, der Meinungen anderer beiseiteschiebt und nur die eigene selbstherrlich lobt?!
Wie peinlich ist es ihm dabei zuzusehen, wenn er ein Rad schlägt wie ein Pfau, der keine Federn hat.
Wie unverständlich ist es, ihn gewähren zu lassen, in seiner Einfalt, um wie ein Mitesser an seiner Macht zu saugen.
Geistig tot ist ein Mensch, der keine Ideale kennt, keine Gerechtigkeit, der niemals hungrig ist nach Erleuchtung und wahrer Erkenntnis.
Er sonnt sich als Macher im goldenen Licht, sieht aber nicht, wie elend und armselig er ist!
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