Kommt der Schöpfer allem Sein entgegen, schenkt er diesem Sonnentag den Segen, öffnen sich die Blühten nach dem Licht, das sich an des Lebens Schatten bricht.
Mit dem Dichten schwebender Gedanken, tasten Worte sich, wie grüne Ranken, sind Verdichtung hier, wie ein Gebet, das in Dankbarkeit zum Himmel schwebt,
Möchte mit viel Tiefe weitergeben, Worte, die geschenkt sind meinem Leben.
Johann Wolfgang von Goethe zum Geburtstag am 28. August 1749
Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832
Geh’ durch die Stadt, die ich so liebte, suchend mein Blick nach all’ den Plätzen der fernen Zeit, die gnadenlos einst siebte, die guten von den wenig guten Sätzen,
die ich einmal zu schreiben wagte. So viele Bücher, die ich füllte – und oft, erst als der Morgen tagte, sich meine Dichtersehnsucht stillte.
Die Zeilen rannen aufs Papier, mal zäh, mal flossen sie in Strömen. Oft landete mein Denken schier auch neben den erlaubten Tönen.
War ich gesellschaftlich gebunden, so war doch frei mein Dichterband, das sich so manches Mal verschlungen um wohl verbot’ne Wege wand.
Ich blieb geachtet, viel zitiert, war Mittelpunkt des Zeitgeschehens, ich kritisierte unbeirrt, hab’ Fehler spät erst eingesehen.
War ich doch Zünglein an der Waage für manche Zukunft federführend, verhielt mich oft nach Stimmungslage, zu dominant und ungebührend.
Der Liebe Bänder, die ich knüpfte, hab’ ich genauso schnell zerschnitten, wenn rasch mein Herz vor Freuden hüpfte, ist’s schon ins Einerlei entglitten.
Ich war autark, zu Neuem offen, mit ungestillter Gier aufs Leben. So wie mein Wirken, groß mein Hoffen, ich könnt’ ein wenig Hilfe geben,
an alle, die sie brauchend nehmen. Ich bleibe unsichtbar den Blicken, zu lindern euer irdisch’ Grämen bin ich gewillt in großen Stücken.
Wenn meine Worte euch erreichen, und eure Seelen mich erkennen, wird Kummer schnell der Freude weichen und Hoffnung in den Herzen brennen.
Denn dieses Leben ist nur eines von vielen, die uns Gott beschert; im Hintergrund hat ein geheimes so manches Stück euch schon gelehrt.
D’rum öffnet euch dem Unsichtbaren, erkennt die kosmischen Gesetze, denn alte Leben, die einst waren, erhalten ihre neuen Plätze.
Lebensacker – ihn zu pflügen, ihm zu schenken, neues Blühen, neue Mühen einzubinden und mit jeder Sicht ergründen, dass die neue Saat gediehen; und die Kraft, vom Geist geliehen, nach dem Mühen und Vollbringen, in der Ernte wiederfinden.
Das, was wuchs, fehl und verdorben, Unkraut lastig abgestorben; alle Mühen, alles Ringen, war umsonst, nur ein Misslingen, wo in dürren, müden Schollen, Saaten nicht gedeihen wollen. Pflüge um den Acker, pflüge, der bedeckt mit Fehl und Lüge!
Leben scheint wieder schneller geworden, Vollmond hat unruhige Nächte gebracht, Träume mit fremden Menschenhorden, redende Münder, die sprachlos gemacht.
Am hohen Himmel 3D Hologramme - ich steh auf der Straße, folg ihrer Sicht: Raumschiffe, kriegerische Belange, Künftiges in bedrohlichem Licht.
Still und mahnend ziehen sie dort, wie Wolken, doch bildhaft, in Zukunft gehüllt. Ein übles Traumbild – ich denk mich fort: Wieder ein Ort, mit erschreckendem Bild!
Hochschwanger bin ich, soll gleich entbinden, bekomme Ärzte zur Seite gestellt; allesamt mühen sich. Nicht zu ergründen, ob ich dann Neues bringe zur Welt.
Werd‘ wieder tief in Schlaf versinken, wenn neue Träume, wie Tropfen regnen, will die bittren und süßen trinken, als Geistesblitze genießen und segnen.
Spätsommer – Hans Andersen Brendekilde (1857-1942)
Der Sommer schreitet still, mit langen Schatten, sein goldener Glanz, verregnet und verhangen; wo ihn die letzte Hitze kühlte, hat Herbst angefangen, und Blattwerk liegt auf Straßen und Rabatten, die eingegrenzt in Parks von Wegen trennen, bepflanzt in bunte Sommerblumenfarben, doch nun erblasst und müde in der Wärme starben und die Vergänglichkeit beim Namen nennen.
Wäre nicht der Hass der Menschen und das Unglück ihres Handelns, gäb es nicht so viele Wege, die das Leben düster wandeln.
Wär der Mensch nur glatt gestrickt, der nichts Krauses hätt‘ im Sinn, herrschte hier nur bloßes Glück, ohne geistigen Gewinn.
Beides leben, Glanz und Schatten, unbedingt zu lieben lernen; um nach tödlichem Ermatten aufzusteigen zu den Sternen.
Einst aus Sternenstaub gegeben, reisen wir zurück ins Schweigen, wäre nicht der Drang nach Leben, würden wir im Nichts verbleiben.
Doch wir treiben durch die Zeiten, hoffnungsfreudig immer weiter, steigen über fernste Weiten, furchtlos, höher auf der Leiter.
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