Teil von Gott

Zaubergarten – Fraktal: Karin M.

Unsterbliches Leben
in der Umlaufbahn des großen Dienstes,
mit den Mitteln,
der Fähigkeit,
den Talenten und der Macht,
die Liebe des Großen Geistes auszudrücken,
durch sterbliche Körper;
erweckt,
mit wahrem Fokus auf das Wesentliche,
zweckerfüllend dem höchsten Ziel entgegengehend.

Die Kraft des Geistes,
die frei durch uns fließt,
die so schwach erscheint im Reich der Materie,
wirken zu lassen,
denn der Geist ist Herr und die Materie ist Diener.
Der Geist ist König, die Materie Untertan.
Der Geist ist Gott und du bist ein Teil von Gott.

Bittersüßer Trank

The Love Potion – Evelyn de Morgan (1855–1919)
Vorübergehn an altbekannten Orten,
ist wie ein Öffnen von Erinnerungspforten,

denn jeder Schritt auf einst gegangenen Wegen
wird Nostalgie verklärt darüberlegen;

oft lenken Wege uns durch Friedhofstüren,
die ausgetreten in vergessene Winkel führen,

und andere führen uns zu lang verdrängten Dingen,
um dort Vergebung für Vergangenes zu erringen;

darunter sind, auf brachem Feld des Lebens,
längst abgeblüht, die uns im Geiste schweben.

Das Schicksal mag ein Weichensteller sein,
lenkt unseren Zug in richtige Gleise ein,

doch in der Seele fährt Erinnerung mit,
ob gut, ob schlecht – sie zeichnet jeden Schritt.

In lächelndem Gedenken tief versunken,
hab ich den bittersüßen Trank der Zeit getrunken.

Magie des Augenblicks

Frühling – Cornelis Kuijpers (1864-1932)
Von jedem zauberhaften Tag
wird nur Erinnerung bleiben
und sich als goldener Augenblick
in unsere Seelen schreiben.

Wie durch Magie, die ihn umfing
und ihn bezaubernd machte,
ein Sonnenlächeln auf ihm hing,
das uns den Segen brachte.

Auch Regen bringt des Segens Glück,
für durstig, heiße Stunden;
kein Augenblick bringt das zurück,
was wir dem Schicksal stunden.

‚Mein‘ Garten

Foto: privat – Ich, beim Kartoffelsetzen ca. 1957
Zwischen grünen Hecken lag mein Garten -
längst ist er in fremder Hand und fern;
war Bewusstseinsträger und mein Warten
auf das Helle in „des Pudels Kern“.

Angelegt war er in Fleiß und Arbeit,
zwischen Stahlwerk und 12 Stunden Last.
In der Laube: kurzes Glück zu zweit,
seltenes Lachen, Aufbruch nach der Rast.
Foto: privat – Meine Großeltern Helene und Robert Nicolay, 5oer Jahre
Plumpsklo Inhalt auf die Beete tragen -
gelbe Kleckse säumten Weg und Ziel;
übel roch ‚der Dünger‘ vorm Vergraben,
bis er erdbedeckt vom Spaten fiel.

Opa richtete, veredelte und pflanzte
Stangenbohnen und ein Erdbeerfeld;
bis ich unter vielen Bäumen tanzte -
wohl behütet war die Gartenwelt.

Flüchtete hinaus so manche Stunde,
lauschte dort den Vögeln, dem Gesang;
staunte über die Insektenfunde,
die ich hüpfend in der Wiese fand.

Wachsend, das Bewusstsein jedes Lebens -
auf dem Fundament des ewigen Gartens;
Leid gedüngt, in Liebe um das Streben,
groß der Preis, den erntend wir erwarten.

Abgeblüht

Peder Mørk Mønsted (1859-1941)
Wie verschlossene Blüten,
die schlafenliegen und ruhen,
die im Schatten der Bäume,
ihr Erdboden schmückendes Tun
mit Erinnerung säumen.

Frühblüher welken und gehen,
sammeln die irdische Kraft,
für Blühen und Auferstehen
nach der Länge der Nacht.

Gott bereite ihr Werden
im neuen Frühjahr auf Erden,
gib, dass Mensch sie erhalte,
sorgsam ihr Dasein verwalte!

Gedanken an Ostpreußen

Familie Buskies in Jagstellen / Ostpreußen

Im Namen der vielen Menschen, die nach Vertreibung aus Österreich dort Heimat fanden und im letzten Jahrhundert wieder das Land verlassen mussten, habe ich dies Gedicht auch im Andenken an Immanuel Kant im Jahre 2004 verfasst. Obwohl ich nie dort gewesen bin, habe ich mich aufgrund der Erzählungen meiner Oma immer verbunden gefühlt. Geschichten mysteriöser Vorkommnisse einer kinderreichen Bauernfamilie, mit einem Hauch Melancholie behaftet, der immer noch durch meine Tage schwebt.

Ostpreußen

Östlicher Geist lässt mich nicht ruhn,
verwurzelt tief in mir, erfüllt mein Herz,
und als entfernte sich von dort mein Tun,
trieb all’ mein Denken dennoch heimatwärts.

Konnte nicht lassen von den alten Plätzen,
rief doch die Heimat tief in meiner Brust.
Melancholie spricht hier aus diesen Sätzen,
und weckt in mir die alte Sinneslust.

Du fernes Land, vertraut war mir dein Duft,
in großer Weite bis zum Horizont der Blick,
herb war dein Klima, rau die Küstenluft,
gern denke ich an Königsberg zurück.

Wo dunkle Wälder sich in lichten Breiten
erstrecken bis zum Memel Strand,
wo Störche stolz durch weite Sümpfe schreiten,
dort treibt der kalte Wind durchs flache Land.

Du, meines Wirkens Stätte, ach, so fern,
längst wächst das Gras über die alten Mauern,
wird die vergang’ne Zeit in meiner Seele Kern
doch alle Ewigkeiten überdauern.

Die Zeit steht still

von Mascha Kaléko (1907 – 1975)
Die Zeit steht still. Wir sind es, die vergehen.
Und doch, wenn wir im Zug vorüberwehen,
Scheint Haus und Feld und Herden, die da grasen,
Wie ein Phantom an uns vorbeizurasen.
Da winkt uns wer und schwindet wie im Traum,
Mit Haus und Feld, Laternenpfahl und Baum.

So weht wohl auch die Landschaft unsres Lebens
An uns vorbei zu einem andern Stern
Und ist im Nahekommen uns schon fern.
Sie anzuhalten suchen wir vergebens
Und wissen wohl, dies alles ist nur Trug.

Die Landschaft bleibt, indessen unser Zug
Zurücklegt die ihm zugemeßnen Meilen.

Die Zeit steht still, wir sind es, die enteilen.

Mascha Kaléko (1907-1975)

Paradiesäpfel

Afrika Karte 1914 – Europäische Kolonien
Die Strauchelnden, die sterben,
im Lebenskampf verderben,
die in Verzweiflungstaten
den Wohlstandsstaat verraten.

Die vielen Heimatlosen,
die aus den Ländern flossen,
die einst im Krieg verdarben,
die durch Europa starben.

Die Reichen und die Braven,
stets selbst vor vollen Tafeln,
die immer aufrecht gehen,
Gesetze kleinlich sehen.

All jene Tugendhaften,
die über andere lachen,
nie falsche Wege gehen,
die nur sich selbst verstehen;

wohltätig sind die Satten,
die immer alles hatten,
die ‚Glorienkronen‘ tragen
und nie am Boden lagen,

die überlegen reden,
nur eigene Werte pflegen,
selbst unentbehrlich klingen,
verdienstvoll ihr Gelingen,

womit sie glanzvoll prahlen,
ihr Gut-sein untermalen.
Die Kleinlichen und Harten -
wurmiges Obst in Gottes Garten.
Vladimir Kush

Der Mai

von Erich Kästner
Im Garten – Peder Monk Monsted (1859-1941)
Im Galarock des heiteren Verschwenders,
ein Blumenzepter in der schmalen Hand,
fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders,
aus seiner Kutsche grüßend, über Land.

Es überblüht sich, er braucht nur zu winken.
Er winkt! Und rollt durch einen Farbenhain.
Blaumeisen flattern ihm voraus und Finken.
Und Pfauenaugen flügeln hinterdrein.

Die Apfelbäume hinterm Zaun erröten.
Die Birken machen einen grünen Knicks.
Die Drosseln spielen, auf ganz kleinen Flöten,
das Scherzo aus der Symphonie des Glücks.

Die Kutsche rollt durch atmende Pastelle.
Wir ziehn den Hut. Die Kutsche rollt vorbei.
Die Zeit versinkt in einer Fliederwelle.
O, gäb es doch ein Jahr aus lauter Mai!

Melancholie und Freude sind wohl Schwestern.
Und aus den Zweigen fällt verblühter Schnee.
Mit jedem Pulsschlag wird aus Heute Gestern.
Auch Glück kann weh tun. Auch der Mai tut weh.

Er nickt uns zu und ruft: „Ich komm ja wieder!“
Aus Himmelblau wird langsam Abendgold.
Er grüßt die Hügel, und er winkt dem Flieder.
Er lächelt. Lächelt. Und die Kutsche rollt.
Erich Kästner (1899-1974)

Wetter

Gewitter am Niederrhein – Ulla Genzel *1960
Die Silberwölkchen, die vorüberschwebten,
die längst in eine ferne Himmelheimat zogen,
die munter treibend unseren Tag belebten,
sind unergründlich in die Dunkelheit geflogen.

Der Himmel hat sich umgefärbt in dunkel,
mit Wolken, die dranhängen, regenschwer;
durch erst erwärmte Lüfte trieb ein Funkeln
von fernen Blitzen, tief im Wolkenmeer.

Das helle Lied der Vögel ist verklungen,
es liegt Gewitterluft auf ihren Kehlen;
mit schwerem Atem hat die Stadt gerungen,
denn unberechenbar wird er sie quälen.

Die Menschenaugen, die verblendet schauen,
sehn nur die dunklen Wolken vor dem Licht,
sehn, wie sich Unwetter zusammenbrauen,
doch die Erkenntnis daraus sehn sie nicht.

So nutzlos scheinend, wie dem Meer der Regen,
das doch längst alles Wasser in sich hat,
erscheinen der Naturgesetze Fluch und Segen,
die richten werden blinde Menschentat.